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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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24.03.2015 1.552
 
„Seid willkommen in den Hallen Minas Tirith“, sagte der vorderste der fünf Männer. Er hatte kinnlanges, braunes Haar, war groß und trug einen ernsten Gerichtsausdruck zur Schau. Argorn, Arathorns Sohn.
Ich antwortete nicht, meine Füße bewegten sich keinen Millimeter. Ich konnte die Männer vor mir nur anstarren.
„Offensichtlich hat die Kunde von Denethors Abdankung Mordor noch nicht erreicht“, feixte ein anderer Mann mit einem breiten Grinsen. Er hatte eine breite Statur, und ebenfalls schulterlanges Haar, dieses war jedoch in einem dunklem Blond. Èomer, Éomunds Sohn.
„Ha Ha! Wie sollten diese Hunde unsere List auch durchschauen! Und selbst, wenn sie mit einem Heer angerückt wären, meine Axt hätte ihnen schon den Heimweg gewiesen“, lachte wieder ein anderer. Er war offensichtlich ein Zwerg mit rotem Haar und Bart. Sein kleiner, aber kräftiger Körper war in ein Kettenhemd gehüllt. Eine breite Axt hing an seinem Gürtel.
Mein Blick wanderte über die anderen beiden Männer, die noch nichts gesagt hatten. Es waren Elben, hoch gewachsen mit langem blondem Haar, das glatt über ihren Rücken fiel. Sie musterten mich beide, doch ich beachtete sie nicht. Mein Blick ruhte immer noch auf dem ersten Sprecher. Das war eindeutig zu einfach gewesen.
„Was ist, habt Ihr Eure Zunge verschluckt?“, fragte der Zwerg frech.
Ich erwachte aus meiner Starre, richtete mich auf und setzte meine kalte Maske auf, die hoffentlich nicht zu sehr verrutsch war. Mit einem kalten Lächeln antwortete ich: „Meine Zunge, Gimli, Gloins Sohn? Nein, ich fürchte die ist noch an ihrem Platz. Aber zugegebenermaßen habe ich anderes erwartet.“
„Wir ebenso“, antwortete der blonde Mensch, erneut grinste er breit und musterte mich ungeniert, ehe er fortfuhr: „Wer hätte gedacht, dass unsere dunkle Königin so ein hübsches Ding ist?“
„Hübsch, sagt ihr!? Sie ist der Feind! Wir sollten sie festnehmen!“, ereiferte sich Gimli erneut und setzte sich in Bewegung. Ich reagierte nicht, sammelte aber vorsichtshalber etwas Magie in meiner Handfläche.
„Der Zwerg hat Recht. Ergreift sie!“, befahl Éomer. Ich spürte, wie sich die Wachen von hinten näherten. Von vorne liefen Éomer und Gimli auf mich zu.
„Nein“, rief Aragorn, doch es war zu spät. Kurz bevor mich meine Angreifer erreichten, ließ ich die Magie aus meiner Handfläche frei. Eine Druckwelle breitete sich um mich herum aus und fegte sowohl die Wachen, als auch Gimli und Éomer von den Füßen. Selbst Aragorn und einer der beiden Elben, hatte Mühe auf den Füßen zu bleiben. Nur die Hobbits, die dicht bei mir standen, sowie Sméagol blieben verschont.
„Ihr denkt doch nicht wirklich, ich wüsste mich nicht zu verteidigen“, spottete ich. Die am Boden liegenden rappelten sich auf, keiner war verletzt. Sie warfen mir finstere Blicke zu, griffen jedoch nicht noch einmal an.
„Euer Meister hat Euch gut ausgebildet“, sagte einer der Elben. Ich blickte ihn zum ersten Mal richtig an. Ich erkannte ihn nicht auf Anhieb. Also wanderte mein Blick zu dem anderen Elben, der weniger beeindruckt aussah, sondern eher abneigend, meerblaue Augen und langes blondes Haar, eindeutig Legolas.
„Ich setzte meine Kräfte nur ein, wenn ich muss“, gab ich zur Antwort.
„Warum seid Ihr hier?“, fragte Aragorn diplomatisch.
„Ich hatte vorgehabt, Denethor nach Eurem Aufenthalt zu fragen. Aber das hat sich jetzt erübrigt, fürchte ich.“
„Und warum wolltet Ihr meinen Aufenthaltsort erfahren?“
„Um dich zu verraten und umzubringen. Sie ist Saurons Spielzeug, was sollte sie sonst wollen?“, meinte Èomer. Mit einem Knall landete er an einer der Säulen, einen Moment hing er hilflos in der Luft, ehe ich ihn wieder zu Boden fallen ließ. Schell rappelte er sich wieder auf. „Bezeichne mich niemals wieder als Saurons Spielzeug“, knurrte ich. Eine Welle aus Zorn war in mir bei seinen Worten explodiert. Ich schloss sie in meinen Bauch und beruhigte mich wieder. Ich bereute meine übereilte Handlung, hatte ich doch den Eisblock weiter geben wollen.
„So, so. Ihr setzt Eure Kraft nur ein, wenn Ihr müsst?“, wiederholte der mir fremde Elb.
Ich antwortete nicht.
„Warum seid Ihr hier?“, wiederholte Aragorn seine Frage.
Ich überlegte einen Moment, ob ich offen sprechen sollte. Ich hatte jedoch nichts davon gewusst, dass Aragorn in Minas Tirith war, mehr noch, niemand in Mordor hatte davon erfahren, dass Denethor nicht mehr der Machthaber war. Sonst hätte Sauron längst eingegriffen.
Ich entschied mich, ihnen zu vertrauen. Es waren ehrenwerte Männer, zumindest in den Büchern. Ohne ein Wort, schob ich Frodo und Sam in ihre Richtung. Ich bedeutete ihnen ihre Kapuzen abzunehmen. Als sie dies taten, breitete sich erst Erstaunen auf den Gesichtern der Männer aus, dann jedoch Misstrauen.
„Welche Gegenleistung verlangt ihr?“, wollte Éomer wissen.
„Ihr habt Euch um ihre Sicherheit zu kümmern, wird ihnen auch nur ein Haar gekrümmt, werde ich jeden von Euch bestrafen“, gab ich zur Antwort. Ich meinte, was ich sagte. Die Halblinge waren mir ans Herz gewachsen und kamen wohl dem am nächsten, was ich als Freundschaft bezeichnen würde. Ich fühlte mich für sie verantwortlich. Das Misstrauen verschwand nicht aus den Gesichtern der anwesenden.
„Warum sorgt Ihr Euch um die Halblinge?“ Legolas hatte nun zum ersten Mal das Wort ergriffen. Seine Stimme war melodisch und dennoch klangen seine Worte scharf.
„Lasst das meine Sorge sein“, sagte ich.
Frodo und Sam standen immer noch vor mir, sie sahen abwechselnd von mir zu Aragorn, als ob sie eine Falle vermuteten. Ich lächelte, wie ich hoffte sanft, ehe ich sagte: „Jetzt geht schon. Ich habe euch nicht aus Mordor heraus geschmuggelt, damit ihr wieder mit mir zurückkehrt.“ Das überzeugte sowohl Frodo als auch Sam. Mit eiligen Schritten liefen sie hinüber zu Aragorn, der sie beide fest umarmte. Ich unterdrückte ein Lächeln bei diesem Anblick. Es war schön diese unverhohlene Freude zu sehen und doch spürte ich einen Stich in der Brust, mir würde so etwas verwehrt bleiben.
„Ich traue ihr immer noch nicht!“, knurrte Gimli, als auch er die Hobbits begrüßt hatte.
Legolas und der fremde Elb musterten mich erneut, beide sahen nachdenklich aus.
„Ihr verlangt wirklich nichts als Gegenleistung?“, erkundigte Aragorn sich erneut.
„Verlangen, nein. Aber ich habe eine Bitte“
„Ha!“, machte Gimli „Ich hab’s doch gewusst. Kein Scherge Mordors kommt ohne Hintergedanken!“
„Kein Scherge Mordors würde je um etwas bitten“, hielt Legolas dagegen. Gimli verstummte.
„Und was wünscht Ihr von uns, wohl wissend, dass wir in Eurer Schuld wegen Frodo und Sam stehen?“, fragte der andere Elb.
Ich unterdrückte erneut ein Lächeln. Es war klar gewesen, dass man meine Absichten durchschaut hatte. Ich hatte ihr Vertrauen mithilfe von Frodo und Sam erkauft. Nun ja, vielleicht nicht ihr Vertrauen, aber sie waren nun verpflichtet mich wenigstens anzuhören.
„Ich bitte um die Unterstützung im Kampf gegen Sauron“, ließ ich die Bombe platzen. Keiner der Anwesenden hatte mit dieser Bitte gerechnet, Schweigen senkte sich über die Königshalle, während ich auf eine Antwort wartete.
„Und wie stellt Ihr Euch unsere Unterstützung vor?“, durchbrach Aragorn schließlich die Stille.
„Du glaubst ihr doch nicht etwa?!“, empörte sich Éomer, der lange verdächtig still gewesen war. „Sie ist seine Königin, seine Gefährtin, du hast gesehen, wie sie schwarze Magie ohne zu zögern einsetzt. Sie hat einen Nazgûl als Begleiter mitgebracht!“
„Sie hat uns Frodo und Sam wieder gebracht.“
Èomer schnaubte verächtlich: „Ja, um sich unser Vertrauen zu erschleichen. Doch das funktioniert nicht!“
Ich beobachtete ihren Disput schweigend. Ich hatte nicht damit gerechnet, gleich ihre volle Unterstützung zu erlangen. Bis jetzt war generell alles außerordentlich gut verlaufen.
„Wir sollten sie erst einmal anhören“, gab der fremde Elb zu bedenken.
„Glorfindel hat Recht“, stimmte ihm Legolas zu. Glorfindel also. Kein Wunder, dass ich ihn nicht erkannt hatte. In den Filmen spielte er keine allzu große Rolle und ich hatte ihn nicht hier erwartet, so weit entfernt von seiner Heimat Bruchtal. Zumal er eher eine passive Rolle in der Geschichte um Frodo gespielt hatte, wenn auch eine wichtige Rolle.
Interessiert sahen mich nun alle an, ich beschloss mich kurz zu fassen, sie mussten nur das Nötigste wissen: „Sauron ist ein grausamer Herrscher, der nur ein Ziel hat: Die Unterdrückung aller Lebewesen. Seine Gräueltaten müssen aufhören und das kann nur geschehen, wenn er vernichtet wird. Weder Ihr noch ich alleine können das bewerkstelligen, doch zusammen sollte es möglich sein.“
„Warum jetzt? Warum kommt Ihr jetzt und bittet um Unterstützung? Ihr seid schon über ein Jahr an der Seite des dunklen Herrschers gewesen.“
„Manche Erkenntnis brauch ihre Zeit.“ Ich machte deutlich, dass diese Antwort Ihnen genügen musste.
„Es ist eine Falle“, rief Gimli aus.
„Warum sollte ich dir eine Falle stellen, Zwerg? Sie wäre doch viel zu hoch für dich“, antwortete ich kühl. Bei dem Anblick von Gimlis verdutztem Gesicht, fing Éomer an zu brüllen vor Lachen. Auch Legolas schmunzelte bei Éomers übertriebener Reaktion.
„Bei den Valar! Ich wünsche deine Aussage ist wahr. Hübsch und lustig, eine wahre Verschwendung, wenn so etwas in Mordor versteckt gehalten wird“, meinte Éomer, als er sich etwas beruhigt hatte.
„Du solltest erst einmal Sauron erleben, wie er über meine Witze lacht.“ Das Lächeln verschwand augenblicklich aus Éomers Gesicht. Auch die anderen sahen nicht sonderlich fröhlich aus. Sie waren wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt.
„Ihr könnt die nächsten Tage hier bleiben, bis wir besprochen haben, was wir tun werden.“
Ich zog eine Augebraue leicht hoch. „Als Gast oder Gefangener?“, fragte ich.
„Als Gast“, antwortete Aragorn.
„Ich denke nicht, dass es möglich wäre, Euch gefangen zu nehmen“, sagte Glorfindel mit einem bedeutsamen Blick in Richtung meiner linken Hand. Bis jetzt schien nur er mein unscheinbares Schmuckstück bemerkt zu haben.
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