Der Schatten des Doktors

von Arielen
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
13.02.2015
06.02.2018
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Dieses Kapitel
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Titel: Der Schatten des Doktors
Autor:  Kris

Fandom: Doctor Who, Alternatives Universum (Pete's World)

Genre: Erst ein wenig Beziehungsdrama dann aber nur noch ein handfestes Abenteuer in dem es ordentlich rund geht. Natürlich auch mit einem Schuss Romantik

Charakter(e)/Pairing(s):  John Smith (Metacrisis Doctor), Rose Tyler
Staffel/Spoiler: Ende Staffel 4

Anmerkung des Autors:
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John ist spurlos verschwunden kurz nachdem er und Rose sich getrennt haben, weil sie den Doktor nicht vergessen kann. Als sie sich eines besseren besinnt, macht sich Rose auf die verzweifelte Suche nach ihrem Freund und gerät dabei schon bald in ein lebensgefährliches Abenteuer, das sie in mehr als einer Hinsicht auf die Probe stellen wird. John hingegen begegnet der Nemesis, durch die er den Schatten des Doktors noch deutlicher auf seinem Leben lasten spürt.
Beinde bekommen es nämlich mit dem Doktor und dem Master dieses Universum zu tun ... und einem Geheimnis, dass alles, was sie kennen erschüttern könnte.

Die Inhaltsangabe verrät es schon:  Rose und der menschliche „Metacrisis“-Doktor kann das wirklich auf Dauer gut gehen?
Diese Frage hat mich dazu veranlasst, einen Blick in das alternative Universum zu werfen.
Was eigentlich zunächst als Beziehungsgeschichte angefangen hat, wächst sich inzwischen zu einem großen, dramatischen Abenteuer aus, von dem ich am Anfang aber nicht zuviel verraten will Jetzt macht es wirklich Spaß, Rose und John mit etwas zu konfrontieren, an dem sie wachsen und vielleicht wieder zueinander finden können, natürlich garniert mit allerlei Gefahren und vielem spannenden Geschehen, was nicht mehr länger nur eine Romanze ist

Diese Geschichte ist jedenfalls all meinen Lesern gewidmet, die Spaß daran haben und haben werden, mich auf diesem Abenteuer zu begleiten.


o+o+o+o+o


„Es ist vorbei … John!“, sprach Rose resigniert das aus, was sie beide so lange verdrängt hatten und sah ihm tief in die Augen. „Ich glaube, unsere Beziehung ist gescheitert.“

Er nickte nur, weil es keiner weiteren Worte bedurfte, um diese Entscheidung zu bestätigen. Eine Diskussion über das Wenn und Aber war ebenso unnötig wie der verzweifelte Versuch zu retten, was noch zu retten war, auch wenn ein Teil von ihm darum kämpfen wollte, nicht einsehen konnte, dass sie so einfach kapituliert hatten. Aber es war sinnlos.

Das hatte er allein schon daran gemerkt, wie Rose kurz vor der Nennung seines Namens innegehalten hatte. Wie gleichzeitig ein Schatten über ihr Gesicht gehuscht war: Ihr Herz, ihre Liebe hatte niemals wirklich ihm gehört, denn er war nicht der Doktor …

Ja sicher, dieses Wissen hatten sie lange Zeit erfolgreich verdrängen können, aber die Tatsache blieb dennoch bestehen und hatte sich niemals fortwischen lassen, so sehr sie beide sich auch darum bemüht hatten, es vergessen zu machen.

'Ich denke und ich fühle wie er, bis zu dem Punkt, an dem ihn der Dalek tödlich verwundete und er nur eine Wahl hatte, um weiter zu leben … ', dachte John Smith ernüchtert und traurig zugleich. 'Ich habe sein Wissen und seine Erinnerungen, selbst seine Gefühle aber ich bin doch nur eine Kopie. Das Ergebnis einer Regeneration, die der Doktor seinem Willen gebeugt hatte. Das sterbliche Abbild eines außerirdischen Wesens, der bereits mehr als zehn Leben hinter sich gebracht hat.'

Er holte tief Luft, als er in sich horchte und sich noch einmal die Bestätigung holte, dass Rose nicht allein die Schuld an dem Keil trug, den die Zeit und diese einfache Tatsache zwischen sie getrieben hatte.

Er fühlte sich innerlich zerrissen. In seiner Brust schlug nur ein Herz, sein Körper war wesentlich zerbrechlicher und anfälliger als der eines Timelords, aber auf der anderen Seite war er auch kein Mensch, wie Selbstuntersuchungen ergeben hatten.
Sein Blut enthielt noch immer genug Zellen und Gene, die den Bewohnern dieses Planeten fehlten und größere Teile seines Gehirns waren aktiv, als bei normalen Menschen. Nicht zuletzt brauchte er nur in sich hinein zu lauschen, um eine Ahnung davon zu bekommen, welche Vielfalt an Sinnen der Doktor besaß, denn von manchen spürte er noch einen leisen Nachhall.

Außerdem waren all die Erinnerungen und das Wissen an Gallifrey, seine unzähligen Abenteuer in Raum und Zeit oder an seine größte Schuld, von der Rose nicht einmal etwas wusste, mit übertragen worden und erhalten geblieben.

Und da war auch noch etwas anderes, was ihn quälte - nämlich die Sehnsucht, das Verlangen, aus der starren, vorherbestimmten, irdischen Existenz auszubrechen, die vor ihm lag  und endlich wieder frei zu sein, um Neues zwischen den Sternen und auf anderen Welten zu zu entdecken. Zuletzt hatte er sich während seiner dritten Inkarnation so erdrückt und gefangen gefühlt … als die Timelords ihn aufgrund seiner „Verfehlungen“ auf die Erde verbannt hatten. Damals war ihm immerhin noch die Tardis geblieben, als einzige Hoffnung, auf eine Änderung dieser Situation. Diesmal jedoch …

John zuckte zusammen und zwang sich innezuhalten. Solche Gedanken waren in diesem Moment eigentlich fehl am Platz, aber sie gehörten dennoch - trotz aller Unterschiede zu seinem Original – zu seiner eigenen Persönlichkeit und trugen mit zu dem Zerwürfnis bei. Und er konnte nicht von der Hand weisen, dass er sich etwas anderes eingestehen musste …

Die zärtliche Zuneigung - die Liebe - zu Rose war vielleicht ungebrochen, aber die Last der Fesseln, die er sich selbst dadurch auferlegt hatte, erdrückten ihn förmlich. Lange konnte er das nicht mehr aushalten.

In den ersten Monaten nach ihrer Heimkehr von der Bad Wolf Bay hatte alles noch so einfach ausgesehen, war es sonnenklar gewesen, dass er seinen Gefühlen für Rose endlich freien Lauf lassen und sie mit jeder Faser seines Ichs leidenschaftlich lieben konnte, weil er – wie der Doktor schon gesagt hatte – mit ihr alt werden konnte.

Durch sie hatte er einen Grund bekommen, zu auch nach der Krise weiter zu leben und eine Aufgabe zu erfüllen, die Sinn machte.

Mit der Geliebten an der Seite hatte er deshalb versucht ein glückliches, menschliches Leben zu führen, immerhin hatten sie ein gutes Beispiel vor Augen: Roses Eltern waren der beste Beweis für die Chance, die sich auch ihnen aufgetan hatte.

Denn Peter Tyler hatte in dieser Welt niemals eine Tochter namens Rose gehabt, seine eigene Frau war mehr auf gesellschaftliches Prestige und Schönheit bedacht gewesen und schließlich durch die Cybermen ums Leben gekommen.
Die pragmatisch denkende Jackie Tyler hatte ihren eigenen Pete vor mehr als zehn Jahren durch einen Autounfall verloren und ihre Tochter ganz alleine groß gezogen. Da aber die Liebe zu den verstorbenen Partnern nie ganz erloschen war, hatten beide kurzerhand den Wink des Schicksals genutzt, und ihre Liebe wieder aufleben lassen. Sie hatten sich keine Gedanken mehr um die Vergangenheit gemacht, sondern nur noch in die Zukunft gesehen, ohne Wenn und Aber. Ihre Leidenschaft war so entfacht worden, dass sich das enge Band zwischen ihnen inzwischen mit dem kleinen Tony endgültig gefestigt hatte.

Das war ein Ziel, das Rose und er zwar immer angestrebt aber nie erreicht hatten …
Schon bei ihrer Heimreise aus Norwegen hatten sie erste Pläne geschmiedet und einige wichtige Entscheidungen getroffen, aber irgendwie …

Eine seiner ersten Maßnahmen war es gewesen den Namen John Smith anzunehmen, den er seit seiner Zeit bei UNIT benutzte, und nicht mehr länger nur der „Der Doktor“ zu sein, denn das war vorbei. Ein paar Monate später, als alle Formalitäten geklärt und er nun auch gegenüber den Behörden auftreten konnte, hatte er einen Job in Peter Tylers Konzern angenommen. In dieser Zeit hatten sie, auch die Villa verlassen und waren gemeinsam in diese schön gelegene Penthouse-Wohnung gezogen.

Über drei Jahre lang hatten sie in einem wunderbaren Traum gelebt.

Der menschliche Alltag war für ihn eine neue und spannende Erfahrung gewesen, das Zusammenleben mit seiner Geliebten aber auch die Arbeit hatten ihn tagtäglich vor neue Herausforderungen gestellt, denn nicht alles hatte er allein mit Witz und Verstand oder seinem Mundwerk meistern können.
Immer wieder waren ihm auch die Grenzen seines menschlichen Körpers aufgezeigt wurden, die Anfälligkeit für Krankheiten oder gar Verletzungen. Er erinnerte sich noch zu gut an sein erstes Fieber, an die Grippe …

Als das Ganze mit der Zeit allerdings zur Routine wurde, hatten auch die gelegentlichen Reisen durch die Welt – natürlich zusammen mit Rose - nichts mehr daran ändern können, dass sich schleichend immer mehr Zweifel und Unbehagen in ihm breit gemacht hatte und die Palette der menschlichen Gefühle, die er kannte, war um weitere ergänzt worden: Ernüchterung, Langeweile, Gereiztheit.

Die kleinen menschlichen Macken und Launen, die ihm früher an Rose gefallen hatten, begannen ihn zu stören und zu nerven … die Gelassenheit, über den menschlichen Gepflogenheiten zu stehen oder sich über sie zu amüsieren, schwand, je mehr er seinen eigenen Weg beschritt und den „Doktor“ hinter sich ließ.

Charakterzüge kamen hinzu, die er mehr von Donna kannte als von sich selbst. Rose war das nicht entgangen, deshalb hatte sie ihm irgendwann den Spiegel vors Gesicht gehalten und war ebenfalls explodiert.
Der erste Streit zwischen ihnen war eine Erfahrung gewesen, die er nicht gerne wiederholt hätte, aber es war leider in der Folge immer öfters zu ähnlich heftigen und lauten Auseinandersetzungen gekommen, die sie beide schließlich ganz auf den Boden der Tatsachen geholt hatten.

Und nun … war klar – dieser Tag war unabwendbar gewesen.

Rose räusperte sich plötzlich und schreckte ihn so aus seinen Gedanken. „Wir können gerne Freunde bleiben, wenn du willst John. Es heißt ja nicht, dass es ganz aus sein muss.“

„Das wollte ich auch gerade vorschlagen“, entgegnete er mit einem Lächeln und der unbeschwerten Flapsigkeit, die der Doktor gerne an den Tag legte, um seine eigenen Gefühle zu überspielen, es seinem Gegenüber leicht zu machen. „Ganz sicher können wir Freunde bleiben. Warum auch nicht, denn immerhin haben wir eine Menge Abenteuer erlebt und … “

Er verstummte plötzlich, weil Rose eine Augenbraue hochzog, blickte verlegen drein, denn da war er wohl wieder in ein Fettnäpfchen erster Güte getreten, das nicht hätte sein müssen …

Natürlich – nicht er und Rose - sondern der Doktor und sie - hatten sich mit Daleks, Cybermen, Sycorax und einer Menge anderer feindlicher oder zwielichtiger Aliens herumschlagen müssen, das durfte er nicht vergessen …

„Und, was hast du jetzt vor?“, lenkte er deshalb das Gespräch auf ein anderes Thema, um die schwelende Wut auf den Rivalen aus dem Paralleluniversum, die plötzlich wieder heftig in ihm hoch kochte zu unterdrücken.

„Ich denke, ich werde eine Weile zu Mum und Dad in die Villa ziehen und dann entscheiden, was ich mit meinem weiteren Leben anstellen will. Vielleicht fange ich an zu studieren, auch wenn ich da noch einen Schulabschluss für nachholen müsste. Aber es wäre ein Anfang … “, ging sie auf ihn ein, wohl wissend, dass sie den wunden Punkt in ihrer Beziehung genau so wie er schnellstmöglich überspielen sollte. „Ich brauche jetzt jedenfalls ein bisschen Abstand und Ruhe von Allem. Und … was hast du so vor?“

John zuckte mit den Schultern. „Mal sehen … ich habe da ein paar Dinge, denen ich nachgehen will, nennen wir sie einmal „Forschungsprojekte“. Durch den Job bei deinem Vater habe ich ja einiges auf der hohen Kante und kann mir eine längere Auszeit erlauben, denn ich denke, das tut auch mir gut“, grinste er und bemühte sich auch weiterhin unbeschwert und locker zu wirken – so wie sie es von „ihm“ kannte, auch wenn er sich in seinem Herzen ganz anders fühlte.

„Ich wünsche dir viel Glück bei deinen Forschungen!“ Rose lächelte traurig, überlegte und trat dann plötzlich auf ihn zu, umarmte ihn so spontan, wie sie es schon lange nicht mehr getan hatte.

Ein warmer Schauder rann über seinen Rücken, als für einen Moment die Hoffnung aufkam, dass sie es sich vielleicht doch noch einmal anders überlegte, und sie …

John lehnte seinen Kopf an den ihren und spürte, wie sie die Geste ebenso zärtlich erwiderte. So verharrten sie eine ganze Weile ohne sich zu bewegen. Er genoss es einfach, sie noch einmal in seinen Armen zu spüren. Sie so festzuhalten, als stünde nichts zwischen ihnen, als seien sie noch immer zusammen und nichts würde ihre Beziehung trüben.

Das Gegenteil war jedoch der Fall.

Es war ein Abschied, der Moment, in dem sie einander los ließen. Das Ende einer Liebe, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen war, weil von Anfang an ein dunkler Schatten über ihr gelegen hatte – nämlich der des Doktors.

Und für ihn … John holte tief Luft und spürte einen Funken Hoffnung in sich aufsteigen. … für ihn vielleicht auch ein neuer Anfang.
Er wollte nicht länger nur der Ersatz für den Doktor sein, das in ein anderes Universum abgeschobene Duplikat einer umgeleiteten Regeneration oder der gerade einmal viereinhalb Jahre existierende Hybrid …

Nur, wenn er sich selbst fand, dann hatte er vielleicht auch die Chance, die Liebe von Rose neu zu gewinnen – diesmal als er selbst – als John Smith!
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