Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Tohuwabohu -Die Welt Kafkas, eine kreative Umsetzung der Motive

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Grete Samsa
11.02.2015
11.02.2015
6
7.959
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
11.02.2015 797
 
Ich finde mich in meinem Bett wieder. Ich sehe verträumt um mich. Niemand da. Ich blicke auf meine Hände und muss  feststellen, dass ich alte, faltige, knöchrige Hände besitze. Es war also kein Traum.  Ich höre Stimmen im Nebenzimmer. Es ist mein Vater, der mit meiner Mutter  streitet. Wenn mein Vater erst einmal eine Meinung hat, kommt so schnell niemand gegen ihn an.  Ich kann nicht genau verstehen, über was sie reden, aber ich kann vermuten, dass sie über mich reden.  Ja mein Vater  oder sollte ich genauer sagen, mein Stiefvater und meine Mutter reden über mich. Das war zumindest etwas Neues…und Gutes? Mein Stiefvater hatte nie viel übrig für mich. Wir leben zusammen unter einem Dach, aber eine Beziehung konnten wir nie aufbauen. Wahrscheinlich war ich in seinen Augen einfach kein richtiges Familienmitglied, denn meinen kleinen Bruder, seinen leiblichen Sohn, liebt er wirklich. Meine Mutter schenkt mir dagegen die Liebe, die mein Stiefvater mir nicht zeigt und damit auch in einem überschwänglichen Maße. Der einzig normale in meiner Familie ist wohl mein Bruder. Er ist jetzt 16 und ist auf dem besten Wege, so wie es Vater wünscht, Polizist zu werden. Aber was ist nun mit mir? Wie komme ich in diese irreale Situation?  Für mich kommen nur 3 Lösungen in Frage. Erstens, ich habe mich unglücklich gestoßen und halluziniere oder träume. Zweitens, ich stehe wohl unter Drogeneinfluss oder drittens ich bin verrückt geworden und versuche  in meinem Unterbewusstsein diese schrecklichen Momente zu verdrängen in dem ich mir einbilde eine alte Oma zu sein.  Allerdings erklärt das Alles nicht WIESO ich eine Großmutter geworden bin! Das ist doch ein schlechter Witz…, wer hat schon solche seltsamen Fantasien? Im Moment kann ich diese Situation nicht ändern. Ich fange plötzlich an zu weinen. Auf mich rieseln alle möglichen Vorstellungen.  Werde ich je wieder normal? Was wird noch mit mir passieren? Was werden meine Eltern mit mir machen? Wie soll ich je wieder in die Öffentlichkeit treten? Kann ich meine Freunde wieder sehen? Was ist mit meinem Studium? Wie sieht meine Zukunft aus?  Ich habe Angst. Ich höre wie es sachte an der Tür klopft. Meine Mutter tritt herein.  „Schatz…alles wird wieder gut! Wir schaffen das gemeinsam!“ „Wie denn? Wie soll ich so leben? Wie soll ich in dieser Gestalt leben? Ich will nicht allein sein, ich will nie wieder allein sein!“ „Wenn du nicht allein sein willst, werden wir das hinkriegen! Wir werden dich an einen Ort bringen, so du vorrübergehend leben kannst, bis wir eine Lösung gefunden haben!“ „Was meinst du damit?“  Hermann tritt ins Zimmer und sieht mich mit diesem leeren Blick an. „Wir werden dich in ein Altersheim schicken, dort kannst du versorgt werden, auch wenn wir arbeiten sind. Es geht um dein eigenes Wohl!“ Nein!  „Um mein eigenes Wohl? Ihr schickt mich weg und glaubt damit ist das Problem gelöst? Das könnt ihr nicht machen. Ich will nicht alleine bleiben!“ Meine Mutter beginnt zu weinen und sagt: „ Papa hat Recht! Schatz, wir lieben dich! Und genau deshalb haben wir uns dafür entschieden! Es wird dir dort besser gehen! Und bis dahin werden wir herausfinden wie das passieren konnte!  Bitte habe doch Verständnis für unsere Entscheidung!“ „ Verständnis? Ihr schiebt mich ab und nichts weiter! Es geht euch doch nur um den Ruf! Keiner soll erfahren, was mit mir passiert ist. Dabei habt ihr gar keine Ahnung wie die Situation für mich ist!“ „Nun reicht es aber! Natürlich darf Niemand etwas von dieser Situation erfahren! Wir hätten einen Ruf zu verlieren. Was denkst du, was meine Kollegen auf der Polizeiwache denken, wenn sie erfahren, was mit meiner Tochter passiert ist. Für deinen Bruder wäre es auch nur ein Hindernis und wir alle würden abgestempelt werden. Das ist nun einmal so. Sehe der Realität ins Auge!  Wir werden dich gleich morgen früh  ins Altersheim fahren und verstehe mich bitte nicht falsch,  wir tun es auch um deiner  Willen! Hier kannst du nicht mehr leben! Wie willst du die Treppe alleine runter kommen, wie sieht es mit den ganz normalen Sachen  aus wie Schule, Sport oder einfach nur selbständig waschen, anziehen oder essen. Wir  haben einen Job, den wir nicht so einfach aufgeben können! Wir wollen wirklich nur das Beste für die  ganze Situation.“ Ich weine immer mehr und kann nicht mehr aufhören. Meine Mutter weint auch, aber sie steht neben ihn. Sie ist seiner Meinung. Ich bin nun ganz allein. Mein Tränenfluss ist so groß, dass ich kaum noch was erkennen kann. Sehe der Realität ins Auge! Mit diesem Gedanken meines Stiefvaters lege ich mich nach dem Gespräch ins Bett. Mir kullert eine letzte Träne die Wange herunter und ich schlafe ein.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast