Die Weltenwanderin

GeschichteFamilie, Fantasy / P12
11.02.2015
06.07.2016
11
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Bitte beachten: dies ist eine komplette Rohfassung, die keinen Anspruch darauf erhebt, perfekt zu sein. Ich schreibe das erst einmal mehr oder minder für mich. Diverse Änderungen und Anpassungen sind vorbehalten.


Titel: Die Weltenwanderin
Autor: FullmoonShadow - seit ca. Frühjahr / Sommer 2010
Genre: Fantasy, realitätsbezogen, später 'klassischer'

Universum: Die Weltenwanderin
Teil: 1 von geplanten 3
Kapitel: 4 - jeweils aufgeteilt in mehrere Unterkapitel auf ff.de

Hauptcharakter(e): Liz Anderson, Tyr, Reed Terrencé (ab 3. Kapitel)
Wörter: bisher ca. 24.000
Pairing: wird noch nicht verraten, ist aber in gewisser Weise geplant - aber erst viel viel später
Rating: P12

Beta: - keiner - / Wer also Fehler findet, darf mich gerne darauf aufmerksam machen.
Feedback: Brauche ich neben Luft und Liebe zum Leben! <3

Zusammenfassung: Was ist Wirklichkeit und was ist Traum? Was ist Überzeugung und wo beginnt die Verzweiflung? Liz ist sich sicher, zwischen Traum und Realität unterscheiden zu können - oder ist sie doch nur verrückt und sieht Gespenster? Welche Rolle spielt Reed und wieso kann Tyr ihn nicht leiden?

Disclaimer: Die Charaktere gehören mir, die Recht an ihnen liegen bei mir. Zwar verdiene ich (noch) kein Geld damit, aber das geistige Eigentum ist das Meinige.

A/N: Die Idee, welche mich seit sechs Jahren nicht loslässt und es wohl auch nie werden wird. Seit 2010 arbeite ich diese Geschichte immer weiter aus und bin mittlerweile auf einem guten, produktiven Weg - dennoch kommen Updates unregelmäßig. Nagelt mich also auf nichts fest.

Tigers Name wird übrigens englisch ausgesprochen, nicht deutsch ;)




1


Seufzend öffnete ich die Augen. Wie jeden Morgen klopfte Marie gegen meine Tür und es wunderte mich, dass sie noch keine Delle hineingeschlagen hatte.
«Bin wach!», rief ich.
«Dann steh' auf!»
Ich verdrehte genervt die Augen, seufzte ein weiteres Mal und krabbelte dann unter meiner warmen Decke hervor.
Ohne mich umzuziehen, schloss ich meine Zimmertür auf und ging von meinem Kellerzimmer nach oben in die Küche. Dort setzte ich Teewasser auf und ging schließlich mit einer dampfenden Tasse ins Esszimmer hinüber.
Meine Adoptiveltern und deren leibliche Tochter saßen bereits am Tisch und frühstückten. Mit meinem Tee setzte ich mich dazu und begann schweigend mein Toast zu bestreichen.
Kauend stierte ich über den Tisch hinweg aus dem Fenster.
Jürgen hatte sich wie jeden Morgen hinter der Zeitung verschanzt und gab nur ab und zu einen gemurmelten Kommentar zum Weltgeschehen von sich. Im Grunde war er ein sehr ruhiger Mensch, der nicht alles sagte, was er dachte.
Vor ein paar Jahren hatte Marie versucht, ein zweites Mal schwanger zu werden, allerdings ohne Erfolg. Der Grund war mir schleierhaft, vielleicht hatte es einfach nicht sein sollen. Da sie allerdings schon immer eine sehr sture Frau war, welche haben wollte, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte, war sie auf die Idee gekommen, ein Kind zu adoptieren.
Das war nun drei Jahre her und seitdem lebte ich hier in diesem Haus, mit diesen Menschen, die so wenig meine Familie waren, wie die dicke Frau an der Tankstelle.
Mittlerweile war Marie eine Frau in den Fünfzigern, mit stumpfem, blondem Haar, welches langsam zu ergrauen begann.
Ihr Mann hielt nicht viel von großen Auseinandersetzungen und beobachtete meistens die Situation, bevor er sich einmischte, wovon ich nicht sonderlich viel hatte.
Meine jüngere Schwester Judith war die Letzte im Bunde. Wir konnten uns gegenseitig nicht ausstehen, was wohl daran liegen mochte, dass sie ein kleines verwöhntes Biest war und ich mir von ihr nicht auf der Nase herumtanzen ließ.
Wir hätten unterschiedlicher nicht sein können. Von ihrer Mutter hatte sie die blonden Haare und Jürgen hatte ihr seine stattliche Größe vererbt. Dafür, dass sie erst dreizehn Jahre alt war, war sie schon fast so groß wie ich, was daran liegen mochte, dass ich für meine fünfzehn Jahre relativ klein war. Im Gegensatz zu ihr hatte ich dunkle, widerspenstige Haare, die nie machten, was ich wollte und immer zerzaust waren. Judith verwendete morgens sehr viel Zeit darauf, ihre blonde Mähne so glatt wie möglich über den Rücken fallen zu lassen.
Mir reichten die Haare gerade wieder bis ans Kinn, da ich mich nie entscheiden konnte, ob ich sie nun wachsen lassen sollte oder ob ich sie doch lieber kurz mochte. Alle paar Monate schwankte ich in meiner Entscheidung und überlegte dann wieder eine ganze Weile, nur um dann doch alles zu lassen, wie es war. Momentan war ich mit meiner Frisur relativ zufrieden, wobei ich seit zwei Wochen wieder einmal überlegte, sie wachsen zu lassen, damit ich vielleicht endlich mal tolle lange Locken entwickeln würde. Allerdings freute ich mich darüber, dass meine Haare nun denselben Ton wie meine Augen angenommen hatten und ebenfalls manchmal hellbraun, fast berinsteinfarben schimmerten, wenn die Sonne darauf fiel.

Als wir alle mit unserem Frühstück fertig waren, deckte ich den Tisch ab und ging dann wieder in mein Zimmer in dem ausgebauten Keller. Dort ließ ich etwas frische Luft ins Zimmer, bevor ich mir Klamotten aus meinem Kleiderschrank suchte.
Nachdem ich mich fertig gemacht hatte, packte ich fix meine Schulsachen zusammen und ging wieder nach oben.
Mit geschultertem Rucksack schnappte ich mir das Essensgeld von der Kommode und machte mich kommentarlos auf den Weg zur Schule.
Meine Adoptiveltern interessierte es nicht, ob ich mich verabschiedete. Im ersten Jahr hatte ich es noch getan, doch nach ein paar Monaten ließ ich es wieder, da ich so gut wie nie eine Antwort bekommen hatte.
Kaum war ich aus der Tür getreten, schlug mir die Sommer-Hitze entgegen. Anstatt mich wie alle anderen darüber zu freuen, hatte ich nur ein Grummeln für das Wetter übrig. Wenn es jetzt schon so warm war, wollte ich gar nicht erst wissen, wie heiß es heute Mittag in der Schule sein würde.
Mit dem Rad waren es nur ein paar Minuten und obwohl ich Schwitzen verabscheute, fuhr ich lieber, statt durch die Hitze zu laufen. Der Gegenwind auf meinem Gesicht kühlte mich zumindest ein bisschen ab.
An der Schule schoss ich mein Fahrrad an und machte mich dann auf den mühsamen Weg zu unserem Klassenzimmer. Zwar war es im Schulgebäude relativ kühl, doch unser Unterrichtsraum lag im Altbau fast direkt unter dem Dach, weswegen er im Sommer immer brütend heiß und im Winter schweinekalt war. Die Aussicht war zwar toll, denn im Januar und Februar konnte man den Sonnenaufgang bestaunen, aber bis man erst einmal angekommen war, hatte man ein kleine Weltreise hinter sich.

Meist war ich eine derjenigen, die sehr früh in der Schule waren und so befanden sich auch nur zwei meiner Freunde im Klassenzimmer als ich eintrat.
Mir pochte das Herz schmerzhaft wild gegen die Brust und mein Atem wurde ungewollt schwerer als ich erkannte, wer neben meiner besten Freundin stand. Ich wusste nicht recht, ob ich Niklas nach der letzten Wochen noch meinen besten Freund nennen konnte. Unsere gesamte Gruppe war in dem letzten Jahr immer stärker zusammen gewachsen und in Tiger und Niklas hatte ich meine besten Freunde gefunden. Doch es kam, wie es kommen musste – ich verliebte mich in Niklas. Unsicher wie ich war, hatte ich nie mit ihm darüber gesprochen. Meine zwei Freundinnen wussten Bescheid und der Rest der Gruppe hatte es vermutlich geahnt, dennoch schleppte ich diese Gefühle fast ein Jahr lang mit mir herum.
Heute vor einer Woche hatte ich es nicht mehr ausgehalten und ihn vor dem Unterricht abgefangen. Mir war kotzübel gewesen und meine Hände hatten in den Hosentaschen geschwitzt wie verrückt, dennoch bekam ich die Worte irgendwie über die Lippen, welche ich mir in der Nacht zuvor zurecht gelegt und nahezu auswendig gelernt hatte.
Er empfand nichts für mich. Nichts, was über Freundschaft und Verbundenheit in der Gruppe hinaus ging, das waren seine Worte gewesen und ich verlor meinen besten Freund.
Irgendwie schaffte ich es, die letzte Woche herum zu bekommen, denn Niklas kam nicht zur Schule. Sommergrippe, war die Auskunft seines Bruders gewesen, als wir ihn auf dem Schulhof trafen. Doch nach dem Wochenende ging es ihm wohl besser und nun konnte ich mich nicht mehr vor der Konfrontation mit ihm drücken.

Doch nun stand er hier, neben Tiger am Fenster und sah mich an. Betont gelassen stellte ich meinen Rucksack auf meinem Stuhl ab und zog mir die Kopfhörer aus den Ohren. Es waren nicht einmal Minuten, die ich dadurch gewann, doch ich versuchte es so lange wie möglich hinaus zu zögern, ihn ansehen zu müssen. Mit tauben Gliedern ging ich letztendlich wie ferngesteuert zu ihnen hinüber und stützte mich mit den Ellenbogen auf der breiten Fensterbank ab.
«Morgen! Wie war euer Wochenende?», fragte ich an Tiger gewandt. Eine schwarz-rote Haarsträhne hing ihr gewollt in die Stirn während sie mich aus auffällig geschminkten Augen forschend ansah. Freudiger als ich es war, lächelte ich zurück und wartete.
«Ganz gut. Es war recht entspannt.», antwortete sie schließlich und durch ein paar gezielte Fragen, konnte ich sie dazu bringen, den größten Teil der Konversation zu übernehmen, bis sich unsere Freunde zu uns gesellten und der Klassenraum sich langsam aber sicher füllte.
Niklas versuchte ich so gut es eben ging zu ignorieren und er tat mir den Gefallen und machte es mir leichter, in dem er mich den restlichen Tag kaum ansah, geschweige denn mit mir sprach.
Irgendwie schaffte ich es, den Tag hinter mich zu bekommen und mich darauf zu konzentrieren, nicht immer wieder zu Niklas und seinem besten Freund Marco hinüber zu schauen.
Mit dem Rest unserer Clique gingen wir nach dem Unterricht über den leeren Pausenhof zu den Fahrradständern und verabschiedeten uns voneinander.

«Hast du Lust, noch mit zu mir zu kommen?» Tiger sah mich fragend an und ich wiegte den Kopf sacht hin und her.
«Heute ist Montag, oder?» Sie nickte kurz, ich war hin und hergerissen.
«Na gut», stimmte ich dann zu. «Aber ich kann nicht lange bleiben. Marie hat mir garantiert wieder einen meterlangen Zettel geschrieben, den ich abarbeiten muss.», fügte ich leicht genervt hinzu.
«Ach ja, deine Haushalts-Zettel.», nickte meine beste Freundin.
Gemeinsam fuhren wir zu ihr und wie erwartet war ich sehr froh über den Fahrtwind. Als wir bei ihr ankamen, ging ich direkt in den Garten und breitete im Schatten der Apfelbäume eine große Decke aus, während Tiger Eis in zwei kleine Schälchen portionierte.
Fast zwei Stunden saßen wir unter den Bäumen und tratschten über die Lehrer und einige unliebsame Mitschüler. Im Schatten war es draußen sogar auszuhalten und das Eis tat sein Übriges, damit uns nicht allzu warm wurde.
«Korinna.»
Wir fuhren beide erschrocken zusammen, als die Stimme von Tigers Mutter plötzlich zu uns herüber schallte. Es war jedes Mal aufs Neue etwas seltsam, wenn jemand Tiger bei ihrem richtigen Namen nannte.
Als sie direkt vor uns stand, fiel mir wieder auf wie sehr zwei Menschen sich gleichzeitig ähneln und dennoch vollkommen unterschiedlich sein können. Tigers Mutter war teilweise sehr verstreut und hing oft mit den Gedanken in den Wolken, wohingegen Tiger zwar sehr verrückt war und oft gegen den Strom schwamm, dabei aber oft eine gewisse Ernsthaftigkeit an sich hatte – außer sie legte es darauf an, sich selbst für andere lächerlich zu machen.
«Hallo, ihr zwei. Rinna, hast du meine Schlüssel für das Atelier gesehen? Ich war mir sicher, ich hätte sie heute morgen auf die Kommode im Flur gelegt, bevor ich in die Stadt gefahren bin.»
Tiger machte ein verdutztes Gesicht. «Du wolltest heute doch noch ins Atelier? Ich dachte, du wolltest diese Woche von zu Hause aus arbeiten.»
Ihre Mutter schüttelte den Kopf und zwinkerte. «Mir sind da noch ein paar Ideen gekommen.»
Meine Freundin lachte. «Okay. Aber deine Schlüssel habe ich nicht gesehen. Sicher, dass du sie nicht im Wohnzimmer oder in der Küche hast liegen lassen? Auf der Kommode lagen sie vorhin zumindest nicht.»
Verwirrt zog ihre Mutter die Stirn in Falten und machte sich schließlich auf die Suche.

Mit knackenden Knien kam ich auf die Beine und streckte mich einmal. «Ich sollte mich auch langsam auf den Weg machen.»
Tiger warf einen Blick auf ihre Armbanduhr und nickte. «Ja, ich muss auch noch den Aufsatz für Deutsch schreiben. Bis wann sollte der fertig sein?»
«Bis Mittwoch. Zum Glück habe ich am Wochenende schon etwas geschafft und mach den Rest morgen.»





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