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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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16.02.2015 711
 
Ich betrachtete meine Finger, eingerissene Nägel, schmutzig und zerschrammt. Meine Hände: blutig, schmutzig und voller Wunden, einige eiterten. Weiter wagte ich nicht hinauf zu sehen, ich wusste der Rest meines Körpers musste noch schrecklicher aussehen. Sie hatten mich gefoltert, nicht lange und auch nicht so schlimm wie andere, ich besaß noch alle meine Gliedmaßen, Finger und Zehen inklusive Nägel daran, auch hatten sie meine Ohren nicht abgeschnitten, mich nicht gebranntmarkt oder meine Augen heraus gestochen. Ich wurde geschlagen, geschnitten und durch die Gegend geworfen, auch bekam ich nicht genug zu essen oder zu trinken, nicht einmal Schlaf wurde mir gegönnt. Aber im Gegensatz zu anderen, ging es mir wirklich gut. Vielleicht hätte ich meinem Traum-Ich gedankt, aber inzwischen glaubte ich nicht mehr an einen Traum, dazu hatte ich zu viele Schmerzen. Außerdem bezweifelte ich, mir so grausame Foltermethoden ausdenken zu können, wie ich sie hier schon gesehen hatte. Denn das war das schlimmste, mit Schlägen konnte ich umgehen, mit Schnitten kam ich zurecht, aber mit den Schreien der anderen oder dem herausschleifen der Leichen, das war die eigentliche Folter.
Ich sah scheußliche Verstümmelungen, musste mit ansehen, wie Kinder um ihre Eltern weinten, Eltern flehten um ihre Kinder. Mütter boten den Orks Dinge an, die ich mir nicht einmal vorstellen wollte, nur um die Kinder zu schützen. Denn die Orks machten keinen Unterschied, egal ob Mann, Frau, Kind. Egal ob, Elb, Mensch oder Ork, alles was ihnen in die Finger kam, folterten sie. Die meisten überlebten nicht lange, manche starben noch auf der Folterbank, andere an ihren Verletzungen in den Zellen. Ich alleine lag mit zwei Toten, einem Fast-Toten und einem weiteren Lebenden in der Zelle. Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre alles verschwamm, es gab keine messbare Zeiteinheit, nicht einmal an der Wundverheilung konnte ich die Zeit ablesen, sie verheilten nie.
Der einzige noch wirklich Lebende in unsere Zelle gesellte sich schließlich zu uns in den Klub der Halbtoten. Die Mitgliedschaft war nur von kurzer Dauer, beide starben, ich wusste nicht einmal, ob sie männlich oder weiblich waren. Wir waren alle gleich, sahen alle gleich aus.
Ich verfiel wieder in meinen Dämmerschlaf, er machte das Dasein erträglicher, bald würden sie mich sicherlich wieder holen, aber solange konnte ich dämmern. So viele Arten von Dämmerung, so viele Stufen zwischen Hell und Dunkel, so viele Arten von tot und nicht-tot.

Ich hörte Schritte, nicht das übliche Getrampel der Orks es waren schwere Schritte. Schritte die selbstsicher und stark klangen. Dann blieben die Schritte stehen, eine Stimme ertönte. Es war kein Ork, es war ein Mann der sprach. Auch sprach es nicht die Orksprache, sondern eine, die mir fremd vorkam, dennoch konnte ich sie verstehen.
„Ihr habt nicht zu viele Gefangene, ihr habt zu viele Tote.“
Ein Ork antwortete, auch er sprach in dieser seltsamen, fremden, vertrauten Sprache „Aber, Meister, es sind immer noch zu viele. Wir haben nicht genug Platz für alle.“
„Dann tötet die, die ihr nicht mehr braucht. Ich habe einen Krieg zu führen, ich kann mich nicht noch um eure dreckigen Orkgeschäfte kümmern.“
„Aber Meister….“
„Fangt in dieser Zelle an, sie sehen alle sehr tot aus. Verbrennt die Körper!“ Ich hörte, wie die Zellentür aufgeschlossen wurde und etwas neben mir aufgehoben wurde, ich hatte nicht die Kraft den Kopf zu heben. Es würde bald vorbei sein, ich würde sanft einschlafen und dann wäre ich wieder zu Hause.
Nein, da war etwas falsch. Ich würde nicht einschlafen „Verbrennt die Körper!“, hörte ich die fremde Stimme in meinem Kopf. Sie konnten mich nicht verbrennen, ich war nicht tot, noch nicht zumindest. Doch es war zu spät, dreckige Hände fassten unter meinen Bauch und drehten mich um, dann fassten sie mich unter den Achseln und schleiften mich aus der Zelle. Ich versuchte mich zu bewegen, es ging nicht. Ich versuchte etwas zu sagen, doch meine Kehle war zu trocken und so brachte ich nur ein Stöhnen hervor, während mein Kopf nach hinten kippte. Ich schlug mit letzter Kraft meine Augen auf und sah in seine Augen. Es waren dunkle Augen, kalte Augen und doch sahen sie wie Feuer aus. Ein dunkles, kaltes Feuer, was alles verzehrte und nich den hauch von Wärme versprühte. Dann wurde es wieder schwarz um mich herum. „Das war’s dann also.“, war mein letzter Gedanke.
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