Tohuwabohu -Die Welt Kafkas, eine kreative Umsetzung der Motive

GeschichteAllgemein / P12
Grete Samsa
11.02.2015
11.02.2015
6
7713
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Ich wache auf. Ich hatte sehr gut geschlafen. Zu gut. Ich öffne die Augen. Sehe verschwommen. Reibe mir den Schlaf aus den Augen. Bemerke, dass meine Hände irgendwie anders aussehen.  Betrachte meine Hände. Wo war der Nagellack? Ich ziehe die Stirn in Falten. Seit wann waren meine Hände so faltig? Ich möchte  mich auf richten, doch es klappt nicht.  Irgendetwas ist anders. Seltsam.  Ich versuche mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Ich sehe mich in meinem Zimmer um.  Es war alles wie immer. Scheinbar. Ich blicke auf eine Wand voller Fotografien von Freunden und einem Poster von „Channing Tatum“. Rechts am Fenster steht mein Schreibtisch mit sämtlichen Unterlagen für meine bevorstehende Prüfung. Ich bin schon immer sehr ehrgeizig gewesen und dementsprechend setze ich mir auch große Ziele. Diese konnte ich bisher immer verlässlich bewältigen. Meine Noten sind im Einser Bereich. Ich höre das Ticken meiner Uhr und werde mir damit bewusst, dass ich zu spät zu meinem Praktikum kommen könnte.  Der Blick auf die meine Armbanduhr, die mir meine Mutter zum Achtzehnten Geburtstag geschenkt hatte, bestätigt nur meine Vermutung. 7:40 Uhr –Ich bin viel zu spät. Es ist 7:35 Uhr. Um 7:45 Uhr muss ich da sein. Scheiße. Ich schiebe meine Bedenken  zur Seite und wende mich einem viel größeren Problem zu: Aufstehen. Denn im Eifer des Gefechts versuche ich aufzustehen und schaffe es nicht. Schmerz.  Es fühlt sich an als würde eine Elefantenherde „Jumpstyle“ auf  meinen Rücken ausprobieren.  Ich muss einfach vorsichtiger sein. Ganz langsam aufstehen. Ich bin schließlich noch gar nicht richtig wach.  Ich stütze mich mit meinen Händen vom Bett, damit ich zumindest im Bett sitze und irgendeinen klaren Gedanken fassen kann. Ich sehe auf meinen Nachttisch  der kleine pinke Wecker zeigt  7:40 Uhr an. Plötzlich ertönt der Song „ Don´t worry, be happy“ – mein Handyklingelton und ich gehe ran. „ Wo bleiben Sie Frau  Samsa? Sie hätten  schon längst da sein sollen!“ „ Entschuldigen Sie bitte…“, krächze ich heraus.  Oh mein Gott, was ist mit meiner Stimme! „… ich hab total verschlafen!“ Auf einmal wurde es auf der anderen Seite der Leitung ganz still.  „… ist ihnen nicht wohl Frau Samsa?  Ihre Stimme klingt keines falls gesund! “  „Ja….ich weiß auch nicht… aber ich komme gleich keine Sorge!“  „Gut. Beeilen Sie sich aber, zu spät sind Sie ja schon!“  und damit hatte Sie aufgelegt.  Ich war erledigt. Wie ich diese Frau hasse. Wenn Frau Mittermayer erst einmal sauer war, dann war sie es auch für eine Weile. Daraufhin folgt ein Klopfen an der Tür. „Schatz? Ist alles in Ordnung? Ich hab gehört, dass das Telefon geklingelt hat? Und du hast noch gar nicht gefrühstückt und es ist schon…Viertel vor acht!“ Typisch- meine hysterische, überfürsorgliche Mutter macht sich wegen jeder Kleinigkeit gleich Sorgen.  „ Ja ich hab verschlafen.“ „Schatz ?! Du klingst gar nicht gut!“  Ich höre weitere schwere Schritte  die Treppe herauf kommen. Oh nein, Hermann. Diesmal ertönt ein energisches  Klopfen.  „ Fräulein, du bist zu spät! Zieh dich an und komm nach unten und beeil dich. Frau Mittermayer wird keine große Nachsicht zeigen, wenn du noch später kommst. Du weißt doch wie wichtig dieses Praktikum ist!“ Der Ton der Stimme war weder fürsorglich, noch freundlich, eher beschuldigend und ohne Verständnis.  - mein kontrollsüchtiger  Stiefvater.  „Ja Hermann, ich komme gleich.“  Ihm viel nichts an mir auf. „Nicht gleich, das heißt sofort!“  und ehe ich antworten kann,  höre ich die energischen Schritte wieder die Treppe herunter laufen, gefolgt von  einem Klacker- Geräusch von High Heels. Ich atme einmal tief ein und steige aus meinem Bett. Diesmal klappte es ohne Schmerzen. Ich wandere zu meinem Schreibtischstuhl, über dem ich bereits sorgfältig meine Kleidung gelegt hatte. Eine weiße Bluse und eine schwarze Hose.  Ich ziehe meine Schlafanzughose aus und versuche in meine schwarze Hose zu schlüpfen. Dabei bemerke ich unweigerlich, dass meine Beine schrecklich aussehen. Sie sind trocken, teils sogar runzelig. Ich muss mir unbedingt mal wieder eine Feuchtigkeitscreme besorgen! Ich stelle mich auf ein Bein, um in das Hosenbein zu kommen und verliere völlig mein Gleichgewicht. In Null Komma nichts liege ich auf dem Boden. Dabei erklingt ein dumpfes Geräusch, so dass auch wirklich alle es mitbekommen, wie peinlich. Meine Hüfte tut unglaublich weh und ich bin fertig mit den Nerven.  Die Stimme meines kleinen Bruders ertönt hinter der Tür: „ Ist alles okay Greta?“  „Jaja!“, krächze ich. „ Du klingst aber überhaupt nicht so. Kannst du nicht die Tür auf machen?“  „Ja kleinen Augenblick, ich will mir noch eben was anziehen!“ Ich lege meine Hand auf den Schreibtisch und ziehe mich hinauf. Es erfordert zwar meine größte Kraft, aber irgendwie hab ich es dann doch geschafft. Ich sollte vielleicht wirklich mal öfter ins Fitnessstudio gehen. Ich stehe. Nun halte ich mich mit der linken Hand am Schreibtisch fest und mit der Anderen versuche ich das Hosenbein zu meinem in der Luft balancierenden, rechten Bein zu manövrieren.  Geschafft! Das rechte Bein ist sicher von der Jeans umschlossen. Nun das gleiche einfach mit der anderen Seite. Ich stütze meine rechte Hand am Schreibtisch und halte mit der linken das andere Hosenbein. Ich bin zwar ganz schön am hin und her schaukeln, aber auch diese Aufgabe schaffe ich meisterlich. Anschließend ziehe ich routinemäßig noch BH und Bluse an während ich bereits zur Tür schreite – dies geschieht, Gott sei Dank,  ohne weitere Auffälligkeiten. Ich drehe den Schlüssel um und öffne die Tür. Mein kleiner Bruder kommt auf mich zu und bleibt bei meinem Anblick auf einmal stehen. Seine Augen sind aufgerissen, der Mund geöffnet und scheint scheinbar zu einer Statue erstarrt.  Ich sehe ihn verdutzt an, wende mich nach hinten, aber da ist nichts Ungewöhnliches. Ich sehe wieder zu ihm und er sieht mich nach wie vor an als wäre ich ein Alien. Ich runzele die Stirn und fange an zu lachen. „ Also nur weil ich ungeschminkt bin, bin ich jetzt nicht hässlich!“ Er sieht mich weiterhin fest an. „ Was ist denn los? Stimmt etwas nicht mit mir?“  Sein Blick bleibt weiterhin starr auf mich geheftet. Und plötzlich verstand ich es. Es war wirklich etwas an mir nicht in Ordnung! Ich renne an meinem Bruder, welcher zurückschreckt, vorbei direkt zum Spiegel im Flur. Ich sehe eine alte Frau in Schwarzer Hose und weißer Bluse.  Ich hebe die Hand und auch sie tut es mir gleich. Oh mein Gott . Da ist eine alte, hässliche Frau. ICH  bin eine alte, hässliche Frau!! Ich beginne schwer zu Atmen.  Mir wird schwindelig und ich beginne hin und her zu schwanken.  Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Ich bin in einem schlechten Traum. Mein Bruder sieht mich verstört an, als wenn er auf einmal die Situation realisiere, schreit er durchs ganze Haus: „ Paaaaaaapaaaaaa, Maaaaaaamaaaaaaa! Kommt schnell!!!“  Ich höre meinen Vater herauf stürmen und sehe wie er entsetzt vor Georg  stehen bleibt. „Wer sind sie? Und was machen sie in meinem Haus!“ Ich sehe ihn erschrocken an. Nun erkannte er mich noch nicht einmal. Ich höre die Schritte meiner Mutter und sie bleibt bereits am Treppenabsatz stehen. Ihr stark geschminktes Gesicht  sieht mir mit Furcht in die Augen. „ Es ist Greta!“  „Nein das kann nicht sein! DAS ist eine alte Dame“, antwortete mein Vater kopfschüttelnd. Meine Atmung wird schneller und die Welt beginnt sich um mich zu drehen.  Mein Bruder trat vor meinem Vater und sieht  ihn an.  „Doch sie ist es! Ich habe sie aus ihrem Zimmer kommen sehen und vorher hat sie doch auch mit uns geredet, als sei es selbstverständlich!“  Meine Mutter stottert: „Nein, nein…das kann nicht sein!“ Ich sehe nur noch schwarz und falle.