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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
Alle Kapitel
41 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
14.04.2015 1.709
 
Hallöchen,

mal wieder ein paar Worte vorab, dann könnt ihr auch gleich weiter lesen, warum Sauron ein bisschen wütend ist.

Ich bedanke mich riesig bei den vielen Reviewern. Erst mal gar nichts und dann so ein Ansturm, da freut sich die Meute wohl Sauron/Mairon wieder zu sehen und deswegen habe ich mich gleich heute morgen rangesetzt und dieses kleine Kapitelchen geschrieben. Wer braucht schon Hypothesentests!? Kann gerne so weiter laufen!

Also das Kursive kennt ihr schon, aber nur damit es mehr Sinn macht, hab ich es noch einmal reinkopiert.
Dann viel Spaß beim Lesen, passt auf etwaige überraschende und scharfe Wendungen auf (ja, ich weiß, nicht wirklich witzig, aber den wollte ich endlich mal loswerden…)

Ajnif

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Ich hatte Mühe auf dem Rückweg zum Hauptteil der Festung mein Lächeln zu verbergen. Ich war so zuversichtlich, das alles funktionieren würde, wie noch nie. Mit einiger Anstrengung setzte ich meine Maske auf und stieg mit Faramir die Treppe zum Tor hoch. Wir verabschiedeten uns, da er in die Bibliothek ging und ich zusammen mit Sauron speisen würde. Wie gerne würde ich Faramir in die Welt der Bücher folgen! Bei dem Gedanken schmunzelte ich doch. War ich ihm nicht schon längst gefolgt?
Die Türen zum Speisezimmer öffneten sich. Doch bei dem Anblick von dem zornigen, lodernden Feuer in Saurons Augen, stockte ich.

Das Schmunzeln fiel von meinem Gesicht und ich wäre am liebsten rückwärts wieder heraus gerannt. Doch ich riss mich zusammen, straffte sie Schultern und schritt versucht selbstbewusst auf Sauron zu. Ich blieb einige Schritte vor ihm stehen, auch er machte keine Anstalten, sich mir zu nähern.
Einen Moment starrten wir uns an, dann sagte er mit eisiger Stimme: „Wo warst du?“
„Spazieren“, antwortete ich trotzig. Ich wusste diese Stimmung war gefährlich, gefährlicher als jeglicher Wutausbruch, den er haben konnte. Mit Wut konnte ich umgehen, es war eine Emotion und die konnte ich nachvollziehen. Doch diese Kälte, dieser versteckte Zorn war das gefährlichste, was Sauron zu bieten hatte. Ich musste vorsichtig sein!
„Mit wem?“ Es war klar, dass er die Antwort schon wusste.
„Faramir“, sagte ich wahrheitsgemäß.
„Und warum?“ So langsam macht ich mir Sorgen. Worauf wollte er hinaus? Hatte uns doch jemand belauscht? Warum war er so wütend? Das konnte doch nicht nur mit dem Spaziergang mit Faramir zusammen hängen.
Ich wählte meine Worte mit Bedacht, um ihn nicht noch mehr zu reizen: „Wir haben uns lange nicht gesehen.“
„Du hast viele lange nicht gesehen. Gehst du immer mit allen spazieren? Spazieren zu Orten, wo euch niemand hören oder sehen kann?“ Ich wurde bleich. Ahnte er etwas? Hatte uns doch jemand gehört? Wusste er, dass ich gegen ihn intrigierte?
„Faramir und ich sind Freunde“, versuchte ich die Situation zu retten.
„Freunde!?“. Wiederholte Sauron. Das Feuer in seinen Augen flackerte auf. Die eisige Kälte war verschwunden, jetzt war er nur noch wütend. Ich war mir allerdings nicht mehr ganz so sicher, ob das wirklich eine Verbesserung war. Ich kannte diesen Zorn schon und er hatte stets die Wirkung gehabt, auch mich zornig zu machen. So auch dieses Mal, ich ließ alle Vorsicht fahren und fauchte: „Ja, Freunde!“
„Du bist eine Herrscherin. Du hast keine Freunde!“, hielt Sauron dagegen. Jetzt wurde ich richtig wütend, wir schaukelten einander hoch. Die Wut grub wie ein Tier in die Krallen in meinen Bauch und schickte heiße Lava durch meine Adern.
Du hast mich geradewegs doch zu ihm getrieben! Immer wenn du mich gefoltert hast, hat Faramir mir geholfen. Ohne ihn wäre ich doch schon längst tot! Wir sind Freunde und das wirst du niemals verstehen! Wie solltest du auch? Ich bin angeblich deine Geliebte, diejenige, die dir am nahesten steht und doch tust du mir öfter weh, als wie jeden anderen!“ Das war ein Fehler und ich wusste es. Ich hatte die Beziehung zu Sauron gerade endgültig zerstört. Hoffentlich würde er mir ein schnellen Tod gewähren.
Sauron sagte nichts, er schwieg. Das war kein gutes Zeichen. Ich drehte mich um und rannte zur Tür, vielleicht konnte ich fliehen, sobald ich aus Barad-Dûr heraus war, konnte ich meine Magie einsetzten, um schneller voran zu kommen und dann…
„Halt!“, befahl Sauron. Ich hörte nicht auf ihn, wer mich umbringen wollte, auf den musste ich nicht hören. „Ich sagte: Halt!“
Ich war fast durch die Tür, als er sich vor mir materialisierte. Es war wie das Erscheinen eines Todessers in einem der Harry Potter-Filme. Erst schwarzer Nebel und dann stand er vor mir als fester Körper. Ich wollte an ihm vorbei, doch er hielt mich fest. Ich hatte keine Wahl und konnte ihn nur wütend und doch ängstlich anblitzen. Hoffentlich würde Faramir den Plan zu Ende führen können.
„Wo willst du hin?“, fragte Sauron mich ruhig.
„Weg von dir“, zischte ich. Wie sollte ich diese Situation noch verschlimmern können?
„Ich würde dich überall finden“, meinte er.
„Nicht, wenn ich es nicht will“, sagte ich trotzig. Wir wussten beide, dass es gelogen war. Wenn er mich wirklich finden wollte, würde er es tun und ich könnte mich nicht dagegen wehren. Er war so viel stärker als ich.
„Dich selber zu belügen, steht dir nicht“, stellte Sauron immer noch ruhig fest.
Ich kniff den Mund zusammen und schwieg. Sollte er mich doch endlich umbringen!
Doch er tat es noch immer nicht, sondern ließ meinen rechten Arm los und strich mir über die Stirn. Dann ließ er die Hand meinen linken Arm herunter wandern und hielt meine Hand in seiner. Mein Ring glühte blau, die Schriftzeichen waren gut zu lesen:

Ein Ring ihn zu stützen, ihn immer zu finden.
Soll eigne Wege beschreiten und ihn niemals je binden.


„Du bist dir deiner Bedeutung nicht im Geringsten bewusst.“ Das war keine Frage gewesen. Ich schloss aus diesen Worten, dass ich noch etwas länger leben durfte. Aber was meinte er mit meiner Bedeutung?
„Ich werde dich nicht mehr bestrafen“, sagte Sauron. Diese Worte verblüfften mich noch mehr als die Ersten. Es war fast eine Entschuldigung gewesen. Das tat er nicht. Niemals entschuldigte er sich oder versprach jemanden, ihm nicht mehr weh zu tun. Warum tat er das? Er liebt dich. Er liebt dich für deine Grausamkeit, deine Tücke und dein Wesen, welches seinem so sehr ähnelt. Die Stimme. Warum musste sie zu so einem unpassenden Zeitpunkt wiederkommen? Es war nicht wahr, es war nicht wahr, was sie sagte. Sauron liebt nichts und niemanden. Vor allem nicht mich. Ich war nicht grausam, tückisch und ihm schon gar nicht ähnlich. Ich musste nur tun, was getan werden musste, um zu überleben. Ich habe viele Menschen gerettet!
Das sagt Sauron sich bestimmt auch. Er tut auch nur, was er denkt, tun zu müssen. Ja, aber er tut es aus Machtgier und nicht um zu retten.
Macht. Was für eine tolle Sache! Wozu Macht haben? Mit Macht kann dich keiner angreifen und man überlebt als Mächtiger länger als alle anderen.
Ich griff mir mit beiden Händen an den Kopf. Sie sollte aufhören, diese Stimme sollte endlich still sein. Ich spürte, wie zwei größere Hände meine eigenen nach unten zogen. Wie mein Kopf angehoben wurde, damit ich etwas anblicken konnte. Doch ich sah nichts, ich sah nur weiß und hörte nur die Stimme. Wie kannst du nur selber mit dir leben? Verräterin! Sklaventreiber! Leidbringerin! Mörderin!
Ich schrie einen stummen Schrei und mein Knie brachen unter mir weg. Ich wurde nicht ohnmächtig, ich wünschte ich wäre es, doch ich blieb wach und so konnte die Stimme weiter auf mich einbrüllen. Verzweifelt, wie ich war, rief ich nach ihm. Ich rief, nein ich schrie, in Gedanken nach meinem schwarzen Reiter. Mein Nazgûl, der mich von den Qualen erlösen konnte. Und er kam. Khamûl berührte mich kurz an der Schulter und es wurde besser. Alle Emotionen fielen von mir ab, die Stimme verstummte. Das Weiß vor meinen Augen lichtete sich und ich erkannte, dass ich auf dem Boden lag, mein Oberkörper ruhte in Saurons Armen, während Khamûl einige Schritte entfernt stand.
„Was war das?“, fragte Sauron laut.
Mir ging es besser und ich befreite mich aus seinem Griff, ehe ich mich eher unelegant aufrappelte. „Gar nichts“, sagte ich emotionslos.
„Du bist zusammengebrochen, hast gemurmelt und schreckliche Qualen erlitten. Sage mir sofort, was passiert ist und wieso einer der Neun dir helfen konnte, ich aber nicht.“
Ich wusste, ich musste ihm zumindest ein Teil der Wahrheit sagen: „Das war eine Art Anfall. Ich weiß nicht, woher das kommt. Es passiert einfach. Auf der Reise hatte ich das zum ersten Mal. Khamûl macht, dass es aufhört, ich weiß nicht wie. Irgendwie endet es eben, wenn er mich berührt.“
Sauron starrte mich an, doch ich wusste, dass er eigentlich mit Khamûl sprach. Wie wahrscheinlich war es, dass er das Band zwischen dem schwarzen Reiter und mir nicht bemerken würde? Nicht sehen würde, dass ich ihm einen seiner Neun weggenommen habe, dazu noch den Zweitstärksten.
„Du bist mit ihm verbunden. Du hast die Stärke erlangt, einen Nazgûl zu befehligen“, stellte Sauron fest. Ich schwieg, auch wenn er nicht zornig klang.
„Er nimmt dir also deine Gefühle, damit es aufhört. Dieses Leiden ist mir schon untergekommen und ich kenne eine Lösung.“ Er nahm mich am Arm und zog mich geradezu hinter sich her. Ich folgte ihm in seine Gemächer, Khamûl blieb zurück. Wieso war Sauron über das Band zwischen Khamûl und mir nicht wütend? Er musste annehmen, dass ich dem Nazgûl zwar befehligen konnte, meine Befehle aber immer noch unter seinen standen. Das war die einzige Möglichkeit, warum er mich weiterhin am Leben ließ. Niemals würde er mir helfen wollen, wenn er dächte, dass ich ihm ebenbürtig werden könnte.

In seinen Gemächern angekommen, bedeutete er mir, sitzen zu bleiben. Er verschwand in seine kleine Privatbibliothek und kehrte mit einem Buch wieder.
„In diesem Buch findest du einen Zauber, eher eine Technik, die es dir ermöglichen wird, deine Gefühle zu kontrollieren. Ohne Emotionen, gibt es auch keine dieser Anfälle. Ich möchte, dass du das Buch aufmerksam ließt und danach zu mir kommst, sodass du diese Technik erlernen kannst. Es ist schwierig, aber du kannst sie durchaus meistern.“
Warum tat er das? Warum half er mir? Warum war er besorgt? Und warum war er so wütend über meinen Spaziergang mit Faramir gewesen? Er schien nichts von den Plänen zu wissen, die ich in Minas Tirith in die Wege geleitet hatte. Warum verhielt er sich so?
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