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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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08.04.2015 2.159
 
Mein Kopf! Stöhnend wachte ich auf. Das waren die stärksten Kopfschmerzen, die ich je hatte. Es war schlimmer als jeder Kater, den man sich zulegen konnte. Ich wollte meine Augen öffnen, blinzelte kurz und schloss sie sogleich wieder. Das Licht, welches mir heller als jede Sonne vorkam, stach in meinen Augen. Die Hände an meinen Schläfen blieb ich einfach liegen.
Was war passiert? Ich war durch den Fangorn gewandert, Sméagol war weggelaufen und ich ihm hinterher. Dann war da dieser betörenden Duft und dann? Bei dem Gedanken an die Gerüche fing mein Herz schneller an zu schlagen. Ich erinnerte mich nicht mehr an den Duft, doch irgendetwas hatte er in mir ausgelost. Etwas Schönes und ich hoffte darauf, irgendwann herauszufinden, was es mit diesem Geruch auf sich hatte. Fürs erste musste ich jedoch diese Gedanken zur Seite schieben. Ich konzentrierte mich auf meine Umgebung, meine Augen konnte ich noch immer nicht öffnen, aber es gab ja noch andere Sinnesorgane. Der Untergrund, auf dem ich lag war hart und felsig. Die Luft roch frischer, nicht so stickig wie im Wald. War ich gar nicht mehr im Fangorn? Hatte ich so lange geschlafen, dass man mich bis ins Nebelgebirge gebracht hatte?
„Ich glaube, sie wacht auf“, hörte ich eine Stimme. Ich hatte keine Wahl und öffnete vorsichtig die Augen, um meinen potentiellen Feinden ins Gesicht zu sehen. Einen Moment sah ich einfach gar nichts, nur verschwommenes Weiß, doch dann schärfte sich mein Blick. Das Licht, welches mir anfangs so grell erschienen war, war kaum mehr als Dämmerlicht. Die Sonne war durch die Wolken nur zu erahnen und beleuchtete meine Umgebung eher schwächlich. Ich lag wirklich auf Stein, es war eine Art Plateau und um das Plateau herum war dunkelgrünes Gras. Ich stutzte: Nein, das war kein Gras. Es waren Bäume, um genauer zu sein die Wipfel der Bäume die leicht im Wind schwankten. Ich war über dem Fangornwald, aber wie konnte das sein? Ich blickte mich geschockt weiter um und Erleichterung durchflutete mich. Ich musste mich auf einer Art Berg befinden, zumindest konnte ich so etwas wie einen stufenartigen Weg zu meiner rechten erkennen und auch einige Felsen an den anderen Hängen. Von einem Berg konnte ich problemlos herunter kommen.
„Jap, sie ist wach“, sagte eine andere Stimme und rief mir ins Gedächtnis, dass ich nicht alleine hier oben war. Ich drehte den Kopf so, dass ich in die Richtung sehen konnte, aus der ich die Stimmen vermutete. Mir klappte der Mund auf. Zwei kleine Gestalten mit lockigen Köpfen hockten nur ein paar Meter von mir entfernt. Der eine blond, der andere dunkelhaarig, doch beide schelmisch grinsend.
„Ich denke sie hat zuvor noch nie Hobbits gesehen“, sagte der Blonde.
„Ich glaube sie ist einfach von unserer Größe überrascht“, widersprach der Dunkelhaarige.
„Merry, Pippin?“, krächzte ich. Mehr konnte ich nicht sagen, so überrascht war ich. Es konnte sich nur um diese beiden Hobbits handeln. Wer sollte sonst mitten im Fangornwald hocken und Scherze machen, während um sie herum die Welt unterging!?
Auch die beiden Halblinge starrten mich verwundert an. Sie hatten eindeutig nicht damit gerechnet, dass ich sie erkennen würde, dass ich sie überhaupt kennen würde.
„Woher weißt du, wer wir sind?“, fragte Merry.
Ich runzelte die Stirn, wie viel sollte ich ihnen erzählen? Nur das Nötigste entschied ich: „Frodo und Sam haben mir von euch berichtet.“
Ihre Augen weiteten sich noch ein bisschen mehr: „Frodo und Sam? Sie leben? Wo sind sie? Geht es ihnen gut?“ Ich wusste gar nicht, was ich zuerst beantworten sollte. Eine tiefe und ruhige Stimme befreite mich aus der Zwickmühle: „Nicht so hastig, kleine Hobbits. Nicht so hastig.“
Baumbart. Es musste Baumbart sein und wenn Baumbart sowie diese beiden Chaoten hier waren, dann musste ich mich auf Baumbarts Berg befinden. Zwar hatte ich Baumbart gefunden, doch das Auftauchen der beiden Hobbits machte die Situation doch deutlich komplizierter, als angenommen, auch wenn ich mich freute, sie zu sehen.
Also lächelte sie freundlich, immer noch leicht verwirrt, an und versuchte ihre Fragen größtenteils zu beantworten: „Den beiden geht es den Umständen entsprechend gut. Sie sind momentan in Minas Tirith, ich habe sie in Mordor getroffen und von da aus dorthin gebracht.“
„Mordor?“, rief Pippin ungestüm.
Merry war dagegen etwas geistesgegenwärtiger: „Wie hast du sie aus Mordor herausbekommen? Der dunkle Herrscher hat sie doch sicherlich gefangen gehalten. Und wie bist du überhaupt dorthin gekommen?“
Die Frage nach meiner Person hatte ich mir etwas anders vorgestellt, aber gut, ich musste wohl oder übel erklären. „Ich werde Tinúviel genannt“, begann ich leicht zögernd.
„Aber das wi…“ Merry unterbrach Pippin, indem er ihm in die Seite stieß. Pippin sah über sich selbst erschrocken aus und klappte schnell den Mund zu. Ich betrachtete sie einen Moment verwirrt, beschloss dann aber nicht darauf einzugehen. Ich fuhr fort: „Frodo und Sam waren wirklich Gefangene des dunklen Herrschers. Sie konnten jedoch befreit werden und mithilfe eines… Freundes habe ich sie dann aus Mordor herausgeschmuggelt. Zu der Frage, was ich in Mordor zu suchen hatte, könnte man sagen, ich bin so etwas wie Saurons Gefährtin. Manche bezeichnen mich auch als Königin von Mordor.“
Nach meiner kleinen Erklärung, schwiegen die beiden entsetzt. Baumbart dagegen musterte mich interessiert und schien erst einmal eine Weile über das Gehörte nachzudenken, ganz seinem Motto ‚Nicht so hastig’. Ich dagegen betrachtete alle drei etwas ängstlich, bis jetzt hatte ich noch nie jemanden erklären müssen, wer ich war. Jeder hatte zumindest nach wenigen Minuten gewusst, wer ich war und wie ich zu Sauron stand. Natürlich waren die meisten mir mit Vorurteilen begegnet und hatten mich abgelehnt, aber damit war ich klar gekommen. Ich war auf das Wohlwollen der meisten nicht angewiesen. Doch wie würden sie reagieren, wenn ich es ihnen selber erklärte? Sie hatten mich vor was auch immer gerettet und nun erfuhren sie, wer ich eigentlich war.
„Gefährtin von Sauron?“, fragte Baumbart bedrohlich, der sich überraschender Weise als erster gefasst hatte.
Ich nickte. Seine große Hand griff nach mir, doch Merry schrie auf: „Nicht! Wir wissen doch noch gar nicht alles. Du hattest uns damals auch für kleine Orks gehalten und hättest du uns nicht zugehört, wären wir jetzt tot.“
Baumbart hielt seine Hand einen Moment in der Schwebe, dann senkte er sie wieder. Erleichtert sah ich zu Merry hinüber. „Danke“, sagte ich.
„Dank uns nicht zu früh. Wie ist es gekommen, dass du Saurons Königin wurdest? Hat er dich gezwungen?“
Tja, wie war es dazu gekommen? Ich würde wohl auf die guten alten Halbwahrheiten zurückgreifen, um (mal wieder) ums überleben zu kämpfen. „Ich weiß es auch nicht so genau. Ich bin eines Tages in Mordor aufgewacht.“ Pippin wollte mich erneut unterbrechen, klappte den Mund nach einem Blick auf Merry aber wieder zu. Ich fuhr fort: „Orks fanden mich und brachten mich nach Barad-Dûr. Ich weiß nicht wieso, aber Sauron interessierte sich für mich und ich versuchte ihn zu beeindrucken, damit er mich bei sich behielt. Die Alternative war der Tod. Na ja, inzwischen vertraut er mir und so konnte ich Frodo und Sam aus den Kerkern schaffen und nach Minas Tirith bringen.“ Es war ein äußerst unvollständiger Bericht und ich hatte geflissentlich den Ring ausgelassen, doch er schien meinen neuen Bekannten auszureichen. Sie schwiegen eine Weile und schienen über das Gehörte nachzudenken. Ich wartete gespannt auf ihr Urteil.
„Wenn ich dich richtig verstanden habe, bist du nicht auf Saurons Seite, sonst hättest du Frodo und Sam ja nicht befreit. Aber dennoch bleibt die Frage, warum du hier im Fangornwald bist. Dazu noch mit diesem Gollum, ein schreckliches Geschöpf, wie Gandalf erzählte, und einem der schwarzen Reiter.“
„Den Fangornwald habe ich aufgesucht, um Baumbart nach Samen zu fragen, die sogar in der kahlen Gegend von Mordor keimen. Außerdem habe ich den Auftrag, die Ents für Saurons Sache zu begeistern, aber das versuche ich gar nicht erst. Ich habe Sméagol unter meine Fittiche genommen und versuche ihn vom Einfluss des Ringes zu befreien, damit er den Rest seines Lebens in Frieden verbringen kann. Khamûl, so heißt der schwarze Reiter, ist zu meinen Schutz dabei, er steht unter meinem Befehl. Wo sind sie?“
Baumbart holte tief Luft, ehe er langsam und sehr gelassen sagte: „Keiner der beiden hatte etwas in meinem Wald zu suchen, ich habe sie entfernt.“
„Du hast sie getötet?“, rief ich entsetzt aus.
Baumbart machte ein brummendes und tiefes Geräusch, es ähnelte einem Lachen. Dann antwortete er: „Nein. Sie sind außerhalb meiner Heimat. Sie dürfen die Grenzen nicht übertreten. Du bist hier, weil diese beiden mich darum gebeten haben, dich aus dem Schlaffeld zu retten. Die Schlingpflanzen hätten dich fast erwürgt, als wir kamen. Die Hobbits haben zur Eile angetrieben, doch das war nicht nötig. Wie waren zur rechten Zeit dort.“
Erleichtert entspannte ich mich wieder. Ich hatte meine Beine angezogen, sodass sie unter meinem Umhang lagen. Über Fangorns Wipfeln wehte ein frischer Wind.
„Ich danke dir, dass du meine Begleiter nicht getötet hast, Baumbart. Du hättest jedes Recht dazu gehabt. Auch danke ich dir für meine Rettung. Und dennoch bitte ich dich um einen weiteren Gefallen. Gibt es eine Möglichkeit, Bäume in Mordor wachsen zu lassen?“
Baumbarts Miene verfinsterte sich, soweit ich das sagen konnte. Er sagte eine lange Zeit gar nichts, doch dann meinte er langsam, aber bestimmt: „Die Erde Mordors ist noch nicht so verpestet, dass nichts mehr auf ihr wachsen würde. Doch ich werde nicht zulassen, dass Kinder dieses Waldes dort aufwachsen werden. Die Ausdünstungen des Berges und das Volk dort, würden ihnen zu stark zusetzten. Du siehst, wie das Dunkle diesen Wald geprägt hat. Das werde ich nicht noch einmal zulassen!“
„Ich verstehe. Doch ist es deinen Kindern nicht möglich, etwas Licht in Mordors Dunkelheit zu bringen? Dazu beizutragen, dass das Land wieder heimelig wird?“, warf ich ein.
Erneut dachte Baumbart über meine Worte nach, kam aber recht schnell zu einem Entschluss: „Es wären Setzlinge, die ich dir geben können würde. Sie wären nicht standhaft genug, sich zu widersetzten. Sie würden verkümmern. Ich kann dir nicht helfen.“
Ergeben nickte ich und zeigte so meine Akzeptanz. Es gefiel mir nicht, was ich hörte, doch Baumbart war eines der ältesten Lebewesen in Mittelerde und, wenn er einen Entschluss gefasst hatte, würde ich ihn garantiert nicht umstimmen können. Mir bangte davor, was Sauron tun würde, wenn ich mit leeren Händen nach Hause käme, doch darüber würde ich mir später Gedanken machen. Nun war ich an der Reihe Fragen zu stellen.
„Merry, Pippin“, sprach ich die beiden Hobbits an. „Wie kommt es, dass ihr hier seid? Man nahm an, ihr seid tot. Sie sagten, ihr seid beim Fall Isengarts ebenso gefallen.“ Das war zwar nicht ganz die Wahrheit, es hieß nur, sie seien verschollen, aber so würden sie sicher eher reden.
Merry und Pippin warfen sich gleichermaßen in die Brust und berichtete stolz von ihrem Sieg über Isengart. Sie hatten auf den Rest der Gemeinschaft des Ringes gewartet, doch niemand war gekommen. Also hatten sie beschlossen bei Baumbart zu bleiben. Alleine hätten sie die Gefährten nie gefunden und sie waren sich sicher gewesen, dass Frodo und Sam sie finden würden, wenn alles vorbei war. Es erstaunte mich, dass sie immer noch an ein gutes Ende glaubte, wo doch alles noch hoffnungsloser war, als zuvor.
„Kannst du auf deinem Rückweg in Minas Tirith Bescheid sagen, dass wir hier sind?“, fragte Pippin mich.
„Ich werde nicht nach Minas Tirith kommen. Wie sollte ich einen weiteren Umweg erklären? Aber…“, sagte ich leise und blickte dabei zu Baumbart rüber. Verschwörerisch senkte ich meine Stimme: „Ihr habt die Ents schon einmal davon überzeugt zu kämpfen. Denkt ihr, dass ihr das erneut schaffen werdet?“
„Aber klar“, rief Merry aus.
„Gut. Nehmt mit Aragorn Kontakt auf, fragte Baumbart, wie ihr das machen könnt und dann versucht die Ents für den Plan zu gewinnen, sodass wir Sauron stürzen können.“
Beide Halblinge sahen mich mit großen Augen an. Versprachen dann aber zu helfen. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit über diese Aufgabe beeindruckten mich. Den Rest des Tages verbrachten wir damit zu scherzen und sie erzählten mir vom Auenland. Über ihre Reise wollten sie zu meinem Leidwesen nicht sprechen. Am interessantesten jedoch waren Baumbart Erzählungen und Lieder über längst vergangene Zeiten. Bis spät in die Nacht lauschten wir ihnen andächtig. Meine Sorge um Sméagol bedrückte mich, ich konnte jedoch nichts tun. Ich hoffte einfach, dass Khamûl um meinetwillen auf ihn achten würde.


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Hallöchen
Entschuldigt die für mich recht lange Wartezeit! Ich habe mir an diesem Kapitel wirklich die Zähne ausgebissen und bin immer noch nicht zufrieden. Habe aber beschlossen, was solls und es nach vielen Überarbeitungen online gestellt.

Baumbart gefällt mir immer noch nicht und Merry und Pippin kommen einfach zu kurz, aber es ist keine allzu wichtige Handlung und deswegen will ich nicht zu viele Kapitel darauf verwenden. Weglassen will ich sie auch nicht, da die beiden (besonders Merry) meine Lieblingshobbits sind und Baumbart einfach der Hammer ist. Ihr versteht mein Dilemma?

Ich hoffe, euch gefällt das Kapitel trotzdem und es ist nur die übliche Unzufriedenheit des Autors, die ich verspüre. Wenn ihr Verbesserungsvorschläge habt immer her damit!
Ajnif
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