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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
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24.03.2015 1.654
 
Ich stand auf dem Platz des Springbrunnens und blickte über die weite Landschaft der Pelennor Felder. Hinter mir planschte Sméagol im Springbrunnen zum Missfallen der Wachen. Doch sie sagten nichts. Ich wusste, es war unhöflich, doch zum einen war es mir egal und zum anderen wollte ich Sméagol etwas Gutes tun. Er vermisste seinen Teich und der Springbrunnen war zumindest ein ärmlicher Ersatz dafür.
Auch Khamûl war immer in meiner Nähe, was dafür sorgte, dass sich mir niemand näherte. Leider konnte ich mich so auch mit niemandem unterhalten. Ich fühlte mich einsam hier, was mir merkwürdig vorkam. Schließlich war ich umgeben von Menschen, die ich mögen sollte. Doch sie wussten immer noch nicht, was sie von mir denken sollten. Ich hatte beschlossen ihnen Zeit zu geben. Sauron wäre von meinem langen Fortbleiben nicht erfreut, aber es musste sein und ich würde mich erst dann mit seinem Zorn befassen, wenn ich musste.
„Du vermisst ihn, oder?“, fragte mich eine leise Stimme.
Ich hatte niemanden kommen gehört und wandte mich so überrascht zu Sam um.
„Wo ist Frodo?“, fragte ich als Gegenfrage.
„Bei einer der Beratungen. Mir wurde verboten anwesend zu sein, wie damals bei dem Ringrat. Völliger Mumpitz, wenn du mich fragst. Ich sollte dabei sein dürfen, wer hat den Herrn Frodo auf seinem Weg begleitet? Wer hat dafür gesorgt, dass ihm nichts geschieht und wer war mit ihm in Mordor gefangen gewesen? Ja, genau, ich war das. Und was kriege ich dafür? Eine zugeknallte Tür vor der Nase.“ Seine Stimme war wütend geworden. Bei seiner mehr als offensichtlichen Empörung über das Vertrauen, was man ihm entgegenbrachte, musste ich lachen. Überrascht sah er mich an, als mein helles Lachen über den Platz des Springbrunnens hallte. Auch einige Wachen sahen sich verwirrt nach der Geräuschkulisse um. Bei Sams verwirrtem Gesichtsausdruck musste ich noch mehr lachen. Wie lange hatte ich nicht mehr ausgiebig gelacht? Faramir brachte mich manchmal zu einem ehrlichem Lächeln und auch Sméagol belustigte mich, doch aus vollem Herzen lachen, das konnten nur die Hobbits bewerkstelligen. Ihre fröhliche und leichte Art, obwohl sie so viel Schreckliches erlebt hatten und dennoch waren sie nicht lächerlich oder naiv, sie machten einfach das Beste aus ihrer Situation.
„Was hast du mit ihr gemacht, kleiner Hobbit?“, fragte eine raue Stimme hinter uns. Grinsend wandte ich mich um, als ich Éomer erkannte, grinste ich noch mehr.
„Ihr solltet Euch von diesem Verführer hier ein paar Ratschläge holen. Er weiß, wie man eine Frau zum Lachen bringt“, sagte ich frech. Auch Éomer grinste. „Das sollte ich wohl wirklich tun. Jemand, der unsere hübsche, kalte Königin solche Laute entlockt, der muss wirklich ein Talent haben.“
Bei diesen Worten wurde Sam rot. Er wusste ja nicht einmal, wieso ich gelacht hatte und offensichtlich hatte ihn meine Heiterkeit eher erschrocken, als alles andere.
„Ich bin eigentlich gekommen, um Euch zu einem Festessen heute Abend einzuladen“, erklärte Éomer seinen Besuch.
Meine fröhliche Miene verschwand und machte einer nachdenklicheren Miene platz: „Ihr seid zu einer Entscheidung gekommen?“
Éomer nickte. „Ich werde Euch heute Abend vor Euren Gemächern abholen.“
„Ich kann den Weg durchaus alleine finden“, schnappte ich. Die Absicht hinter seinen Worten wohl erkennend, er vertraute mir nicht und wollte nicht, dass ich alleine durch Minas Tirith ging. Das hatte ihn von Anfang an nicht gefallen, dass Aragorn nichts dagegen unternommen hatte, dass ich meine Gemächer verließ.
„Dennoch möchte ich Euch begleiten“, sagte Éomer galant.
„Nein.“
Er setzte sein charmantestes Lächeln auf, mein Lachen von vorhin hatte ihm wohl Glauben gemacht, ich sei wie die anderen Frauen, die er stets verführte. „Bitte tut mir den Gefallen“, sagte er mit honigweicher Stimme.
Ich wollte gerade zu einer bissigen Antwort ansetzten, als mein Blick auf Sam fiel. „Ihr dürft mich begleiten, wenn Sam ebenfalls am Essen teilnehmen darf.“
Éomers Lächeln verrutschte nur eine Spur, doch er fing sich gleich wieder: „Wenn Ihr es wünscht.“
Sam strahlte mich an. Ich war jedoch noch nicht fertig: „Das Gleiche gilt natürlich auch für Sméagol.“
Nun war Éomers Lächeln endgültig weggewischt. „Nein“, sagte er bestimmt.
„Es ist eine Nettigkeit, dass ich darum bitte“, sagte ich nun mit eisiger Stimme.
Éomer ließ sich davon nicht beeindrucken: „Dieses Wesen ist Schuld, dass Sauron immer noch unter uns weilt. Er ist ein widerlicher, kleiner Schleimer, der nicht an der Tafel Gondors sitzen wird.“
„Passt auf, was Ihr sagt, Pferdemensch. Sméagol wird mich begleiten. Nicht einmal Euer hochgeschätzter König Elessar wird mich davon abhalten.“
Ich war mir fast sicher, Éomer würde gleich sein Schwert ziehen, doch er ließ es in der Scheide. „Wie Ihr wünscht“, schnaubte er und ging sich beherrschend davon.
Zufrieden sah ich ihm nach.
„Manchmal könnt Ihr einem wirklich Angst machen“, bemerkte Sam.
Ich antwortete nicht. Manchmal musste man den Menschen eben Furcht bereiten.


Die Stimmung beim Festmahl war mehr als ungemütlich. Wie waren eine kleine Runde, die fünf Männer, die beiden Hobbits, ich und natürlich Sméagol, der in einer Ecke saß und vor sich hin brabbelte, dabei kaute er zufrieden auf einem rohen Fisch herum.
Besonders Éomer warf mir immer wieder giftige Blicke zu, was die Stimmung nicht gerade förderte. Hinzu kam noch das Unbehagen wegen Khamûl, der stocksteif neben der Tür stand.
Genervt warf ich mein Messer auf den Tisch. Ich wollte ihr Vertrauen und ihre Hilfe im Kampf gegen Sauron, diese steife Stimmung machte dies unmöglich.
Khamûl, warte draußen!, befahl ich und nach einer stummen Zustimmung seinerseits, öffnete sich das kleine Portal und der Nazgûl verschwand draußen in der Nacht.
Frodo und Sam entspannten sichtlich, Aragorn blickte ihm angespannt nach. „Wo ist er hin?“, fragte er.
„Ich habe ihn nach draußen geschickt.“
Glorfindel sah mich überrascht an: „Er gehorcht Euch?“
Ich nickte.
„Erstaunlich, wirklich erstaunlich, Gehorchen die Ringgeister doch nur dem dunklen Tyrannen. Wie könnt Ihr mit ihnen kommunizieren?“, fragte er interessiert.
Ich zögerte einen Moment, beschloss dann aber, dass ich ihnen vertrauen musste, damit sie mir vertrauen würden. „Ich spreche in Gedanken zu ihnen.“
„Sehe ich es richtig, dass es zwischen Euch und den Ringgeistern ein inneres Band gibt?“
„Ich spüre die Position eines jeden Ringes, manche mehr, manche weniger genau. Wenn ich Kontakt mit einem Ringträger hatte, kann ich Kontakt zu seinem Ring aufnehmen und sehe Bilder von seiner Umgebung. Bei den Neun ist es ein bisschen anders. Sie tragen keine Ringe mehr, sie sind ja nicht einmal wirklich existent auf dieser Ebene. Ich weiß immer, wo sie sich befinden, aber es ist insofern schwieriger, dass man nicht in die andere Ebene rutschen darf. Ich habe viel Zeit mit Khamûl verbracht, mit ihm fällt mir die Kommunikation inzwischen sehr leicht“, beschrieb ich wage das Verhältnis zwischen dem zweitobersten Nazgûl und mir.
Glorfindel nickte wissen zur Antwort. Ich traute ihm zu, dass er mich verstand, zumindest hatte er mehr verstanden, als Éomer, der sich nun zu Wort meldete: „Ihr redet davon, als seien die Ringe etwas großartiges.“
Ich sah ihn verächtlich an: „Die Ringe der Macht sind etwas großartiges. Sie sind ein großes Stück Magie und nichts kommt ihnen gleich. Die Ringe selber sind nicht schlecht, nur der Missbrauch Saurons macht sie zu etwas Schrecklichem.“
Éomer wollte mir widersprechen, doch Glorfindel unterbrach ihn: „So sehr mir der Gedanke auch missfällt, Tinúviel hat durchaus Recht. Die Ringe sind mit mächtigen und beeindruckenden Zaubern geschaffen, auch Sauron ist ein mächtiger Zauberer, der etwas von seinem Handwerk versteht. Er nutzt jedoch sein Können für die Zerstörung und um Leid zu verbreiten, weshalb wir ihn aufhalten müssen.“
Erneut senkte sich Schweigen über unsere Runde, diesmal war es jedoch nachdenklicher Art und nicht so drückend, wie zuvor.
„Aus Euren Worten schließe ich, dass wir zusammen arbeiten werden?“, unterbrach ich die Stille.
Glorfindel nickte zustimmend, während Aragorn sagte: „Wir werden zusammen arbeiten, um dem Bösen Einhalt zu gebieten. Wie viel Zeit bleibt Euch noch, bis Ihr nach Mordor zurück müsst?“
„So viel Zeit, wie es braucht, alles vorzubereiten“; antwortete ich.
„Werdet Ihr nicht vermisst werden?“, fragte Legolas neugierig.
„Lasst das meine Sorge sein“, wiegelte ich ab. Den Gedanken an Saurons Zorn schob ich erneut zur Seite. Das waren Sorgen für später.
„Wie habt Ihr es überhaupt geschafft, aus Mordor zu entkommen? So ganz ohne Axt“, fragte Gimli ehrlich interessiert.
„Ich habe Sauron um Erlaubnis gebeten“, antwortete ich schlicht. Verblüffung machte sich in den Gesichtern breit, nur Glorfindel sah nicht überrascht aus.
„Und er hat Euch gehen lassen?“, fragte Éomer, seinen Groll kurz vergessend.
Ich sah ihn scharf an: „Natürlich hat er mich gehen lassen. Ich glaube Ihr unterschätzt meine Position. Sauron vertraut mir, er hat mich zu seiner Gefährtin erkoren und mir den hier gegeben.“ Bei den letzten Worten, hob ich meine linke Hand mit dem Ring. Sie zogen scharf die Luft ein, außer den Elben hatte noch keiner ihn bemerkt.
„Welcher ist es?“, fragte Aragorn in der Annahme, es sei einer der Menschenringe.
„Keiner, der Euch bekannt ist. Sauron hat ihn extra für mich angefertigt, er steht nicht unter dem Einfluss seines Ringes.“ In Gedanken fügte ich zumindest nicht mehr hinzu, aber das musste keiner der Anwesenden wissen.
„Er hat Euch einen Ring angefertigt. Ich denke darauf sollten wir das Grundgerüst unseres Plans setzten“, sprach Glorfindel seine Gedanken laut aus.
„Wir arbeiten doch nicht mit ihr zusammen! Sie hat einen Ring, Sauron erfährt alles. Wir sollten sie in den Kerker werfen, nein, noch besser, wir sollten sie gleich köpfen“, forderte Gimli wutentbrannt. Warum hasste er mich so? Lag es an der Natur des Zwerges, seinen Hass auf Sauron? Ich verstand nicht, warum er sich nicht, wie die anderen mit der Situation arrangieren konnte. Selbst Éomer tolerierte mich zumindest, auch wenn er mich persönlich nicht sonderlich zu mögen schien.
„Beruhige dich, Gimli. Wir brauchen sie lebend. Du hast selber erlebt, dass rohe Gewalt gegen Sauron nutzlos ist, wir brauchen jemanden, dem er vertraut und das ist Tinúviel. Von ihr wird er einen Verrat am wenigsten erwarten.“ Die anderen nickten zustimmend und Gimli ließ sich zurück in seinen Stuhl fallen, warf mir aber immer noch grimmige Blicke zu. Ich hatte hier wirklich wahre Freunde gefunden.
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