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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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03.03.2015 2.198
 
Der Morgen war angebrochen. Es war der Morgen der Schlacht. Was würde mich erwarten? Ich hatte meine neue Kleidung angezogen, sie kam mir passender vor, als ein Kleid, auch wenn ich nicht kämpfen würde.
Ich war keine zwei Schritte aus meinem Zelt heraus getreten, da geriet ich auch schon in den Trubel. Orks und Menschen liefen wild hin und her, sie brüllten heillos durcheinander und waren so beschäftigt, dass sie sich nicht einmal gegenseitige Prügel androhten.
Obwohl ich mich am liebsten, zurück in mein Zelt begeben hätte, machte ich mich doch auf den Weg zu Sauron. Ich wollte ihn verabschieden, nach gestern schien mir das nur rechtens. Der Kuss saß mir immer noch tief in den Knochen, er hatte mein Inneres aufgewühlt und mir endlich ein Ziel gegeben.
Meine schlaflose Nacht, in der ich mich nur von der einen Seite auf die andere gewälzt hatte, hatte mein Vorhaben nur noch verstärkt. Ich würde Sauron retten und ihn von einem Tyrannen zu einem gütigen Herrscher machen. Ich war mir sicher, er war gut!
Schon von Weitem sah ich seine Rüstung blitzen, er erteilte Befehle an seine Hauptmänner. Wie viele würden nicht wiederkommen? Mit einer neutralen Miene schritt ich auf ihn zu, ein Lächeln wäre weder angemessen gewesen, noch konnte ich mir eines abringen. Sauron bemerkte mich schnell, doch er sah ich nur kurz an und wandte sich dann wieder seinen Hauptleuten zu.
„Ich erwarte von euch strikte Disziplin und einen raschen Sieg. Geht zu euren Truppen und weist sie ein, soweit es nötig ist!“, befahl er, bevor er sich zu mir umwandte.
„Du wirst nicht mitkämpfen“, sagte er unbeweglich mit einem Blick auf mein Schwert, welches ich an der Hüfte trug.
„Ich wollte mich nur verabschieden“, sagte ich etwas kleinlaut und blickte dabei zu Boden.
„Wozu?“
„Ihr zieht in die Schlacht.“
„Ich werde siegreich sein.“ In seiner Stimme lag nicht der Hauch eines Zweifels und auch ich zweifelte nicht. Er würde wiederkommen, niemand konnte den dunklen Herrscher besiegen.
„Natürlich werdet Ihr das, aber ich möchte Euch dennoch verabschieden.“ Nach diesen Worten ging ich schnell zwei Schritte auf ihn zu und zog seinen Kopf kurzerhand zu mir herrunter, bevor ich ihm einen Kuss auf die Wange gab, mehr wagte ich nicht. Doch er ließ es geschehen, dann richtete er sich wieder auf und sah mir ins Gesicht.
„Du wirst hier bleiben und dafür sorgen, dass alles bereit ist, wenn wir zurückkehren. Ich erwarte nicht, dass dir eine Gefahr droht, werde aber einen meiner Nazgûl bei dir lassen.“ Damit wandte er sich ab und schritt zu seinem Hengst, der schon für ihn bereit stand. Der Rappe war genauso wenig wie Saurons Rüstung geschmückt. Er hatte nur Sattel und Zaumzeug angelegt bekommen, zweckmäßig, nicht schön. Doch ich bewunderte den Anblick, er strahlte eine kalte, gefährliche Eleganz aus.
Als Sauron außer Sichtweite war, sah ich noch ein Pferd dort stehen. Er war der Letzte der Feldherren, die sich aufmachten, um ihre Truppen zu führen. Mit steifer Miene wollte Faramir sein Pferd besteigen. Ich zögerte nur kurz, dann trat ich, hoffentlich selbstsicher aussehend, auf ihn zu.
„Ich wünsche Euch viel Glück für die Schlacht.“
Der Ausdruck von Überraschung lag nur kurz auf seinem Gesicht. Dann schien er sich wieder zu fassen und glättete seine Miene. „Vielen Dank“; antwortete er steif. Ich hatte das merkwürdige Gefühl, ihn umarmen zu wollen, unterdrückte es aber.
Ich wollte mich schon umdrehen, als er mich am Handgelenk packte, sodass ich ihm mein Gesicht zuwandte. Ich blickte ihn verwirrt an, er hob seine Hand und strich mir eine Strähne meines Haares aus meinem Gesicht, die sich aus meinem Zopf gelöst hatte. Dann hatte er mich auch schon wieder los gelassen, stieg auf sein Pferd und war verschwunden, ehe ich weiter reagieren konnte.
Verwirrt sah ich ihm nach. Was war das? War das eine Aufleben unserer alten Freundschaft gewesen? War das vielleicht mehr gewesen? Nein, das war Unsinn. Wir waren befreundet, dann waren wir es nicht mehr. Das war die ganze Geschichte. Ich konnte jetzt nicht an Faramir denken, auch wenn ich ihn vermisste. Ich musste mich auf Sauron konzentrieren, darauf ihn wieder menschlich zu machen.

Langsam ging ich an meinem provisorischen Wall entlang. Ich musste mich ablenken und irgendetwas halbwegs Vernünftiges tun. Von Weitem hörte ich das Geklirre der Schlacht und entfernte Schreie. Es war inzwischen Abend, die Sonne machte sich bereit, unter zu gehen und noch immer hörte ich Kampfgeräusche. Die Schlacht hatte erst vor wenigen Stunden angefangen, ich wusste nicht, was vorher passiert war.
Immer noch die Reihe aus Stecken abschreitend, hörte ich auf einmal Stimmen. Männliche Stimmen, die hier nichts zu suchen hatten.
„Sie sind zu ihrem Überraschungsangriff aufgebrochen. Sie reiten zum falschen Lager. Sag deinem König, er solle sich bereit machen sie in die Zange zu nehmen.“ Mir stockte der Atem und ich blieb stehen. Hoffentlich bemerkten sie mich nicht. Mir drohte zwar keine Gefahr, da ich den Nazgûl hinter mir spürte, aber ich musste hören, was sie zu sagen hatten.
„Ahnt er was?“
„Nein, weder er noch sein Rat. Alle sind sie siegesgewiss los geritten, nur sein kleines Spielzeug ist noch im Lager.“
„Spielzeug?“
„Ja, ich habe keinen blassen Schimmer, warum er die mitgenommen hat. Er lässt ihr sogar den Schwertkampf beibringen und einer der schwarzen Reiter ist immer um sie herum.“
„Vielleicht hat er doch nicht so ein Herz aus Stein?“
Der andere Mann schnaubte abfällig: „Sicher braucht auch er ein bisschen Spaß des Nachts. Wie auch immer, jetzt reite schon los, sonst ist es zu spät. Die Falle muss zuschnappen. Wenn der Misserfolg an uns liegt, sind wir bald allzu kopflos“
Der Fremde brummte nur und ich hörte leise, wie sich Hufschläge entfernten.
Ich musste über das Gehörte zunächst nachdenken. Sie hatten eine Falle vorbereitet. Eine Falle, die Saurons Sieg gefährdete. Was sollte ich tun? Sollte ich ihn warnen? Ja, ich musste ihn einfach warnen. Ich war schon im Begriff, mich zu den Pferdestellplätzen zu begeben, als mir wieder Saurons Befehl einfiel. Ich sollte im Lager bleiben. Er würde es nicht gut heißen, wenn ich das Lager verließ, auch nicht um ihn zu warnen. Vermutlich wusste er sowieso schon um die Umstände, unter denen er dir Khand angriff. Und wenn nicht?, flüsterte eine kleine Stimme in meinem Kopf. Was war, wenn Sauron nicht siegen würde? Er würde sicher nicht sterben, aber falls er herausfinden sollte, dass ich ihn nicht gewarnt hatte, wäre ich eine tote Frau. Selbst, wenn er das niemals herausfinden sollte und er gefangen genommen würde, wäre ich tot oder gar schlimmeres. Die Khand würden kommen und ich wäre ihnen ausgeliefert, gegen sie würde ich nicht gewinnen können.
Meine Gedanken flogen von der einen Richtung in die andere, bis ich schließlich einen Entschluss fasste. Welches Argument dazu den Ausgang gegeben hatte, wusste ich nicht.

Ich suchte meine schwarze Stute auf, sie war gesattelt und aufgezäumt. So schnell ich konnte, machte ich mich auf den Weg zum Heer. Immer meinen Ohren nach. Ich holte im rasanten Galopp schnell auf. Vor mir sah ich schon die aufeinander geprallten Fronten. Orks, Haradrim und Khand droschen aufeinander ein. Überall sah ich Blut und auch ein paar Körperteile durch die Gegend fliegen.
Es war nicht wie eines der Orkgemetzel, die ich in Mordor schon erlebt hatte. Hier starben Menschen. Ich hörte ihre Wut- und Schmerzensschreie, die Orks taten so etwas nie, sie brüllten nur wie Tiere und auch die hatten mehr Emotionen in ihren Stimmen.
Ich trieb meine Stute noch schneller an, wie gut, dass ich reiten konnte. Mit wehender Mähne tauchten wir in die hintersten Reihen ein, die sich noch nicht vollkommen aufgelöst hatten. Doch je weiter ich vordrang, desto chaotischer wurde es. Bald schon waren die Fronten nicht mehr zu unterscheiden. Wir sprangen über Pferdekadaver hinweg, einige Krummsäbel hackten nach mir.
Ich sah mich verzweifelt um. Wo war er nur? Da! Ich sah ihn. Mit hoch erhobenem Langschwert, metzelte Sauron seine Feinde nur so nieder. Ich war beeindruckt und verspürte einfach nur Respekt. Ich hatte gewusst, dass er mächtig war, doch meine Vorstellung glich nicht im Geringsten dem Gesehenen. Selbst aus meiner Entfernung, spürte ich seine Macht und es wunderte mich, dass seine Feinde nicht alle auf die Knie sanken. Wie konnten sie sich nur IHM widersetzten? Diesem Mann, nein, diesem Wesen, dass vor uns strahlte. Er war so mächtig, er war atemberaubend und er war tödlich. Seine Rüstung blitzte in der untergehenden Sonne rötlich, er war wie von Glut überzogen, Feuer tanzte um ihn herum, während flüssige Lava an seinem Schwert hinab lief.
Gefesselt von diesem Anblick bemerkte ich nicht den Pfeil, der auf mich zukam. Er traf mich im Oberschenkel. Ein heißer Schmerz durchfuhr mich, doch ich konnte nicht darauf achten, denn sie kamen. Eine Meute Khand kam auf mich zu, ihre Säbel kampfbereit erhoben. Ich konnte nicht weg, das Kampfgedränge um mich herum war zu groß. Der erste Hieb traf ins Nichts, der zweite ebenso, doch der dritte traf meine Beinschiene. Die Klinge glitt ab, ich zögerte nicht lange und schlug nach dem Kopf meines Angreifers mit meiner inzwischen gezogenen Klinge. Ich traf ihn hart im Gesicht und er sackte zusammen, nicht tot, aber schwer verletzt. Die Zeit die ich mit ihm verbracht hatte, kam mich teuer zu stehen, einer der anderen hatte den Bauchgurt meines Sattels getroffen, mein Pferd bäumte sich auf und erschlug den Khand mit seinen Hufen. Ich konnte mich nicht mehr halten und fiel vom Pferderücken, hart traf ich auf dem Erdboden auf. So schnell ich konnte, rappelte ich mich auf und begab mich in die Grundposition, die Faramir gezeigt hatte. Von meinen drei Angreifern war nur noch einer übrig. Kurz taxierte er mich, bevor er dreckig lächelte.
„Ach, wollen wir tanzen, meine Süße“, zischte er in der allgemeinen Sprache. Schon schlug er auf mich ein. Ich dachte an Faramirs Lektionen. Mein Gegner war vorhersehbar und mühelos parierte ich seine Hiebe, dabei versuchte ich meinen Oberschenkel möglichst wenig zu belasten. Ich verspürte keinen Schmerz, das musste am Adrenalin liegen. Fast hatte er mich, fast hätte er mich an meiner Seite getroffen, doch ich konnte ihm ausweichen und traf dafür ihn in der Kniekehle. Stöhnend sackte er zusammen, ich hätte ihn liegen lassen können. Doch mein Kampfesgeist trieb mich weiter, mit einem schnellem Streich, fuhr ich über seine Kehle. Er fiel auf den Rücken, röchelt noch einmal kurz und dann blickten seine Augen starr zum Himmel. Ich hatte getötet, ich hatte meinen ersten Menschen getötet. Mir blieb keine Zeit zum Innehalten, ich sah schon die nächste Truppe heranstürmen. Warum mussten sie immer zu mehreren angreifen?
Mit Mühe verteidigte ich mich auch gegen Diese, zu meiner Verwunderung, war ich besser als sie. Ich hatte mich neben Faramir immer so schlecht gefühlt, hatte es vielleicht nur daran gelegen, dass er so gut war? Ein Grinsen stahl sich auf meine Lippen, ich hatte eine Chance, ich hatte eine Chance zu überleben. Ich tötete den Großteil der Gruppe, der Rest verlor sich in der Schlacht. Kämpfend kam ich Sauron immer näher, noch war Zeit, noch konnte ich ihn warnen.
Ein Hornstoß ertönte hinter mir, erschrocken drehte ich mich um und sah sie dann auch schon kommen. Es war das zweite Heer und sie hatten Olifanten bei sich. Wo waren die Olifanten der Haradrim? Sauron hatte sie nicht mitgenommen, er hatte nicht gedacht, dass man sie brauchen würde und wollte sie nicht verschwenden. Wieder war es ein Fehler mich ablenken zu lassen, ein stämmiger Krieger war auf mich zugetreten. Als Frau gab ich wohl ein leichtes Ziel ab. Ich siegte erneut, doch es war ein zermürbender Kampf und als er endlich zu Boden sackte, war ich völlig am Enden. Mein Bein hatte angefangen zu pochen und meine Hose war durchtränkt von Blut, auch aus zahleichen anderen kleinen Schnitten blutete ich.
Das neue Heer metzelte durch die Reihen, sie hatten den Khand Mut gegeben und waren noch ausgeruht. Viel zu schnell standen welche vor mir, müde hob ich mein Schwert. Doch ich parierte mehr recht als schlecht. Eine Zeit lang ging alles gut, ich konnte mich meiner neuen Gegner mehr oder weniger erwähren. Da sah ich sie, eine Axt flog direkt auf meinen Schädel zu. Jetzt war es vorbei, ich schloss die Augen und hörte ein Klirren. Es war direkt an meinem Ohr, verwirrt schlug ich die Augen wieder auf. Blaue Augen, hellbraunes Haar. Er hatte die Axt abgewehrt und ging nun zum Angriff über. Ich fasste neuen Mut und schlug ebenso auf meine Gegner ein, wenn auch bei weitem nicht so elegant wie er.
Schließlich zogen sich die Khand in unserem Umfeld zurück. Meine Erschöpfung ergriff wieder von mir Besitz, ich suchte Faramirs Augen. Da, ich hatte sie gefunden. Sie glänzten fiebrig, erhitzt vom Kampf und vom kurzweiligen Sieg. Ich erwischte mich dabei, wie ich in diesen Augen versinken wollte. Da sah ich, wie sie sich weiteten.
„Tinúviel!“, schrie seine Stimme und er hastete auf mich zu, doch es war zu spät. Ich spürte einen dumpfen Aufprall und etwas, was sich in meinen Rücken bohrte. Ich stolperte ein paar Schritte nach vorne, mein Blick verschwamm und ich spürte, wie ich fiel.
Bevor es völlig schwarz um mich herum wurde, nahm ich noch war, wie mich zwei starke Arme auffingen. Nicht schon wieder! Das war mein letzter Gedanke, dann kam die Dunkelheit.
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