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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
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27.03.2015 1.902
 
Mit Frodo und Sam schritt ich durch die Straßen Minas Tirith. Ich trug ein einfaches Kleid und einen schlichten Umhang, niemand erkannte mich als die Gefährtin Saurons. Heute war Markttag, es wimmelte in den Straßen nur von Menschen, von den verschiedenen Plätzen hörte man die Rufe der Marktschreier, die neben Lebensmitteln auch Tuch, Handwerkszeug und anderes nützliches anboten. Es waren sogar einige fahrende Händler gekommen, die exotische Gewürze oder Schmuckstücke anboten.
Besonders ein Stand erregte meine Aufmerksamkeit, es war einer der fahrenden Händler, der Waffen anbot, keine Schwerter oder ähnliches, sondern kleine Messer, Dolche und andere Waffen, die leicht zu verstecken waren.
Ich blieb vor dem Stand stehen und betrachtete die Auslage, der Händler bemerkte mein Interesse fast sofort und wandte sich zu mir um.
„Sucht die Dame etwas zur Verteidigung? Etwas, was mein leicht unter einem Kleid verstecken kann? Ich habe genau das richtige für Euch!“ Er griff nach einem reich verzierten Messer, welches in der Sonne funkelte, so viele Edelsteine waren am Griff befestigt. Dieser Dolch wäre kaum zu gebrauchen, um unauffällig gezogen zu werden, geschweige denn, dass er meinem Geschmack entsprach.
Ich schüttelte den Kopf, um dem Händler zu signalisieren, dass ich kein Interesse an seinem Schmuckstück hatte. Ich ließ meinen Blick erneut über die Auslage wandern, viele der Dolche waren ebenso reich verziert, doch ich beachtete sie nicht. Als ich mich schon wieder von dem Stand abwenden wollte, fiel mir einer der Dolche ins Auge. Er war schlichter gehalten, als die anderen und funkelte nicht. Er war schwer mit dem Auge zu erfassen, es sah aus, als zerfließe er immer wieder. Die Klinge war dunkel. Ich konnte nicht sagen, ob sie mehr blau oder gräulich war. Doch das besondere war auch hier der Griff. Unwillkürlich fasste ich zu meinem Schwert, als ich das wellenartige Muster auf dem Dolch erkannte.
„Ein wunderbares Stück, einzigartig möchte ich meinen! Zum Vorbild war das Schwert einer Kriegerin. Der Schmied, der es herstellte, berichtete er habe es nach den Vorgaben einiger Soldaten aus dem Süden geschmiedet. Eine großartige Kriegerin und eine Schönheit dazu, haben sie berichtet. Doch Furcht einflößend soll sie sein.“ Verschwörerisch senkte er seine Stimme und beugte sich zu mir herüber: „Man sagt, ihr Haar wäre so rot, wie das Feuer ihres Gefährten. Sie soll eine dunkle Hexe aus fernem Lande sein, die sich an die Seite des dunklen Herrschers gesellt hat. Seine Königin soll sie sein. Seine wunderschöne und grausame Königin.“
Bei den Worten des Händlers lief es mir kalt den Rücken hinunter. War das also mein Ruf? Wunderschön und grausam? Nun, ich hatte es nicht anders gewollt. Ich musste stark wirken und meinen Feinden Angst einjagen, sonst hätte mich Sauron niemals als seine Gefährtin auserwählt. Hätte ich gewusst, was nun passieren würde, hätte ich die Anzeichen bemerkt, doch ich war so versunken, dass jegliche Reaktion meinerseits zu spät kam.
„Der Dolch sieht wie dein Schwert aus, Tinúviel“, hörte ich Sams Stimme. Mein Kopf fuhr ruckartig hoch, meine Kapuze fiel nach hinten, sodass mein Haar sichtbar wurde. Ich blickte direkt in die Augen des erschrockenen Händlers, der vor mir zurück wich.
„Ihr…. Ihr seid es“, stammelte er. Aufgrund der merkwürdigen Reaktion des Händlers hin, drehten sich die Leute zu uns um. Die Bewohner Minas Tirith schienen verwirrt, doch die Menschen, die von außerhalb kamen wurden bleich. Sie schienen eins und eins zusammen zählen zu können. Besonders die Menschen aus den südlichen Regionen erkannten mich fast sofort. „Die Hexe“, hörte ich eine Stimme rufen. „Die dunkle Königin“, rief eine andere. Weitere Rufe ertönten: „Saurons Gefährtin…die Herrscherin Mordors…sie ist hier, sie ist hier innerhalb der Mauern von Minas Tirith“
Ich setzte meine kalte Miene auf und sah dem Händler direkt in die Augen, er schien noch ein Stück zu schrumpfen. „Ich würde gerne diesen Dolch erwerben. Richtet den Schmiedemeister auf, er hat mein Schwert sehr gut getroffen. Es ist ein Meisterwerk. Wie viel verlangst du?“
Der Händler schüttelte den Kopf: „Er ist Euer. Ein Geschenk.“
Ich hatte nichts anderes erwartet und nahm den Dolch wortlos in die Hand. Noch einmal betrachtete ich ihn kurz, ehe ich ihn unter meinem Umhang verschwinden ließ. Betont langsam und die aufgewühlte Mende ignorierend, drehte ich mich um. „Ich denke es ist besser, wenn wir gehen“, sagte ich zu den beiden Halblingen.
Die meisten wichen vor mir zurück. Sie konnten es nicht fassen, wie die Gefährtin Saurons, eine mächtige Feindin, in ihre Mauern dringen konnte. Nur ein Mann stellte sich mir offen in den Weg: „Bleibt, wo Ihr seid! Ruft die Wachen, sie darf nicht entkommen!“
Ich spürte, wie Zorn in mir hoch stieg, ich unterdrückte ihn so gut ich konnte. Ich durfte niemanden verletzten, ich war auf feindlichem Gebiet und auch wenn, sie keine wirklichen Rivalen waren, durfte ich Aragorn Gastfreundschaft nicht missbrauchen.
Der Aufforderung des Mannes folgend, versperrten mir weitere Männer den Weg, sie kreisten mich ein, kamen mir jedoch nicht zu nahe. Ich versuchte sie zu ignorieren und meine Beherrschung zu wahren. Von Sekunde zu Sekunde wurde es schwieriger.
„Was ist hier los?“, rief eine mir bekannte und autoritäre Stimme. Erleichterung durchflutete mich, gleich würde es vorbei sein. Gleich könnte ich gehen und ich hatte niemanden verletzt.
„Der Feind ist in unsere Mauern gedrungen, Herr“, rief der Mann, der zuerst gesprochen hatte. Éomer näherte sich mit großen Schritten, er konnte nicht weit entfernt gewesen sein.
„Feind?“; fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen. „Ich sehe keinen Feind.“
„Sie, Herr. Das ist die Königin, die der dunkle Herrscher sich erwählt hat.“
Éomer zog sein Schwert „Hüte deine Zunge, die Botin unseres geschätzten König und Herrn zu beleidigen. Frau Tinúviel steht unter dem Schutze unseres verehrten Truchsess Denethor selber. Sie wird unserem edlen König berichten, wie gut und treu wir ihm ergeben sind.“
Verstehen huschte über das Gesicht des Mannes und auch ich verstand. Die Fassade musste aufrecht gehalten werden, schließlich war Gondor offiziell ein Verbündeter Mordors und Sauron so ihr König. Es war nur rechtens, dass ich hier war. Nun war ich dran, meine Rolle zu spielen: „Was hat das zu bedeuten?“, fragte ich mit eisiger Stimme. „Er bezichtigte mich als Feindin. Wie könnt ihr mich als Feindin bezeichnen, wenn ihr doch auf der Seite des edlen Tar-Mairons steht?“
Éomer trat ein paar Schritte auf mich zu, er deutete eine Verneigung an, dann sagte er: „Ihr müsst das Benehmen dieses Tölpels verzeihen. Wir haben noch immer einige Verräter unter uns, die die Herschafft unseres edlen Königs nicht anerkennen wollen. Wir versuchen alle zu finden, doch ihre Zahl ist klein und die Stadt ist groß.“
„Ich muss unserem Herrscher davon berichten, dass wisst Ihr?“
„Natürlich, Herrin. Doch lasst uns Euch zeigen, dass wir nun alle Verräter gefunden haben.“
„Ihr kümmert Euch um Ihn? Ich möchte mich nicht gezwungen fühlen, mich in die Bestrafung eurer Gefangenen und Verräter einzumischen.“
„Das wird nicht notwendig sein. Führt ihn ab!“, befahl er bis jetzt unsichtbaren Wachen und bot mir dann seinen Arm an. „Begleitet mich zurück zum weißen Turm.“ Ohne ein Wort ergriff ich seinen Arm und wir schritten durch die Menge, die schnell Platz machte. Frodo und Sam folgten uns.

Als wir auf dem Platz des Springbrunnens standen, ließ ich Éomers Arm eilig los. Er sah mich wütend an: „Das war leichtsinnig von Euch.“
Ich antwortete nicht. Was sollte ich dazu auch schon sagen.
„Ich hoffe die meisten haben es abgekauft. Wenn herauskommt, dass Ihr auf unserer Seite seid, ist unserer ganze Planung hinfällig.“
Ich konnte nicht länger an mich halten: „Welche Planung bitteschön? Die einzigen Komponenten unseres Plans sind, dass ich Sauron in die Falle locken soll. Wie die Falle aussehen soll, haben wir nicht einmal ansatzweise besprochen.“
„Und wenn Ihr auffliegt, haben wir nicht einmal mehr diesen Vorteil. Vielleicht hat Gimli Recht und wir sollten Euch einfach als Geisel nehmen.“
„Ich fühle mich durchaus geschmeichelt, aber wir wissen alle, dass ich nicht so wichtig bin. Niemals würde Sauron seine Krone für ein dahergelaufenes Mädchen abgeben.“
„Er liebt Euch“, sagte Éomer überraschend ruhig nach seinem kleinen Wutausbruch. Ich schnaubte nonchalant und sah ihn verächtlich an: „Lieben? Sauron liebt niemanden, er ist nicht einmal fähig, so ein Gefühl überhaupt zu empfinden.“
„Ihr seid ihm nicht egal“, hielt Éomer dagegen.
„Egal sicherlich nicht, sonst hätte er mir nicht den Ring gegeben. Ich weiß nicht warum er das getan hat, aber ich weiß, dass ich durchaus ersetzbar bin. Ihr dürft das nicht vergessen, ich darf das nicht vergessen.“
„Ich denke Ihr unterschätzt Euren Wert. Wenn Ihr ersetzbar wäret, hätte Sauron Auch dann gehen lassen? Warum hat er Euch ausgesucht, den Ring zu nehmen. Er hat Euch nicht irgendeinen Ring gegeben, er hat Euch einen ganz neuen Ring erschaffen, der fast so mächtig, wie seiner ist.“
Ich betrachtete Éomer nachdenklich. „Wenn Ihr Euch nicht immer wie ein Widerling (1) verhalten würdet, wärt Ihr ein ganz annehmbarer Gesprächspartner“, gab ich zu.
Er grinste mich an: „Ihr stellt mich als den Böden hin? Wen wollte die Menge gerade lynchen?“
Widerwillig grinste ich zurück. „Ich habe überhaupt nichts getan. Ihr habt doch den armen Mann fest nehmen lassen. Was passiert nun mit ihm?“, fragte ich wieder ernst.
„Die Wachen gehen sanft mit ihm um und ich werde ihm im Verlaufe des Tages aufklären, dass wir den Schein waren müssen, da Ihr nicht bemerken dürft, dass Denethor nicht mehr an der Macht ist“, antwortete Éomer ebenso ernst.
„Werden sie das glauben?“, fragte ich skeptisch. Mir kam die ganze Situation zu gespielt und zurechtgebogen vor.
„Zweifler gibt es immer, aber solange sie nicht beweisen können, sollte nichts passiere. Wie ich schon sagte, unterschätzt Euch selber nicht: Falls Sauron Euch darauf ansprechen sollte, werdet Ihr ihn schon von dem Verdacht abbringen können.“
Immer noch besorgt lächelte ich Éomer an. Das Grinsen kehrte auf sein Gesicht zurück, neckend sagte er: „Ihr seid wirklich eine Augenweide, wenn Ihr so lächelt, aber Euer Männergeschmack…“
Gespielt beleidigt schlug ich ihm auf den Arm. „Ich bin in festen Händen. Benehmt Euch!“
Nun war es an ihm zu schauspielern, indem er seinen Arm rieb und dabei meinte: „Nicht sehr Damenhaft.“
Ich lachte kurz auf.
„Was ist los, Herr Frodo?“, hörte ich Sam erschrocken fragen. Ich wandte mich zu den beiden Halblingen um. Sam musterte besorgt seinen Herrn, während Frodo mich entsetzt ansah.
„Du hast gelacht“, stellte er geschockt fest. Éomers Grinsen wurde breiter du auch Sam musste schmunzeln.
„Ja, das tut man so, wenn man etwas lustig findet“, antwortete ich und verstand nicht so ganz, was ihn so entsetzte.
„Aber du lachst nie“, widersprach er. Ich wollte ebenfalls widersprechen, hielt jedoch inne. Er hatte Recht, ich hatte nie wirklich gelacht. Doch nun war es das zweite Mal in kurzer Zeit, dass ich lachen musste. Meine Reise tat mir gut und so nervig Éomer auch war, vielleicht könnten wir irgendwann einmal Freunde werden. Vielleicht würde ich irgendwann auch Gimli davon überzeugen können, dass ich nicht so ein Biest war, wie er annahm. Bei dieser Vorstellung lächelte ich erneut.




(1) Ich weiß, Widerling ist kein gelungenes Wort. Hat jemand von Euch vielleicht ein gutes Synonym für Arschloch, welches nach Mittelerde passt? Idiot passt jetzt nicht wirklich vom Sinn her und klingt auch zu nett. Poperze oder Podex schienen mir bei der Internetsuche auch weniger geeignet… :D


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Hallöchen,
ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen, auch wenn nicht wirklich etwas wahnsinnig spannendes passiert ist.

Wie gefallen euch eigentlich meine Inkarnationen der Gefährten? Wollt Ihr noch mehr von Minas Tirith lesen oder soll es bald wieder auf die Reise gehen? Eine kleine Meinung würde mich freuen.

Ajnif
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