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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
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14.03.2015 2.928
 
„Nein, du musst hier warten, Sméagol“, erklärte ich eindringlich.
„Wir wollen hier nicht warten. Nein, nein, wir wollen bei der Herrin bleiben“, jammerte Sméagol mit großen Augen. Es tat mir in der Seele weh, ihn so leiden zu lassen. Ich wusste, wie ihm die Orks zusetzten, auch die Haradrim waren nicht freundlich zu ihm. Er verspürte große Angst, wenn ich nicht in seiner Nähe war, immer befürchtete er, dass ihn einer ein Leid tun wollte, auch wenn es niemals einer wagen würde, ihm zu nahe zukommen, schließlich stand er unter meinem Schutz.
Seine letzten Worte ignorierend, machte ich mich auf den Weg Richtung Thronsaal, wo Mairon eine Ratssitzung einberufen hatte. Ich war gerade um die nächste Ecke gebogen, als ich ein Platschen hinter mir hörte. Ich seufzte innerlich, ging noch ein paar Schritte weiter und drehte mich dann ruckartig um. Sméagol hatte den Versuch unternommen, mir zu folgen. Einerseits frustrierte es mich, dass es so große Angst hatte, dass er sich einem Befehl von mir widersetzte, doch es amüsierte mich ebenso, dass er tatsächlich versuchte, mir zu folgen.
„Sméagol“, sagte ich mit drohender Stimme.
Er hielt inne und sah mich noch einmal Mitleid heischend an.
„Sméagol, du wirst jetzt zu deinem Teich gehen, wo dich niemand finden wird. Wenn ich dich jemals wieder dabei erwischen sollte, wie du versuchst mir heimlich zu folgen oder anderweitig gegen meine Befehle verstößt bring ich dich zu ihr.“ Das letzte Wort betonte ich besonders. Sméagol wusste, dass ich Kankra meinte, er wurde bleich und riss seine Augen entsetzt auf.
„Nein, Herrin!“, kreischte er. „Wir sind brav, ab jetzt sind wir brav und gehorchen, ja wir werden ganz lieb sein und alles tun, was die Herrin uns befiehlt.“ Bei seinen letzten Worten nickte er bekräftigend.
Am liebsten wäre ich ihm einmal beruhigend über den Kopf gefahren, wie einem Kind, doch ich unterdrückte den Impuls, Sméagol brauchte Stränge. Ich wartete, bis er verschwunden war und setzte meinen Weg dann zum Thronsaal fort, ich war zu früh dran. Doch es kümmerte mich nicht, würde ich die übrigen eben mit eiskalter Miene erwarten und ihnen das Gefühl verleihen, sie seien zu spät gewesen.

Ich betrat den Thronsaal, keiner war anwesend, doch die Tür zu dem Kartenraum stand einen Spalt offen, einige musste schon in dem Ratssaal sitzen. Leise schloss ich die Tür hinter mir, durchschritt erst den Kartenraum und dann die Tür zum Geheimgang. Inzwischen bereitete der gang mir keinerlei Probleme mehr, ich spürte nicht mal mehr ein Kribbeln, wenn ich mich dem Ratssaal näherte.
Ich wollte gerade die letzte Tür aufstoßen, als ich Stimmen hörte. Ich hielt inne und lauschte.
„Wie weit sind die neuen Sklaven eingearbeitet?“, fragte eine Stimme, die unverkennbar Mairon gehörte. Hatten sie schon begonnen, war ich zu spät? Das konnte nicht sein, Mairon hätte mich lenkst holen lassen, wenn ich nicht von alleine auftauchen würde.
„Die meisten arbeiten schon, nur einige wenige weigern sich, ihren neuen Herren zu gehorchen, manche mussten wir aussortieren, sie wollten nicht lernen“, sagte ein anderes Ratsmitglied mit einem hämischen Unterton in der Stimme.
Wovon sprachen sie? Was für neue Sklaven?
„Wird Ersatz benötigt?“, ergriff Mairon wieder das Wort.
„Ein weiteres Dorf müsste genügen“, antwortete nun ein anderes Ratsmitglied.
„Kümmert euch darum“, befahl wieder Mairon
„Natürlich, Herr“
„Und sorgt dafür, dass die Vorbereitungen im Geheimen ablaufen. Sie darf es nicht wissen“, fügte Mairon noch hinzu. Wer war ‚sie’? Und was genau sollte sie nicht wissen? Ich spürte, dass sie Lösung direkt vor meiner Nase lag. Ich konzentrierte mich auf mein Inneres und suchte die Kraft, dann tastete mein Geist sich langsam durch die Tür. Ich spürte die Präsenz jedes einzelnen Ratsmitgliedes. Mairons Präsenz war am stärkstem, natürlich schied er für mein Vorhaben aus. Etwas sträubte sich in mir, Faramir auszuwählen. Also tastete ich weiter und entschied mich für Na’man, der ebenfalls anwesend war. Mein Geist stupste vorsichtig gegen seine Schläfen, wie erwartet keine Reaktion. Kurzerhand glitt ich in seinen Kopf und konzentrierte mich auf das, was ich sehen wollte. Erst war es nur schwarz, dann sah ich eine hübsche Frau mit einem Kind auf den Arm lächeln, schnell zog ich weiter. Ich stellte mir Na’mans Geist wie einen Korridor mit Türen vor, hinter denen Erinnerungen lauerten und öffnete eine Tür nach der anderen. Nach etwa einem Dutzend Türen, fand ich endlich das Gesuchte.
Bilder strömten auf mich ein, ich sah verschiedene Dörfer mit ihren Bewohnern. Orks und Haradrim fielen in die Dörfer ein, die Bewohner schrieen, sie rannten um ihr Leben. Doch Orks und Haradrim waren gnadenlos, Alte und Kinder wurden zur Seite geschleudert, Frauen und Männer zwischen fünfzehn und vierzig Jahren wurden gefangen genommen, einige starben bei den Versuchen, sich zu währen. Weitere Bilder fluteten meinen Geist, die entführten Männer und Frauen wurden durch das unebene Land von Mordor getrieben, sie waren schmutzig und ausgehungert, viele bluteten. Ich sah wie sie über die Straßen der Ebene von Nurn getrieben wurden und in den Lagerhäusern eingepfercht wurden.
Ein Keuchen unterdrückend, damit mich niemand hörte, riss ich mich von Na’mans Erinnerungen los. Die Alte Frau hatte nicht gelogen, es waren tatsächlich Truppen aus Mordor, die die Dörfer angriffen und Menschen verschleppten, sie zu versklaven. Es war schrecklich. Wie konnte Mairon das nur zulassen? Es hatte so geklungen, als hätte er es angeordnet, obwohl er ihr versprochen hatte, es zu stoppen. Moment, hatte er es ihr wirklich versprochen? Er hatte gesagt, er würde ein paar Soldaten schicken, aber er hatte nicht gesagt, sie zum Schutz der Dörfer dorthin zu beordern. Ich schluckte schwer. Es musste eine plausible Erklärung für Mairons Verhalten geben, es musste einfach so sein. Aber warum will er es denn vor dir geheim halten?, fragte mich eine kleine fiese Stimme. Ich schüttelte sie ab, er wollte es mir nicht sagen, weil er wusste, dass mir das nicht gefallen würde. Er wollte mich nur schützen.
Die Nennung meines Namens lenkte meine Gedanken wieder in das Hier und Jetzt. Ich musste mich zusammen reißen, also straffte ich die Schultern, setzte meine Maske auf und stieß nach einem letzten Durchatmen die Tür kraftvoll auf, natürlich mit Magie, damit das ganze den richtigen Effekt hatte. Ich rauschte in den Raum und setzte mich zu Mairons Rechten.
„Du bist hier“, stellte Mairon neutral fest.
„Offensichtlich“, sagte ich kalt.
Schweigen hatte sich über den Raum gelegt, die meisten Ratsmitglieder sahen zu Boden oder starr gerade aus, nur nicht in meine Richtung.
„Du bist zornig“, sagte Mairon nun. Es war keine Frage gewesen.
Ich warf ihm einen kalten Blick zu. Inzwischen musste ich es nicht einmal mehr spielen. Ich war wirklich wütend, wütend darüber, dass er mich außen vor gelassen hatte, um mich zu beschützen oder welchen Grund auch er auch immer gehabt hatte. Die kalte Aura, die von mir ausging, war echt, kein bisschen Spielerei mehr.
„Wirst du mir den Grund für deinen Unmut sagen?“, fragte Mairon nun ebenfalls mit kalter Stimme.
„Den Grund für meinen Unmut?“, echote ich. Wie gerne würde ich schreien, doch das würde seine Wirkung verfehlen, also fuhr ich weiterhin mit eisiger Stimme fort: „Eventuell gefällt es mir ja nicht, dass Ratssitzungen ohne mich abgehalten werden.“
„Sarkasmus steht dir nicht“, meinte Mairon bestimmt.
„Und was steht mir besser? Soll ich lieb und nett alles über mich ergehen lassen, alles tun, was der Dunkle Herrscher befiehlt oder doch nur lieber den ganzen Tag nackt in deinem Bett auf dich warten, damit du deinen Spaß haben kannst?“ Noch während ich die Worte sprach, spürte ich, dass ich zu weit gegangen war. Ich sah wie Mairon seine Hand hob, ich würde nicht klein beigeben. Bevor sein Handrücken mich auf der Wange treffen konnte, hatte ich ein magisches Schutzschild hochgefahren. Er hatte nicht mit meiner Verteidigung gerechnet und so glitt seine Hand von der unsichtbaren Hand ab. In seinen Augen loderte das Feuer auf, es war ein alles verzehrendes Feuer, so stark hatte es lange nicht mehr gelodert.
„Du wagst es…“, knurrte er. In meinem Unterbewusstsein registrierte ich, dass er wütend war, das war gefährlich, doch noch gefährlicher war, wenn er diese tödliche Ruhe ausstrahlte. Noch konnte ich einen Rückzieher machen. Mit aller Mühe beherrschte ich mich und sah ihn kühl an, die Wut schloss ich in meinen Bauch ein.
„Du kannst nicht erwarten, dass ich mich nicht verteidige“, sagte ich diplomatisch. Das Feuer in seinen Augen flackerte immer noch, hatte aber an Schärfe verloren.
„Sei vorsichtig, Tinúviel“, warnte er mich. Ich unterdrückte ein ‚Sonst was?’ und nickte ergeben, als ob er mir Angst gemacht hätte. Er würde mich nicht umbringen, aber er würde auch nicht davor zurück schrecken, mich zu verletzten, wenn ich ihn weiter herausforderte, vor allem, wenn ich dies vor seinen Ratsmitgliedern tat.
Diese taten während unseres Disputs so, als wären sie unsichtbar. Erst langsam hoben sie den Blick. Nur Faramir hatte uns beobachtet, ich schaute direkt in seine Augen, er erwiderte meinen Blick.
Mairon unterbrach unseren Blickkontakt, indem er die offizielle Ratssitzung einläutete, zumindest so tat. Er hörte jedem bei seinen Berichten zu, gerade berichtete Faramir über die Finanzen Barad-Dûrs, als Mairon die Hand hob, Faramir verstumme. Einen Augenblick lang sah Mairon zur Tür, dann flog sie auf. Alle Blicke richteten sich nun auf die Gestalt die im offenen Türrahmen hockte. Mit verschrecktem Blick sah Sméagol zu Mairon, er kauerte sich regelrecht auf den Boden.
„Was macht dein Haustier hier?“, fragte Mairon mich, während das Feuer in seinen Augen wieder zum Leben erwachte,
Ich starrte perplex zu Sméagol. Hatte er es tatsächlich getan, hatte er sich wirklich mir widersetzt?
„Ich habe dich etwas gefragt, Tinúviel“, erinnerte mich Mairon.
„Das habe ich durchaus verstanden. Sméagol?“, wandte ich mich nun zu der Gestalt in der Tür.
„Sie waren wieder da, Herrin. Sie wollten den armen, guten, alten Sméagol wehtun“, wimmerte er.
„Ich habe dir befohlen, mir auf keinen Fall zu folgen, Sméagol“, sagte ich scharf.
„Aber, Herrin…“
„Ich dachte du hast dieses Wesen im Griff“, schaltete sich Mairon wieder ein.
„Ich werde ihn später bestrafen“, antwortete ich.
„Anscheinend sind deine Bestrafungsmethoden wirkungslos.“ Mit diesen Worten stand Mairon auf und schritt bedächtig zu Sméagol, der sich noch enger an den Boden drückte.
Mairon streckte eine Hand in seine Richtung aus und Sméagol fing an zu schreien. Er schrie wie am Spieß, jammerte und wimmerte, dann schrie er erneut. Es waren die schrecklichsten Laute, die ich je gehört hatte. Mairon hielt kurz inne: „Hast du deine Lektion gelernt?“
Sméagol wimmerte weiter, doch durch sein Wimmern waren Worte zu höre: „Herrin…Meine Herrin…Aufhören…Herrin“ Er rief nach mir. Tränen stiegen mir in die Augen, als ich aufstand und zu ihm eilen wollte.
Sauron streckte einen Arm aus, dann sagte er: „Du willst zu deiner Herrin? Deine Herrin kann dir nicht helfen. Du bist ein Nichts und ihrer nicht würdig.“ Wieder hob er seine Hand und Sméagol schrie erneut. Ich konnte nicht mehr und stürmte nun auf Sauron zu. Die gut verpackte Wut in meinem Bauch brach aus mir heraus, ich ließ sie in meine Hand fahren und eine unsichtbare Kraft traf den dunklen Herrscher in den Rücken. Er stolperte einen Schritt nach vorne, der Fluch war unterbrochen. Doch es interessierte ihn nicht, er drehte sich langsam um und ich sah seine flammenden Augen. Auch er hatte seine Wut vorhin nur zurück geschlossen und nun brach sie aus ihm aus. Er hob weder die Hand noch tat sonst etwas, doch ich spürte seine Macht auf mich zurasen. Bevor der Fluch mich treffen konnte, riss ich meine Schutzwälle hoch. Mit Mühe lenkte ich die Magie ab, die stattdessen eine kleine Steinskulptur zum explodieren brachte. Hitze ging von Sauron aus, eine heiße und tödliche Hitze. Er stand regelrecht in Flammen, so zornig war er. Würde er mich töten? Ich konnte keine fünf Minuten gegen ihn standhalten, mein Schicksal lag in seinen Händen. Bedeutete ich ihm etwas? Wenn ja, ließ er mich vielleicht am Leben. Wenn ich jetzt wieder einen Rückzieher machen würde…
Nein! Ich würde keinen Rückzieher machen, eher ginge ich in den Tod als kampflos aufzugeben. Diesmal hob Sauron seine Hand mit dem Ring, um seine Magie besser bündeln zu können. Ich verstärkte meinen Schutzschild, doch es half nichts. Ein Teil des Fluches brach durch ihn hindurch und Schmerzen durchzuckten mich. Ich konnte es aushalten und behielt sowohl meine aufrechte Haltung, als auch meine starre Miene. Doch es hatte mich geschwächt und ich schaffte es nicht mehr, meinen Schild aufrecht zu halten. Ich konzentrierte mich auf einen der Ratsmitglieder, er wurde bleich und musste sich auf den Tisch stützen, während ich ihm etwas seiner Energie entzog. Es tat mir nicht Leid.
Ich ließ von ihm ab, als er der Ohnmacht nahe war und richtete schnell einen Energiestrahl auf mein Gegenüber. Ich erwartete nicht, etwas zu erreichen und tatsächlich prallte der Fluch ohne jegliche Wirkung an Sauron ab.
„Hör auf“, befahl er mir. Doch ich dachte nicht daran und schleuderte einen weiteren Fluch auf ihn, um zu zeigen, dass ich nicht klein beigeben würde. Mein Fluch traf ihn diesmal, doch er verzog nicht eine Wimper. Erneut spürte ich, wie seine Magie sich mir näherte, ich versuchte meinen Schild zu aktivieren, doch es gelang nicht. Ich wurde nach hinten geschleudert und krachte hart auf den Boden. Gleich würde ein Folterfluch folgen, ich konnte ihn nicht aufhalten, doch ich konnte etwas anderes versuchen. Ich hatte in einem der Bücher davon gelesen, es war riskant, doch es musste sein.
Ich streckte meinen Geist aus und verknüpfte ihn erst mit Na’mans Geist, es tat mir Leid. Dann ging ich zu den anderen über und verknüpfte auch ihre Geister mit dem meinen, nur Faramir ließ ich unangetastet, ich konnte es nicht über mich bringen, ihm Schmerzen zuzufügen. Immer noch auf dem Boden liegend, spürte ich, wie der dunkle Herrscher mir näher kam. Ich wappnete mich und konzentrierte mich vollkommen auf das mentale Band, keiner der Ratsmitglieder spürte etwas, noch nicht.
Ich beobachtete, wie Sauron die Hand hob und mit einem Funkeln in den Augen seine Magie heraus ließ. Der Fluch traf mich mitten in die Brust, zum Glück aber nicht mein Herz. Ich zuckte zusammen, doch schrie nicht. Nicht so, die Ratsmitglieder. Einige zuckten, andere klappten sofort zusammen. Ich bemerkte, wie Sauron noch mehr Energie freiließ, um mich zu foltern, doch er erreichte nur, dass sein Rat sich unter Schmerzen wand. Mich immer noch auf das Band konzentrierend, erhob ich mich. Ich spürte auch Schmerzen, doch ich konnte es aushalten, ich hatte schon schlimmeres erlebt. Ein boshaftes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich auf Sauron zuschritt.
„Du solltest aufhören, sonst in dein kleiner Rat bald ein Rat der Toten“, sagte ich kalt. Tatsächlich war schon mindestens einer von ihnen gestorben, er blutete aus Nase und Ohren, während sein Kopf auf dem Tisch lag. Sauron hielt den Fluch noch einen Moment aufrecht, bevor er den Energiefluss stoppte.
„Ich habe dich unterschätzt“, sagte er. Das Feuer in seinen Augen loderte noch etwas höher, doch nicht mehr so gefährlich. Anscheinend wollte er mich nicht mehr umbringen.
„Das hast du“; bestätigte ich seine Worte kühn.
„Das war meisterlich, aber geh dennoch nicht zu weit“, sagte Sauron sachlich. Ich erwiderte nichts, denn er hatte Recht, die Gefahr war noch nicht vorbei, auch wenn ich das geschafft hatte, was bis jetzt nur wenigen Menschen gelungen war. Ich hatte ihn überrascht und beeindruckt.
„Wirst du mich jetzt umbringen?“, fragte ich ihn. Ich glaubte zwar nicht wirklich daran, aber ich wollte sicher gehen.
Er schien zu überlegen, ehe er schlicht sagte: „Nein.“
„Dann gehe ich jetzt“, stellte ich klar. Ich reckte mein Kinn und wollte an ihm vorbei rauschen, als er mich am Oberarm packte. Ich widersetzte mich nicht, drehte mich aber auch nicht zu ihm um. Er beugte sich zu mir runter und ich spürte, wie er mit seinen Lippen über die zarte Haut meines Nackens strich, dann strich seine Hand an meiner Taille hinab und über meinen Hintern. Mit rauer Stimme flüsterte er in mein Ohr: „Du wirst heute Abend nackt auf mich in meinem Bett warten!“ Ohne eine Antwort abzuwarten, ließ er mich los und ich ging ohne eine weitere Reaktion zur Tür.
Mit aller Mühe unterdrückte ich meinen Ekel, bei der Vorstellung, heute Abend zu ihm zu müssen. Innerlich stutzte ich: Ekel? Seit wann ekelte ich mich vor dem? Ich horchte in mein Inneres und erkannte, dass etwas in mir zerbrochen war. Sauron hatte mich hintergangen und mir etwas verschwiegen. Er hatte es nicht verschweigen, weil er mich beschützen wollte, sondern, weil er wusste, dass es mir nicht gefallen würde und er so Ärger aus dem Weg ging. Er hatte gewusst, dass ich ein verklärtes Bild von ihm gehabt hatte. Doch das war vorbei! Ich hatte mir eingestehen müssen, dass mein Vorhaben Sauron wieder zu Mairon zu machen falsch war. Es war eine Idiotie gewesen und erst die Folter an jemanden, der mir etwas bedeutete, denn Sméagol hatte sich inzwischen in mein Herz geschlichen, ich fühlte mich für ihn verantwortlich, hatte mir die Augen geöffnet. Diese Ratssitzung hatte mir meine rosarote Brille von den Augen gerissen, das einlullende Lied, welches Sauron gewebt hatte, unterbrochen. Mein Kampfgeist war wieder erwacht, ich konnte Sauron nicht mehr ändern, er war schon zu lange verloren. Und diese Tatsache ließ nur eine Option übrig, ich musste Sauron stürzen.


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Das war jetzt mal Augenöffnend!
Was haltet ihr davon, dass Tinúviel ihren Mairon nun doch aufgeben hat? Kaltherzig oder doch nur realistisch?
Eine kleine Meinung würde mich sehr freuen! Auch zu anderen Themen könnt ihr natürlich gerne euren Kommentar abgeben! Also ich hoffe ihr hattet genauso viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben und wünsche noch einen schönen Abend. Ich bemühe mich morgen, das nächste Kapitel hochzuladen!

Liebe Grüße
Ajnif
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