Sweet and Salty

von Chou-Yoru
KurzgeschichteRomanze / P12
Dr. Cal Lightman Dr. Gillian Foster
14.02.2015
14.02.2015
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Dieser kleine OS ist ein kleines Geschenk für meine beste Freundin Schattenaugen! Hoffe, ich kann dir damit eine kleine Freude machen und wünsche dir viel Spaß!^^


Sweet and Salty


Es war einer der Fälle gewesen, die einem alles abverlangt hatten und Cal wollte keine Sekunde mehr darüber nachdenken, was geschehen wäre, wenn er es nicht rechtzeitig hätte lösen können. Das arme Mädchen würde so oder so sein Leben lang mit den Folgen zu kämpfen haben und wenn er daran dachte, dass es seiner Emily geschehen könnte, zog sich alles in ihm zusammen.
Auch wenn die Gefahr eingesperrt war, so hatte er seine Tochter dennoch zu ihrer Mutter geschickt, wollte sie einfach nur in Sicherheit wissen und sie nicht noch dem aussetzen, wie er sich fühlte. Sie war schlau und einer der wenigen Menschen die ihn schnell durchschaute, ohne dass er es zeigen musste.
Leise und bitter lächelnd saß er auf der Couch mit einem Scotch in der Hand, hörte in die Stille des Hauses hinein und fragte sich, was ihn eigentlich noch hier hielt. So allein in diesem großen Haus, wo ihn eben jene Stille dazu verführte an diese grausame Geschichte und an ein Was-wäre-wenn zu denken. Das Einzige was er wollte war… vergessen und ihm fiel nur eine Person ein, bei der das durchaus gelingen könnte.
Den Scotch stellte er ungeachtet zur Seite, nahm sich seine Schlüssel und fuhr los. Drückte auf die letzten paar Meter kräftiger das Gaspedal durch als er müsste, nur um in einer Vollbremsung vor ihrem Haus stehen zu bleiben.
Er stellte den Motor ab, sah zum Haus und fragte sich gleichzeitig, wie sehr der Tag sie heute mitgenommen hatte. In der Firma war es ihr anzusehen gewesen, dass auch sie mit den Nerven völlig am Ende gewesen war, aber auch genauso erleichtert, als der Fall gelöst und abgeschlossen war. Dass der Schrecken ein Ende hatte und es war der eine Moment gewesen, als sie ihre Professionalität vernachlässigt hatte. Als sie ihn angesehen hatte und den Wunsch in ihren Augen hatte ablesen können, der nach einer Umarmung verlangte, nach einer Herzenswärme, die er ihr zwar zu geben bereit war, es aber in dem Moment einfach nicht konnte.
Er hatte sich nur umgedreht und war gegangen – ohne ein Wort.

Einen Augenblick lang dachte er darüber nach doch wieder nach Hause zu fahren, aber nachdem er sehen konnte, dass sie bereits die Tür geöffnet hatte, blieb ihm diese Wahl einfach nicht mehr. Sie musste die Vollbremsung gehört haben und es war vermutlich reiner Instinkt gewesen nachzuschauen, wer um diese Uhrzeit auf den Straßen diesen Lärm veranstaltete.
Er konnte nicht einschätzen, ob sie froh darüber war ihn zu sehen, oder ob sie vielleicht doch wütend und enttäuscht war, weil er einfach so gegangen war. Sie war zu weit weg um auch nur irgendeine Emotion auf ihrem Gesicht zu erkennen und wahrscheinlich war es doch keine so gute Idee gewesen zu ihr zu fahren.
Seine Hand hielt noch immer den Zündschlüssel fest, der noch immer steckte. Es wäre so leicht ihn einfach zu drehen, aufs Gas zu treten und wieder zu verschwinden und es morgen für niemals geschehen abzustempeln. Aber er tat es nicht, er wartete, wartete und wartete und starrte sie regelrecht an und schluckte, als sie die Tür nach gefühlten Stunden hinter sich schloss – und auf ihn zukam.
Er nahm seine Hand vom Zündschlüssel, rieb sich einmal übers Kinn und versuchte so locker zu wirken, wie nur irgend möglich. Legte sie in seinen Schoß, als sie am Auto angekommen war und durch das Fenster schaute. Cal fühlte den Kloß in seinem Hals, den er zu schlucken versuchte, als er in ihre Augen sah und feststellen musste, dass sie geweint haben musste und drückte den Knopf damit die Scheibe hinunter glitt.
Stille, nichts als weitere Stille und ein zusammenziehen ihrer Strickjacke, weil es draußen mittlerweile kühl war. Sie sah nicht gut aus, obwohl sie sich zusammenriss es nicht zu zeigen, aber hier und heute sah er es. Ihre Augen sprachen Bände und gleichzeitig waren sie wie eh und je verschlossen, weil auch sie gelernt hatte, ihm nur das zu zeigen, was sie bereit war sich ansehen zu lassen. Aber sie sah eindeutig nicht gut aus und das konnte sie nicht verstecken, konnte nicht die so offensichtlichen Spuren verstecken.
Er holte Luft, wollte etwas sagen, wollte ihr irgendwas sagen, damit sie anfing zu lächeln, aber er konnte auch das nicht und ließ die Scheibe nur wieder hochfahren. Etwas, das er tun konnte war sie aufzufordern nicht da draußen in der Kälte zu stehen und sie verstand, öffnete die Beifahrertür und stieg ein. Sie zog ihre Strickjacke noch einmal enger um ihren Körper, ganz so, als wäre es in seinem Auto um einige Grade kälter als draußen, aber er wusste, dass es einfach nur ein Schutzmechanismus war.
Kurzweilig beobachtete er sie einfach nur, wie sie geradeaus starrte, sich über die Lippen leckte und er konnte nur erahnen, dass in ihrem Kopf ein Gedanke nach dem anderen Fuß zu fassen versuchte. Es war selten, dass ihr ein Fall so zu Herzen ging, aber dieses Mal war es anders gewesen, dieses Mal war es auch für ihn unglaublich schwer gewesen.

Wenn sie sauer auf ihn war, dann zeigte sie es nicht. Alles, was er von ihr aufnehmen konnte, war die grenzenlose Erschöpfung, die diese Geschichte mit sich gebracht hatte und um ehrlich zu sein, wollte er dieses so bildschöne Gesicht nicht so ausgelaugt sehen.
In der Firma konnte er sie nicht halten, aber jetzt nach Stunden, nach endlosen Gedanken, nach der Gewissheit, dass Emily in Sicherheit war, erklärte er sich bereit dafür, nachzuholen was er verpasst hatte zu tun.
Cal wusste, dass er nicht unfehlbar war und dass es meistens die traf, die ihm nahe standen und er hoffte, dass sie es ihm nicht übel nahm. Dass sie nicht wütend und traurig nach Hause gegangen war, aber je länger er in dieses wunderschöne Gesicht sah, wusste er, dass dem nicht so war, wie er gehofft hatte.
Er hob seine Hand, legte sie doch etwas zögerlich auf ihre Schulter, ohne eine wirkliche Regung ihrerseits zu erzielen. Sie zuckte lediglich leicht zusammen, sah das Blinzeln ihrer Augen und dass sie jetzt nach unten schaute und nicht mehr aus der Frontscheibe.
„Gillian…“, mehr brachte er nicht hervor und es war selten, dass seine Stimme um Nuancen tiefer klang als sonst. Kratzig und rauchig und beinahe tonlos, weil er einfach nicht wusste, welche jetzt die richtigen Worte waren. Im Augenblick fühlten sie sich auch einfach nur falsch an und er schluckte abermals. Leckte sich über die trockenen Lippen und öffnete seinen Mund erneut, nur dass kein weiteres Wort mehr daraus hervor drang.
Stattdessen fuhr er langsam mit seiner Hand von ihrer Schulter in ihren Nacken und erntete die nächste Reaktion – ihr Kopf senkte sich. Ein weiteres Mal musste er schlucken, sie sah so verloren aus, konnte diese kleinen traurigen Vertiefungen auf ihrer Stirn erkennen und tat das, was wohl jeder tun würde und zog sie nun ganz zu sich. Zog sie einfach an seinen Körper, an seine Schulter, auf der ihr Kopf jetzt ruhte.
Cal gab ihr einen Kuss auf die Haare, verhaarte in dieser Position und sah aus dem Fenster, nur um vor seinem inneren Auge Gillian zu sehen. Er hätte ihr heute Morgen etwas mehr der Aufmerksamkeit schenken sollen, die er in ihren Augen hatte lesen können und nicht einfach ohne ein Wort gehen sollen. Hinterher war man immer schlauer und doch konnte er sich wieder nur selbst eingestehen, dass er es zu diesem Zeitpunkt einfach nicht gekonnt hätte.

Aber er konnte es jetzt und er schien das Richtige zu tun, weil sie sich nicht aus seinen Armen entwinden wollte, weil er spürte, dass sie sich an ihn schmiegte und sie diese ruhevolle, tröstende Zweisamkeit sehr wahrscheinlich innerlich beruhigte. Es beruhigte ihn selbst, es war, als würden seine rasenden Gedanken endlich zum Stillstand kommen und drehte sich noch etwas, damit er sie richtig in den Arm nehmen konnte, sein Gesicht fast in ihren Haaren vergrub, die einfach wunderbar dufteten.
Jetzt in dem Moment wünschte er sich selbst, sie öfter so halten zu können, weil das, weswegen er herkam – zu vergessen – bereits eingetreten war.
Und er fing an, ihr über das Haar zu streicheln, das seidig durch seine Finger glitt. Wiederholte diese Tat einige Male, bis Gillian ihren Kopf hob und ihn ansah, ihn schlichtweg einfach nur ansah und ihn dazu zwang, eben jene Tat wieder einzustellen. Dennoch lag seine Hand noch an ihrem Hinterkopf, während sie sich in die Augen sahen und versuchten sich gegenseitig zu lesen. Es versuchten und es ihnen doch nicht gelang, weil sich die Gegebenheit in den letzten Minuten verändert hatte, weil das Chaos und das Grauen aus ihren Köpfen Stück um Stück verschwunden war.
Was blieb, war die Nähe, die Wärme, die sie sich gegenseitig geschenkt und sich aufgebaut hatten, den Anderen auf ihre Weise Trost gespendet hatten und erneut in eine Situation rutschten, die ein anderes Chaos in ihren Kopf brachte.
Cal kam einfach nicht umhin in ihre Augen zu starren, diese so schönen blauen Augen, die ihn aus nächster Nähe betrachteten und ihm kam die Frage auf, ob er ihr schon einmal so nahe gewesen war. Weniger vom körperlichen Standpunkt aus, aber er hatte gerade das Gefühl, als versuche sie in seine Seele zu dringen, versuchte herauszufinden, was er gerade fühlte und sich selbst nicht sicher war, welches Bild er gerade abgab.
Aber das war egal. Weil jede Sekunde, die gerade verstrich, verlor er sich in den Weiten ihres Ozeans. Verlor sich so endlos tief darin, dass er gar nichts anderes mehr sah, als diese wunderschöne Farbe, die in einem neuen Licht zu erstrahlen schien. Er konnte sich gar nicht daran erinnern, dass sie jemals so intensiv ausgesehen hätten und es war ein so einmaliges Gefühl, welches er unter keinen Umständen mehr verlieren wollte.

„Cal…“, nur ein Hauch, ein ungezwungenes Betragen, das so noch nie ihre Lippen verlassen hatte. Jene Lippen, die er für einen Bruchteil fixierte und der Gedanke, was er hier eigentlich tat, noch kürzer seinen Geist streifte, ehe es hätte Fuß fassen können.
Es war der Moment, als sie seinen Namen aussprach, der ihn alles einfach nur vergessen ließ. Der klang ihrer Stimme so offen und herzig, dass er gar nicht mehr daran dachte, an ihre Grenze zu denken, die sie stumm vereinbart hatten. Die nie wirklich zur Sprache gekommen war, wenn es nicht absolut nötig war.
Aber Heute und Hier war sie vergessen.
Heute und Hier wollte er an keine einzige Grenze mehr denken.
Weil er sie liebte und es ihr zu gerne sagen würde. Sagen und darauf hoffen, dass sie dasselbe empfand wie er und doch konnte er es nicht. Hatte es in all den Jahren nicht geschafft diese Worte über seine Lippen zu bringen, egal wie oft es einen ansatzweise günstigen Augenblick dafür gegeben hatte.
Heute wäre es so ein günstiger Augenblick, vielleicht sogar die beste Chance überhaupt, aber alles was er tat, war seine leicht geöffneten Lippen auf die Gillian’s zu legen. Er wollte keine Worte, er brauchte sie nicht und er hoffte so inständig wie noch nie, dass sie verstand. Seine Gefühle verstand, die er seit so langer Zeit für sie hegte und es war auch das erste Mal, dass sich ein Kuss mit ihr um so vielen Längen intensiver anfühlte – es sich richtig anfühlte.
Dass er das Gefühl hatte, heute zum ersten Mal den Geschmack ihrer Lippen im vollen Ausmaß zu kosten, der süßlich und salzig zugleich war. Die Süße ihrer selbst und der salzige Nachgeschmack ihrer vergossenen Tränen…

Es war unvergleichlich!
Und beinahe unerwartet, dass auch sie ihre Lippen gegen die seine drückte, den Kuss erwiderte, was in ihm eine wahre Flut an Gefühlen losließ. Sie tat es so sanft, fast unschuldig und vorsichtig und doch so deutlich spürbar, dass er sein Herz nur schwer und seine Beherrschung noch weniger unter Kontrolle hatte. Wenn er nicht wüsste, dass es gerade wirklich passierte, würde er es für einen Traum halten, aber er hielt sie in seinen Armen, küsste ihre weichen Lippen, die sich im Einklang zueinander bewegten. Die sich sanft und doch bestimmt berührten.
Cal zog sie näher zu sich, umschloss sie regelrecht und ließ ihr dennoch genug Freiraum, den sie nutzte und ihre Hand an seine Wange legte, mit dem Daumen leichte Kreise zog. Allein diese Berührung fühlten sich wie Stromschläge an, drangen bis unter seine Haut und er konnte nicht anders, als sie fordernder zu küssen. Fast synchron sogen sie die Luft durch ihre Nasen ein und es war der kleine, aber süße Funke ihrer Finger, die leicht an seinem Hals kratzten, der ihn dazu brachte, den Kopf zu neigen und seine Lippen zu spalten.
Seine Zunge glitt hervor, traf ihre Lippen, die er umso intensiver schmeckte und diese so salzig-süße Note erhöhte. Er hatte nur ein Wort dafür – Vollkommenheit!
Ihre Finger gruben sich ein wenig an seinen Hals, wollten sich festhalten und er konnte einfach nicht anders, als diese Geste mit Wohlwollen in sich aufzunehmen, weil es auch der Moment war, in welchem sie ihren Kopf auf die andere Seite neigte, ihm einlass gewährte. Er kam dieser Einladung nach, empfing ihre Zunge in einer spürbar wollenden Art, die ihr nicht zu entgehen schien – sie teilte es.
Sie tat es ihm nach und so sanft dieser so unschuldige Kuss angefangen hatte, desto haltloser wurden sie. Und es störte ihn, dass sie gerade in seinem Auto saßen, die Kupplung zwischen ihnen im Weg war und er nicht auch noch den letzten Rest ihres Kontaktes überbrücken konnte.
Dennoch liebte er gerade diesen Augenblick, den er sich schon solange herbeigesehnt hatte, dass es nicht nur ein Kuss zweiter Klasse war und auch von ihrer Seite aus spürte, dass sie es gerade wirklich wollte. Dass es sich richtig anfühlte und gleichzeitig wusste er, dass es nur der Augenblick des unsagbaren Umstandes war, der ihm dieses kleine Wunder bescherte.
Weil der Fall noch immer an ihr nagte.
Weil sie jetzt diese Wärme und die Liebe brauchte, der sie morgen wieder mit ihrer Professionalität entgegenkommen würde.
Weil alles, was in diesen Minuten geschah, außerhalb ihrer Grenze lag.
Und weil er merkte, dass dieser Moment echt war und es einen kleinen Hoffnungsschimmer in ihm weckte.

Es war der süß-salzige Geschmack, der ihn daran erinnerte, was sie heute erreicht hatten. Es war der Triumph und die gleichzeitige Niederlage, die sich in sein privates Leben eingemischt hatten.
Es war jenes geteilte Leid, das sie unaufhörlich miteinander verband.
Aber es war auch der gemeinsame Weg, dieses Leid mit etwas zu vermischen und die grauen Wolken wieder vorbei ziehen zu lassen.
Der salzige Geschmack nahm zu und Cal wusste ganz genau, welcher Ursache jener Tatsache entsprang. Und wenn er die ganze Nacht ihre Tränen wegküssen musste, damit ihre süßliche Note wieder zum Vorschein kam, dann würde er das tun.
Und es war der Gedanke, dass er alles für sie tun würde, der den Zungenkuss in ungeahnte Höhen trieb und er würde sie erst wieder loslassen, wenn sie ihn dazu aufforderte.


Ende