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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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41 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.04.2015 3.963
 
Hi,
ich melde mich dann auch mal wieder. Ich bin ein bisschen traurig, dass ich nur eine Review bekommen habe nach dem letzten Kapitel, muss ich ja ehrlich sein. Aber weil ich ein paar neue Favos bekommen habe, gibt’s keinen Cliff. Danke dafür an die neuen Leser!
Ich wünsche diesmal nicht viel Spaß beim Lesen, da es fehl am Platz wäre, wie ihr bald merkt aber dennoch liebe Grüße
Ajnif

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Voller Freude hatte ich die Nachricht entgegen genommen, dass Déorgar alle Gefangenen dazu hatte überreden können meinem Heer beizutreten. Er bildete das Heer nun aus, sorgte dafür, dass alle wieder zu Kräften kommen würden und Muskeln aufbauten, damit sie genug Kraft in einer Schlacht haben würden. Déorgars Vertrauen erfreute mich umso mehr, da er nicht wusste, wie mein Plan aussah. Er hatte eine Ahnung, dass ich Sauron stürzen wollen würde, doch wusste er nicht wie, welche Unterstützung ich hatte und konnte nur ahnen, was auf sie zukommen würde. Er wusste, dass ihr Tod mehr als wahrscheinlich war und doch kämpfte er für mich. Ich hatte etwas gewonnen, was Sauron niemals haben würde, die Untergebenheit meiner Soldaten durch Vertrauen und Treue, nicht durch Angst und Machtgier, weshalb ihm Orks und Südländer folgten.
Ich beobachtete wie Déorgar Befehle erteilte und ihn meine ehemaligen Wachen Umar und Jirab unterstützen. Auch sie hatte ich für die Aufgabe gewinnen können, sie ahnten zwar nicht, dass ich Sauron stürzen wollte, aber auch sie wussten, dass ich etwas vorhatte. Es war merkwürdig durch Barad-Dûr zu laufen, ohne sie an meiner Seite zu haben, aber ich brauchte sie nicht mehr, ich hatte Khamûl. Er war der einzige, der mich vor der Stimme in meinem Kopf schützen konnte, vor allem anderen brauchte ich keinen Schutz mehr.
„Es ist erstaunlich, was du geschaffen hast“, sagte Sauron neben mir. Ich hatte natürlich bemerkt, wie er näher gekommen war, wie immer dank meinem Ring, dennoch überraschte es mich, dass er mich aufsuchte. Ich sah, wie Umar und Jirab auf die Knie gingen, doch keiner der anderen Soldaten knieten bei Saurons Anblick. Der dunkle Herrscher kniff die Augen zusammen, als er das sah.
„Es sind meine Soldaten und ich habe ihnen verboten zu knien, allzu leicht verliert man dabei den Kopf.“
„Wenn ich sie je benötige, werden sie knien müssen. Genau wie du, wenn ich es befehle.“
„Sie werden knien, wenn sie müssen. Doch noch ist es nicht notwendig. Und ich hoffe inständig, dass ich niemals vor dir knien muss.“
Sauron legte seinen Arm um meine Hüfte und zog mich zu ihm heran, er beugte seinen Kopf herunter und flüsterte mir ins Ohr: „Ich werde nicht zulassen, dass meine Königin jemals sich erniedrigen muss.“ Er strich durch mein Haar, welches offen über meinem Rücken hing und drehte mich so, dass ich ihn ansah.
„Wie weit sind deine Fortschritte?“, fragte er in normaler Lautstärke.
Ich verzog für einen winzigen Augenblick meine Miene, doch es war lang genug, dass er es gesehen hatte. „Nicht so weit, wie ich sehe.“
„Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich habe die Technik genauso angewandt, wie sie im Buch stand und dennoch fühle ich, höre die Stimme, spüre alles.“
„Folge mir!“, forderte er mich auf. Ich gab Déorgar einen Wink, dass er fortfahren sollte und folgte dann Sauron zum Turm. Wir betraten den Hauptturm gingen dann Widererwarten die Treppe zur Bibliothek herunter. Wir gingen durch den kleinen Vorraum, den Hauptraum und den Raum mit den Pergamenten. Faramir war nirgends zu sehen. Sauron schloss die Tür zu seiner Privatbibliothek auf und wir traten ein.
Erneut überraschte er mich, indem er nicht zu einem der Bücherregale ging, sondern mich neben sich winkte. Nebeneinander standen wir vor dem verdeckten Palantír, mir war unwohl.
„Du wirst dich gleich auf die Bilder, die dir der Palantír zeigt konzentrieren. Du wirst dabei versuchen nichts zu fühlen, wenn du doch etwas fühlst, wiederholen wir die Prozedur. Wir werden alles so lange wiederholen, bis du nichts mehr spürst, was dir der Stein zeigt. Wende die Technik aus dem Buch an“, erklärte Sauron mir. Schlagartig wurde ich bei seinen Worten nervös, was würde er mir zeigen? Wie würde ich reagieren?
„Sind die Bilder real?“, fragte ich und konnte nur mit Mühe das Zittern in meiner Stimme unterdrücken.
„Manche ja, manche nein“, sagte Sauron, was mich nicht beruhigte. Er zog das Tuch weg und ich sah den schwarzen Stein, er war noch genauso schön wie beim ersten Mal, als ich ihn sah. Es kostete mich keine Überwindung, die Hände um den Stein zu legen. Noch einmal sah ich in Saurons Augen, dann verlor ich mich.

Ich stand auf einem Schlachtfeld, nicht unähnlich dem, auf dem ich angekommen war. Doch es war nicht verlassen, Schlachtgetümmel drang an meine Ohren. Schreie von Männern und auch von Orks. Ich ließ meinen Blick schweifen und sah sie. Es war eine gewaltige Schlacht, zwei mir unbekannte Heere trafen aufeinander. Ich konzentrierte mich und umso mehr ich mich auf die Schlacht konzentrierte, desto näher rückte sie. Ich hatte das Gefühl, durch die Reihen aus sterbenden Männern zu gehen und dennoch passierte mir nichts.
Ich sah den Gefallenen in die starren Gesichter, sah schreckliche Verletzungen und mir wurde schlecht. Der Geruch des Blutes, die schrecklichen Wunden, es war grauenhaft. Es berührte mich, ich empfand Mitleid, doch heftige Gefühlswellen blieben aus. War ich kalt geworden? War ich inzwischen so kalte geworden, dass mich der Anblick der Sterbenden, der Gequälten nicht mehr kümmerte? Es schien so.
Ich empfand ein komisches Gefühl in der Magengegend, dann wurde es kurz dunkel.

Das Schlachtfeld und die Heere waren verschwunden. Ich befand mich an einem Strand. Die Sonne schien und das Meer rauschte. Freude durchströmte mich, wie sehr ich das Meer vermisst hatte. Ich drehte mich im Kreis, atmete die frische salzige Luft ein, unter die sich der Geruch des angeschwemmten Tangs mischte. Hinter mir sah ich die Dünen, weiße sanfte Hügel mit wunderschönen Wellenmustern und grüne Binsen als Hauben. Der Wind wehte um meine Nase und spielte mit meinem Haar. Wie lange war ich nicht mehr so glücklich gewesen. Noch einmal drehte ich mich im Kreis und saugte die Landschaft in mich auf, in der Ferne sah ich eine Gestalt. Sie lächelte und winkte mir zu.
Ich winkte zurück, dann setzte ich mich in Bewegung, auch die Gestalt kam auf mich zu. Ich konnte dunkles kurzes Haar erkenne, die Person war eher klein. Umso näher ich kam, desto sicherer war ich mir, mein Herz fing wie wild an zu klopfen, Tränen rannen mir über die Wangen, als ich endlich meinen Bruder in die Arme schloss. Auch er drückte mich. Wie sehr ich ihn vermisste! Die Nachmittage mit ihm an Strand, unsere kleinen Zankereien und das nervige Gepiepse seiner Spielekonsolen.
Mein Bruder hauchte meinen Namen in den Stoff meines Kleides. Nicht Tinúviel, er sagte meinen richtigen Namen. Ich hatte meinen Kopf auf den seinen gelegt und streichelte ihm über den Rücken. Meine Augen waren geschlossen. Wie sehr wünschte ich mir, dass der Moment niemals enden würde. Doch er endete, er endete, wie alles endete.
Ein Ruck ging durch den Körper meines Bruders und ich spürte etwas Nasses auf meiner Handfläche. Ich öffnete die Augen und sah, dass meine Hand rot war. Entsetzt schob ich den kleinen Körper von mir, mein Bruder sackte auf dem Sand zusammen. Er färbte sich rot. Als ich meinen Bruder vorsichtig auf die Seite legte, sah ich, dass sein T-Shirt kaputt war, es hatte ein Loch, aus dem immer mehr Blut austrat. Ich drehte meinen Bruder wieder auf den Rücken, ich schrie um Hilfe, niemand kam. Verzweifelt hämmerte ich auf den Boden, versuchte die Blutung zu stoppen und schrie noch mehr. Mein Bruder sah mich mit einem traurigen Blick an, dann wurden seine Augen glasig. Ich schrie noch lauter, schluchzte und weinte. Ich schüttelte ihn, sagte, er solle aufwachen und brach schließlich über ihm zusammen. Mein Bruder war tot, er war gestorben und ich hatte es nicht verhindern können, ich wusste nicht einmal, was ihn getötet hatte.
Ein Ziehen in meinem Bauch. Es wurde dunkel.

Ich wischte mir die Tränen von den Wangen, es war nicht real gewesen. Mein Bruder war nicht tot, er war sicher in meiner alten Welt. Vielleicht vermisste er mich, doch es ging ihm gut. Ich konzentrierte mich auf meine Umgebung, ich saß auf einer Wiese. Das Gras war saftiggrün und die Bäume rauschten im Wind. Es war friedlich und still, doch ich ließ mich nicht täuschen, es würde etwas Schreckliches passieren. Und ich hatte Recht, ich sah, wie mir Frodo und Sam entgegenkamen, wie sie erschossen wurden. Ich sah wie Legolas starb, wie Éomer gefoltert wurde und wieder meinen Bruder. Die Bilder hörten nicht auf, niemals würden sie aufhören. Ich wusste nicht mehr, wo ich war. Emotionen schwappten über mich, begruben mich. Ich schrie, ich schrie so laut ich konnte.

Und spürte zwei starke Arme unter mir. Ich war wieder in Saurons Bibliothek und lag in seinen Armen, ich war offenbar zusammen geklappt.
„Das reicht für heute“, sagte er. „Morgen versuchen wir es noch einmal.“ Mir graute vor dem morgigen Tag.


Zusammen mit Frodo und Sam kletterte ich durch ein Gebirge, ich wusste nicht, um welches es sich handelte. Ab und zu konnten wir einen Blick auf Sméagol werfen, der sich ein Stück vor uns befand und uns den Weg wies. Seit Tagen kletterten wir schon durch die Felsen, befanden uns im Zwielicht und dennoch kamen wir unserem Ziel kein Stück näher. Langsam wurde es heller und Sméagol bestand darauf, dass wir uns zurückzogen, et mochte die grässliche Fratze nicht, wie er die Sonne bezeichnete. Wir fanden Unterschlupf in einer Höhle, während die Sonne hinter den Wolken verborgen aufging. Müde legte ich meinen Kopf auf meinen Rucksack und schloss die Augen, auch Sam und Frodo legten sich zum schlafen hin. Mir kam es so vor, als hätte ich nur wenige Stunden geschlafen, als ich aufwachte. Ein Geräusch hatte mich geweckt. Erst dachte ich, ich hätte es mir nur eingebildet, doch dann vernahm ich es erneut, eine Art Gurgeln und Würgen. Ich richtete mich auf und stockte. Entsetzten lähmte mich. Nicht weit von mir lag Sam, sein Schädel war zertrümmert, Blut und Hirn quollen daraus hervor, als ob jemand mit einem Stein auf ihn eingeschlagen hätte. Entsetzt sah ich zu Frodo, doc er war nicht zu sehen, auch von Sméagol fehlte jede Spur, von woher kam das Geräusch? Ich vernahm einen dumpfen Schlag und erneut erstarrte ich. Nun sah ich Frodo, er war aus dem Nichts gekommen und auch unter ihm breitete sich eine Blutlache aus, seine starren Augen blickten mich anklagend an. Im Augenwinkel vernahm ich eine Bewegung, ich sah etwas auf mich zuspringen und wie es meinen Hals packte. Das Geschöpf drückte zu, ich versuchte mich zu befreien, konnte es nicht und sah meinem Angreifer ins Gesicht. Schrumpelige, fahle Haut, hervorstehende Knochen, wenige Haarsträhnen und große fahle Augen mit winzigen Pupillen. Entsetzt sah ich Gollum dabei zu, wie er mich umbrachte. Der Ring baumelte von seinem Hals.

Ich hatte diesmal nicht geschrieen, jedoch war ich auch diesmal zusammen gesackt. Sauron hielt mich und ich sah Sorge in seinen Augen. Doch seine nächsten Worte, straften meinem Eindruck Lügen. „Du wirst besser. Was hast du gesehen?“, fragte er.
Ich schluckte. „Sméagol war wie früher und hat mich umgebracht“, sagte ich.
Sauron nickte, fragte nicht weiter nach. Die ersten Male war ich furchtbar besorgt, dass er die Bilder, die ich sah, auch sehen konnte, doch so war es nicht. Er sah nur meine Reaktionen. Ich glaubte ihm, denn wenn er sehen würde, wie oft der Tod von Menschen, Elben und Hobbits mich traf, würde er fragen stellen. Er würde wissen wollen, woher ich Éomer kannte, woher Merry und Pippin und vor allem Aragorn. Meist sah ich Bilder davon, wie sie getötet oder gefoltert wurden. Die Qual fremder Menschen machte mir inzwischen nichts mehr aus, das hatte der Palantír bemerkt. Nicht einmal die Menschen, die ich getötet hatte, lösten eine starke Gefühlsregung bei mir aus. Ich machte durchaus Fortschritte, bald würde mir niemand mehr etwas anhaben können, niemand mehr meine Gefühle gegen mich verwenden können.

Ich war auf dem Weg in die Bibliothek, nicht in die Bibliothek von Barad-Dûr, ich wusste nicht, wo diese Bibliothek sich befand. Ich erkannte keinen der Gänge wieder und doch wusste ich, wohin ich musste. Ich betrat einen großen Raum voller Bücher, es war nicht messbar mit Minas Tirith und auch nicht mit Barad-Dûr, doch es war wunderschön. In diesem Raum verspürte ich ein Gefühl der Heimat und der Sicherheit.
Ich bog um ein Bücherregal und ein Herz machte einen Hüpfer, Faramir stand über einen der Tische gebeugt und war in ein Buch vertieft. Mit federleichten Schritten ging ich auf ihn zu und schlang meine Arme von hinten um ihn. Er zuckte nicht einmal, sondern sagte nur: „Ich bin gleich fertig, noch einen Absatz.“ Ich legte meinen Kopf auf seinen Rücken und wartete ein paar Sekunden, dann drehte sich Faramir um. Auch er schlang seine Arme um mich und sah mich liebevoll an. „Das werde ich nie satt werden“, sagte er und küsste mich zärtlich auf die Stirn. Dann strich er über meinen Kopf und durch mein Haar. Ich umarmte ihn noch fester, als könnte er mir entgleiten.
„Wer hätte gedacht, dass es einmal so enden würde“, seufzte ich. Dann sah ich in Faramirs blaue Augen, er beugte sich zu mir herunter und küsste mich zärtlich. Ich erwiderte den Kuss. Er fühlte sich vertraut an, so vertraut, als wären wir schon immer verbunden gewesen. Ich wollte diesen Moment für immer fest halten, doch auch er begann sich aufzulösen. Ich verspürte ein Ziehen im Bauch und es wurde dunkel.

Nun befand ich mich auf einem Schlachtfeld. Es war nicht das Erste und würde auch nicht das letzte Schlachtfeld sein. Diesmal war die Schlacht jedoch schon geschlagen. Nirgendwo konnte ich eine lebende Seele entdecken, der Boden war übersät von Leichen. In der Luft hang der Geruch des Todes. Ich wappnete mich gegen den aufkommenden Ekel, doch nichts geschah. Ich spürte nichts bei dem Anblick der Leichen. Ich verspürte nicht einmal Freude darüber, dass ich nichts spürte. Ich ging über das Feld der Toten und sah in vereinzelte Gesichter, sie regten kein Mitleid in mir, ich kannte sie nicht. Es waren Rohirim, Menschen aus allen Teilen Gondors, Haradrim und sogar einige Khans unter ihnen. Es wunderte mich nicht, noch mehr gefallene Orks zu sehen, auch sie lösten kein Gefühl des Triumphes in mir aus. Diese gehörte zu den einfachen Bildern des Palantír. Wenn ich nichts fühlte, erkannte ich das Trugbild klar. In meinem Inneren wusste ich bei jedem Bild, dass es nicht real war, doch ich musste immer fürchten, dass der Stein mir die Zukunft zeigte.
Es wunderte mich, dass es noch nicht dunkel um mich herum geworden war, sonst geschah dies rasch, wenn ich nichts fühlte. Ich sah wieder auf den Boden, betrachtete ein paar einzelne Gesichter. Eine große Gruppe von Orks war hier gefallen, sie lagen eng beieinander, nur in der Mitte hatten sie eine Art Kreis freigelassen. Ich sah zu den beiden Körpern, die in diesem Kreis lagen. Mein Herz zog sich zusammen und ich wollte nicht wahrhaben, was ich da sah. Déorgar lag noch mit seinem Schwert in der Hand um mit einer hässlichen Wunde m Bauch neben einem zweiten. Auch ihn kannte ich, es war Éomer. Ich eilte zu den beiden herüber und hockte mich neben den König Rohans. Sein halber Kopf war abgetrennt und sein Gesicht zeigte noch immer einen grimmigen Ausdruck. Ich weinte zwar nicht, doch Trauer streifte mein Herz. Mein Geist erfasste die Situation und ich sah mir die toten Körper in der Nähe genauer an. Nun erkannte ich sie, nicht wenige davon waren in meinem Heer. Nein, das war falsch, alle meine Soldaten waren tot. Ich weigerte mich, mich weiter umzusehen, aus Angst noch andere bekannte Gesichter zuerkennen.
„Hier bist du, meine Liebste“, sagte jemand hinter mir. Ich schreckte auf und drehte mich um, Sauron stand in voller Rüstung vor mir. Er sah auf mich herab. „Siehst du, was du getan hast, kleine Tinúviel? All diese Menschen mussten sterben und das nur, weil du sauer auf mich warst.“
Ich wollte ihn anschreien, doch ich konnte nicht. Zu meinem eigenen Entsetzten, warf ich mich in Saurons Arme und fing hemmungslos an zu schluchzen. Sauron strich mir beruhigend über den Rücken und murmelte, das alles gut wäre. Endlich verspürte ich das Ziehen.

Immer noch geschockt nahm ich meine Umgebung nun wieder klar war. Ich war wieder in Saurons Privatbibliothek. Ich stand vor dem Palantír und hatte noch immer eine Hand auf ihn gelegt, schnell zog ich sie zurück.
„Wie geht es dir?“, fragte Sauron mich.
„Ich weiß nicht. Besser als sonst“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
„Du macht sehr große Fortschritte“, stellte er fest. Ich gab ihm Recht, noch gestern war ich zusammen gebrochen. Zwei Wochen übte ich schon mit dem Palantír und heute war es das erste Mal, dass ich nicht zusammengebrochen war. Ich war stolz, dass es mir endlich gelang, meine Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Bald würde ich emotionslos sein und die Stimme in meinem Kopf würde vergehen. Diesmal hatten die Bilder mich also nicht so mitgenommen, doch sie verwirrten mich. Ich hatte mit Faramir in der Bibliothek ein Gefühl großer Sicherheit verspürt und dennoch hatte ich an einem Ort des Grauens mich zu Sauron begeben, als ich Schutz und Trost brauchte. Was hatte das zu bedeuten? Hatte der Sauron im Palantír doch Recht und ich tat das alles hier nur, weil ich sauer auf Sauron war? Wütend, wie ein kleines Kind, welches seinen Willen nicht bekommt? Und wenn ja, was wollte ich? Er gab mir doch alles, er erlaubte mir inzwischen sogar alles. Er war seit unserem letzten Streit nicht einmal grausam zu mir gewesen, verbrachte jeden Tag mehrere Stunden damit, mir beizubringen, gefühllos zu werden. Warum? Und Faramir? Ich hatte tiefere Gefühle für Faramir, als Freundschaft, das musste ich langsam erkennen und deswegen musste ich mich von ihm fernhalten. War ich deswegen wütend auf Sauron? Faramir war das einzige, was Sauron mir nicht geben würde. War Sauron vielleicht eifersüchtig? Ich musste an seine Reaktion denken, als er mich wegen dem Spaziergang mit Faramir zu Rede gestellt hatte. Aber das war alles Blödsinn! Sauron wollte nur nicht teilen, das hatte nichts mit Eifersucht zu tun. Ich war sein Besitz und nicht etwas, was sich jeder ausleihen konnte. Und der einzige Grund, warum er mir half, war, dass ich ineffizient mit diesen Anfällen war. Ich musste aufhören Sauron zu vermenschlichen, denn er war kein Mensch und vor allem nicht menschlich, oder? Ich konnte mich selber nicht überzeugen und das machte mir Angst. War diese Behandlung mit dem Palantír wirklich gut? Vorher war alles schwarz und weiß gewesen, doch nun wurde die Welt immer gräulicher. Mein Weltbild geriet ins Wanken und ich wusste nicht mehr, was richtig und was falsch war? War es das wirklich wert, so viele Menschen streben zu lassen, bei einer Schlacht, die womöglich Sauron gewinnen würde? Ich wusste es nicht mehr.
„Worüber denkst du so angestrengt nach?“, riss sich Sauron aus meinen Gedanken.
„Neue Sichten auf alte Dinge“, sagte ich. Ich wollte nicht direkt lügen, er würde es erkennen.
„Diesen Effekt hat der Palantír zumeist.“
Ich nickte und betrachtete den Stein eingehend. Ein schwarzer Stein, der ganz neue Grautöne erscheinen ließ.


Weitere Wochen vergingen. Ich beschäftigte mich weiterhin nur mit dem Palantír und meinem Heer. Das waren meine beiden Hauptaufgaben, direkt gefolgt von Faramir aus dem Weg gehen und positive Gedanken an Sauron vermeiden. Ich erwischte mich sogar dabei, wie ich ihn manchmal in Gedanken Mairon nannte und das machte mir mehr als alles andere Angst. Wie sollte ich meinen Plan durchziehen, wenn ich Sauron nicht mehr hasste? Es war noch wichtiger, als früher, meine Gefühle auszuschalten. Wenn ich Sauron weder hasste noch liebte, war es einfacher ihn zu vernichten. Ihn und seinen Ring.
Gerade war ich wieder aus der Welt des Palantírs zurückgekehrt und nicht zusammen gebrochen. Zu meiner Überraschung fehlte von Sauron jede Spur, noch nie hatte er mich nicht erwartet. Was war passiert? Es musste etwas passiert sein, da Sauron niemals einfach so aus einer Laune heraus gehen würde.
Ich eilte aus dem Raum, nur leicht wackelig auf den Beinen und schloss ihn mittels Zauberkraft ab. Dann eilte ich durch den Raum mit den Pergamenten und schließlich in den Hauptbibliotheksraum. Dort blieb ich wie angewurzelt stehen, Faramir saß an seinem Stammplatz und sah mich bei meinem stürmischen Eintritt irritiert an. Noch nie war ich ihm nach meinen „Sitzungen“ begegnet. Ich vermutete, dass es an Sauron lag, dass Faramir sich verzog, wenn wir kamen.
Faramir hob eine Augenbraue und sah mich erwartungsvoll an. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Es war eine merkwürdige Situation. Wir hatten uns schließlich nicht gestritten oder so, aber er musste bemerkt haben, wie ich ihm aus dem Weg gegangen war. Mal wieder.
„Du bist hier“, stellte ich ganz intelligent fest.
„Ich bin der Bibliothekar“, erinnerte er mich und seine Augenbraue wanderte noch ein Stückchen höher.
„Ja. Ich… Wo ist Sauron?“
„Vor einer Weile gegangen, nachdem ein Bote ihn aufgesucht hat.“
„Gut.“ Oder auch nicht gut! „Ich geh dann mal zu ihm.“ Ich machte mich auf den Weg zur Tür, doch Faramir hielt mich zurück. „Tinúviel.“ Ich hielt inne.
„Geht es dir gut?“, fragte er.
„Ja, natürlich.“
Ein trauriger Ausdruck kam in seine Augen. „Du musst mir nicht sagen, was los ist, aber ich würde dich bitten, mich nicht anzulügen.“ Einen Moment war ich verlegen, doch dann siegte mein Trotz. „Warum fragst du überhaupt, wenn du die Antwort schon zu kennen meinst!?“ ich stürmte aus der Bibliothek und knallte die Tür hinter mir zu. Meine Reaktion tat mir jetzt schon leid, doch nach de, Palantír waren meine Gefühle sowieso schon durcheinander. Eine Begegnung mit dem Mann den ich liebte oder auch nicht, darauf konnte ich verzichten! Ich beschloss Sauron doch nicht aufzusuchen, stattdessen ging ich in mein Zimmer und warf mich aufs Bett. Ich holte unter dem Bett meine Bücher von zu Hause hervor. Ich strich über die inzwischen auf mich plastisch wirkenden Deckel und betrachtete die ebenmäßigen Druckbuchstaben. Wie sehr hatte ich mich inzwischen an Ledergebundene, handschriftliche Wälzer gewöhnt.
Ich schlug Der kleinen Hobbit auf und begann zu lesen. Die freundliche Sprache eines Kinderbuches beruhigte mich und auch meine Gefühle kamen wieder in Einklang.

Draußen war es inzwischen dunkel, doch ich las noch immer, die Seiten durch magisches Licht erhellt. Ein Krächzen ließ mich innehalten. Verwirrt blickte ich mich um. Es musste von draußen kommen. Noch einmal krächzte es. Das war falsch, in Mordor gab es so gut wie keine Vögel, schon gar nicht in Gorgoroth, außer natürlich den Spionen Saurons. Ich ging zu dem Wandteppich, der mein Fenster bedeckte, um die Kälte abzuhalten. Ich zog ihn erneut mithilfe von Magie zur Seite, da er furchtbar schwer war.
Auf dem Fenstersims hockte tatsächlich eine Krähe. Ich sah sie verwirrt an, dann sah ich den Zettel, den sie am Bein hatte. Ich band den Zettel vorsichtig ab, die Krähe flog davon. Es war eine Botenkrähe, also musste die Nachricht von Faramir stammen. Mit klopfendem Herzen rollte ich das kleine Pergament auseinander. Nur ein Satz:

Sie sind losgezogen.


Ich wusste, was das bedeutete. Bald würde es sich entscheiden, bald würde Sauron vernichtet sein oder alles für immer verloren.


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Sooo,
Ich kann schon so viel verraten, dass es nächstes Mal endlich mit der Schlacht losgehen wird, mal sehen ob Tinú sich endlich entscheiden kann, was sie tun wird. Irgendwelche Vermutungen oder Hoffnungen, wie es ausgehen wird? Noch ist alles möglich!

Aber kommen wir nun zu meinem eigentlichen Punkt und zwar: Ich denke schon länger (also etwa seit Kapitel 2) über einen besseren Titel nach. Ich bin allerdings nicht so der große Überschriftenmeister, wie man an den einzelnen Kapiteln unschwer erkennen kann. Hat jemand ne Idee? Würde mich über ein paar Vorschläge freuen!

Liebe Grüße
Ajnif
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