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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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10.04.2015 1.352
 
Am nächsten Morgen hatten mich Baumbart, Merry und Pippin sicher aus dem Fangornwald geführt, nicht einmal zwei Stunden hatten wir bei Baumbarts großen Schritten benötigt. Am Waldrand hatte ich mich dann herzlich von allen verabschiedet und die beiden Halblinge hatten mir noch einmal versprochen, zu versuchen, die Ents zu überreden bei dem Kampf gegen Sauron mitzumachen.
Als sie wieder zwischen den Bäumen verschwunden waren, konzentrierte ich mich auf meinen Ring und suchte nach Khamûl, der sich zum Glück nicht sehr weit entfernt befand. Zu Fuß machte ich mich auf den Weg, während er mir ebenso entgegenkam, da ich ihn gerufen hatte. Er war nicht zu verkennen, ein großer schwarzer Fleck, der alles Licht um sich zu verdrängen schien. Er ritt auf seinen Rappen und Lóme trottete hinterher. Als sie näher kamen, erkannte ich eine dürre Gestalt zwischen den Pferden umherhüpfen. Sméagol.
Als wir einander schließlich erreichten, breitete sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht aus. Er hüpfte ein paar Mal aufgeregt im Kreis, während er rief: „Die Herrin ist wieder da! Die Herrin ist wieder da! Wieder ist sie beim guten, alten Sméagol!“
Bei seiner Freude musste ich ebenfalls lächeln. Khamûl zeigte wie immer keine Gefühlsregung, er übergab mir nur Lóme und ich schwang mich in den Sattel. Sie war offenkundig froh, wieder von dem Nazgûl wegzukommen. Dann streckte ich meine Hand Richtung Boden Aus und sagte: „Komm Sméagol! Wir haben es eilig, du musst reiten.“
Entsetzt sah er mich an, er hasste es wirklich zu reiten, so weit vom Erdboden entfernt fühlte er sich nicht wohl. Doch er fügte sich, ohne groß zu murren, da er mir durchaus zutraute ihn zurück zu lassen. Das würde ich zwar niemals übers Herz bringen, aber das musste der kleine Kerl ja nicht wissen.

Unser Rückweg war deutlich kürzer und ereignisloser als der Hinweg. Wir ritten querfeldein, durch die Verbindung der Ringe würde ich schließlich immer zu Sauron finden, egal wie weit weg er war. Zuerst ritten wir durch das Hügelland Rohans, auch Wold genannt. Die Landschaft war baumlos und karg, das Gras unter den Hufen der Pferde kurz und ihm fehlte eindeutig die saftige, grüne Farbe. Es gab keine Deckung, wenn wir Feinde zu befürchten hätten, wären wir niemals eine so lange Strecke hindurch geritten.
Schließlich erreichten wir den Anduin und überquerten ihn mithilfe vopn Magie, da die nächste Furt Meilen entfernt war.
Wenn mir die Ödlande Rohans nicht behagten, so gefiel mir das Emyn Muil noch weniger. Das Gebirge wirkte dunkel und böse, es schien nur aus tiefen Schluchten zu bestehen und scharf gezackten Bergspitzen, obwohl es eigentlich eher Hügel als Berge waren. Doch auch dieses bedrohliche Gelände brachten wir schnell hinter uns. Neben dem Dagorland hatten wir jetzt nur noch ein Hindernis: die Totensümpfe.
Ich bezweifelte, ob Khamûl einen sicheren Weg durch sie hindurch kannte und selbst Magie war an diesem gefährlichen Ort mehr als tückisch.
Ein letztes Mal rasteten wir, da ich nicht in den Sümpfen neben den Gestakten der Toten schlafen wollte. Wer wusste schon, ob ich nicht auch durch meinen eigenen Ring in Versuchung geraten würde zu ihnen zu gehen, wie Frodo damals. Zu leicht, konnte man das Wasser berühren. Wie sollten wir nur einen sicheren Pfad hindurch finden? Ich dachte über Frodos und Sams Reise nach, war der Weg genau beschrieben worden? Hatte ich irgendwelche Anhaltspunkte? Nein, es war zu unsicher sich auf die Beschreibung des Buches zu verlassen. Es musste einen anderen Weg ge… Am liebsten hätte ich meinen Kopf auf den Boden gehauen, manchmal war ich wirklich langsam. Wir hatten doch den optimalen Führer dabei, den einzigen, der einen Weg gefunden hatte.
„Sméagol?“, fragte ich meinen Begleiter.
„Herrin?“ Er sah mich erwartend an.
„Du wirst uns morgen führen, Sméagol! Du kennst einen Weg durch die Totensümpfe und wirst ihn uns zeigen.“ Trotz meiner befehlenden Worte, war mein Tonfall eher der einer Bitte.
„Natürlich, Herrin. Wie die Herrin es will“, versicherte mir Sméagol den sicheren Weg. Ich sah zu Khamûl hinüber, der über uns aufragte. Er setzte sich nie.
Sollte ich Sauron Bescheid sagen, dass ich bald wieder zu ihm stoßen würde, nach fast drei Monaten meiner Abwesenheit? Sicher spürte er, dass ich mich näherte und ich wollte nicht, dass er von dem Weg durch die Sümpfe erfuhr. Ich würde ihn mehr oder weniger mit meiner Heimkehr überraschen. Leider konnte ich so auch nicht mehr mit Kahmûl sprechen, da mich Sauron auf der anderen Ebene sofort spüren würde, immer schneller hatte er mich in letzter Zeit gefunden. Seit dem Fangornwald hatten wir uns nicht mehr gesehen und ich trauerte jetzt schon meiner Freiheit nach. Die Sonne schien inzwischen auch nicht mehr, die frische Luft hatte ich ebenfalls schon verloren, jedoch nicht meine Freiheit Gefühle zu zeigen, gehen, wohin ich wollte und eigene Entscheidungen zu treffen, ohne den Zorn Saurons zu spüren. Gut, letzteres stimmte nicht ganz, schließlich ging ich zurück nach Barad-Dûr und das möglichst schnell, um nicht bestraft zu werden, da konnte ich mir noch so häufig einreden, dass ich nur so schnell war, weil ich den Plan nicht gefährden wollte. Ich war inzwischen eine wahre Meisterin der Selbstbelügung. Meine Gedanken hielten mich wach. Ich konnte nicht schlafen, denn noch etwas war zurückgekehrt, als ich den Fangorn verließ: Meine Albträume. Unruhig warf ich mich Nacht für Nacht umher, versuchte immer wieder die kleine Stimme auszublenden, mein Gewissen, wie ich sie nannte.
Heute war es wieder besonders schlimm, schweißgebadet war ich aus meinen unruhigen Schlaf hochgeschreckt. Die Stimme schwoll in meinem Kopf an, es war der gleiche Inhalt wie immer. Ich schlang meine Arme um mich, ich zitterte, doch mir wurde nicht wärmer. Heute Nacht würde ich keinen Schlaf mehr finden, obwohl ich ihn doch so sehr brauchte. Ich spürte etwas meinen Rücken entlang streichen und dann eine Berührung an der Schulter. Dankbar warf ich Khamûl einen Blick zu, der mir meine Emotionen genommen hatte. Nur so konnte ich es aushalten. Die Gefühllosigkeit überfiel mich und ich legte mich wieder hin, ein ruhiger, erholsamer und vor allem traumloser Schlaf überkam mich.

Sméagol führte uns sicher durch die Totensümpfe, es war schwierig für die Pferde, doch auch sie erreichten sicher das andere Ende. Ich hatte mich vom Wasser fern gehalten und mir verboten, mit den Gedanken abzuschweifen, die lange Konzentration und der pausenlose Marsch hatten mich müde gemacht. Ohne den vorherigen Schlaf hätte ich es nicht geschafft, ich war meinem schwarzen Reiter noch dankbarer.
Das Dagorlad, das alte Schlachtfeld, wo das letzte Bündnis aus Menschen und Elben gegen Sauron marschierte, war ein ebenso trostloser Ort, wie die letzten Landschaften. Hier gab es keine Toten, sie alle lagen in den Totensümpfen vergraben und vergessen. Dennoch spürte man die Auren der Kriege aus den längst vergangenen, aber nicht vergessenen Zeiten. Ich versuchte die Stimmung nicht aufzufangen, nicht an mich heran zu lassen. Wieder half Khamûl mir, ich musste diese Gefühllosigkeit selber erlernen. Ich musste meine Gefühle wahrhaftig beherrschen und nicht nur so tun, als ob. Auch der Umgang mit Sauron würde mir so leichter fallen. Während wir durch das Schlachtfeld ritten, dachte ich an die verschiedensten Dinge und versuchte meine Gefühle dafür zu ergründen, um sie so zu unterdrücken. Es klappte mehr oder weniger, vielleicht würde ich in der Bibliothek Barad-Dûrs Lektüre zum Thema finden. Bei dem Gedanken an die Bibliothek schob sich ein gewisses Gesicht vor mein inneres Auge, mein Herz fing schneller an zu schlagen. Ich ignorierte es und verbannte das Gesicht wieder aus meinem Kopf. Faramir war mein engster Freund, vielleicht mein einziger Freund, es war normal, dass ich mich freute, ihn zu sehen.

Erst kam das Ered Lithui in Sicht, eine dunkle Bergkette im Osten, dann folgte das Morannon. Das mächtige schwarze Tor, war schon von weitem zu erkennen. Bald würde ich die Grenze Mordors übertreten, bald wäre ich wieder in meinem goldenen Käfig.

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So da wären wir wieder in Mordor. Hat euch der kleine Ausflug gefallen? Oder seid ihr froh, dass es vorbei ist und wir Sauron mehr Aufmerksamkeit wieder schenken werden? Hinterlasst doch gerne eine kleine Review. Allzu viele Chancen habt ihr nicht mehr, wir nähern uns der großen Endschlacht und es wird bald vorbei sein.
Einen schönen Start ins Wochenende
Ajnif
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