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Überleben im Schatten

von Ajnif
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Eomer Faramir Frodo Gollum / Sméagol Sauron
16.02.2015
12.05.2015
53
100.257
35
Alle Kapitel
41 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.03.2015 2.444
 
Hi!
Ich habe die beiden letzten Tage einfach keine Zeit gefunden, zu schreiben.
Dafür ist das Kapitel auch etwas länger und vielleicht schaffe ich es heute noch, das 17. Kapitel zu überarbeiten.
Also viel Freude beim Lesen und der übliche Aufruf nach einer Review. Ich beiße echt nicht!



Breitbeinig stand er vor mir, das Schwert kampfbereit erhoben. Ich hatte Sauron darum gebeten, dass Jirab oder Umar mir den Schwertkampf beibringen durften, doch er hatte abgelehnt. Ich solle die richtige Technik lernen, nicht den Mumpitz, den die Haradrim trieben. Also unterrichtete mich ein Fremder, der früher in Gondor gelebt hatte. Mehr wusste ich nicht über ihn, nicht einmal seinen Namen kannte ich.
Ich hob das Übungsschwert kampfbereit, nun ja eher dazu bereit, seine Hiebe irgendwie abzuwehren. Mein Lehrer war der Meinung, dass ich durch Praxis lerne, irgendwelche Erklärungen seien überflüssig.
Er griff an und mein Schwert lag nur wenige Sekunden später am Boden. Ich hielt schmerzhaft meine Seite, wo er mich getroffen hatte. Ohne ein Wort trat er ein paar Schritte zurück und ging wieder in seine Ausgangsstellung zurück. So verlief das restliche Training.
Seit einer Woche schon schmerzte mir jede Stelle am Körper, ich war aus einem Muster von blauen, violetten und grünen Flecken bedeckt. Das Weiß meiner Haut war nur noch an den Händen und im Gesicht zu sehen. Ich wusste, wie ich mit Schmerzen umgehen konnte. Diese Hiebe waren nichts, im Vergleich zu der Folter im Kerker.
Ich wachte jede Nacht, seit der Kriegsverkündung, schweißgebadet und keuchend auf. Vor  Angst, dass ich mich wieder in der Dunkelheit befinden könnte. Manchmal schrie ich auch, dann kamen Jirab oder Umar durch die Tür gestürzt. Sie sagten nichts, doch ihre Blicke waren jedes Mal sorgenvoll.
Die Schlacht rückte von Tag zu Tag näher und ich hatte Angst. Meine Albträume wurden immer schlimmer und mit jeder Trainingsstunde wurde mir deutlicher bewusst, wie wenig ich mich zu verteidigen wusste.

Heute hatte ich keine Albträume, ich hatte nicht eine Sekunde geschlafen. Denn es war der Tag des Aufbruchs, der Tag an dem ich mich aufmachen würde, um zu sterben.
Reiß dich zusammen!, fuhr ich mich selber an. Sauron hatte gesagt, ich würde das Schlachtfeld nicht einmal betreten müssen. Ich würde nicht sterben. Ich würde nicht einmal einen Kratzer abbekommen.
Nachdem ich ein kleines Frühstück zu mir genommen und gebadet hatte, betrachtete ich das Kleid, welches bereit auf meinem Bett lag. Sauron hatte es ausgesucht.
Der obere Teil war eng, im Kontrast dazu standen die weiten Ärmel. Der Rock bildete sich aus schwarzen und dunkelblauen Stoffbahnen, es sah aus wie die lebendige Nacht.
Silberblaue Ranken an Ärmeln, Dekolleté und Saum verstärkten den Eindruck. Dazu sollte ich eine Kette tragen, sie war silbergrau und trug als einzigen Stein einen Saphir, es war einfach und sah doch sehr edel aus. Es passte zu meinem Diadem, welches ich tragen sollte. Es ähnelte meinem Alten. In diesem war jedoch ebenfalls ein Saphir eingelassen und Runen bildeten ein verschlungenes Muster auf dem Silber. Allerdings konnte ich diese nicht lesen.
Wie ich erwartet hatte, sah ich wie eine dunkle Königin aus. Ein schwarzer Umhang und eine kunstvolle Aufsteckfrisur rundeten meine Garderobe ab.
Erhobenen Hauptes schritt ich aus dem Portal, die Haradrim waren schon in Position, zumindest die, die nicht erst am Schwarzen Tor zu uns stoßen würden. Ich war als Letzte eingetroffen, wie beabsichtigt, die übrigen Ratsmitglieder saßen schon auf ihren Pferden. Ich hielt Ausschau nach meiner Fuchsstute, konnte sie aber nicht entdecken. Eine Hand legte sich auf meinen Rücken, ohne mich umzusehen, wusste ich, dass es Sauron war. Diese Mischung aus Hitze und Kälte war unverwechselbar.
Mit leichtem Druck führte er mich zu einem Rappen. Die Stute war ebenso schwarz, wie Saurons Hengst, jedoch etwas kleiner und graziler. Sie beäugte mich beim Näher kommen, vorsichtig streckte ich die Hand aus, sodass sie sie beschnuppern konnte. Ihre Nüstern waren weich und fuhren sanft über meine Handfläche. Ich blickte dem Pferd in die Augen, ich sah Temperament in ihnen und doch schien sie eine unglaublich treue Seele zu sein. Innerlich musste ich lächeln, ich liebte dieses Tier.
„Wie heißt sie?“, flüsterte ich Sauron zu. Er sah zu mir runter, seine Mundwinkel zuckten.
„Sie hat noch keinen Namen.“ Mit diesen Worten packte er mich bei den Hüften und hob mich auf den Rücken der Stute. Ich ließ meine Füße in die Steigbügel gleiten, ich war etwas unsicher. Zu Hause hatte ich viele Stunden auf dem Pferderücken verbracht, doch niemals in einem Kleid. Zu meiner Erleichterung musste ich nicht im Damensitz reiten, das Kleid war so geschnitten, dass ich genug Beinfreiheit hatte, um in beide Steigbügel zu gelangen, bis auf meine Stiefelspitzen aber nichts zu sehen war. Der Rest des Kleides, wie auch der weite Umhang vielen über die Kruppe meiner Stute. Zufrieden schenkte ich Sauron ein Lächeln, der kurz zu mir hoch sah und sich dann auf sein eigenes Pferd schwang.
Er winkte mich zu sich, ich ritt rechts von ihm, dahinter folgten die übrigen Ratsmitglieder und die Bannerträger, dahinter das Heer.
Ich vermied es Faramir anzusehen, als ich an ihm vorbei ritt. Seit dem Vorfall im Ratszimmer hatten wir nicht mehr miteinander gesprochen, wir waren uns weitestgehend aus dem Weg gegangen. Ich wusste nicht, wer wen mehr mied.
Ich wusste nur, dass ich diesen kalten Blick von ihm nie mehr sehen wollte.

Wir waren nun schon mehrere Tage geritten. Khand war zwar ein Nachbarland von Mordor, jedoch konnte man Mordor nur durch das Schwarze Tor betreten oder verlassen. Mit einem Heer zumindest.
Der Großteil unseres Heeres war im Tal von Udûn zu uns gestoßen. Als wir das Morannon verlassen hatten, wandten wir uns Richtung Westen und dann Richtung Süden. Das Ered Lithui lag immer zu unserer Linken, während wir erst Nord Ithilien und nun Süd Ithilien durchquerten. Bald würden wie die Furten des Poros erreichen und dann der Harad-Straße folgen.
Ich versuchte den Anblick des Grüns zu genießen, Süd-Gondor hinter den Furten war wüst und von den vielen Kriegen gezeichnet. Auch Ithilien würde nun von unserem Heereszug gezeichnet werden, ich mochte nicht daran denken, wie die graue Schneise der Orks aussehen musste. Überall, wo sie hinkamen, verwüsteten sie das Land. Sauron ritt schräg vor mir, er hatte keinen Blick für die Schönheit der Natur übrig.
Als es anfing zu dämmern, hob er seine Hand. Heute würden wir lagern. Ich war erleichtert, wir hatten nicht jeden Tag Halt gemacht und mein Hintern tat mir weh. Ich war furchtbar müde und erschöpft, außerdem würde ich zu gerne einmal wieder baden. Das ging natürlich nicht, aber zumindest mein Kleid konnte ich wechseln. Sauron bestand nicht mehr darauf, dass ich das dunkle Kleid trug.
Während einige Soldaten mein Zelt aufbauten und meine Stute pflegten, schritt ich zu einer kleinen Anhöhe. Zufrieden ließ ich mich ins weiche Gras sinken und beobachtete den menschlichen Teil des Heeres, welcher ein kleines Lager aufbaute. Die Orks brauchten keine Pause, doch wir Menschen.
„Du sollst nicht alleine herumirren“, sagte Saurons harsche Stimme hinter mir. Erschrocken sprang ich auf.
„Verzeiht, ich dachte hier oben bin ich niemandem im Weg.“
Sauron war sich einer Antwort nicht würdig. Er betrachtete mich lange, dann hob er eine Hand und fuhr über meine Schulter. Mein Kleid war an der Stelle verrutscht und man sah einen dunklen Bluterguss.
„Wer war das?“, fragte er fordernd.
„Das ist Nichts, das ist beim Schwertkampf passiert“, versuchte ich es herunter zu spielen. Inzwischen konnte ich mich ganz gut wegducken und behielt mein Schwert auch schon einmal länger in der Hand. Es waren langsame Fortschritte, aber ich wollte auf keinen Fall aufhören. Mit dem Training konnte ich mir zumindest einreden, dass ich etwas sicherer war. Auch wenn es meine Albträume nicht linderte.
„Das sollte nicht passieren, du übst seit Wochen. Zeig es mir?“
„Was?“, fragte ich dümmlich.
„Zeig mir deine Übungen.“ Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt.
Nein! Ich wollte ihn nicht bei meinem Training haben, er sollte mein Versagen nicht sehen. Doch ich konnte ihm nicht widersprechen, also schickte ich nach meinem Lehrer.
Wir trafen und etwas abseits und geschützt vor fremden Blicken, es reichte schon, dass Sauron mein Versagen sah. Zu meinem Leidwesen, kam jedoch auch Faramir hinzu.
Zögernd hob ich mein Schwert, innerlich machte ich mich für die Schmerzen bereit.
Er griff an und stieß mir sein Schwert gegen die Rippen. Ich hielt mein Schwert verbissen fest und konnte seinen nächsten Hieb abfangen. Doch dann war es vorbei, er traf meine Finger und ich hörte ein Knacken, vor Schmerz ließ ich das Schwert los. Er nutze meine Deckungslosigkeit und stieß mich mit einem Tritt zu Boden. Alle Luft wich aus meinem Körper, meine Finger standen in einem merkwürdigen Winkel ab und ich konnte mich nicht bewegen. Warum fiel ich nicht in Ohnmacht? Auf dem Rücken liegend sah ich in den Himmel und versuchte nicht zu weinen, nicht zu schreien oder mir die Schmerzen sonst wie anmerken zu lassen.
Ich bemerkte, wie sich jemand neben mich kniete. Hände fuhren meinen Oberkörper entlang, tasteten nach Brüchen. Als sie die Stelle berührten, an der ich heute getroffen wurde, zog ich zischend die Luft ein.
„Die Rippen sind nicht gebrochen. Kannst du aufstehen?“, fragte mich eine Stimme. Nun wandte ich dem Sprecher den Kopf zu, es war Faramir. Wer sollte es sonst sein? Ich nickte leicht, zu sprechen traute ich mich nicht. Als Faramir jedoch nach meiner Rechten griff, entfuhr mir doch ein leises Wimmern. Erschrocken sah er auf meine Finger. Bevor er etwas sagen konnte, unterbrach ihn Saurons Stimme.
„Ist sie schwer verletzt?“
„Ihre Rippen sind vermutlich geprellt und die Finger ihrer Schwerthand sind gebrochen.“
„Trage sie in mein Zelt“, befahl Sauron.
Faramir wollte mich hochheben, doch ich schüttelte den Kopf. „Ich kann selber laufen, meine Beine sind in Ordnung.“
Faramir ließ mich los und nur auf eine Hand gestützt stand ich mühsam auf. Dabei stieß ich mir die Rechte erneut an, diesmal drang kein Laut über meine Lippen. Ich hatte mir meinen Respekt mühsam verdient und würde ihn jetzt nicht verlieren, nur weil ich wegen einer paar gebrochenen Fingern von Faramir getragen wurde.
Etwas schwankend, aber erhobenen Hauptes schritt ich durch das provisorische Lager zu Saurons Zelt. Es war das größte Zelt, sowie der Mittelpunkt des Lagers.
Faramir hielt mir die Zeltplane offen, während ich eintrat. Auf dem Boden lagen ein paar Teppiche. Ein Tisch mit Stuhl und eine Art Pritsche waren das einzige Mobiliar.
Sauron stand über den Tisch gebeugt, blickt jedoch sofort bei meinem Eintreten auf.
„Du solltest sie tragen“, fuhr er Faramir an.
„Ich wollte aber nicht. Es ist nichts, nur eine paar gebrochene Finger“, antwortete ich an Faramirs statt bissig.
„Geh!“, befahl Sauron Faramir. Dieser befolgte seinen Befehl und schloss hinter sich die Zeltplane.
„Zieh dich aus!“, befahl Sauron nun mir. Ich zuckte zusammen. Was wollte er? Ich rührte mich nicht, ich musste mich verhört haben,
„Muss ich mich wiederholen?“, fragte er nun ärgerlich,
Zögernd hob ich meine linke Hand und schnürte mein Korsett auf. Ich war sehr ungeschickt dabei, nicht nur weil ich lediglich meine Linke nutzen konnte, auch zitterten meine Finger. Was hatte er vor? Wollte er mich für meine Unfähigkeit bestrafen?
Als ich ihm zu Lange brauchte, schnaubte er untypisch für seine kalte Art und war mit zwei großen Schritten bei mir. Er schob meine linke Hand weg und öffnete selber mein Kleid. Als er die diversen Schnüre lose hatte, streifte er es mir von den Schultern, sodass ich nur noch meine Unterwäsche trug. (1)
Dann trat er einen Schritt zurück und betrachtete meinen Körper. Ich bemühte mich, meine Arme nicht um mich zu schlingen. Früher oder später hatte es so kommen müssen.
Doch zu meiner Verwunderung tat er nichts. Er sah mich nicht begehrend oder lustvoll an, sondern sein Blick wanderte so über meinen Körper, wie man ein Studienobjekt betrachten würde. Er hielt an den falschen Stellen inne und übersah dafür die Stellen, wo normalerweise Blicke haften bleiben würden.
„Wie sehr schmerzt es?“ Seine Stimme war schon fast gelangweilt. Diese Situation hier war mehr als falsch.
„Nicht sehr. Ich werde nicht daran sterben.“ Meine Stimme war zu meiner eigenen Verwunderung ebenfalls ganz ruhig.
„Aber es schmerzt“, stellt er fest.
Ich nickte zur Antwort vorsichtig. Kurz sah er mir in die Augen, dann trat er wieder näher und legte seine Hand auf meine Schulter.
Es war, als würde Hitze in meine Haut fließen. Auch als, er losgelassen hatte, spürte ich die Hitze noch in meinem Arm. Dann durchzuckte mich plötzlich ein stechender Schmerz in meiner rechten Hand, ich keuchte auf. Doch es war schon vorbei. Verwundert sah ich an meinem Arm hinab, die Finger waren wieder in ihrer Position. Als ich sie vorsichtig bewegte, spürte ich keinen Schmerz. Die Brüche waren geheilt.
Verwundert sah ich Sauron ins Gesicht. Ich wusste ja, dass er ein mächtiger Magier war, wenn auch ein dunkler. Ich hatte eine Ahnung davon, was er alles mit seiner schwarzen Magie anstellen konnte. Aber, dass er auch heilen konnte? Überhaupt sich die Mühe machte zu heilen?
Ich wollte ihn schon danach fragen, als er seine Rechte auf meine Rippen legte, wieder durchfuhr mich diese merkwürdige Hitze, es war ein merkwürdiges Gefühl. Doch nun, wo ich vorbereitet war, war es ein angenehmes Gefühl. Ich war auf den Schmerz vorbereitet und keuchte diesmal nicht auf. So verfuhr er weiter an meinen ganzen Körper. Die blauen Flecken verschwanden, meine Muskeln hörten auf zu schmerzen. Er legte seine Hand nicht immer an verletzte Stellen, manchmal legte er sie nur wenige Millimeter daneben, manchmal auch einige Zentimeter oder direkt darauf. Aber ich wurde langsam wieder ansehnlich. Meine Haut war wieder weiß und nicht mehr gefleckt.
Als er fertig war, verspürte ich nicht nur keinen Schmerz mehr. Ich fühlte mich auch ausgeruht, als hätte ich gerade mindestens zehn Stunden durchgeschlafen.
„Zieh dein Kleid an“, befahl er nun.
Ich folgte hastig seiner Aufforderung, zum Glück hatte ich nur Kleider mitgenommen, die ich auch ohne Hilfe meiner Zofen anziehen konnte. Während ich mich anzog, hatte er sich von mir abgewandt. Vollkommen bekleidet trat ich einen Schritt auf ihn zu. „Danke“, flüsterte ich. Noch immer beeindruckt von dem, was er getan hatte.
„Du wirst einen neuen Lehrer bekommen. Einen, der dir etwas beibringt und dich nicht verprügelt. Außerdem wünsche ich, dass du das nächste Mal sofort zu mir kommst. Du bist meine Stellvertreterin und niemand hat das Recht, dich so zu behandeln. Jetzt geh!“
Still wandte ich mich ab und verließ das Zelt. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich gedacht, er würde sich Sorgen um mich machen. Doch wir sprachen hier von Sauron, der das Gefühl der Sorge nicht einmal ansatzweise kannte.


(1) Tolkien hat nie etwas anderes behauptet, also ja, BHs und ähnliches gibt es in Mittelerde. Wem’s nicht passt, der stelle sich an dieser Stelle entsprechende Unterwäsche vor
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