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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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12.03.2015 1.848
 
Mit dem Gedanken spielend, einen Stuhl vor das Portal zu stellen, erwartete ich wieder einmal auf den Stufen Barad-Dûrs stehend, Mairons Rückkehr. Einen Monat hatte er mich alleine gelassen. Außerhalb des Ered Lithui musste der Winter herein gebrochen sein, doch hier in der Ebene von Gorgoroth änderte sich das Wetter nicht. Zu sehr beeinflussten der Orodruin und Mairons Magie das Klima. Auch in der Ebene von Nurn war es nur geringfügig kälter geworden, so konnten die Felder das ganze Jahr bewirtschaftet werden.
Wenige kleine Punkte zeichneten sich in der Ferne ab. Mairon schien den Großteil seines Trupps in Udûn gelassen zu haben, nur er und ein paar Haradrim-Hauptmänner, unter ihnen Na’man, ritten auf den Vorplatz.
Mit funkelnden Augen trat ich aus Mairon zu, der inzwischen von seinem Pferd gestiegen war. Ich freute mich, dass er wieder da warm nicht nur weil ich ihn vermisst hatte und das hatte ich wirklich, auch konnte ich endlich Antworten bekommen. Ich hatte versucht Faramir zu fragen, was es sich mit der Meute Orks und Haradrim auf sich hatte, die unter Mairons Banner Menschen verschleppten. Doch der Bibliothekar war mir nur ausgewichen, auch kein anderer schien näheres zu wissen.
Mairon packte mich bei meinen Hüften, hob mich hoch und trug mich zu den Stufen Barad-Dûrs, wo er mich auf ihnen abstellte, sodass ich ihm in die Augen sehen konnte. Kurz sah er mich durchdringend an, bevor er mich leidenschaftlich küsste. Vor einem Jahr hätte ich niemals angenommen, dass er zu so etwas wie Leidenschaft fähig wäre.
Nach einer Weile, die mir viel zu kurz vorkam, ließ er mich los und trat einen Schritt zurück. Er musterte mich intensiv und packte mich dann erneut, diesmal an meinem Arm, dann zog er mich hinter sich her in seine Gemächer. Ohne Widerstand folgte ich ihm, wo er mich auf sein Bett schubste und mich erneut anfing zu küssen…

Mein Kopf ruhte auf Mairons warmen Bauch, mit den Fingerspitzen zeichnete ich unsichtbare Muster auf seinen Unterarm, den er um mich geschlungen hatte. Es war nicht wirklich kuscheln, was wir hier taten, aber für Mairons Verhältnisse nahe dran. Ich genoss diese Nähe, die Zweisamkeit, die so selten war. Wenn er in dieser Stimmung war, konnte ich ihn beinahe alles fragen, ihn um alles bitten.
„Mairon?“, fragte ich mit sanfter Stimme.
Er drückte kurz meine Hand zum Zeichen, dass er zuhörte.
„Eine alte Frau war hier, um zu berichten, dass Menschen unter deinem Zeichen verschleppt würden.“
„Und?“, fragte er desinteressiert.
„Na ja, was ist, wenn sie die Wahrheit gesagt hat?“
„Wovon du überzeugt zu sein scheinst, sonst würdest du mich mit diesem Gespräch nicht belästigen.“
„Sie hat nicht gelogen“, sagte ich fest, denn er hatte Recht, eine Lüge hätte ich nicht nur durch meine Fähigkeiten erkannt.
„So selten es auch geschieht, manchmal wagen es doch irgendwelche nichtswürdigen Kreaturen, sich unter falschem Banner zusammen zu finden.“
„Orks und Haradrim gemeinsam?“, fragte ich skeptisch.
„Die Zeiten sind seltsam“, stellte er trocken fest.
Ich seufzte und drehte mich auf den Bauch, um ihm ins Gesicht sehen zu können. „Wirst du dich darum kümmern?“, bat ich ihn.
„Wozu? Was kümmern mich ein paar Bauern?“ Da war er wieder. Ich liebte Mairon, das hatte ich in den letzten Wochen erkannt. Seit dem ich meinen Ring besaß, fühlte ich mich immer mehr mit ihm verbunden, als ob eine Art Seelenverwandtschaft zwischen und bestünde. Doch gab es auch noch seine andere Seite, die Seite des dunklen Herrschers. Die des grausamen Mannes, den das Schicksal anderer nicht kümmerte, ihm war nur mit Logik beizukommen.
„Wir haben einen Pakt mit ihnen: Sie geben und von ihren Erträgen und Mordor schützt sie.“
„Sie gaben uns von ihren Vorräten. Dank dir, sind wir nicht mehr von ihnen abhängig.“
„Sie zahlen Steuern!“
„Und dafür greifen wir sie nicht an.“
So würde ich nicht weiter kommen. Ich musste einen drastischeren Schritt gehen: „Die Angreifer tragen dein Banner, sie denken die Schergen würden aus Mordor stammen. Sie fühlen sich nicht sicher und wenn wir ihnen nicht helfen, werden sie anderweitig Hilfe suchen. Sie werden nach Gondor gehen, vielleicht auch nach Rohan, und dort um Hilfe bitten. Und die Könige der so genannten freien Völker werden natürlich keine, Zweifel an unserer Schuld haben. Sie werden angreifen und auch, wenn das keine große Gefahr ist, ist es dennoch lästig und schadet meiner Planung.“
„Deiner Planung?“, hakte Mairon spöttisch nach.
„Ja, meiner Planung. Ich will neue Lagerstätten bauen lassen und dafür brauche ich die Soldaten, wenn diese aber im Krieg sind, wird niemand meine Lagerhäuser bauen und die Ernte verderben.“
„Die Sklaven können sie bauen, im Winter werden weniger gebraucht und durch den Krieg bekommst du neue Sklaven. Ein Krieg wäre die Gelegenheit diesen selbsternannten König, diesem armseligen Abklatsch von Elendil, ein für alle mal in seine Schranken zu weisen.“
„Neue Sklaven, bedeutet weniger Essen für die Soldaten. Vielleicht sind Gondor und Rohan keine Bedrohung, aber was ist, wenn sich alle Länder des Westens zusammenschließen? Nicht nur die Heere, auch Bauern und Händler, vielleicht sogar Elben und Zwerge? Falls die Bauern aus der Umgebung zu den richtigen Leuten gehen und diese dann Mitleid erregen wollen, wäre das zu bedenken.“
„Das haben sie schon einmal versucht. Sie sind keine Gefahr.“ Mairons Stimme nahm deutlich an Schärfe zu, ihn nervte das Gespräch und es war ein Wunder, dass er mich noch nicht zu Recht gewiesen hatte.
„Und dennoch würden sie dein Heer dezimieren“, ich blieb standhaft, egal wie dünn das Eis unter mir wurde.
„Gut, ich schicke ein paar Soldaten an die Grenzdörfer. Wenn du dann endlich ruhe gibst“, gab er nach. Er folgte meiner, wie ich fand, brillanten Argumentationslinie zwar immer noch nicht, aber letztendlich war es egal, aus welchem Grund er dir Dörfer beschützte, solange er es nur tat. Lächelnd drückte ich ihm einen Kuss auf die Wange, den er brummelnd über sich ergehen ließ, und kuschelte mich wieder an ihn. Ich wollte es genießen, ich wollte seine Aufmerksamkeit genießen. Er wirkte momentan fast menschlich, nicht mehr im Geringsten wie der dunkle Zerstörer Sauron, zwar immer noch mächtig aber eben Mairon. Mein Mairon.
Nachdem wir noch einen Moment so dagelegen hatten, schob er mich von sich. Er stand auf und zog seine Hose an, noch einmal sah er auf mich runter.
„Du wirst hier warten!“; befahl er.
Ich widersprach nicht, sein menschlicher Moment war vergangen. Als er gegangen war, stand auch ich auf und zog meine Kleidung an, ich würde ihm zwar gehorchen, doch er konnte nicht von mir erwarten, dass ich den restlichen Tag im Bett verbringen würde. Auch hier in seinen Privatgemächern hatte er ein paar Bücher, ich ging zu dem entsprechenden Raum und suchte mir ein Werk aus. Doch nach ein paar Seiten wurde es mir zu langweilig, so groß die Künste der Elben auch waren, eine spannende Geschichte konnten sie nicht zu Stande bringen. Der Stil war einfach zu geschwollen und er packte den Leser nicht, ihre Schriften waren zur Informationsweitergabe oder um tiefe Gedanken auszudrücken. Da sah es mit den Schriften der Zwerge schon ganz anders aus, sie verstanden es die kleinste Tat großspurig und so spannend wiederzugeben, dass man meinen könnte, es wäre die Tat eines Gottes. Ich mochte Zwerge, gerne wäre ich einem begegnet, andererseits hätte das bedeutet, dass der Zwerg sich in Barad-Dûr befinden würde, was ihm wohl nicht so gut bekommen würde. Also war es ganz gut, dass ich noch keinem begegnet war.
Zu meinem Bedauern hatte Mairon kein werk von den Zwergen hier, weshalb ich mich mit einem Band über Zauberei befasste. Das neue Wissen faszinierte mich so sehr, dass ich gar nicht merkte, dass das Buch in der schwarzen Sprache geschrieben war.

Am Abend, zumindest vermutete ich, dass es Abend war, kehrte Mairon zurück und fand mich lesend auf seinem Bett.
„Ein interessantes Werk hast du dir ausgesucht“, stellte er kalt fest, als er den Titel des Buches gelesen hatte.
„Mhm“, murmelte ich, ohne von meiner Lektüre aufzublicken.
„Sie mich an!“, sagte Mairon mit scharfer Stimme. Erschrocken blickte ich auf und direkt in seine lodernden Augen. Was auch immer er getan hatte, es hatte ihn nicht erfreut. Ich musste vorsichtig sein, mir keine Fehltritte erlauben.
„Ich habe dich beim Palantír gespürt, also warst du in meiner Bibliothek, auch das Buch, was du ließt, kannst du nur lesen, weil du große Fortschritte gemacht hast. Zeige mir, was du gelernt hast!“, befahl er.
Hastig erhob ich mich vom Bett und stand aufrecht da. Was sollte ich ihm zeigen? Was würde ihn besänftigen? Mit einem letzten Blick in seine Augen, murmelte ich ein paar Worte und eine kleine Flamme erschien auf meiner Hand. Ich ließ sie tanzen und sich zu Tieren und Symbolen formen. Da spürte ich, wie er plötzlich in meinen Kopf drang. Meine Konzentration verschärfte sich, ich versuchte nur auf die Flamme zu achten, an nichts anderes zu denken, wenige Minuten hielt ich stand, dann schoss die Flamme hoch und biss mir in die Hand. Ich zeigte keinen Schmerz, auch wenn die Brandnarbe noch so wehtat. Der Druck in meinen Kopf ließ nach. Das hatte er noch nie getan, normalerweise hatte er gegen meine Zauber gewirkt, niemals direkt gegen mich, nie war er in meinen Kopf eingedrungen. Noch einmal murmelte ich ein paar Worte und strich mit der linken Hand über meine Rechte, die Brandblasen verschwanden, die Haut wurde wieder kühl und weiß.
„Du bist gut geworden“, lobte Mairon mich.
„Nicht gut genug“, stieß ich wütend über mich selber hervor.
„Du wirst mich nie besiegen können. Schon gar nicht mit Feuer, es ist mein Element.“ Er hatte Recht. Es war nicht so, als hätte jeder Magier ein bestimmtes Element zugeschrieben, wir konnten alle beherrschen, doch bei manchen viel es einem einfacher. Mairons Element war unverkennbar das Feuer, das war jedoch nicht meines. Mein Element war das Wasser. Nichts konnte ich so leicht beherrschen, wie das kühle Nass. Ob Mairon es gewusst hatte, als er mir mein Schwert geschenkt hatte? Auch mein Ring sah aus, wie wenn Wellen darüber liefen und er glühte bläulich. Das war sicherlich kein Zufall.
„Sicherlich werde ich dich nie besiegen können, aber dennoch so nahe wie möglich an dein Können herankommen!“, fauchte ich.
Seine Mundwinkel zuckten, bevor er erwiderte: „Dann bist du auf dem richtigen Weg. Was hast du gespürt, als du dich dem Palantír das erste Mal genähert hast?“
„Als ob er mich anzöge, ich wollte ihn unbedingt berühren. Dann hast du mich zur Ordnung gerufen.“
„Ich war nicht in deiner Nähe“, stellte er fest und beobachtete jede meiner Regungen.
Ich hob meine linke Hand und zeigte ihm so meinen Ring. „Nicht körperlich, aber du hast die Worte nicht umsonst gewählt, ihn immer zu finden. Egal wo du dich befindest, ich bin immer bei dir und du bei mir, wenn auch nur im Geiste verbunden.“
Er nickte anerkennend, ich hatte es verstanden. Ich war das Gegenstück zu ihm, ich half ihm und würde immer bei ihm sein. Und doch waren wir nicht voneinander abhängig, wir waren zwei Individuen und es wäre mir niemals möglich, ihn an mich zu binden, auch wenn wir verbunden waren. Ich war die Königin an seiner Seite und er mein König.
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