Valientinstag (Gaylien Romance - Teil 2)

KurzgeschichteHumor, Fantasy / P18 Slash
14.02.2015
14.02.2015
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© by Sitala Helki
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Private Kopien für dein Eigengebrauch (Reader, etc.) sind davon selbstverständlich ausgenommen.


Falls euch, liebe Leser, diese Geschichte irgendwo unter anderem Namen begegnet, würde ich mich über einen kurzen Hinweis freuen.


~*~*~


Eigentlich wollte ich ja gar keine Geschichte zum Valentinstag schreiben, aber die beiden haben mir einfach keine Ruhe gelassen. *grins*

Es handelt sich hierbei um eine Fortsetzung zur 'Menschenkenntnis'. Für das bessere Verständnis, ist es ratsam die Geschichten auch in der Reihenfolge zu lesen. Viel Spaß!

Ach, so: Der Titel ist so, wie er ist, gewollt und kein Vertipper ;-)



»Ne, das kannst du getrost vergessen!«
»Aber ich dachte, du fändest das auch schön.« Schmollen. Golans neue Paradedisziplin.
Die ersten Male bin ich noch darauf hereingefallen. Das sind alles Dinge, die ich erst nach und nach lerne. Da hat er einen deutlichen Wissensvorsprung.
»Wohl kaum und das weißt du genau!«
»Aber die Menschen machen das auch gerne und ...«
»Eben! Die MENSCHEN! Golan, auch wenn du krampfhaft versuchst, etwas daran zu ändern: Wir sind keine Menschen und werden auch nie welche sein! Außerdem: Skifahren?! Das geht nur mit Schnee und wo Schnee ist, ist es kalt. Du weißt genau, was uns Kälte antut.«
»Na ja ...« Golans Blick ändert sich schlagartig. Er weiß, wie er mich ansehen muss, damit sich mein Verstand winselnd verabschiedet. Lächelnd kommt er auf mich zu, streicht über meinen Oberkörper und spielt mit einem der Knöpfe meines Hemdes.
Ich stehe auf diese unschuldige Masche.
Mistkerl!
Von unten her sieht er mich gespielt hilflos an. »Wir können es uns ja warm machen.«
Guter Versuch und einen Moment lang bin ich kurz davor, bedingungslos einzuwilligen, doch der Gedanke an weiße, kalte Massen erdet meinen Verstand wieder.
»Dafür brauchen wir aber nicht wegfahren. Erstens ist es hier auch immer noch kalt und zweitens verstehe ich nicht, was der Aufwand soll. Denn zum warm machen müssen wir nun wahrlich nicht verreisen.«
Sein Schlag mit der flachen Hand gegen meinen Brustkorb trifft mich unvorbereitet.
»Uff!«
»Du bist so unromantisch!«
Ich weiß, dass das ein Vorwurf sein soll, dennoch sehe ich es als Kompliment. Unsere Spezies ist eben nicht so veranlagt. Dieses ganze Getue, Partnerwerbung und alles, um den anderen zu halten, gibt es bei uns nicht. Vorsehung und so. Na, ihr wisst schon.
Was soll man da große Gesten vollführen, wenn der andere eh zu einem gehört? ›Romantik‹ ist uns von Natur aus fremd.
Glücklicherweise bin ich noch nicht derart verweichlicht wie Golan. Ich fürchte, wenn er könnte, würde er sich zu einem Menschen transformieren lassen. Unwillkürlich schaudere ich. Gruselige Vorstellung. Ja, ich weiß, ich habe in der Vergangenheit einige eurer Errungenschaften gelobt, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich einer von euch werden möchte. Ich meine, nur weil ihr euren Hund mögt, wollt ihr doch auch keiner sein, oder sehe ich das falsch?

»Du könntest ruhig mal etwas in unsere Beziehung investieren!«, beschwert sich der Herr weiter.
»Wie bitte?! Ich bin hier, auf der Erde, mit dir. Ich denke, das ist Opfer genug!«, entgegne ich ihm ungehalten.
»Opfer?!« Uh, ich bin kurz davor, mir die Ohren zuzuhalten. Seit wann spricht er in solch einer schrillen Tonlage? »Es war deine Entscheidung, wenn ich dich erinnern darf!«
Das weiß ich selbst und in den letzten sechs Wochen habe ich diesen Entschluss bereits nicht nur einmal bereut. Ein Umstand, den ich ihm aber ganz bestimmt nicht mitteilen werde, denn auf das Geheule habe ich noch weniger Lust.
In einer theatralischen Bewegung werfe ich die Arme hoch. Nicht nur er kann sich menschliche Gesten abschauen.
»Mit dir kann man gerade nicht in Ruhe reden! Ich gehe.« Entschlossen drehe ich mich um und schnappe mir meinen Wintermantel von der Garderobe.
»Ja, das kannst du ganz toll! Einfach abhauen, wenn es ernst wird«, keift Golan hinter mir.
»Ich muss arbeiten«, knurre ich ihm über die Schulter zu.
»Ach, jetzt plötzlich?«
»Nein. Eigentlich schon seit einer halben Stunde!«
»Na, dann wünsche ich dir viel Spaß
»Arschloch!«
Mit genau richtig dosierter Kraft knalle ich die Tür zu. So, dass sie möglichst laut schließt und dabei nicht wieder in ihre Einzelteile zerspringt. Das war vielleicht ein Aufstand beim letzten Mal, als ich noch nicht wusste, wie labil eure Materialien sind. Versucht mal, an einem Sonntagabend irgendwo eine neue Haustür herzubekommen und zwar eine, die dem werten Herren auch genehm ist.

Missmutig stapfe ich zu meinem Auto, welches gleichzeitig meinen Arbeitsplatz darstellt: ein Taxi; auf Befehl der obersten Bosse, damit ich in kurzer Zeit möglichst viele verschiedene Menschen kennenlerne. Ja, ganz toller Beruf!
Manchmal wünsche ich mir, wir hätten so ein Blitz-Dings, wie in diesen Filmen, die es bei euch gibt. Da geht es auch um Aliens. Sehr amüsant. Wenn das eure Vorstellung von uns ist, haben wir wohl die nächsten tausend Jahre nichts zu befürchten.
Zumindest könnte ich damit die Erinnerung an manch wirklich grausamen Menschen löschen.
Denn mal ernsthaft: Warum meint ihr, alle Hemmungen fallen lassen zu müssen, nur weil ihr mit einer zweiten Person ach so vertraut auf engem Raum allein seid? Ihr seid doch nicht verpflichtet, über den Hautausschlag der besten Freundin, die neueste Affäre im Königshaus XY oder das neueste Schimpansen-Baby zu reden. Oder etwa doch? Das alles sind Dinge, die nun wirklich absolut niemanden interessieren! Mich eingeschlossen. Euch selbst vermutlich auch.
Aber ich gebe zu, ich weiß nicht mehr genau, ob es in eurer Genetik begründet ist, dass ihr einfach immer faseln müsst. Das werde ich noch einmal ergründen.

Nachdem ich unseren Antrag auf Human-Beobachtung gestellt hatte und der bewilligt wurde, konnte ich nur schlecht diesen Berufsvorschlag ablehnen. Einerseits angeblich die Menschen studieren und andererseits möglichst nichts mit ihnen zu tun haben zu wollen, passt nicht sonderlich gut zusammen.

~*~*~


»Ähm, ich möchte mich nicht einmischen. Sie kennen sich bestimmt besser aus als ich, aber ich denke, zur Fasanenstraße hätte man eben rechts abbiegen müssen.«
Ich werfe meinem Fahrgast einen alles andere als freundlichen Blick zu, woraufhin der kurz zusammenzuckt. »Tschuldigung«, kommt es gleich darauf von ihm genuschelt.
Er hat ja recht, dennoch nervt er mich. Alles nervt mich.
»Wenn Sie sich nicht einmischen wollen, warum tun Sie es dann?«
Zischend zieht der Typ Luft ein. »Welche Laus ist Ihnen denn über die Leber gelaufen?«
Laus? Ach, das ist eine Redensart. Ich erinnere mich.
»Geht Sie ’nen Scheißdreck an.« Ich setze den Blinker und biege ab.
»Uh, lassen Sie mich raten: Stress mit der Ehefrau?« Was grinst der denn so? Und warum wird der überhaupt so intim? Ach, ja. Ich vergaß: enger Raum, Vertrautheit und so.
»Hab keine Frau«, erwidere ich knapp.
»Hm, vielleicht sind Sie deswegen so unausgela...«
»Schnauze! Ich bin nicht unausgelastet. Mein Partner erfüllt mich in jeder Hinsicht!«
»Ah, Sie sind schwul!« Jetzt strahlt der Typ. Ich verstehe zwar nicht, was er sagt, denn das Wort kenne ich nicht, aber scheint ja was Tolles zu sein.
»Schwul?«, frage ich ein wenig blöd nach.
»Oder bi?«, stellt er die Gegenfrage. »Keine Angst. Stört mich nicht. Ich steh selber auf Kerle.«
Ah, langsam dämmert es mir.
»Schwul sein heißt, mit einem Mann zusammen zu sein, oder?« Endlich kann ich in die Zielstraße einbiegen.
Der Typ kichert. »Äh, ja. Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Sie das Wort nicht kennen?«
Hm, scheint wohl ein eher geläufigerer Begriff zu sein. Schnell ändere ich die Farbe meiner Wangen, sodass es so aussieht, als liefe ich rot an.
»Ich ... ähm ... komme nicht von ... hier.«
»Oh, dafür sprechen Sie aber fließend deutsch!«
»Äh, danke!«
»So, und welches Problem haben Sie und Ihr Partner nun?«
Was interessiert den das eigentlich? Andererseits kann ich auch mal wildfremden Leuten meine Probleme erzählen, wenn sie es andersrum bei mir ständig tun, finde ich.
»Na ja, er wollte übernächstes Wochenende mit mir zum Skifahren.«
»Und wo ist das Problem?«
»Ich mag das nicht.«
»Was? Skifahren? Oder mit Ihrem Freund alleine sein?«
»Skifahren. Also, ich mag keinen Schnee und keine Kälte. Er übrigens auch nicht. Gegen das andere habe ich nichts.« Der Gedanke an den Sex, den wir erst heute Morgen hatten, lässt mich lächeln. Mist, ich werde schon wieder erregt. Ich sehe Golans süffisantes Grinsen bereits vor mir, weil er mich hundertprozentig riecht.
»Haben Sie denn einen Gegenvorschlag gemacht, was Sie stattdessen machen können?«
»Warum sollte ich? Ich habe nur gesagt, dass wir beide keine Kälte mögen und dass wir für anderes nicht wegfahren brauchen. Wozu der Aufwand?«
Ich habe inzwischen gelernt, dass man mit Menschen nicht so offen über Sex reden sollte, sondern es am besten umschreibt.
»Ah ... Daher weht der Wind.« Welcher Wind? Die Türen sind doch geschlossen, weil der Typ immer noch nicht ausgestiegen ist.
»Ihr Freund ist sauer, weil Sie nichts Besonderes am Valentinstag machen wollen.«
»Valentinstag? Was ist das denn?« Ich gebe zu, ich habe eure Zeiteinteilung noch nicht bis in Kleinste studiert, weil ich bisher mehr damit beschäftigt war, Leute durch die Gegend zu fahren, aber bisher nahm ich an, es gäbe nur sieben Wochentage.
»Sie wollen mir doch nicht ernsthaft erzählen, Sie wüssten nicht, was der Valentinstag ist?« Der Kerl sieht mich amüsiert an.
»Äh, doch. Ist das schlimm?«
»Nun, für Ihren Freund offenbar schon.«


Zehn Minuten später hat mich Patrick - so heißt der Typ, wie er mir ungefragt erzählt hat - über diesen merkwürdigen Tag aufgeklärt. Ja, das passt zu Golan. Aber hätte er mir nicht sagen können, was es damit auf sich hat? Schließlich weiß er doch, dass ich es mit diesen Dingen nicht so habe.
Nur gut, dass ich heute einen Menschen als Fahrgast hatte, der mir in der Hinsicht behilflich war.
Okay, Golan möchte Romantik. Soll er bekommen.

~*~*~


Die letzten Tage waren reichlich stressig. Schließlich durfte Golan nichts von meinen Vorbereitungen mitbekommen. Dieser Patrick hat mir freundlicherweise geholfen. Der Typ ist Psychotherapeut - kein Wunder, dass der gleich erkannt hatte, dass mit mir was nicht stimmte.
Als ich an dem Tag unseres Streits nach Hause gekommen war, hat es zwar ein wenig gedauert, doch letztendlich konnte Golan meinem Charme nicht widerstehen; oder meiner sexuellen Anziehungskraft, die wir in gewissem Rahmen tatsächlich selbst steuern können. Manchmal durchaus praktisch und allmählich frage ich mich, ob er das nicht auch ab und zu tut. So oft, wie ich einknicke und lieber über ihn herfalle.

Heute haben wir den 14. Februar. Ich bin um kurz nach sechs in der Früh aus dem Haus zu meinem Taxi gegangen. Golan denkt, ich muss eine Extraschicht fahren. Er sah alles andere als erfreut aus, als ich mich nach einem kurzen Kuss von ihm verabschiedet hatte. Wie gerne hätte ich ihn inniger geküsst! Doch dazu fehlte mir erstens die Zeit und zweitens schmeckte er nach Kaffee. Ich kann diesem Gebräu immer noch nichts abgewinnen. Golan dagegen scheint schon beinahe süchtig danach zu sein. Wenn der morgens nicht schnell genug einen Becher davon bekommt, ist er unausstehlich. Da hilft nicht einmal Sex.

Seufzend lecke ich mir über die Lippen. Ja, zugegeben, unserem Sexleben hat unser Aufenthalt auf der Erde bisher sehr gut getan. Nicht, dass es vorher schlecht gewesen war, aber im Nachhinein betrachtet, kann man es wohl bestenfalls als ›langweilig‹ bezeichnen. Ihr habt aber auch eine Auswahl von Spielzeugen - du meine Güte! Dabei haben wir noch gar nicht so viel ausprobiert. Aber allein die Dinge, die man mit der menschlichen Zunge anstellen kann und diese vibrierenden Teile ...
Oh, nein! Schnell drehe ich das Seitenfenster herunter. Kälte! Ich brauche dringend Kälte! Golan soll doch nichts mitbekommen!
Die letzten Einzelheiten müssen noch vorbereitet werden, bevor ich mit der Überraschung starten kann.

Zwei Stunden später fahren Patrick und ich in getrennten Wagen zu unserem Haus. Das Taxi parkt um die Ecke und ich habe mich hinter einem der Bäume versteckt. Ich kann nur hoffen, dass Golan mich nicht entdeckt. Grinsend beobachte ich, wie Patrick klingelt. Für einen Menschen sieht der echt heiß aus in diesem Anzug.
»Ja, bitte?« Mein Freund blickt verwirrt auf den ihm fremden Mann.
»Herr ... Golan?«, fragt Patrick und deutet eine Verbeugung an.
»Ja?«, erwidert er zögerlich.
»Ich bin hier, um Sie abzuholen.« Patrick weist zu der Limousine, die ich organisiert habe.
»Abzuholen? Was ...?«
»Bitte kommen Sie! Die Zeit drängt!« Der Typ ist genial; geht vollkommen in seiner Rolle auf.
»Aber ich ... Was soll das? Wer sind Sie? Und wohin bringen Sie mich?«
»Das werden Sie alles früh genug erfahren. Jetzt kommen Sie.« Er zerrt ein wenig an Golans Arm.
»Hat Krinto das veranlasst?« Jetzt grinst er. »Oh, ich verstehe! Einen Moment!« Er schnappt sich seine Jacke und folgt Patrick.

Es war ein ziemlicher Aufwand, die Holo-Technik in die Fensterscheiben der Limousine zu integrieren, aber Golan merkt offenbar nicht, dass die Welt, die er meint durch die Scheiben zu sehen, nicht der Wirklichkeit entspricht.
Ich folge den beiden in einigem Abstand in meinem Taxi. Immer wieder sehe ich auf den Bildschirm, auf dem ich Golan über die versteckte Kamera im Auge behalte. Ich hoffe, ich habe die Veränderungen des Tageslichts richtig berechnet, denn das Scheinbild muss langsam dunkler werden.
Allmählich sieht Golan nervös aus, denn für ihn macht es den Anschein, als fahren sie zum Hafen. Durch die Scheiben müsste er jetzt die ersten Jachten sehen.
Leise lachend beobachte ich, wie er mehr und mehr erblasst. Golan ist seekrank. Allein der Gedanke daran, sich auf Wasser zu befinden, beschert ihm zuverlässig eine ausgewachsene Übelkeit. Ich erkenne den Moment, als er das Bild sieht, das ich eigens für ihn kreiert habe: ein kleines Boot, geschmückt mit Herzluftballons und Kerzen, die im Dämmerlicht leicht flackern und ein Transparent, welches quer über das Boot gespannt ist: ›Ich liebe dich, Golan‹.
Patrick hält den Wagen an.
Immer wieder schluckt Golan, bis er sich schließlich räuspert.
»Ähm ... entschuldigen Sie?« Seine Stimme klingt krächzend.
»Ja, bitte?«
»Sind wir da?«
»Ja, mein Herr!«
Patrick weiß nichts von den Trugbildern. Dessen Wahrnehmung habe ich dahin gehend manipuliert.
»Im Fach vor Ihnen liegt eine Augenbinde. Bitte legen Sie diese an!«, instruiert er meinen Freund.
Auf dem Bildschirm sehe ich, wie Golan mit zittrigen Fingern den Stoff über seine Augen bindet. Patrick wartet, bis ich hinter ihm zum Halten komme. Dann steigt er aus und hilft Golan aus der Limousine.
Lächelnd komme ich dazu und bleibe in einigen Metern Entfernung stehen.
»Es wird Sie gleich jemand abholen. Ich wünschen Ihnen ein schönes Wochenende!«, verabschiedet sich Patrick und geht zum Haus. Denn natürlich sind wir nicht am Hafen, sondern stehen nicht unweit von einer einsamen Berghütte entfernt. So, wie man es auf diesen Postkarten sieht: Rundherum Schnee, Rauch aus dem Schornstein vom Kamin, in dem bereits ein warmes Feuer brennt.
Ich hoffe, Patrick beeilt sich mit den restlichen Vorbereitungen, denn lange mag ich auch nicht mehr hier herumstehen.

»Mein Schatz«, flüstere ich und amüsiere mich still über sein heftiges Zucken.
Er wirbelt herum und ich bin mir sicher, dass die Kälte nur einen geringen Anteil an seinem Zittern hat. Ich lege einen Arm um seine Taille und ziehe ihn zu mir heran.
»Ich habe erst vor Kurzem erfahren, was heute für ein Tag ist und daher keine Mühen gescheut, um dir zu zeigen, wie sehr ich dich ... liebe.« Ich stocke, weil ich dieses Wort noch immer als unzureichend empfinde.
Golan gibt lediglich ein gequältes Geräusch von sich. Das generierte Meeresrauschen, das nur wir beide hören können, weil ich es in einer speziellen Frequenz abspielen lasse, verstärkt sich gerade und Golan drängt sich eng an mich. »Das ist ... ganz ...« Er bekommt die Worte nicht über die Lippen, schluckt stattdessen mehrfach.
»Oh, schön, dass es dir gefällt! Ich weiß doch, wie sehr du diesen menschlichen Kram magst und da dachte ich, wir machen etwas ganz Typisches. Nur für uns allein. Das wird ein unvergleichliches Wochenende.«
Golan keucht und krallt sich in meinen Arm. »Das ist ... toll. Aber du hattest recht: Wir brauchen das alles gar nicht. Wir können doch auch einfach zurückfahren und ...«
»Nicht so bescheiden, Schatz!« Ich gebe ihm einen Kuss. Allmählich tut er mir ein wenig leid, aber Patrick ist noch nicht ganz fertig.
»Komm, magst du vorher noch einen Kaffee zum Aufwärmen?«
»Äh ... ich weiß nicht, ob mein Magen ... okay.«
Langsam führe ich ihn zum Haus. Patrick tritt gerade heraus, streckt den Daumen hoch und schleicht an uns vorbei.
»So, hier gibt es deinen heiß geliebten Kaffee. Nimm ruhig die Augenbinde ab.«
Golan braucht ein paar Sekunden, bevor er den Stoff herunterzieht. Ängstlich sieht er sich um, stockt, dreht sich um sich selbst, starrt mich an, schüttelt den Kopf und schaut sich erneut um. »Was ...?«
»Hm?«, mache ich unschuldig.
»Wo ist ...? Wie ...? Was ...?«
Als er mich wieder ansieht, kann ich mir das Grinsen nicht mehr verkneifen. »Schönen Valentinstag!«
Quietschend springt mich mein Freund an und ich habe Mühe, das Gleichgewicht und ihn zu halten.
»Du hinterlistiger Kerl!«, beschwert er sich halb im Ernst. »Das ist ... Mann!« Sein Schlag gegen meinen Hinterkopf gleicht mehr einem Streicheln.
Leise lachend presse ich ihn stärker an mich. »Dachtest du wirklich, ich fahre mit dir aufs Meer? Ich weiß doch, dass du das nicht verträgst.«
Golan schnieft und mir fällt auf, dass sich die Haut an meinem Hals mit einem Mal feucht anfühlt. »Idiot«, nuschelt er. »Kann doch nicht ahnen, dass du dir das gemerkt hast.«
Vorsichtig setze ich ihn ab und umfasse sein tränennasses Gesicht. »Alles in Ordnung?«
»Ja.« Wieder schnieft er. »Du bist ... du ... hmpf!« Im nächsten Augenblick küsst er mich. Unser beider Libido befindet sich prompt in akuter Bereitschaft. Zumindest für einen kurzen Moment. Ein kalter Windstoß lässt uns beide frösteln.
»Sagtest du nicht eben etwas von einem Kaffee?«
Grinsend drehe ich Golan herum und deute auf die Tasse in Herzform, die auf dem schneebedeckten Tisch steht.
»Oh ...! Das ist ... das ...« Golan drückt sich mit dem Rücken an mich.
»Romantisch?«, frage ich belustigt nach.
Wieder rollen Tränen sein Gesicht herab. »Ja, auch wenn ich es ungern zugebe.«
»Muss ja niemand erfahren«, flüstere ich und küsse seinen Nacken, nur um kurz darauf meine Zunge über die Haut hinter seinem Ohr entlangfahren zu lassen. Dort ist er außerordentlich empfindlich.
Golan legt seufzend den Kopf zur Seite. »Würde mir eh keiner glauben.«
Zitternd presst er sich stärker an mich.
»Ist dir kalt?«, frage ich leise.
»Ein ... wenig.«
»Dann lass uns reingehen. Da ist es wärmer und noch romantischer.«
Golan lacht leise. »Noch mehr? Ist das überhaupt möglich?«
»Hm, das musst wohl du beurteilen.«


»Ach, du meine Güte!« Golan wedelt hektisch mit einer Hand vor seinem Gesicht herum, während der Kaffee in der anderen gefährlich schwappt.
»Was denn? Nicht gut?« Hm, vermutlich muss ich doch noch mal nachforschen, was Menschen genau unter ›Romantik‹ verstehen.
»Das ist ... Krinto.« Mein Name kommt nur noch gehaucht. Geistesgegenwärtig schnappe ich mir die Tasse und stelle sie auf dem Tisch ab; der, der für zwei Personen eingedeckt ist. Eine Kerze brennt in der Mitte. Auf einem Teller - Golans - liegt eine einzelne rote Rose. Ich meine gelesen zu haben, dass diese Blume bei den Menschen ein Sinnbild der Liebe sein soll. Schon merkwürdig: Ein bisschen Grünzeug, was zudem dem Tod geweiht ist, wenn man es vom Rest der Pflanze trennt, soll diese innige Zuneigung symbolisieren. Das verstehe, wer will.
»Entschuldige«, nuschle ich. »Ich hab da wohl was falsch verstanden. Ignoriere es einfach und lass uns essen. Ich bin darin zwar nicht so gut wie du, aber ich denke, man bekommt das, was ich gekocht habe, durchaus herunter.«
»Du ... du hast selbst gekocht?« Golan keucht. Ja, ich finde die Vorstellung auch gruselig.
»Ja, ich ... Patrick hat mir seine Küche zur Verfügung gestellt, um vorzukochen. Es ist bereits im Ofen und müsste gleich fertig sein. Ich ...«
»Wer ist Patrick?«
»Oh ... ein ... Freund.«
Ich beiße mir auf die Unterlippe. Schon merkwürdig, wie sich einige Gesten bei mir bereits verselbstständigt haben.
»Freund?! Ein Mensch?«
»Ja, na ja, nicht alle sind so schlimm, wie ich anfangs befürchtet hatte.«
Grinsend schüttelt Golan den Kopf. »Du überraschst mich immer wieder.«
Für einen kurzen Moment fühle ich mich unbehaglich, denn auf unserem Heimatplaneten sind Überraschungen nicht als positiv angesehen. Aber ich weiß, dass Golan sie mag.
»Und der hat dir ...?«
»Ja. Na ja, ich dachte, es wäre ganz schön, wenn ich unser Essen selbst zubereite.« Golan schüttelt den Kopf und ich fühle mich immer unbehaglicher. Vielleicht hätte ich mich vorher besser informieren sollen. Andererseits hat Patrick auch nichts gegen meinen Plan gesagt. Dieser ganze menschliche Kram ist so verwirrend.
Schluchzend drängt sich Golan fest an mich. »Das ist ...«
»Ja, ich weiß. Entschuldige.«
»Nein.« Er löst sich ein Stück und schüttelt hektisch den Kopf. »Das ist unbeschreiblich toll!«
Ich stutze. »Ernsthaft?«
»Ja. Das ist ...« Er lacht auf. »... der Inbegriff von Romantik: Du überraschst mich mit einem Ausflug, den ich unbedingt machen wollte, du aber nicht, die Hütte, der Kamin, Candle-Light-Dinner mit selbst gekochtem Essen. Das ist nicht mehr zu toppen.«
»Oh! Wirklich?«
»Ja, du Blitzmerker. Es sei denn, du machst mir jetzt noch einen Heiratsantrag.«
»Einen was
Golan lächelt nachsichtig. »Nicht so wichtig. Ich liebe dich.«
Ich beuge mich vor und küsse ihn sanft. Inzwischen habe ich mich an diese Küsserei gewöhnt. Was heißt gewöhnt? Ich möchte nicht mehr ohne sie sein. Am liebsten würde ich den ganzen Tag nichts Anderes tun - von Sex mal abgesehen. Hm, das erinnert mich an die Überraschung, die im Schlafzimmer noch wartet. Ich bin ernsthaft gespannt, wie ihm die gefällt.
»Wollen wir nicht erst essen?« Golan grinst mich wissend an. Manchmal hasse ich unsere Biochemie ja.


Das Essen schmeckt sogar mir, trotz der Intensität der Gewürze. Allmählich gewöhne ich mich daran. Zum Glück war es nicht allzu schwer, eine Lasagne zuzubereiten.
Bei jedem Bissen schließt Golan genießerisch die Augen und lächelt versonnen.
»Und das hast du wirklich selbst gemacht?«
Ich lächle, nicht ohne ein wenig Stolz zu empfinden. Echt, hätte mir vor Kurzem noch jemand gesagt, dass ich mich geehrt fühle, weil man mich für so etwas Primitives wie ›Kochen‹ lobt, dem hätte ich ernsthaft geraten, seine Hirnchemie auf Unstimmigkeiten untersuchen zu lassen.
»Lass noch Platz für den Nachtisch.«
»Nachtisch?«, fragt er ungläubig.
»Ja, soll ich dir das Prinzip erklären?«, frage ich scherzhaft, weil wir das Gespräch ja vor einigen Wochen mit umgekehrten Rollen bereits hatten.
Golan grinst schief. »Nicht nötig.« Er nippt an dem Rotwein, den ich auf Patricks Empfehlung hin gekauft habe. Alleine wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, so etwas zum Essen anzubieten. Dabei haben Golan und ich in den letzten Wochen schon mehrmals mit Alkohol experimentiert. Sehr spannend, kann ich nur sagen.
»Okay.« Seufzend schiebt er seinen Teller von sich. »Dann mal her mit dem Nachtisch.«
Ich sammle das Geschirr ein und hole die Schälchen aus dem Kühlschrank: Mousse au Chocolat. Ja, eure Schokolade hat es mir echt angetan. Seit ich hier bin, habe ich noch nicht einen Tag ohne sie verbracht. Erst vor zwei Tagen hat Patrick mir gezeigt, dass es die auch in flüssiger Form gibt. Eigentlich, um sie über andere Süßspeisen zu gießen, aber mit einem Augenzwinkern meinte er, man könne sie auch wunderbar von einem anderen Körper lecken.
Im ersten Moment fand ich die Vorstellung sehr skurril: Essen, und dann auch noch Schokolade, von jemandem abzulecken. Dann aber habe ich mir Golan vorgestellt, wie seine empfindlichsten Stellen mit dieser dunklen, zähen Flüssigkeit bedeckt sind und ich gleichzeitig Schokolade und den Mann, den ich liebe, genießen kann.
Der menschliche Körper ist mir noch immer suspekt, denn nur durch diese Vorstellung, pulsierte mein Schwanz urplötzlich. Diese Erregung war unerträglich und ich hatte alles stehen und liegen gelassen, war in Golans Büro geeilt, der bereits ausgezogen auf mich wartete. In solchen Situationen ist die Sache mit der Biochemie wiederum äußerst praktisch, denn so wusste er, dass ich auf dem Weg zu ihm war.
Wie in einem eurer Filme fegte ich sämtliche Unterlagen von seinem Schreibtisch und habe uns beide erst einmal schnell und dann noch drei Mal sehr gefühlvoll befriedigt.
Allmählich gewöhnt sich dieser menschliche Körper offensichtlich an die Häufigkeit unserer Aktivitäten. Zumindest bin ich hinterher nicht mehr so erschreckend müde wie anfangs. Liegt vermutlich am steten Training.

Für einen kurzen Moment bin ich versucht, den Nachtisch auszulassen und Golan gleich ins Schlafzimmer zu führen. Aber nein, ich habe inzwischen gelernt, dass es hinterher noch befriedigender wird, wenn man es ein wenig hinauszögert. Ebenfalls ein Konzept, das mir bisher unbekannt war. Denn ›hinausschieben‹ ist bei uns gleichbedeutend mit ›Zeit vergeuden‹. So etwas tun wir nicht. Wir sind effizient, in allem, was wir tun.

Irgendwie sieht das Zeug in den Schälchen merkwürdig aus, aber Patrick hat mir versichert, dass es genau richtig ist, dass in der Mousse so viele Luftlöcher sind. Golan probiert ein bisschen und reißt die Augen auf.
»Hast du das auch selbst gemacht?«
Okay, wohl doch nicht so gelungen. »Äh, ja. Lass es einfach stehen und ...«
»Nein! Probier doch mal! Das ist himmlisch!«
Skeptisch schiebe ich mir ein wenig in den Mund und keuche, kaum dass die matschige Masse meine Zunge berührt. Golan grinst.
»Du meine Güte!« Ungläubig starre ich auf meine Mousse. Das habe ich tatsächlich selbst gemacht?
»Weißt du was?«, fragt Golan. »Ich finde, ab jetzt bist du fürs Kochen verantwortlich. Ich muss zugeben, du kannst das viel besser.«
»Wirklich?« Wieder dieser Stolz. In mir kribbelt es. Oje, diese menschlichen Gefühle sind ernsthaft unberechenbar.
»Ja. Du machst das gut! Das war eine tolle Überraschung!«
»Ich ...« Ich räuspere mich. »Ich habe noch mehr.«
»Was? Noch mehr Essen? Ich glaube, das verträgt dieser Körper nicht.«
»Hm? Nein, noch mehr Überraschungen, meine ich.«
»Oh! Was denn?«
Ich kann mich ja irren, aber bisher dachte ich, das Konzept der Überraschung ist damit verbunden, dass man sie eben nicht verrät. Golans bettelnder Blick lässt mich einknicken.
»Na, gut. Ich sage es dir: Morgen machen wir einen Skikurs, damit wir diese menschliche Vorliebe lernen.«
Golan springt augenblicklich auf. Tränen rollen sein Gesicht herab. Ich kann noch immer nicht einschätzen, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Mal weint er, weil er traurig ist, dann wieder weil er glücklich oder gerührt ist. Ihr könnt einem echt leidtun, dass euer Körper solch gegensätzliche Emotionen nicht auch entsprechend unterschiedlich ausdrücken kann.
Schluchzend setzt sich Golan rittlings auf meinen Schoß und umarmt mich stürmisch. »Danke«, krächzt er. »Danke! Danke! Danke!«
Seine Umarmung verstärkt sich und er drückt unmissverständlich sein Becken gegen meines. Offenbar macht ihn der Gedanke daran, sich auf primitiven Holzbrettern durch die weiße Kälte zu bewegen, ziemlich an.
Er löst die Umarmung ein wenig, nur um mich gleich darauf verlangend zu küssen. Meine Hände schieben sich unter den Stoff seines Pullovers. Dieses Gefühl menschlicher Haut ist jedes Mal aufs Neue faszinierend. Ohne den Kuss zu lösen, öffnet er erst meine und dann seine Hose und befreit unsere Erektionen. Stöhnend ergebe ich mich seinen kundigen Berührungen. Mit einer Hand umgreift er unsere beiden Schwänze, vollführt die exakt richtigen Bewegungen, um uns gezielt zu erlösen. Fest greife ich in seine Seiten, presse ihn an mich und stöhne meine Lust in seinen Mund. Jeder einzelne Muskel in diesem Körper scheint sich anzuspannen und nur noch auf diesen einen Moment zu warten. Bitte!
Golan unterbricht den Kuss und lehnt seine Stirn keuchend an meine, beschleunigt die Bewegungen seiner Hand. Ja, mach weiter! Nur noch ein bisschen ...!
Als höre er mich, variiert er minimal den Druck und erlöst uns damit endlich. »Golan!« Mehr ein Stöhnen als ein gesprochenes Wort. Zu mehr ist dieser Körper nicht fähig: nur noch den Orgasmus spüren, sich fallen lassen, genießen.
Mein menschlicher Verstand ist benebelt, mein Herz rast und meine Lungen versuchen durch beschleunigte Atmung das Sauerstoffdefizit, das sich durch die verstärkte Beanspruchung der Organe eingestellt hat, auszugleichen.


»Hast du denn keine Angst, dass es zu kalt werden könnte?«, fragt Golan und ich brauche ein paar Augenblicke, um zu begreifen, was er meint.
»Doch. Aber ich habe uns warme Kleidung eingepackt. Außerdem können wir uns hinterher auf verschiedene Arten aufwärmen.«
»Aha? Und die wären?«, fragt er amüsiert.
»Nun, zum einen haben wir den Kamin. Dann haben wir warmes Essen, warme Getränke, eine Badewanne gibt es hier auch und ...« Ich gebe ihm einen Kuss. »Im Schlafzimmer habe ich noch eine kleine Auswahl vorbereitet.«
Stöhnend wirft Golan den Kopf in den Nacken und verströmt ungeniert seinen Duft.
»Wollen wir die Dinge vorher einmal begutachten?«, frage ich amüsiert.
Ohne eine Antwort rutscht Golan von meinem Schoß und hält mir seine Hand hin. Leise lachend nehme ich sie und führe ihn in das Schlafzimmer.
»Moment! Schließ deine Augen, bitte!« Ich möchte, dass er die Überraschung im gedimmten Licht sieht. Hoffentlich war seine Bemerkung neulich, dass er so etwas einmal ausprobieren möchte, ernst gemeint.
»Okay«, flüstere ich in sein Ohr und umarme ihn von hinten.
Golan keucht. »Oh!«
Zum Glück beantwortet mir seine Biochemie die Frage, ob es ihm gefällt. Er vibriert regelrecht. »Das ist ... das ...« Hastig streift er sich seine Klamotten ab und legt sich sofort in diese merkwürdige Schaukel.
»Krinto! Das ist ein ... Sling!« Ja, das weiß ich wohl. Habe ich schließlich selbst gekauft und aufgehängt. Nur gut, dass wir noch einen Kontakthaken im Raumschiff hatten. Eure Methode, Dinge irgendwo anzubringen, indem man vorher Löcher in die Materialien bohrt, lässt mich noch immer ungläubig den Kopf schütteln. Viel zu labil.
»Bitte!« Flehend sieht er mich an. Nachdem ich mich ebenfalls ausgezogen habe, gehe ich auf ihn zu und schließe die Schnallen.
»Oh, ja!« Stöhnend überstreckt er seinen Kopf. Nicht nur sein Schwanz, sein ganzer Körper vibriert vor Lust.
Vorsichtig puste ich über seine Erektion. Golan windet sich augenblicklich.
»Mach endlich!«
Hm, eigentlich wollte ich noch den Teil mit der flüssigen Schokolade ausprobieren, aber Golan scheint mir gerade nicht sehr geduldig.
Ich ziehe ihn näher und versenke mich langsam in ihm. Diese Verschmelzung auf menschliche Art, überwältigt mich jedes Mal aufs Neue. Golan wimmert nur noch, überlässt sich mir komplett. Dieses Vertrauen gibt mir den Rest. Inzwischen weiß ich, wie ich mich bewegen muss, um Golan immer und immer wieder meinen Namen schreien zu lassen, ihn von einem Höhepunkt in den nächsten zu treiben.
Mein Freund hätte sicher nichts dagegen, die gesamte Nacht so zu verbringen, doch meinen Menschenkörper verlässt leider immer mehr die Kraft.
Nach einem weiteren Orgasmus ziehe ich mich, nicht ohne Bedauern, aus ihm zurück und lasse mich kraftlos auf ihn fallen.
»Warum ...« Sein Atem geht hektisch und unregelmäßig. »Warum hörst du auf?«
Ich schlucke mehrfach, bevor ich antworten kann. »Ich kann nicht mehr«, nuschle ich an seinem Hals. »Diese Körper sind für unser sexuelles Durchhaltevermögen nicht gemacht.«
Golan lacht leise. »Oh, ja! Das ist leider wahr!«
Nachdem ich ihn befreit habe, legen wir uns ins Bett und kuscheln uns aneinander.
»Das Ding ist der Hammer«, flüstert er gegen meinen Oberkörper. »Man fühlt sich beinahe schwerelos.«
Mehr als ein zustimmendes Brummen bringt mein Körper nicht mehr zustande. Golans sanftes Streicheln wirkt zusätzlich einschläfernd.
»Krinto? Das war der tollste Valentinstag meines Lebens!«
»Kunststück«, erwidere ich matt. »War ja auch dein erster. Au!« Diese Unart, mich zu schlagen, muss ich ihm schnell wieder abgewöhnen.
»Idiot! Das weiß ich selbst! Wie kannst du so viele liebevolle Dinge für mich veranstalten und dabei doch so unromantisch sein?«
Fängt das wieder an? Ich drehe meinen Kopf und lege meinen Mund auf seinen, lasse meine Zunge in seinen Mund gleiten, bis er stöhnt.
»Ich finde«, erwidere ich, als ich von ihm ablasse, »dass du diese menschliche Eigenheit, ständig reden zu müssen, schon viel zu sehr verinnerlicht hast.«
»Entschuldige. Hast recht«, nuschelt er. »Lass uns schlafen und diesen Körpern Ruhe gönnen, damit wir morgen genug Kraft haben.«
Gähnend kuschle ich mich wieder an ihn. »Das nenne ich einen durchaus sinnvollen Plan.«

~*~*~


Ganz klar: Ich hasse Skifahren! Also so richtig aus meinem Innersten heraus. Golan hatte keine zwanzig Minuten gebraucht, da bewegte er sich, als täte er seit dreißig Jahren nichts anderes. Unser Skilehrer war ebenfalls sprachlos. Ich dagegen bin offenbar in der Hinsicht vollkommen talentfrei. Nach meiner zehnten Landung im Schnee habe ich aufgehört zu zählen. Dieses weiße Zeug klebt inzwischen überall an meinem Körper und in meinen Klamotten. Es ist kalt und selbst Golans aufreizende Blicke können mich nicht besänftigen.
»Also, ähm ...« Der Skilehrer fasst sich in den Nacken. »Eigentlich hätten wir noch eine Stunde, aber wenn ich ehrlich sein darf? Ich bezweifle, dass das was bringt. Es tut mir ernsthaft leid. Bisher war ich immer der Meinung, jedem zumindest im Ansatz das Skifahren beibringen zu können, aber bei Ihnen ...« Seufzend schüttelt er den Kopf. »Es ist wahrlich aussichtslos. Was halten Sie davon, wenn wir den Rest der Zeit einfach beim Après-Ski verbringen?«
Golan stimmt freudig zu, während ich die beiden abwechselnd fragend ansehe. »Beim was
Golan hakt sich bei mir unter. »Oh, das wird dir gefallen, mein Schatz!«
»Das hast du vom Skifahren auch gesagt«, brumme ich.

Okay, Golan hatte recht. Obwohl ich nichts dagegen hätte, wäre es etwas leiser. Doch dieser Alkohol in den verschiedensten Variationen wirkt durchaus angenehm dämpfend auf meine Geräuschwahrnehmung. Schließlich zerrt Golan an mir.
»Komm, Schatz! Lass uns zurück zur Hütte und ich zeige dir, wie toll unser neues Möbelstück ist.« Dass der Sling Einzug in unser heimisches Schlafzimmer halten wird, ist selbstverständlich.
»Gute Idee! Ich hab da übrigens noch eine Überraschung!«
»Noch eine? Du bist doch verrückt!«
Grinsend küsse ich ihn. »Ja, nach dir!«
»Damit kann ich leben!« Lachend hakt er sich bei mir unter und treten den Rückweg an.


Was für ein Anblick! Nach und nach habe ich Golans Körper mit der Schokolade verziert. Anfangs war er noch skeptisch, doch jetzt scheint er es kaum noch abwarten zu können, dass ich sie ihm wieder langsam herunterlecke.
Mit seinen Lippen fange ich an. Sorgfältig mache ich bei den Klecksen auf seinem Oberkörper weiter. Immer wieder seufzt Golan lang gezogen. In seinem Bauchnabel hat sich besonders viel von der Flüssigkeit gesammelt.
»Jetzt mach schon!« Ungeduldig hebt er seine Hüfte an.
»Tue ich doch!«
Mit einem unwilligen Geräusch wiederholt er seine Bewegung und ich habe Erbarmen. Gemächlich lecke ich seinen Schaft entlang und einmal kurz über seine Spitze. Die Kombination aus Schokolade und Golans eigenem Geschmack lässt mich stöhnen. Gibt es etwas Besseres? Ich bezweifle es. Gierig wiederhole ich die Säuberungsaktion.
»Das ist unbeschreiblich.« Hastig greife ich nach der Flasche, träufle erneut einige Tropfen auf ihn und säubere ihn gewissenhaft. Golan windet sich unter mir und keucht abgehackt. Alle meine Sinne sind auf ihn gerichtet. Nur noch Golan sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken; immer wieder schmecken.
Gerade als ich eine weitere Portion von ihm lecke, bäumt er sich auf und ergießt sich in meinem Mund. Diese Geschmackskombination ist überwältigend. So lange wie möglich versuche ich sie zu halten. Dieser Moment dürfte gerne ewig dauern. Mein Körper ist angespannt, es kribbelt und gleichzeitig fühle ich mich so zufrieden und entspannt wie noch nie.
Völlig ermattet lege ich mich neben Golan, dabei ist er es doch, der eben seinen Orgasmus erlebt hat.
»Hey ...« Sanft streichelt Golan meine Wange. »Alles in Ordnung?«
»Ja, warum?«
»Du weinst.«
Tue ich das? Tatsächlich. Ich fürchte, ich werde den menschlichen Körper nie begreifen. »Das eben war das Schönste, das ich in meinem Leben bisher erlebt habe«, erkläre ich. »Das war so perfekt.«
»Ich verstehe.« Lächelnd zieht er mich enger an sich. »Das sind Freudentränen.«
»Freudentränen?« Kopfschüttelnd schlinge ich einen arm um ihn. »Die Menschen sind dämlich konstruiert.«


Am nächsten Morgen müssen wir früh aufbrechen, denn unsere menschliche Arbeit wartet leider nicht.
Mit ein wenig Bedauern baue ich den Sling ab. Golan hatte recht: Das Teil ist himmlisch!
Ich werfe einen letzten Blick ins Schlafzimmer, um mich zu vergewissern, dass wir nichts vergessen haben. Golan umarmt mich von hinten und küsst meinen Nacken.
»Das war ein wunderschönes Wochenende! Ich danke dir, Krinto! Die Sache mit dem ›unromantisch‹ nehme ich zurück! Es war unglaublich!«
Lächelnd lege ich meine Arme auf seine und lehne mich ein wenig gegen ihn.
»Freut mich, dass es dir gefallen hat. Die Menschen haben schon merkwürdige Feiertage.«
»Hm«, macht Golan zustimmend. »Und was machen wir Ostern?«
»Ostern?« Ich drehe mich um und sehe ihn prüfend an. »Was ist das denn schon wieder?«
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