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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
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02.03.2015 2.075
 
Das Wasser des Poros glitzerte in der Sonne. Er war noch zwei Tagesritte entfernt, leuchtete aber jetzt schon durch das flache Land.
Das mediterrane Klima in Ithilien hatte mich schon früh dazu veranlasst meinen Umhang abzulegen. Heute vermisste ich Shorts und Tops umso mehr, die Sonne schien heiß vom Himmel und die Luft war drückend. Wie würde es da erst in Khand oder im Landesinnern von Harad sein? Hoffentlich müssten wir die Wüste nie betreten. Ich wusste nicht, wo die beiden Heere aufeinander treffen würden. Den Haradrim würde die Wüste nichts ausmachen, doch die Orks waren festen Boden unter sich gewohnt. Ich beschäftigte mich nicht weiter mit diesen Gedanken, heute würden wir wieder das Lager aufschlagen.
Kaum war ich von meiner Stute abgestiegen, ich würde ihr endlich einen Namen geben müssen, da spürte ich auch schon meinen neuen Lehrer hinter mir. Ich hatte viel aufzuholen, da ich ja immer noch bei Null stand, also übten wir bei jeder Rast zwei Mal. Einmal direkt nach dem Halten und dann noch einmal im Morgengrauen. Auch zwischendurch hielten wir an und übten, während das Heer weiter zog. Ich hatte schnelle Fortschritte gemacht, auch wenn ich mir jede Stunde aufs Neue dumm vorkam.
Seufzend drehte ich mich zu Faramir um, der mir mit kühlem Blick mein Übungsschwert hinhielt. Wir sprachen nur über Kampftechniken miteinander, immer darauf bedacht, eine professionelle Atmosphäre zu wahren. Ich wusste nicht, ob das jetzt besser oder schlechter im Vergleich zu unserem vorherigen Anschweigen war.
Das Übungsschwert in der Hand folgte ich ihm zu einer ebenen, leicht erhöhten Stelle. Ohne ein Wort stellte ich mich in die Grundposition, die er mir gezeigt hatte. Das Schwert hatte ich locker in beiden Händen, noch war ich nicht soweit nur mit einer Hand zu kämpfen. Er stellte sich mir gegenüber und griff dann an. Eine kleine Weile klirrten unsere Schwerter, dann hatte er mich entwaffnet. Ich hielt inzwischen länger als eine Minute aus, doch Faramir siegte immer. Im Gegensatz zu meinem alten Lehrer, hatte er mich aber noch nicht einmal verletzt. Er achtete stets darauf, seine Treffer ins Leere gehen zu lassen oder so abzubremsen, dass ich nicht mehr als einen kleinen Stoß fühlte.
„Heute übt Ihr den Angriff. Eure Verteidigung ist schon ganz passabel und wir haben nicht mehr lange Zeit“, teilte er mir höflich mit.
Ich nickte, zum Zeichen, dass ich verstanden hatte. Er begann mir ausführlich verschiedene Techniken zu erklären. Danach zeigte er mir einige davon praktisch und ich musste sie nachmachen. Wie jedes Mal, endete sein Unterricht damit, dass wir einen Kampf führten, wo ich meine neuen Techniken einsetzten sollte.
Heute würde ich ihn angreifen, ich würde den aktiven Part übernehmen. Forschend sah er mich an, als ich mich ihm gegenüber stellte. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen und doch durchschaute er mein Vorhaben sofort. Mit einigen Paraden seinerseits war ich entwaffnet.
Dieses Spiel wiederholte sich einige Male, bis ich wütend wurde. Meine Misserfolge nagten an meinem Stolz, jedes Mal sah er voraus, was ich tun würde. Er kannte mich zu gut. Ich musste etwas tun, was er nicht erwarten würde. Langsam bückte ich mich nach meinem Schwert, dann blitzschnell, griff ich an. Freudig bemerkte ich, dass er damit wirklich nicht gerechnet hatte. Doch er hatte schnell wieder die Oberhand im Kampf, bevor er mich jedoch entwaffnen konnte, trat ich schnell ein paar Schritte auf ihn zu. Normalerweise wich ich zurück, doch diesmal nicht. Erneut verwirrt, trat er ebenfalls zurück. Triumphierend wollte ich ihn entwaffnen, als er mit einer Drehung seines Handgelenks, mein Schwert aus meiner Hand drehte. Dann packte er mich, zog mich zu sich heran und hielt mir sein Schwert an meine Kehle. Ich schluckte schwer.
Noch einen Moment hielt er mich so fest, bis er mich losließ. Schnell trat ich von ihm weg und sah ihm dann erwartungsvoll an. Jetzt würde die Erklärung folgen, was ich falsch gemacht hatte.
„Das war gut. Es war eine schlaue Idee, den Gegner überraschen zu wollen, doch Eure Selbstüberschätzung hat Euch am Ende zu Fall gebracht. Dieser Fehler unterläuft vielen Kriegern.“ Kriegern? Hatte er mich indirekt als Kriegerin bezeichnet? Zufrieden lächelte ich in mich hinein, bis ich ihm wieder ins Gesicht sah. Seine Miene war noch härter als zuvor. Hatte ich ihn verärgert? Ich hatte nichts getan. Ich hatte die ganze Zeit nichts getan, was sein Verhalten gerechtfertigt hätte.
Mit ausdrucksloser Miene wandte ich mich ab. Die Stunde war beendet und so auch unser tägliches Pflichtbeisammensein.

Wie waren in einem Grenzland, Süd-Gondor oder auch Harondor genannt. Es war ein wüstes und trockenes Land. Hinter uns lag der Poros, der die Grenze zu Süd-Ithilien, dem fruchtbaren Land, und Harondor bildete. Vor uns lagen die weiten Wüsten von Harad.
Sauron hatte beschlossen, dass hier die Heere aufeinander treffen sollten. Unser Lager war aufgebaut, nicht eines von den Provisorischen. Es war ein richtiges Feldlager. Das Zentrum bildete das Zelt des Rates, darum herum waren die Zelte der Ratsmitglieder aufgebaut, genau wie Saurons. Auch ich hatte ein eigenes Zelt bekommen, es war relativ prunkvoll. Weiche Teppiche bedeckten den Boden, sodass ich nicht auf dem harten Untergrund laufen musste. Ich hatte ein richtiges Bett mit einer weichen Matratze und sogar eine kleine Kommode mit einem Spiegel. Meine Kleidertruhen standen ebenfalls in meinem Zelt.
Ich verbrachte jedoch nicht viel Zeit dort. Neben meinem Schwertkampftraining, hatte Sauron mir Aufgaben zukommen lassen. Ich war für die Versorgung der Soldaten zuständig, für die Struktur des Lagers und dafür, dass sich die verschiedenen Orkstämme nicht an die Kehle gingen. Die letzte Aufgabe war die schwierigste. Jeder Clan hatte irgendeinen Zwist mit einem anderen, manchmal auch nur einzelne Krieger untereinander. Irgendwie hatte ich es geschafft, dass die verschiedenen Einzellager so angelegt waren, dass keiner seinen Nachbarn so schnell umbringen würde. Dazu hatten die Nazgûl und einige der Haradrim den Befehl zu patrouillieren.
Über meine Skizzen gebeugt, hörte ich das leise Rascheln der Zeltwand, ich blickte auf. Ein Hauptmann der Haradrim stand vor mir. Ich musste schmunzeln, es war Na’man, der Haradrim, der mich damals vor Saurons Gemächern aufgehalten hatte, es schien Jahrzehnte her zu sein.
„Der dunkle Herrscher ruft eine Ratsversammlung ein“, teilte er mir unter einer leichten Verbeugung mit. Ich wurde nervös, es war die erste offizielle Ratsversammlung seit dem Aufbruch. Was hatte das zu bedeuten?

Mit gespielter Selbstsicherheit betrat ich das Ratszelt. Ausnahmsweise war ich einmal nicht die Letzte. Sauron fehlte. Es war das erste Mal, dass ich dem Rat begegnete, ohne Sauron an meiner Seite. Würden sie ihre Abneigung gegen mich nun öffentlich zeigen? Einen Moment sahen sie mich an, wandten sich aber recht schnell wieder ihren leise geflüsterten Gesprächen zu. Am liebsten würde ich zu Faramir treten, doch ich unterdrückte den Impuls. Bevor ich über mein weiteres Verhalten nachdenken konnte, betrat auch schon Sauron das Zelt. Die Gespräche verstummten augenblicklich.
Sauron stellte sich neben mich, ehe er anfing zu sprechen: „Die Späher sind soeben zurück gekommen. Sie berichten, dass das Heer der Khand sich am Wüstenrand befindet. Morgen werden wir angreifen.“
Ein Schauer überlief mich, morgen schon? Morgen würde die Schlacht beginnen. Ich wusste es war keine große, alles entscheidende Schlacht und der Sieg des schwarzen Herrschers war nicht unwahrscheinlich. Aber dennoch hatte ich Angst.
Es folgten Gespräche über Taktik und Strategien, ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Es hatte für mich keine Bedeutung und interessierte mich auch nicht wirklich, ich würde an der Schlacht nicht direkt teilnehmen. Bevor ich jedoch ganz in meine Gedanken abschweifen konnte, forderte Sauron meine Aufmerksamkeit.
„Das Lager ist ausreichend gesichert?“, fragte er mich nach meinem Aufgabenbereich.
„Ja, die Lager für die Verletzten sind vorbereitet und die Verteidigungswälle sind gesichert.“ Es handelte sich nicht wirklich um Wälle, sondern nur um Stecken, die in den Boden gerammt waren. Doch Sauron hatte befohlen, dass es etwas Derartiges geben sollte. In regelmäßigen Abständen liefen Wachen den Schutzring ab, um Spione und andere Feinde zu entdecken. Niemand konnte sich so ungesehen in das Lager oder aus dem Lager heraus schleichen.
„Dann ist das Treffen beendet. Ihr könnt gehen, Tinúviel, folge mir.“ Ich folgte Sauron also aus dem Zelt, welches er als Erster verließ und ging ihm zu seinem Eigenem hinter her.

„Ich habe ein Geschenk für dich“, sagte er, als wir in seinem Zelt waren. Er führte mich zu einem Tisch auf dem eingeschlagen, ein langes Etwas lag. Vorsichtig nahm ich es in die Hand, es war schwer.
Als ich es vorsichtig auspackte, wusste ich nicht, was ich sagen sollte. In meinen Händen lag ein wunderschönes Schwert. Es war kleiner als meine Übungsklinge und leichter. Ich umfasste den Griff, es lag perfekt in meiner Hand. Es fühlte sich an, wie eine natürliche Verlängerung meines Armes, nicht wie ein scharfer Stock, was ich bei der Übungsklinge verspürte. Bewundernd betrachtete ich es.
Die Klinge blitzte trotz des spärlichen Lichts, in der Nähe des Griffes waren kleine Ranken zu sehen. Nein, es waren keine wirklichen Ranken, es waren winzige Eiskristalle, die wellenähnliche Muster auf die Klinge malten. Auch auf dem Griff selber konnte ich diese Wellen entdecken, umso mehr sie sich dem Knauf näherten, desto flüssiger schienen sie. Es war wie eine Welle, die nach oben hin gefror. Die Parierstange selber war zwar gerade, sah aber auch, wie eine fließende Bewegung aus, die in zwei Wellen endete.
Doch das Schönste war der Knauf des Schwertes. Er war rund und ein Edelstein war in ihn eingelassen. Es war nicht irgendein Edelstein, es war der schönste Stein, den ich je gesehen hatte. Der dunkle Opal leuchtete in den unterschiedlichsten Blau- und Grüntönen, er erinnerte mich zugleich an den Himmel, das Meer und eine grüne Wiese. Um ihn herum flossen weitere Wellen, der Stein schien das Zentrum von der ganzen Wasserbewegung des Schwertes zu sein.
Als ich aufblickte, bemerkte ich, dass Sauron mich beobachtete. Seine Miene war selbstzufrieden und doch konnte ich in seinen Augen etwas wie Freude erkennen. Freute es ihn, dass ich mich so freute?
„Danke“, hauchte ich gerührt. Er nickte mir zu und führte mich dann zu einer Puppe.
„Zu einem Schwert gehört auch die richtige Garderobe. In einem Kleid, kannst du nicht kämpfen.“
Sauron forderte mich auf, die Kleidung anzulegen, die zuvor die Puppe getragen hatte. Zögernd zog ich mein Kleid aus, es war ja nicht zum ersten Mal. Nur in Unterwäsche stand ich vor ihm. Er begaffte mich auch diesmal nicht, ließ seinen Blick jedoch langsam über meinen Körper wandern. Schnell drehte ich mich um und zog meine neuen Kleider an.
„Es passt zu dir“, stellte er fest.
Prüfend schaute ich in den Spiegel. Die Kleider standen mir wirklich gut. Ich trug ledernde Beinkleider und hohe dunkelbraune Stiefel. Darüber trug ich ein grünes Hemd, es passte fabelhaft zu meinen Augen und ein ledernes Korsett darüber. Armschienen und ein dunkelgrüner Umhang, den ich wahlweise tragen konnte, vervollständigten die Garderobe. Mein Haar floss in Locken über meine Schultern
Sauron trat näher und legte mir eine Schwertscheide um die Hüfte, sie war ebenfalls mit Leder beschlagen, eine Welle lief bis zur Spitze der Scheide. Er ließ seine Hände auf meinen Hüften liegen und flüsterte: „Du siehst atemberaubend aus. Gefährlich und wunderschön.“ Dann küsste er erst meinen Nacken und drehte mich dann so um, dass ich ihm mein Gesicht zuwandte. Er nahm es in die Hände und küsste mich nun auf den Mund.
Erneut lag Gefühl in diesem Kuss und erneut war es anders. Ich genoss ihn. Ich genoss das Gefühl von Saurons Lippen auf meinen. Er war anders, er war anders, als er sich gab. Trotz, dass ich nicht kämpfen würde, hatte er mir wundervolle Geschenke gemacht, die wir für mich gemacht waren. Ich hatte ein Schwert bekommen, keinen Schmuck. Er hatte mich mitgenommen, obwohl ich nur eine Frau war, keine Kriegerin, nur eine einfache fremde Frau. Er hatte mir wichtige Ämter übertragen und mir Kleidung geschenkt. Das hatte er zuvor zwar auch schon, aber niemals solche Kleidung, Kleidung die wirklich zu mir passte und nicht nur dazu da war, für ihn hübsch auszusehen.
Er musste etwas für mich empfinden, keine Liebe oder etwas in dieser Art, aber ich musste ihn irgendwie beeindrucken, ihn faszinieren. Und erlaubte er mir nicht so gut wie alles? Auch hatte ich ihn noch nie wirklich böse erlebt, er hatte mich sogar geheilt, obwohl es nicht nötig getan hatte. Er war zu etwas Bösem gemacht worden, er konnte nicht durchweg böse sein. Hätte er sonst Frauen und Kinder aus seinem Kerker befreien lassen? Vielleicht wollte er sich nicht eingestehen, aber er war nicht abgrundtief böse und ich würde es schaffen, ich würde ihn retten können!
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