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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
30.04.2015 4.575
 
Und da wären wir auch schon: die finale Endschlacht, oder wie ich sie gerne in meinen Notizen nenne BFF (Big Final Fight). Ich bin ganz begeistert über die Reviews vom letzten Mal und habe ein paar interessante Anregungen bekommen, nicht nur was den Titel betrifft. Ich entschuldige mich jetzt schon einmal für das Ende des Kapitels, ich weiß ich bin ein gemeiner Mensch…

Während ich mein Schild hervorhole für die Steinigung gegen mich, genießt das Blutvergießen und wie immer mit lieben Grüßen
Ajnif


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Die letzten Tage vor der Schlacht waren hektisch gewesen. Nur wenige Stunden nach Faramirs Nachricht, hatte Sauron mich zu sich berufen. Er hatte mir von dem großen Heer berichtet, welches Aragorn aufgestellt hatte, um den lächerlichen Versuch zu starten, ihn zu stürzen. Das war der Startschuss für die anfallenden Arbeiten gewesen. Truppen wurden zurück nach Mordor gerufen und aufgestellt, die Schmieden liefen auf Hochtouren und das Training von menschlichen Soldaten, als auch von Orks verdoppelte sich.
Auch mein Heer hatte ich härter trainieren lassen und heute war es endlich soweit. Bei Morgengrauen würde das Heer der freien Völker vor Mordors Toren stehen. Sie würden auf das verschlossene Morannon blicken und ihre Hoffnung würde darauf beruhen, dass ich sie nicht verriet. Mir war schlecht. Noch immer hatte ich mich nicht entschieden, liebte ich Faramir oder Mairon? Vielleicht auch gar keinen? Wen sollte ich verraten? Ich konnte nicht einmal nichts tun, denn dann würde ich Aragorn verraten, wenn ich etwas täte, Mairon. Immer wieder ging ich Saurons Gräueltaten durch und dachte an den Schrecken, den er verbreitete. Doch ich dachte auch an das Gute, mit dem er mir begegnet war. Dazu gehörte auch der Abend vor der Schlacht.

Sauron hatte mich zu sich gerufen, wie damals, als wir im Süden gekämpft hatten. Mit klopfendem Herzen hatte ich ihn in seinen Gemächern aufgesucht. Wusste er um meinen Verrat?
„Tinúviel“, hatte er mich begrüßt. „Du weißt, was morgen für ein Tag ist?“
„Der Tag der Schlacht“, sagte ich beklommen.
Sauron nickte. „Ich habe etwas für dich.“ Er nahm mich am Arm und zog mich zu einem verdeckten Gegenstand in der Mitte des Raumes. Ich hatte noch einmal das Gefühl eines Déjà-vus. Mairon forderte mich auf, das Tuch wegzuziehen und ich gehorchte.
Vor mir stand eine kopflose Puppe meiner Größe und Statur, sie trug eine Rüstung. Die Rüstung bestand aus schwarzen Platten, die jedoch leicht bläulich glänzten. Sie passte zu meinem Schwert, denn auch die Rüstung hatte Gravuren, die wie Wellen aussahen und in Eis übergingen. Trotz der Weichheit der Muster, sah die Rüstung gefährlich aus, sie war etwas, was eine edle Kriegerin tragen würde, wenn sie in ihre letzte Schlacht ziehen würde. Zumindest der letzte Teil stimmte. Mit geöffnetem Mund starrte ich das Prachtstück an, es war ein Meisterwerk und es war wahrscheinlich, dass es vom selben Schmied hergestellt wurde, wie mein Schwert.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, also schwieg ich, doch Sauron übernahm das Reden. „Ich habe sie mit verschiedenen Schutzzaubern versehen. Sie ist feuerfest und stoßfest, auch ist es keinem Angreifer möglich, eine Waffe in die Zwischenräume der Gelenke zu stoßen.“
Noch immer wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Er hatte für meinen optimalen Schutz gesorgt, diese Rüstung für mich anfertigen lassen und sie dazu noch eigenständig verzaubert.
„Ich… Warum hast du das getan?“, fragte ich ihn tonlos.
„Weil dir keiner wehtun soll“, erklärte er und strich mir vorsichtig über die Wange. Wie sollte ich ihn jetzt nur verraten? Wie sollte ich ihn verraten, wo er mir doch beinahe seine Liebe gestanden hatte?


Mitten in der Nacht, ich hatte kein Auge zugetan, halfen mir meine Zofen, die Rüstung anzulegen. Sie passte perfekt und es fühlte sich an, als hätte ich nur einen dickeren Pullover übergestreift. Ich steckte den Dolch, den ich in Minas Tirith erstanden hatte in eine Halterung an meinen Oberschenkel. Um die Hüften schlang ich mir meinen Schwertgurt. Zu guter letzt, band ich meine langen Haare in einen lockeren Zopf, damit sie mich nicht behinderten und ich dennoch den Helm tragen konnte, der zu der Rüstung gehörte.
Gerüstet, wie ich war und mit einem letzten tiefen Atemzug, schritt ich hinunter zum Platz vor den Stufen Barad-Dûrs. Es war nicht unwahrscheinlich, dass ich den dunklen Turm niemals wieder sehen würde. Aus diesem Grund hatte ich die drei Bücher mitgenommen, die Bücher deren Inhalt sich als wahr erwiesen hatte.
Auf dem Platz warteten schon sämtliche Ratsmitglieder, nicht wenigen von ihnen wünschte ich den Tod. Ich hielt Ausschau nach Faramir konnte ihn aber nirgends entdecken. Es dauerte einen Moment, bis mir einfiel, dass er vermutlich Déorgar und seinen Soldaten den Plan mitteilte. Ich schluckte schwer, zumindest diesen Teil des Plans konnte ich nicht mehr ändern.
Der Stallmeister führte Lóme vor und ich staunte erneut. Sie trug prächtiges Zaumzeug und Rüstung mit dem gleichen Wellenmuster, wie ich. Gischt spritze auf dem dunklen Metall auf und formte sich zu Pferden aus Wellen, die über die Platten der Rüstung galoppierten. Sie trug keine Decke, doch die Satteldecke war in einem wunderschönen Mitternachtsblau, passend zu dem Stein an meinem Schwertknauf. Mairon musste sich wahrlich Mühe gegeben haben, dies alles herzustellen. Ich schwang mich auf meine Stute und hoffte, es würde nicht zum letzten Mal geschehen. Ich würde es mir nicht verzeihen, würde sie sterben.
Die Portalflügel öffneten sich und Sauron trat aus ihnen hervor. Er war in voller Rüstung und ich erschrak, wie ähnlich seine Rüstung der meinen war. Beide bestanden aus schwarzem Metall und hatten die ungefähr gleiche Form, doch wo bei mir Wellen sich auftürmten, züngelten bei ihm stechende Flammen hervor. Sein Helm war zackig und sah gefährlich aus, meiner war eher rund und weicher. Gegen seine Rüstung sah ich geradezu harmlos aus.
Hocherhobenen Hauptes schritt Sauron auf mich zu, er beachtete die Anwesenden nicht. Sondern schwang sich direkt auf sein Pferd, ein prächtiger, schwarzer Hengst, der schnaubte und dem das Feuer in den Augen glomm. Der Anblick Saurons machte mir Angst, das Heer der freien Völker hatte keine Chance. Doch der Anblick Mairons gab mir Zuversicht, ich wusste ich würde nicht verlieren, er würde mich schützen. Wie sehr wünschte ich in diesem Moment, meine Gefühle kontrollieren zu können. Hätte ich doch nur mehr Zeit mit dem Palantír gehabt!

In einem langen Zug ritten wir zum Morannon, wo uns in der Ebene von Udûn das restliche Heer erwartete. In Reih und Glied standen sie vor dem verschlossenen Tor und warteten auf ihre Befehle. Ich blickte zu meinem Heer, welches sich hinter den Orks befand, sogar noch hinter den Haradrim. Ich war erleichtert, dass dieser Teil des Plans aufgegangen war. Wie hätten sie Saurons Heer in den Rücken fallen sollen, wenn sie in vorderster Reihe kämpften? Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass der Zeitpunkt der Entscheidung immer näher rückte.
Mairon und ich ritten an die Spitze des Heeres. Ich hielt zu seiner Rechten und sah ihn an. Sauron inspizierte sein Heer, er sah zufrieden aus, soweit der Helm seine Mimik freigab.
„Orks und Menschen von Mordor“, rief er. „Heute ist ein großer Tag. Ein letztes Mal werdet ihr gegen das so genannte Heer der freien Völker kämpfen, welches unter der Führung des schwächlichen Erben Isildurs steht. Ich erwarte einen raschen Sieg und eisernen Kampfeswillen. Deserteure und Fahnenflüchtige werden auf das Härteste bestraft werden. Seid gewarnt und macht euch nun zum Kampf bereit!“ Mit seinen letzten Worten zog Sauron sein eigenes schwarzes Schwert, welches in der aufgehenden Sonne wie flüssige Lava glühte. Mit der anderen Hand ergriff er meine und hielt sie fest. Ich betrachtete die Flammenmuster auf seinem Arm, die sich zu den Fingern hin in Lava auflösten. Perfekt vereinigten sie sich mit den Wellen auf meinem Handschuh, die auf meinem Arm zu Eiskristallen wurden. Seine linke Hand lag in meiner Rechten und wir bildeten eine Einheit. Mairon und ich, das perfekte Herrscherpaar. Wie sollte ich ihn verraten, wenn er doch meine zweite Hälfte war? Wenn ich zu ihm gehörte und er zu mir? Wir hatten uns kurz loslassen müssen, um die Pferde zu wenden. Der Verlust seiner Hand schmerzte mich, auch wenn es nur kurz war.
Mairon gab den Befehl, die Tore zu öffnen. Meine letzte Chance, ich öffnete die Lippen, um Mairon zu warnen, dass ich ihn verraten hatte. Er würde mir schließlich nichts tun, ich gehörte doch zu ihm! Doch es sollte nicht dazu kommen.
Eine dürre Gestalt sprang von einem nahen Felsen. „Herrin! Herrin! Nicht, tut es nicht! Sméagol darf Euch nicht verlieren! Sméagol braucht seine Herrin!“, rief die Gestalt.
Überrascht wandte ich den Kopf in Sméagols Richtung, er war uns offenbar gefolgt und war vor die Hufe von Mairons Pferd gesprungen. Ich wollte Mairon warnen, doch es war zu spät, der Rappe hielt nicht, er ging einfach weiter und an einem dumpfen Klonk hörte ich, wie seine Hufe Sméagol trafen. Sméagol gab ein Stöhnen von sich und regte sich dann nicht mehr. Entsetzt ließ ich Lóme anhalten.
„Halt! Er ist verletzt“, rief ich Mairon zu. Doch Mairon reagierte nicht, er packte meine Hand und Lóme war gezwungen wieder in einen flotten Schritt zu fallen. Entsetzt sah ich über meine Schulter, das Heer bewegte sich auf den regungslosen Sméagol zu und schon bald war er unter den marschierenden Schritten verschwunden.
„Du tötest ihn, wenn wir nicht anhalten!“, schrie ich Mairon an.
Mairon wandte seinen Kopf zu mir und ich konnte seine feurigen Augen unter dem Helm lodern sehen. „Er hat sein Schicksal selbst gewählt, als er damals den Ring aufhob“, sagte er kalt.
Ich spürte, wie sich die Tore in meinem Innern öffneten. All die angestaute Wut, die sich seit über einem Jahr aufgebaut hatte, stieg in mir hoch. Wie eine riesige Welle schlug sie über meinem Geist zusammen, schickte glühende Lava durch meine Adern.
Die Tore hatten sich geöffnet und ich sah das Heer der freien Völker, es war durchaus beeindruckend. Menschen aus allen westlichen Ländern, Elben und sogar ein paar Zwerge konnte ich erkenne. Doch das Heer ging neben dem Saurons unter, es war seinem um das zehnfache unterlegen und ein Sieg aussichtslos.
Und dennoch war ich entschlossen zu siegen. All meine Wut richtete sich gegen Sauron. Voller Hass starrte ich ihn an, er erwiderte meinen Blick mit feurigen Augen.
„Lassen wir es beginnen!“, flüsterte er mir mit voller Vorfreude zu, was die reinste Abscheu in mir auslöste. Wie hatte ich nur glauben können, dass er doch gut war? Ich ekelte mich bei diesem Gedanken vor mir selber.

Sauron ließ seinen Rappen steigen und hob sein Schwert, ich hörte ein Kreischen und sah, wie die Nazgûl auf ihren Flugtieren heran flogen. Sie kreisten über die beiden Heere, griffen jedoch nicht an. Einen Moment war alles still, dann kam ein Brüllen von dem Heer Aragorns und die beiden Heere stürmten aufeinander zu. Auch ich hatte mein Schwert gezogen, noch durfte ich meine Tarnung nicht aufgeben.
Die Fronten prallten aufeinander, Schreie waren zu hören, doch ich achtete nicht darauf. Kaum hatte ich die ersten Kämpfer erreicht, wandte ich Lóme um und richtete mein Schwert gegen die heranstürmenden Orks. Keiner der westlichen Kämpfer war verwundert, die Orks umso mehr. Ich hatte freies Feld, keiner der beiden Seiten griff mich an, so konnte ich hunderte von Orks abschlachten. Ihr dunkles Blut bespritze mich, Köpfe flogen durch die Luft. Körper fielen zu Boden, wurden unter den schweren Hufen der Pferde zermalmt. Sauron war weit entfernt, er sah nicht, dass ich mich gegen ihn gewendet hatte. In der Ferne sah ich, wie Déorgar und seine Männer den Orks in den Rücken gefallen waren. Noch stand die Überraschung auf unserer Seite, wir mussten den Vorteil ausnutzen, die Überzahl so weit wie möglich dezimieren.
Zu meinem Bedauern verstanden dir Orks schneller, als erwartet, was vor sich ging. Sie fingen an, mich anzugreifen, doch ich konnte mich ihnen erwehren. Ich wusste nicht, wie lange wir schon kämpften, der Boden war weich vom Blut der Gefallenen und dennoch nahm die Kraft der Schlacht nicht ab. Ich wusste nicht, wie viele Orks ich getötet hatte, wie viele Menschen meinem Schwert zum Opfer gefallen waren. Ich wusste, dass ich wie eine Furie wirkte, dass mich niemand aufhalten konnte, uns unserem Ziel näher zu bringen, wie der Zorn mich anstachelte und mir eine unmäßige Kraft verlieh.
Inzwischen stand die Sonne hoch am Himmel und viele um mich herum verloren die Kraft, das Blatt wendete sich immer mehr zugunsten Mordors. Neben dem Zorn trieb mich nun auch die Verzweiflung an. Neben den Orks vernichtete auch die Nazgûl das Heer der freien Völker. Ich sah, welchen Schaden sie anrichteten und ich wusste, ich musste etwas gegen sie tun. Die wenigen Adler, die noch existierten, hatten keine Chance gegen alle neun. Zorn und Verzweiflung trieben mich zu einer vermutlich tödlichen Tat. Ich hatte es geschafft, Khamûl unter meinen Befehl zu bringen, warum nicht auch die anderen? Doch ich konnte es nicht mit allen gleichzeitig aufnehmen. Ich musste nur ihn besiegen, nur den einen: den Hexenkönig von Angmar, den ersten der Nazgûl.
Um mich herum war ein Feld aus toten Orks, ich konzentrierte mich und glitt in die andere Ebene herüber. Sofort wurde der Schlachtlärm gedämpft und die Welt verschwamm. Ich durfte nicht zu lange hier verweilen, nun war ich eine leichte Beute, auch durfte Sauron mich nicht bemerken.
Ich sammelte meine Kräfte und sandte meine Befehle zu den Nazgûl. „Haltet inne! Ich befehle euch, lasst von den Menschen ab und wendet euch gegen die Orks! Folgt meinen Befehlen!“ ich spürte, wie sich alle Ringgeister zu mir umwandten, ich hatte es getan und glitt wieder in diese Welt. Die Umrisse wurden klarer und die Geräusche drangen wieder ungedämpft an meine Ohren.
Gerade rechtzeitig bemerkte ich, wie eine kleine Gruppe Orks auf mich zustürzte. Ich hob mein Schwert und ließ Lóme steigen. Ihre beschlagenen Hufe trafen einen der Orks und streckten ihn nieder, blieben noch sechs. Ich ließ mein Schwert kreisen, zwei weitere Orks fielen zu Boden, der eine starb sofort, der andere zuckte noch, ehe ihn Lómes Hinterhufe den Schädel zertraten. Die restlichen vier Orks waren nicht so leicht zu erledigen. Einem von ihnen gelang es, einen Treffer zu landen, doch Saurons Rüstung schützte mich. Zumindest etwas Gutes von ihm. Schließlich war nur noch der größte der Orks über, doch es war kein Ork, es war ein Uruk-hai. Er war groß und bullig, er hatte kaum Wunden und war sehr kräftig. In der einen Hand hielt er eine große Keule in der anderen schwang er einen Morgenstern. Von dem Rücken meines Pferdes aus, war ich etwa so groß wie er.
Wütend schlug er auf mich ein, ich parierte mit meinem Schwert. So ging es eine Weile, keiner konnte einen Treffer landen. Ein Ork kam von der anderen Seite auf mich zugestürmt, ich erschlug ihn und gab einen winzigen Moment meine Deckung auf. Der Uruk-hai nutzte dies sofort auf, der mit Widerhaken besetzte Morgenstern traf mich in die Rippen. Trotz meiner Rüstung verspürte ich den heftigen Schlag, ich konnte mich nicht mehr halten und wurde aus dem Sattel geschleudert. Hart landete ich auf den Boden, ich hatte meinen Helm verloren, der Zopf hatte sich gelöst. Bemüht darum, dass mein langes Haar mir die Sicht nicht behinderte, erhob ich mich. Ich war nicht verletzt, doch der Uruk-hai ragte nun gefährlich hoch über mir auf. Ich hatte nur eine Chance und musste auf meine Schnelligkeit setzten. Der Morgenstern sauste durch die Luft, ich konnte ausweichen.
So ging es eine Weile, ich tanzte einen merkwürdigen Tanz. Niemand kam in unsere Nähe, zu groß war die Angst, von dem Morgenstern getroffen zu werden. Langsam wurde ich müde, meine Beine schwer, doch ich durfte nicht langsamer werden. Ich kämpfte um jedes bisschen Energie, doch ich spürte wie es vorbei war, ich wurde langsam und der Morgenstern verfehlte mich nur noch um Millimeter. Ich fasste einen verzweifelten Entschluss, als der Morgenstern erneut auf den Boden sauste, sah ich die schwere Kugel an und schoss Energie auf sie ab. Die Kugel ging noch tiefer in den Boden, der Uruk-hai bekam sie nicht mehr heraus. Mit einem raschen Hieb durchtrennte ich die schwere Kette des Morgensterns mit meinem Schwert. Der Uruk-hai war nur einen Moment verdutzt, doch er erholte sich schnell und rannte mit erhobener Keule auf mich zu. Sich der Keule zu erwehren war einfacher, als dem Morgenstern, doch ich war geschwächt von meinem Kampf. Ich brauchte dringend Energie! Ich hatte keine Wahl.
Voller Abscheu wandte ich einen Zauber an, den ich nie hatte anwenden wollen. Ich spürte wie meine Lebensgeister aufs Neue erwachten und wie Körper um mich herum zu Boden sanken. Freund und Feind saugte ich die Lebenskraft aus, auch dem Uruk-hai. Ich konnte nicht beeinflussen, wessen Lebenskraft ich erhielt, sonst hätte ich sie nur ihm genommen. Endlich fühlte ich mich wieder stark und voller Energie. Ich erhob mein Schwert und griff mit neuem Eifer an. Der Uruk-hai war nun der Erschöpfte, mit wenigen Hieben schlug ich ihm seine Keule aus der Hand. Ich hob mein Schwert zu einem letzten Streich und der Kopf des Uruk-hais fiel zu Boden.
Ich hatte jedoch keine Zeit für ein Triumphgefühl, noch in der Bewegung, wurde mein Schwert gestoppt. Ich sah auf in das schwarze, nicht vorhandene Gesicht des Fürsten der Nazgûl. Er stand mir gegenüber und gönnte mir keine Verschnaufpause. Ich wusste ich musste ihn besiegen, es hang davon so viel mehr als mein Leben ab. Auch die anderen Nazgûl hatten sich um uns versammelt, sie saßen noch auf ihren Flugtieren, die in der Luft kreisten. Ich nahm kurz Verbindung zu Khamûl auf, keine Antwort.
Mit einem Ruck löste ich mein Schwert von seinem Pechschwarzen. Es würde verdammt schwer werden, ihn zu schlagen, doch es musste sein. Ich brachte meine Füße in die Grundhaltung, die Faramir mir beigebracht hatte. Faramir, wo war er? Nein! Keine Gedanken an Faramir, keine Gedanken an irgendwen, ich musste mich auf diesen Kampf konzentrieren!
Einen winzigen Moment sahen der Fürst und ich uns abschätzend an, dann traf sein erster Schlag mein Schwert. Ich parierte, noch war ich dank des Zaubers voller Kraft. Es war abscheuliche Magie, doch momentan war ich mehr als froh, sie angewandt zu haben.
Nun war es an mir zu zuschlagen. Lässig wehrte er den Hieb ab, dann drosch er sofort auf mich ein. Doch dreschen war das falsche Wort, es war nicht mit dem grobschlächtigem Gehaue des Uruk-hais zu vergleichen. Es war eine gefährliche, präzise und doch elegante Choreographie, die der Nazgûl vollführte. Mit einiger Mühe und bei weitem nicht so elegant, parierte ich Schlag um Schlag. Wir kämpften noch nicht sehr lange, doch meine Arme wurden immer schwerer, ich fing an zu stolpern. Mit jeder Bewegung wurden meine Schläge unpräziser, ich verteidigte mehr, als dass ich angriff.
Noch bevor es passierte, bemerkte ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Ich hatte mein Schwert aus dem Handgelenk gelenkt, nicht aus dem Arm. Der Oberste der schwarzen Reiter, brauchte seine eigene Klinge nur ein wenig zu drehen, schon flog mein Schwert zu Boden. Ich überlegte, den Nazgûl mit meinem Dolch anzugreifen, doch ich war zu müde, außerdem würde ich niemals nahe genug an ihn heran kommen. Der Nazgûl drehte sein Schwert und rammte mir den Knauf gegen die Brust, natürlich erlitt ich keine Verletzungen, doch die Wucht seines Schlags, zwang mich zu Boden. Den Kopf gesenkt, das rote Haar wie ein Vorhang vor meinem Gesicht, hockte ich auf dem Blutdurchtränktem Boden. Ohne es zu sehen, wusste ich, dass der Nazgûl über mir aufragte. Was sollte ich tun? Es war entscheidend, alles oder nichts. Für einen Rückzieher war es zu spät, der Nazgûl konnte mich nicht töten, noch hatte Sauron seinen Befehl nicht aufgehoben, aber sie konnten mich verraten und mich zu ihm bringen. Sauron schien von meinem Verrat noch nichts zu wissen, er war zu sehr in die Schlacht vertieft, aber sobald er es von ihnen erfahren würde, würde er mich bestrafen, so hart bestrafen, dass ich mir den Tod wünschen würde. Er war grausam und schrecklich, nichts würde ihn davon abhalten, egal, welche Gefühle er meinte zu haben.
Ich konzentrierte mich ein letztes Mal, ich sandte alle meine Gedanken zu meiner linken Hand, sammelte jegliche Wut, die ich besaß und führte sie zusammen. Auch die Reserven des Ringes brauchte ich, ich raubte Lebenskraft um mich herum, wenn auch nur wenig. Dann bündelte ich die Kraft, mein ganzer Körper prickelte, als wäre er elektrisch aufgeladen. Ich spürte, wie der Fürst der Ringträger sich mir näherte, ich spürte mehr, als dass ich ihn hörte: „Ich wusste von Anfang an, dass du eine Verräterin bist, kleines Mädchen. Schon seit ich dich das erste Mal in der Ruine sah, wollte ich deinen Tod. Doch er hat nicht auf mich gehört! Es wird mir eine Freude sein, dich zu meinem Meister zu bringen.“
Mit einer ungekannten Wucht ließ ich die gesammelte Kraft los, ich schaffte sie geradeso zu lenken und richtete alles auf mein Gegenüber. Er schrie, der Fürst der Nazgûl schrie jämmerlich und auch die anderen fielen in seinen Schrei mit ein. Es war ein schrecklicher Schrei, das unnatürlichste, was ich je vernommen hatte. Alle in der Nähe hielten inne und sahen zu, wie sich sowohl Flugtiere, als auch Reiter in der Luft wanden. Sie versuchten zu fliehen, doch keiner konnte mir entkommen, denn ich hatte ihren Fürsten. Solange ihr Fürst bei mir war, würden sie meine Magie spüren. Ich sah hoch zu der verhüllten Gestalt, die sich vor mir wand. Ich erhob mich schwerfällig, ich hatte fast meine gesamte Kraft aufgebraucht.
„Ergib dich und gehorche meinen Befehlen“, verlangte ich.
„Nein“, kreischte der Nazgûl. Er fing an sich zu wehren, er drängte meine Magie aus seinem Kopf, doch er durfte nicht gewinnen. Ich hielt dagegen und so ging es eine Weile. Ein stummer und blinder Kampf um die Macht über den anderen.
Khamûl hatte als einziger nicht geschrieen, denn er hatte sich nicht gegen mich gewehrt. Auch zwei andere Nazgûl waren seinem Beispiel gefolgt und schwebten nun stumm in der Luft, die Energie, die ich von ihnen abziehen konnte, richtete ich auf den Fürsten. Mit jedem Nazgûl, der sich ergab, wurde ich wieder stärker und schließlich gewann ich die Oberhand. Meine Magie schlug wie eine große Welle über den Obersten der Nazgûl zusammen, trieb die Befehle des dunklen Herrschers aus seinem Geist. Sauron verlor seine Macht über sie, sie waren nun mir gehörig.

Als es wieder still war, setzte sich die Schlacht fort. Der Fürst der Nazgûl kniete nun vor mir, verachtend sah ich ihn an. „Töte die Orks!“, befahl ich und er gehorchte, genau wie die anderen schwarzen Reiter.
Am liebsten hätte ich mich vor Erschöpfung auf den Boden gelegt, nur die Gewissheit meines Sieges hielt mich noch aufrecht. Ich musste wachsam sein, sonst würde ich allzu bald wieder angegriffen werden. Die Herrin der Nazgûl getötet von einem einfachen Ork, das wäre doch etwas!
Auf der Suche nach meinem Schwert, stockte mein Atem. Niemand um mich herum hatte innegehalten, während die Nazgûl gekreischt hatten. Sie waren alle bei ihrem fürchterlichen Laut gestorben. Sowohl Menschen, als auch Elben, Orks und Zwerge lagen nebeneinander tot am Boden. Blut rann ihnen aus Nase und Ohren, manchen sogar aus den Augen. Wieder hatte ich getötet, erneut waren Hunderte von Menschen wegen mir gestorben. Ich verbannte diese Gedanken, ich konnte die Stimme jetzt nicht gebrauchen, sie waren nicht wegen mir gestorben, sondern, weil sie für ihre Sache gekämpft hatten. Bei einer Schlacht musste man nun einmal mit dem eigenen Tod rechnen.
Mein Schwert aufhebend und an der Decke eines toten Pferdes abwischend, machte ich mich auf zurück ins Kampfgetümmel. Ich musste die anderen finden, Aragorn, Éomer, Legolas, Glorfindel, Gimli, Faramir, irgendwen. Orks und Uruk-hais erschlagend, rannte ich über das Schlachtfeld. Ich sah nur aus dem Augenwinkel, wie die Nazgûl die Orks stark dezimierten. Warum hatte Sauron mich noch nicht zu sich gerufen? Er musste bemerkt haben, wie er die Kontrolle verloren hatte, zumindest musste er es nun sehen. Allzu viele, die dies bewerkstelligen konnten, standen schließlich nicht zur Wahl.
Ich kämpfte mich weiter durch eine Reihe Orks und erwischte auch ein paar feindliche Haradrim, Gut, sie waren selber Schuld, wenn sie sich mir in den Weg stellten. Nach wenigen Metern sah ich endlich, warum Sauron mich nicht gerufen hatte. Er selber war in einen bitteren Kampf verwickelt, um ihn herum hatte es aufgehört zu kämpfen. Jeder wusste, der Sieger würde sich in diesem einen Kampf entscheiden. Aragorn gegen Sauron. Auch ich hielt inne und beobachtete den Kampf der beiden, sie waren sich ebenbürtig, Sauron hatte die Kraft von Jahrtausenden, doch Aragorn hatte den Willen eines Verzweifelten. Sie tanzten einen wilden Kampf, keiner verletzte den anderen, keiner landete auch nur einen Treffer. Aragorns Klinge blitzte silbern in der Nachmittagssonne, Saurons Schwert schien alles Licht um sich heraus zu saugen. Beide hatten dunkles Haar, welches um ihre unbedeckten Köpfe herumflog, beide waren starke und große Anführer. Der eine kämpfte für das Licht, der andere für die Dunkelheit.
„Was ist mit dir, Erbe Isildurs? Kannst du das Schwert deines Ahnen nicht halten? Bist nicht fähig dazu, die Klinge eines kläglich Gescheiterten zu führen?“, höhnte Sauron.
Aragorn antwortete nicht, er biss die Zähne zusammen. Seine Lippen zwei schmale Striche. Seine Kräfte ließen nach und er hatte nur eine Chance Sauron zu besiegen, er musste seine größte Schwäche ausnutzen. Sauron glaubte, er habe keine Schwäche, er war zu selbstsicher, dass ihn niemand besiegen konnte, nicht einmal seine Rüstung hatte er zum Schutz verzaubert. Wie gerne hätte ich eingegriffen, wie gerne hätte ich Sauron gezeigt, zu was ich fähig war. Der Rest meines Zorns jagte durch meine Adern und ich schien innerlich vor Hass zu verglühen. Ich wusste, sollte diese Wut verrauchen, würde ich zusammenbrechen, zu sehr hatte mich die Schlacht geschwächt.
Noch einmal öffnete Sauron den Mund, um Aragorn zu verhöhnen: „Mit jedem Hieb merke ich, wie sehr du Isildur ähnelst. Auch er ließ seine Männer für sich sterben, für einen aussichtslosen Kampf und versteckte sich hinter seinem Schild. Manche Makel hängen ewig im Blut.“ Er fing an zu lachen, ich hasste ihn für sein Lachen. Auch Aragorn war wütend, mit einer schnellen Bewegung fegte er Saurons Schwert aus dessen Hand. Der dunkle Herrscher sah einen Moment verwirrt aus, dann sackte er zusammen, als Elendils Schwert den Schlitz zwischen Brust- und Bauchplatten durchbohrte.
Die Welt um mich herum, schien zu verstummen. Alles bewegte sich in Zeitlupe, ich nahm nichts mehr war. Meine Wut war verraucht und ich sah nur noch seine Augen. Ich sah nur noch Mairons feurige Augen, die mich ansahen. Ich hörte einen Schrei durch die gespannte Stille dringen. Es war mein Schrei. Ich schrie nach Mairon, nach meinem Mairon. Nach meinem König, den ich verraten hatte. Den ich doch so sehr liebte und der nun für immer von mir genommen wurde. Ich warf mein Schwert zu Boden uns stürzte auf ihn zu. Ich warf mich zu Boden, schlang meine Arme um ihn und Tränen liefen mir über die Wangen.
„Nein! Nein! Es tut mir so Leid… ich habe dich verraten und… nein“, schluchzte ich. Über uns kreisten die Nazgûl, ihre Herrin und ihren ehemaligen Herrn beobachtend. Immer wieder küsste ich Mairon auf die Stirn, ich weinte und Tränen fielen auf sein Gesicht, feuchte Spuren liefen seine feurige Rüstung hinab. Ich spürte, wie sein Atem immer flacher wurde, wie er ins Stocken geriet.
Ich nahm kaum wahr, wie er flüsterte: „Nimm meine Hand.“ Ich hielt in meinem Schluchzen kurz inne, ich sah ihn an. Es war sein letzter Wunsch und ich würde ihm Folge leisten, ich nahm seine rechte in meine linke Hand. Ich verschränkte meine Finger mit den seinen und unsere Ringe berührten sich…
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