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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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08.03.2015 849
 
Die Sonne schien, doch ich spürte sie nicht. Mein Blick glitt über die bestellten Felder, es war Sommer in Mordor und Hunderte von Sklaven fuhren die Ernte ein. Weizen, Roggen und viele andere Getreidesorten., die sie im Frühling ausgesät hatten. Mit kalter Miene saß ich auf meiner Stute, die ich Lóme genannt hatte, was Quendarin für ‚Nacht’ war. Sméagol hüpfte zu den Hufen meines Pferdes.
Er folgte mir inzwischen fast überall hin, er war der einzige, den ich in meiner Nähe duldete. Faramir hatte ich seit unserem Gespräch damals nicht mehr gesehen, ich durfte ihn nicht sehen, denn er machte mich weich. Er brachte die guten Seiten in mir zum Vorschein und das durfte nicht sein. Ich musste eiskalt sein, absolut emotionslos. Nur Sméagol gegenüber erlaubte ich mir Gefühle.
Auch Sauron sah ich kaum noch, er verbrachte viel Zeit in der Bibliothek, in dem abgeschlossenen Raum, den nicht einmal Faramir betreten durfte. Die Zeit, die er nicht in der Bibliothek verbrachte, verbrachte er außerhalb der Festung. Ich hatte mir meine Neugierde verboten, zu gegebener Zeit und wenn Sauron es für nötig erachtete, würde er sich mir mitteilen.
Eine Weile beobachtete ich noch das Treiben auf den Feldern, bevor ich mein Pferd wendete und mich zurück nach Barad-Dûr begab. Ein schwarzer Reiter folgte mir auf den Fersen, ich durfte die Festung nur in seiner Begleitung verlassen. Doch das war gut, denn so sprach mich niemand an, alle senkten den Kopf, wenn ich vorbei kam, ich musste niemandem in die traurigen Augen sehen.


Er hatte mich zu sich gerufen, der Sommer war vergangen und ich hatte ihn nicht wieder gesehen. Früher wäre ich vielleicht aufgeregt gewesen, doch ich unterdrückte das Gefühl. Mein schwarzes, schmuckloses Kleid schwang um meine Füße, als ich mich zum Speisezimmer begab.
„Tinúviel“, begrüßte er mich, als ich eintrat.
„Tar-Mairon“, antwortete ich kühl.
Sauron stand vor dem Wandteppich mit den zwei Ringen. Er hatte sich nicht zu mir umgedreht.
„Was siehst du?“, fragte er mich und nickte zum Wandteppich hin.
„Zwei Ringe im Feuer.“
„Ist der zweite Ring nicht nur der Schatten des ersten Ringes?“, fragte er weiter.
„Ist ein Schattenring denn kein Ring?“, fragte ich zurück.
Nun wandte Sauron sich mir zu, er musterte mich. Dann fragte er: „Wächst der Schatten über den Schattenwerfer hinaus?“
Ich überlegte einen Moment, bevor ich antwortete: „Das kann er nicht. Ein Schatten braucht seinen Schattenwerfer. Er ist immer von ihm abhängig, wenn er also den ersten Ring unterwerfen wollen würde, würde er auch selber untergehen.“
„Sie gehören zusammen“, stellte Sauron mit nachdenklicher Stimme fest.
„Ein Schatten ist immer an der Seite seines Herrn. Manchmal ist er blasser zu sehen, manchmal tritt er stark hervor. Er ist eine Unterstützung, er hebt den Schattenwerfer hervor und betont seine Größe und Stärke.“
„Also ist der zweite Ring der Schatten des ersten Ringes?“
„Ich denke, derjenige, der den Teppich gestaltet hat, wollte mehr als einen Schatten darstellen. Die Ringe tanzen mitten im Feuer, ein Schatten wäre hier nicht zu sehen. Der zweite Ring scheint eher ein unterstützendes Mittel für den ersten Ring zu sein. In Gewisserweise sein Schatten, da der zweite Ring so größer aussieht, aber eben nicht nur. Er muss noch eine andere Funktion haben“, überlegte ich laut.
„Dann soll es so sein. Du wirst es, du wirst der zweite Ring an meiner Seite. Mein Schatten und doch nicht gebunden.“ Er sah mir direkt in die Augen und ich sah in seine. Das Feuer schien weicher und weniger gefährlich, als sonst, es war eher eine warme Glut, denn lodernde Flammen. Mir lagen tausend Fragen auf der Zunge, doch ich unterdrückte sie. Keine Emotionen zeigen.
Er bemerkte meine unausgesprochenen Fragen dennoch, denn er fuhr fort: „Ich bin der Eine Ring. Ich erschuf den Einen Ring.“ Kurz hielt er seine rechte Hand hoch. „Und du sollst meine Stütze sein, der andere Ring, den ich erschuf.“
Mit diesen Worten zog er einen Ring aus seiner Tasche. Er trug keine Schriftzeichen und schien kleiner, auch war er nicht golden, sondern aus einem bläulichen grau. Dann griff er nach meiner linken Hand und steckte ihn mir auf den Ringfinger.
Einen Moment tat sich nichts, doch dann schien der Ring noch bläulicher aufzuglühen. Das Metall erhitzte sich, es sah aus, als würden Wellen über ihn hinweg laufen, doch ich spürte nichts. Schriftzeichen erschienen auf ihm:

Ein Ring ihn zu stützen, ihn immer zu finden.
Soll eigne Wege beschreiten und ihn niemals je binden.

Ein Gefühl der Macht durchströmte mich, als ich diese Worte las. Es prickelte in meinen Zehen, floss durch mein Herz, durch meine Hände und setzte sich in meinem Kopf fest. Es war, als würde ein fremdes Bewusstsein in mich hinein gelangen, aber es war auch vertraut. Von Sekunde zu Sekunde, schien der Ring immer mehr ein Teil von mir zu werden. Er beeinflusste mich, das spürte ich. Er gab mir Wissen und Macht, doch ich beeinflusste auch ihn.
Schließlich hörte der Ring auf zu glühen, doch die Schriftzeichen verschwanden nicht. Ich blickte auf und sah zu Mairon hinüber. Ich war nun seine Königin, der Ring war meine Krone. Ich war die Herrscherin über Mittelerde.
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