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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
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18.04.2015 2.421
 
Das Buch aufgeschlagen auf meinem Schoß, versuchte ich die komplizierte Technik zu verstehen, die es mir ermöglichen sollte vollkommen emotionslos zu werden. Es war eine Art Bann, den man über sich legte, der dann Gefühle unterdrückte. Natürlich spürte man besonders starke Emotionen dennoch, aber eben abgeschwächt. Es war starke schwarze Magie und so mancher Zauberer hätte mir sicher davon abgeraten, den Bann anzuwenden. Doch was sollte ich tun? Ich hatte die Wahl zwischen diesem Bann und der Stimme in meinem Kopf, die jedes Mal stärker zu werden schien. Die Wahl war nicht schwer.
Also hatte ich mich in meinen Garten zurückgezogen und mich in das Buch von Sauron vertieft. Sméagol planschte glücklich in seinem Teich und fing Fische daraus, während unserer Abwesenheit waren sie ein ganzes Stück gewachsen und, ohne Sméagol als Fressfeind, sich auch stark vermehrt. Auch Khamûl war da, er war wieder mein ständiger Begleiter. Nur ganz selten, begleitete mich ein anderer der neun, jedoch niemals der Hexenkönig persönlich. Ich war, so merkwürdig es auch klang, froh über Khamûls Anwesenheit, nicht nur, dass ich in Ruhe gelassen wurde, ich wusste, sollte mein Gewissen zurück kommen, würde er sofort eingreifen können.
Ich beschloss, dass es für heute genug war und ich um meine anderen Aufgaben kümmern müsste. Denn noch immer hatte ich mich um die Versorgung zu kümmern und auch die Organisierung des Kerkers lag noch in meiner Hand. Während meiner Abwesenheit waren wieder viele Gefangene gebracht worden, die meisten wurden natürlich versklavt, aber speziell gefangene Soldaten oder Krieger wurden in die Kerker geworfen, sie waren zu aufmüpfig für die Sklaventreiber.
Sméagol zu mir winkend, machte ich mich auf den Weg zu den Zellen. Ich hatte sie zwar säubern lassen und auch jetzt wurden sie ständig mit neuem Stroh versorgt, Leichen wurden sofort verbrannt und den gefangenen stand ein Eimer für Hinterlassenschaften zur Verfügung, dennoch war der Gestank bestialisch. Vier Stockwerke waren schon wieder gefüllt, eindeutig zu viele, da die Zellen selten einzeln besetzt waren. Ich begab mich zum obersten Kerkermeister.
„Wieso haben wir schon wieder so viele Gefangene?“, fragte ich herrisch.
„In den letzten Monaten gab es viele Aufstände, also viele Gefangene, speziell ehemalige Soldaten. Dazu kommt noch, dass kaum noch einer stirbt“, antwortete der Ork. Ich hasste es mit Orks zu reden, diese ständige Einstellung, dass der Tod, Mord etwas Wunderbares sei. Sie behandelten mich mit Respekt, dennoch zeigten sie immer wieder, wie sehr es ihnen missfiel, dass ich ihnen verboten hatte, zu Foltern, außer ich genehmigte es, was sehr selten der Fall war.
„Zeig mir die Listen!“, befahl ich. Ein unterstehender Ork brachte sie und ich ging sie durch, sie wurden von einem Menschen geführt. Der einzige Grund, warum ich sie lesen konnte und weshalb sie glaubwürdig waren. Wie gedacht, handelte es sich hauptsächlich um Kriegsgefangene. Zweihundert von ihnen waren ehemalige Soldaten aus dem Herr der Freien Völker oder auch aus den Südlanden. Wie würden diese Soldaten zu dem Gelingen unseres Plans doch beitragen, doch es war unmöglich sie alle zu befreien und aus Mordor heraus zu schmuggeln. Frodo und Sam waren schon ein Risiko gewesen und von denen hatte niemand gewusst, dass sie überhaupt noch da waren. Selbst Sauron vermisste sie nicht, zumindest hatte er nie etwas in diese Richtung erwähnt. Dennoch war es eine Verschwendung, sie in den Kerkern zu lassen. Vielleicht… Ja, das wäre eine Möglichkeit.
„Tauscht das Stroh aus und reinigt die Zellen. Außerdem bekommt heute jeder ehemalige Soldat eine Extraportion Wasser und dazu eine Suppe mit Fleisch. Nicht das wässrige, fade Zeug, eine richtige Suppe mit echtem Rind oder Schwein. Gebt die Befehle an die Küche weiter!“, befahl ich dem leicht entsetzten Kerkermeister. Der ohne etwas zu sagen, die Befehle weiter gab. Hoffentlich würde es funktionieren.


Am Abend saß ich in Saurons Schlafzimmer am Kamin, der nur wegen mir brannte. Sauron selber stand mal wieder am Fenster und dachte über sonst was nach. Ich tat so, als würde ich lesen, war mit den Gedanken damit beschäftigt, wie ich meine Bitte dieses Mal vortragen sollte.
„Du ließt diese Seite jetzt schon seit etwa einer Stunde“, stellte Sauron fest. Natürlich hatte er bemerkt, dass ich nicht wirklich las.
Ich sah ihn an. „Von lesen kann keine Rede sein.“ Dann schlug ich das Buch zu.
„Was willst du diesmal?“, fragte er gleich auf den Punkt kommend.
„Es gibt zu viele Gefangene. Mal wieder.“
„Richte ein paar hin“, schlug Sauron vor. Ekel stieg in mir hoch, doch ich zeigte ihn nicht. Vielleicht konnte ich meine Gefühle nicht beherrschen, aber meine Mimik.
„Das wäre eine Verschwendung. Es sind viele Soldaten unter ihnen, auch Krieger und Strategen.“ Jetzt ekelte ich mich vor mir selber, wie konnte ich den Tod eines Menschen als Verschwendung bezeichnen?
„Du hast sicherlich schon eine Alternative zu bieten?“, fragte Sauron leicht belustigt. Er hatte sich nun vollends vom Fenster abgewandt und war zu mir gekommen. Er stand hinter mir, sodass ich ihm nicht ins Gesicht sehen konnte. Stattdessen starrte ich in die Flammen des Kamins, war ja fast das gleiche, wie ihn anzusehen.
„Wir könnten sie in dein Heer integrieren. Es sind mehr als zweihundert Mann.“
„Unser Heer“, bei diesen Worten legte er eine Hand besitzergreifend auf meine Schulter. Ich legte meine Hand auf seine, als er fort fuhr: „Sie würden mir niemals die Treue schwören. Ich müsste immer fürchten Verräter in den eigenen Reihen zu haben.“
„Das steht immer zu befürchten“, erwiderte ich.
„Mag sein. Dennoch ist das Risiko mit ihnen im Heer erhöht.“
„Man muss ihnen ja keine Führungsposition geben. Und wenn sie eine harte Strafe befürchten müssten, beziehungsweise nur die Wahl zwischen Tod, lebenslanger Gefangennahme und dem Heer haben, werden sich sicher manche richtig entscheiden. Es sind Soldaten, viele sind käuflich!“
„Ich kann dich sowieso nicht davon abbringen. Mach was du willst, aber wenn ich Recht behalten sollte und wir Verluste erleiden, bist du verantwortlich und musst es korrigieren!“
„Schön. Aber das wird nicht passieren!“
Nun kam Sauron um den Stuhl, auf dem ich saß herum und sah mir von oben herab direkt in die Augen. „Wir werden sehen. Wenn du es Widererwarten schaffen solltest, sie zu wahrer Treue zu bewegen, darfst du sie behalten. Dein eigenes Heer zu deiner eigenen Verfügung, allerdings bist du wie andere Fürstentümer und Länder dazu verpflichtet, sie in Notsituationen dem Hauptheer anzuschließen.“
Das war eindeutig mehr, als ich mir hatte erhoffen können. Wenn ich sie dazu bewegen konnte, mir zu folgen, würden sie in der Endschlacht dem Heer Mordors in den Rücken fallen können. Es waren zwar nur zweihundert Mann, aber das war besser als nichts. Zehn Mann an der richtigen Position und ein Krieg konnte eine ganz andere Wendung bekommen! Ich zwang mich Sauron strahlend anzulächeln, als ob ich die Dankbarste Person der Welt wäre. Zugegebenermaßen war ich auch dankbar, dankbar dafür, dass alles reibungslos verlief.


Alle Gefangen, die sich nicht eines Verbrechens schuldig gemacht hatten, hatte ich sich auf dem Platz versammeln lassen, wo auch damals schon Frauen und Kinder beherbergt waren. Ich wusste von der Namensliste her, dass einige schon damals dabei gewesen waren. Mich also schon kannten und es so hoffentlich einfacher werden würde.
Die Männer blinzelten wegen des für ihre Augen grellen Dämmerlichts. Viele waren abgemagert, doch sie sahen bei weitem besser aus, als die Gefangen von damals. Nicht zuletzt, weil jeder einzelne eigenständig stehen konnte.
Ich trat vor die Gefangen auf die oberen Treppenstufen, jeder konnte mich gut sehen und ich wirkte dennoch nicht zu weit weg. Sméagol hatte ich im Garten gelassen, es war nicht der richtige Moment, ihn an meiner Seite zu haben. Doch Khamûl und ein anderer Nazgûl, dessen Namen ich nicht wusste, standen schräg hinter mir. Sie starrten starr geradeaus, bereit meinen Befehlen zu folgen oder etwaige Mordversuche zu verhindern, die ich aber nicht erwartete.
Ich hatte mir Mühe gegeben, beeindrucken auszusehen. Ich trug ein schwarzes Kleid, das jedoch so geschnitten war, dass es eher kämpferisch, als feminin geschnitten war. Mein Haar trug ich ausnahmsweise mal offen, es hing bis über meine Schulterblätter und wehte leicht im Wind, den ich extra heraufbeschworen hatte. Ich hatte meinen Dolch, den ich in Minas Tirith erworben hatte, sichtbar an einem Gürtel an meiner Hüfte. Ich entsprach der klassischen Kriegerprinzessin aus meiner Welt und nicht wenige meiner Freunde hätten über diesen Klischeehaften Auftritt gelacht. Doch so lächerlich es mir vorkam, es sah doch beeindruckend aus und hatte genau den richtigen Effekt auf die Soldaten.
Ich erhob meine Stimme und sagte klar und deutlich: „Viele von euch waren lange in den Kerkern Mordors gefangen. Ich denke, nicht wenige wünschen sich, diesen Ort niemals wieder zu sehen und heute möchte ich euch einen Weg dazu zeigen. Es kommen immer mehr Gefangene, bald sind die Kerker überfüllt, sie müssen gelehrt werden und viele von euch werden sterben. Ihr habt nun die Wahl, entweder der Tod oder ihr schließt euch uns an, als Soldaten, als Kämpfer. Bildet euer eigens Heer und kämpft für unsere Sache.“
Nach meinen Worten sagte erst einmal niemand was, doch dann erhob sich eine mir bekannte Stimme: „Warum sollten wir für Euch und Euren Herrn kämpfen? Ihr habt uns gefangen genommen, gefoltert und gequält, unsere Kinder und Frauen versklavt? Also warum sollten wir für Sauron kämpfen?“
Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, ich ging ein paar Stufen herab, sodass alles es sehen konnten: „Wer hat etwas davon gesagt, dass ihr für Sauron kämpfen sollt?“
Nicht wenige Mienen wirkten verblüfft. Der mir bekannte Sprecher ließ sich erneut vernehmen: „Wir sollen also für Euch kämpfen? Doch seid Ihr nicht die Gemahlin des dunklen Herrschers? Also läuft das Eine auf das andere hinaus!“
Nun verließ ich die Treppe vollends und ging direkt zu dem Sprecher, ich hatte Recht, es war der rohirische Kämpfer, der mich schon einmal herausgefordert hatte und der mir sein leben verdankte.
„Déorgar, richtig?“ Der Mann nickte, überrascht, dass ich ihn erkannte. „Du siehst gut aus, viel besser als letztes Mal. Erinnerst du dich noch daran? Sicher. Du verdankst mir dein Leben, wie die meisten anderen hier auch. Doch ich will euch nicht als Schuldbegleichung in meinem Heer. Ich bin nicht mit Sauron verheiratet und werde es auch nie sein, ich handle eigenständig und habe ein gewisses Maß an Einfluss, falls du dich erinnern möchtest. Doch zu der Position der Herrscherin gehört nun mal auch ein Heer. Ich verabscheue Orks, also kommen die nicht in Frage. Also warum nicht euch fragen, es wäre doch eine wahre Verschwendung gute Kämpfer umzubringen, anstatt sie sinnvoll zu nutzen. So sieht es auch unser dunkler Herrscher, wie ihr unschwer an meinem Begleiter erkennen könnt.“ Ich sah mich um zu einer Tür, alle anderen blickten auch dort hin. Faramir stand an den Pfosten gelehnt, auch er hatte seine übliche Bibliothekarhenkleidung abgelegt und trug eine leichte Kampfausrüstung, inklusive Schwert.
Stimmen wurden lauter. „Verräter!“ „Abtrünniger!“ „Treuloser!“ Noch viele weitere Begriffe wurden genannt. Faramir verzog keine Miene, doch ich wusste, dass ihm die Beschimpfungen wehtaten.
„Faramir hat sich fürs Leben entschieden, er hat sich dazu entschieden unserer Sache beizutragen. Werdet ihr das auch? Werdet ihr ebenfalls zu der Sache beitragen?“ Erneut ertönten wütende Rufe des Protests, nur Déorgar sah mich nachdenklich an. Ich hatte gehofft, dass einige den Wink verstehen würden. Verstehen würden, dass ich mich von Sauron distanzierte und wofür Faramir stand, doch dass gerade der hitzköpfige Rohirrim verstand, verwunderte mich doch.
Lage sah er mich an und ich ihn, schließlich sagte er: „Hätte ich ein Schwert, würde ich es Euch zu Füßen legen. Doch so nehmt meine Worte an: Ich schwöre Euch zu dienen, Eurem Willen zu folgen und wenn es gefordert ist, mein Leben für Eure Sache zu geben.“ Dann ging er auf die Knie und senkte sein Haupt. Erstaunt verfolgten die Umstehenden das Schauspiel und ich spürte die Treue und die Verbundenheit der Rohirrim. Denn alle Soldaten aus Rohan gingen nun ebenfalls auf ein Knie und wiederholten die Worte Déorgars. Es waren nicht alle doch immerhin ein Viertel.
„Ich nehme euren Schwur an und verspreche für euch zu Sorgen und eine gute Anführerin zu sein. Ihr steht nun unter meinem Schutz. Erhebt Euch!“, erwiderte ich den Schwur.
Die Männer erhoben sich. „Alle, die mir ihre Treue geschworen haben werden nicht in die Kerker zurückkehren Doch auch diejenigen, die es nicht getan haben, werden noch eine Bedenkzeit bekommen. Drei Tage werdet auch ihr nicht in die Kerker zurück müssen, dann müsst ihr euch entschieden haben.“
Leise sagte ich zu Déorgar: „Es muss geheim halten, keiner von seinen Schergen darf davon erfahren, doch ich bitte dich, den anderen verstehen zu geben, um was es geht. Vielleicht werden sich dann noch mehr anschließen, das müssen sie, wenn wir eine Chance haben wollen. Sage ihnen, dass wir auf sie angewiesen sind, nicht nur Faramir und ich, auch außerhalb Mordors gibt es Unterstützung.“ Die letzten Worte sprach ich kaum hörbar aus, sie waren ein Risiko, doch ich musste klar machen, worum es ging. Déorgar nickte und versprach, die anderen zu überzeugen.
Die Soldaten wurden vom Platz geführt und in nahe liegende Kasernen gebracht, die momentan leer standen. Ich sah ihnen nach und spürte, wie Faramir näher kam.
„Das hast du gut gemacht“, sagte er leise.
„Danke, dass du gekommen bist.“
„Dein Brief klang dringlich.“
„Das war er, wie du bemerkt hast.“
„Soll ich auch einen Boten losschicken?“
„Noch nicht, erst, wenn wir die genaue Anzahl der Männer haben“, bestimmte ich. Eine halbe Information würde Aragorn nichts bringen.
„Wie du willst. Wollen wir noch etwas spazieren gehen?“, fragte Faramir.
Ich wandte mich ab. „Nein. Das geht nicht.“ Mit diesen Worten ließ ich Faramir stehen, Sauron durfte nicht noch einmal wegen ihm wütend werden. Er hatte mir zwar nicht verboten, Faramir zu sehen, doch ich wusste, es gefiel ihm nicht. Er teilte seinen Besitz nicht gerne. Ich hoffte Faramir würde es verstehen, er sollte nicht wegen mir bestraft werden. Ich bemerkte den etwas traurigen Blick Faramirs nicht, der mir folgte.


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Hallöle,
wie fandet ihr das Kapitel? Falls ihr nicht mehr wisst, wer Déorgar war, das könnt ihr in Kapitel 16 Ratssitzung noch mal nachlesen, ist ja schon ne Weile her!
Ich werde jetzt deutlich seltener Kapitel hochladen, denn so wie diese Geschichte auf das Finale zugeht, rückt mein Abitur auch immer näher. Ich werde mich natürlich bemühen, immer mindestens ein Kapitel die Woche hochzuladen. Aber das Positive an der Verzögerung: Ihr habt mehr Zeit für Reviews! Reviews spornen an und ich bin dann vielleicht eher geneigt, mich an den PC zu setzte und wenn das nicht Ansporn genug ist, bin ich leider dazu gezwungen einen hübschen, großen Cliffhanger demnächst einzubauen. Und das wollen wir doch nicht, oder?
Mit einem gemeinen Lächeln auf den Lippen und lieben Grüßen
Ajnif
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