Darum leben wir

GeschichteRomanze / P18
09.02.2015
21.08.2019
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Happy 2-jähriges, lieber Watson :D <3
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Die Tage zogen ins Land und bisher hatte Will nur wenige Fortschritte gemacht. Zwar hatten die Ärzte erklärt, dass die Hirnschwellung langsam zurück ging und die Zeichen gut standen, aber so richtig voran ging es trotzdem nicht. Für Rafael und Romy war diese Zeit mehr als zermürbend. Zu Beginn waren beide noch gemeinsam bei Will gewesen, hatten gemeinsam ein frühes Mobilisieren in die Wege geleitet und seine Arme und Beine bewegt, doch vor allem für Rafael war es ausweglos. In seinen Augen brachte das ganze Tun nichts. Nur Romy hatte ihm immer wieder versichert, dass es ein gutes Zeichen war, wenn die Hirnschwellung abklang, aber so ganz wollte Rafael ihr nicht glauben. Er suhlte sich einfach noch zu sehr im Selbstmitleid.

Nach ungefähr einer Woche hatte Romy den medizinisch unerfahrenen Rafael schließlich alleine zu Will gelassen. In ihren Augen leistete Rafael hervorragende Arbeit und hatte sich ihre Tipps, bezüglich der Bewegungen von Will, gut umgesetzt. Zwar hätte sie ihm gerne dauerhaft auf die Finger gesehen, doch die junge Frau hatte gespürt, dass auch Rafael ein Stück Vertrauen nötig hatte und sie musste zugegen, dass er es wirklich gut machte. Hin und wieder wurde er von Charlotte ins Krankenhaus begleitet, was Romy ganz recht war. So konnte sie ruhigen Gewissens mal einen ruhigen Abend auf der Veranda verbringen.

Seit Wills Unfall vor drei Wochen hatte sich hier einiges verändert, allen voran die Stimmung. Romy fühlte sich, als würde Olivia sie mittlerweile nur noch wie ein rohes Ei behandeln. Auch verlor die Blondine kein Wort über Will, obwohl Romy sich so sehr wünschen würde, mit jemandem über die Liebe ihres Lebens zu sprechen. Bisher hatten das nur Rafael und Javier getan. Doch so langsam hätte sie auch gerne mit einer ihrer Mädels gesprochen. Da Charlotte allerdings nur noch als Rafaels Schatten fungierte, blieb nur Olivia übrig, doch die schien das Thema zu meiden. Es hatte sich eine seltsame Atmosphäre auf der Farm gebildet, die nur allzu deutlich vor Augen führte, wie sehr Will und auch Rafael mittlerweile auf die Farm gehörten. Und dass, obwohl keiner von den Männern länger als eine Woche bleiben wollte. Romy war froh, dass sie die Farm niemals verlassen hatten.

Es war wieder einer dieser Abende, in denen keiner ihre Gesellschaft suchte. Niemand wollte dieses pikante Thema mit Will anschneiden. Somit saß Romy wieder alleine auf der Veranda und lauschte der Stille. Der Himmel war so klar wie lange nicht mehr. Wie gerne hätte sie diese Stimmung mit Will genossen.

„Hey, ist die Milchstraße noch da? Ich hab mir ewig nicht mehr die Sterne angesehen“, hörte sie Marty sagen, der im Türrahmen lehnte.
Offenbar suchte doch noch jemand ihre Gesellschaft. „Ja, die gibt es tatsächlich noch. Allerdings gibt es auch dort mittlerweile eine Ampelanlage“, grinste Romy müde.
Marty lächelte ebenfalls. „Dann dürfen die grünen Männchen nicht mehr einfach so über die Kreuzung rasen? Ein Skandal!“ Er zog sich einen Stuhl heran.
„Nein, besser so.“ Romy presste die Lippen aufeinander und sah wieder nach oben. „Wo sind denn heute alle?“
„Hast du das vergessen? Leilani hat heute die Einweihungsfeier ihres Salons. Natürlich ist Javier mit Olivia gleich hingefahren. Ich hoffe, dass die beiden jetzt dann mal ernst machen und heiraten. Das ist längst überfällig. Also Leilani und unser Oberboss “, plapperte Marty.
„Ja, allerdings“, stimmte Romy ihm traurig zu. „Fährst du auch noch hin?“
Marty nickte. „Ja, ich wollte ihr gerne noch ein Stück Kuchen abstauben, bevor Javier alles frisst“, meinte er trocken. „Kommst du mit?“
„Hm, ich weiß nicht. Eigentlich wollte ich nochmal zu Will“, antwortete Romy und sah ihn traurig an.
„Versteh ich.“ Er nickte und schob die Brille auf seiner Nase zurecht. „Macht er denn überhaupt Fortschritte?“
Romy nickte schwach. „Die Hirnschwellung klingt langsam ab und die Ärzte sind der Meinung, dass es gut aussieht. Sie fangen sogar schon damit an, ihn darauf vorzubereiten, wieder selbstständig zu atmen.“
„Hey, das hört sich doch super an! Sobald er das kann, wird er wieder aufwachen. Ganz bestimmt“, meinte Marty euphorisch.
„Ich hoffe es. Ich hoffe es wirklich sehr, Marty“, flüsterte sie. „Ich vermiss ihn schrecklich.“
Marty drückte aufbauend ihre Schulter. „Ich weiß. Wir alle vermissen ihn“, sagte er leise. „Ich mach dir einen Vorschlag. Wir fahren gemeinsam rüber ins Krankenhaus und danach sehen wir noch kurz bei Leilani vorbei. Ein wenig Ablenkung wird dir gut tun.“
Romy schien kurz zu überlegen. Am liebsten wäre sie nur an Wills Seite geblieben, hätte ihn angestarrt und darauf gewartet, dass er wieder die Augen aufschlug. „Okay, das können wir machen“, stimmte sie schließlich zu.
„Cool! Dann hol ich mal den Wagen“, meinte Marty und stand auf.
„Wollen Rafael und Charlotte nicht mit?“, wollte Romy dann wissen. Keinen von beiden hatte sie die letzten Stunden gesehen.
„Äh, nein, glaub nicht. Rafael ist in die Stadt gefahren, so viel ich weiß. Er wollte Loui besuchen und danach ebenfalls nochmal nach Will sehen“, informierte Marty und überlegte. „Und Charlotte hat offenbar wieder einen ihrer garstigen Tage. Sie hat vorher schon gezickt, als Javier sie mitnehmen wollte. Da werde ich nicht nachfragen. Pech gehabt, würde ich sagen.“
„Auch wieder wahr“, nickte Romy.
„Erzähl Will doch von dem leckeren Kuchen. Vielleicht wird er da seine Augen aufschlagen“, zwinkerte Marty.
Jedem anderen hätte Romy jetzt eine Ohrfeige verpasst, aber nicht Marty. Sie wusste um den speziellen Humor des Mechanikers und außerdem war ihr klar, dass er sie damit nur aufmuntern wollte. So schlimm die ganze Situation auch war, so musste sie auch ein wenig an sich denken. Vielleicht tat ihr ein Abend unter Freunden ganz gut. Was sollte sie auch sonst tun? Die einzigen zwei Optionen waren, neben Will am Krankenbett zu sitzen oder hier auf der Farm zu vereinsamen.
„Ich hoffe, es ist ein Schokoladenkuchen. Denn dann wird er direkt wach“, schmunzelte sie und erinnerte sich mit einer gewissen Wehmut an Wills vergangenen Geburtstag zurück. Von Rafael hatte sie erfahren, dass er Schokoladenkuchen über alles liebte und so hatte Romy ihn mit der süßen Köstlichkeit überrascht.
Martys Lächeln erstarb kurz, als er den Schmerz in ihrem Gesicht erkannte. „Hey, es wird alles wieder gut werden“, sagte er. „Oscar Wilde hat doch mal geschrieben: Am Ende wird alles gut, und falls es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“
„Irgendwie hat er da Recht. Daran möchte ich gerne glauben“, erwiderte Romy, die sich nun ebenfalls erhob. „Können wir gleich losfahren?“
„Sicher doch.“ Marty nickte. „Schon komisch irgendwie. Ich war öfter schon im Krankenhaus bei ihm, seit das passiert ist, aber es ist jedes Mal wieder ein seltsames Gefühl.“
„An so etwas gewöhnt man sich niemals. Und das ist gut so, sonst hört man irgendwann auf zu hoffen“, sprach Romy leise. Ihr standen die Tränen wieder in den Augen.
Marty kam einen Schritt auf sie zu und rubbelte ihre Oberarme. „Lass uns fahren“, flüsterte er.


*****



Erschrocken schlug Rafael die Augen auf. „Verdammt, bin ich schon wieder eingeschlafen?!“, fragte er nach dem Offensichtlichen. Um ihn herum war es mittlerweile stockdunkel. Nur der Fernseher flimmerte unaufhaltsam vor sich hin und ließ einzelne Umrisse in dem Wohnraum der Farm erkennen.
Rafael richtete sich müde auf, wobei jeder Knochen in seinem Körper krachte. Argwöhnisch sah er sich um. Es war ruhig, und noch dazu war er allein. Normalerweise sollte Charlotte hier sein. Zwar hatte er ihr gesagt, er wolle zu Loui fahren, aber nach dem Besuch bei Will, wollte er niemanden außer sie mehr sehen.
Er erhob sich vom Sofa, schaltete den Fernseher aus und stand auf. Mit wackeligen Beinen lief er zur Türe, die in den Hausflur führte, und öffnete sie. Im Korridor war es stockdunkel. Nicht einmal der altmodische Kronleuchter, den seine Freundin so liebte, brannte.
Rafael stand in der Tür und starrte angestrengt in die Finsternis. Seit Wills Unfall vor einigen Wochen hatte das Haus etwas bedrückendes an sich und wirkte schon beinahe düster. Die Einsamkeit hatte Einzug gehalten. Jegliche Freude war gewichen und nur selten war hier noch ein Lachen zu hören. Zumindest in Rafaels Augen.

Auf einmal vernahm er leise Stimmen – bekannte Stimmen. Doch das war unmöglich.
Rafael musste sich Klarheit verschaffen. Auf leisen Sohlen schlich er zum Treppengeländer und erkannte im oberen Stockwerk einen schwachen Lichtschein. Dort oben befanden sich seit einigen Tagen die Schlafzimmer von Romy und Charlotte. Javier hatte entschieden, dass die Räumlichkeiten unten wieder als Unterkünfte für seine Arbeiter dienen sollten, da Will und Rafael für ihn schon hier lebten.
Rafaels Schritte wurden nun schneller, seine Stimmung immer besser. Er hatte den ganzen Abend auf sie gewartet. Er wollte nur das haben, was Will und Romy hatten. War das egoistisch in dieser Zeit? Darüber dachte Rafael jetzt nicht nach. Er schlug die Türe zum Schlafbereich auf und erkannte die schwarze Silhouette seiner Freundin, die vor bunten, lebendigen Leinwandbildern saß. Der alte Filmrekorder knarrte und surrte, während er die Filme einer längst vergangenen Zeit abspielte. Sie musste diesen offenbar aus der alten Scheune geholt haben.

„Du sollst das nicht immer ansehen, das weißt du“, begann Rafael, wagte es nicht, seine Aufmerksamkeit auf die Bilder zu richten.
Charlotte zuckte mit den Schultern. „Ich tue was ich will. Es sind unter anderem meine Aufnahmen“, erklärte sie gleichgültig, fast schon zickig.
„Hey, du weißt, dass ich es nur gut meine. Es wühlt dich nur viel zu sehr auf. Du bist einfach zu sensibel“, versuchte Rafael zu erklären, als er näher an sie herantrat und sich zu ihr hinabbeugte.
„Damit kann ich mittlerweile leben“, bestätigte sie leise, und drückte seine Hand, die auf ihrer Schulter ruhte.
„Geht es dir denn heute gut?“, wisperte seine Stimme hauchzart neben ihrem Ohr.
„Definiere gut“, verlangte Charlotte leise. „Ich denke manchmal noch zurück an die Zeit, in der wir alle noch zusammen waren. Auch ohne diese Aufnahmen. Also, bevor das alles passiert ist.“
„Ich weiß.... Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an Will denke, mit ihm ist auch ein Teil von mir gestorben, zumindest scheint es so, obwohl er nicht tot ist. Aber wir müssen nach vorne blicken. So hätte auch er das gewollt. Außerdem wissen wir nicht, ob er... na ja, ob er wieder wach wird, wer kann das jetzt schon sagen“, antwortete Rafael mit einer Stärke in der Stimme, dass sie keine Chance hatte, zu widersprechen. Obwohl es auch ihm unendlich schwer fiel, über seinen besten Freund in dieser Art und Weise zu sprechen, wollte er sich seiner Trauer nicht hingeben.
„Hätte er auch gewollt, dass wir zwei uns verlieben?“, fragte Charlotte. „Immerhin hat er öfter gesagt, dass ich eine Nervensäge bin.“
„Liebe kann man nicht steuern. Aber ja, ich weiß, dass er für mich immer nur das Beste gewünscht hat. Er würde sich für uns freuen.“ Er atmete hörbar aus, strich über ihre freiliegenden Schultern und hauchte einen Kuss auf die weiche Haut seiner Freundin.
Jedoch ignorierte Charlotte die versuchte Annäherung und konzentrierte sich weiterhin auf die Filmaufnahmen, die sie in einer Zeit gedreht hatte, in der die Welt noch in Ordnung schien. Aber.... war sie das jetzt nicht? Doch, die Welt war immer noch in Ordnung für sie, aber anders, als es damals war. Die Vergangenheit ließ sich einfach nicht abschütteln, auch wenn sie es noch so oft versucht hatte. Wenn sie könnte, würde sie die Zeit zurückdrehen, doch auch das war ein unmögliches Unterfangen. In dieser Vergangenheit hatten sie alles - all ihre Träume waren noch lebendig gewesen. Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt. Wills Unfall hatte alles auseinander gerissen.
Charlotte musste schmunzeln, als sie daran dachte. Ja, es war ein gutes Leben auf der Farm. Sicher hatte sie auch immer noch ein gutes Leben, aber jemand fehlte.... Der Mann, der aus dieser Vergangenheit eine bleibende Erinnerung gemacht hatte und den Zauber dieser Zeit nur noch verstärkte. Der Mann, in den sie vor einiger Zeit selbst verliebt gewesen war.
Allein der Gedanke daran ließ der jungen Frau die Tränen kommen. Dies blieb auch ihrem männlichen Zimmergenossen nicht verborgen. Ohne ein Wort zu verlieren legte er seine starken Arme um ihren zarten Oberkörper, während still eine Träne über ihre Wange rollte. Vor ihren Augen zogen Elefanten ihre Runden, Vögel flatterten über den blutroten Himmel hinweg und eine Gruppe von Menschen strahlte fröhlich in die Kamera. Die beiden Männer, die auf den Aufnahmen stets im Vordergrund standen, hielten ihre Freunde mit Witzen und dämlich wirkenden Posen im Lachkrampf fest. Es waren Rafael und Marty, die da den Hampelmann machten. Will stand derweil daneben und lachte diebisch.

„Ihr Quatschköpfe“, musste die junge Frau nun lächelnd anerkennen.
Rafael lächelte sanft. „Sieh dir mal meine Frisur an – großer Gott! In Tansania geh ich nie wieder zum Friseur. Sobald Leilani ihren Laden aufmacht, werde ich nur noch zu ihr gehen.“ Auch in seinen Augen spiegelte sich die Wehmut wieder. „Das war eine wundervolle Zeit. Er fehlt mir ungemein.“
„Mir auch“, stimmte Charlotte leise zu, während ihre Augen auf ihrer einstiegen Liebe lagen.
„Gott, wenn ich nur die Zeit zurückdrehen könnte.... Er... Ich hätte etwas tun müssen... Schalte das bitte ab, und leg dich schlafen“, forderte Rafael sie nun auf und rubbelte über ihre Arme. Seine Stimmlage ließ sie vermuten, dass er selbst den Tränen nahe war. Natürlich, er war wie ein Bruder für ihn gewesen.
Schnaubend erhob sich Charlotte. „Du wolltest doch heute zu deinem Bekannten fahren. Was willst du dann hier?“, wollte sie misstrauisch wissen.
„Ich will bei dir sein. Niemand versteht mich in dieser Zeit besser als du“, hauchte er und ließ seine Lippen sanft über ihr Ohr gleiten.
„Ist das denn richtig?“ Ihre Stimme wurde zu einen leisen Hauchen.
„Liebe ist immer richtig“, erklärte Rafael sanft, fuhr dabei mit der Hand unter ihr Negligee. „Warum hast du nach all der Zeit immer noch solche Zweifel?“
„Weil ich mir wie eine Betrügerin vorkomme. Wie kann ich hier sein, wenn die beiden meine Hilfe brauchen? Ich müsste bei ihnen sein. Sowohl bei Romy, als auch bei Will.“ Starr blickte Charlotte ihn an, versucht eine Gefühlsregung in seinem Gesicht zu sehen. Doch seine Augen ruhten nur auf ihr, mit einem Ausdruck voller Liebe. Er war stärker als sie, soviel stand fest.
„Es ist drei Wochen her“, sagte Rafael mitfühlend und nahm ihr Gesicht in beide Hände. „Denkst du, mir geht es besser? Aber ich kann es nicht ändern. Wie können wir denn jetzt helfen? Bin ich dir denn gar nicht wichtig? Oder warum sind wir sonst zusammen? Weil du nicht allein sein willst?“
„Nein, nicht doch. Das ist es nicht!“, ruderte sie schnell zurück und drückte ihren Kopf gegen seine Brust. „Es ist alles nur so unwahr. Ich habe nach.... nach dieser Sache einfach keinen Halt mehr gefunden, bin gefallen in das schwärzeste Loch, weil ich zum ersten Mal bemerkt hab, wie sehr ihr mein Leben doch beeinflusst. Niemand hat mich verstanden, außer dir. Ich liebe dich, das weißt du, aber ich kann mit diesen Gefühlen noch nicht wirklich umgehen.“
Ohne weiter auf dieses empfindliche Thema einzugehen ließ er ihren Kopf  los und griff nun stattdessen nach ihren Oberschenkeln. Mit einem kräftigen Ruck hob er sie hoch und drückte sie an sich.
„Ich werde dich niemals verlassen, dafür liebe ich dich viel zu sehr. Um ehrlich zu sein, hätte ich niemals gedacht, dass mir sowas mal passieren würde“, bekräftige er seine Gefühle noch einmal, bevor beide in einen innigen Kuss verfielen.
Die Filmaufnahmen, die unaufhaltsam weiterliefen, störten das Paar bei ihrem Liebesspiel nicht. Viel zu sehr waren sie aufeinander bedacht.
Inzwischen hatte er sie auf dem weichen, großen Bett abgesetzt und machte sich daran, sich seiner Klamotten zu entledigen. Hastig zog auch sie ihr Negligee über den Kopf, ließ es zu Boden sinken und zog ihren Liebsten wieder näher an sich heran. Dieser ließ es sich gefallen, bedeckte ihren gesamten Oberkörper mit Küssen. Kurz hielt er unter ihrer Brust an, zog ihr Höschen vom Leib und setzte seine süße Folter auf der Bauchdecke fort. Mit einem wohligen Seufzen zeigte sie ihm, dass sie dieses Spiel der Verführung genoss.
„Zeig mir, wie sehr du mich liebst“, keuchte Charlotte und es klang mehr nach einer Aufforderung, der er nur zu gerne nachging.
Langsam gingen seine Küsse in ihren Intimbereich über. Ihr Atem ging nun immer schneller. Doch bevor er sich seiner Liebe ganz widmen konnte, so wie sie es wollte, ertönte die Türklingel. Irritiert brach Rafael seine Verführung ab. „Wer kann das sein? Um die Uhrzeit?“ Er warf einen kurzen Blick auf den Wecker.
„Ignorier den Störenfried“, bat Charlotte schwer atmend.
Das Klingeln an der Türe hörte allerdings nicht auf, sondern wurde immer schneller, ähnlich wie ein Morsecode.
„Vielleicht ist da jemand in Schwierigkeiten. Sonst würde doch niemand so Sturm klingeln“, war er sich sicher, schnappte sich seine Hose und verließ das Schlafzimmer.

Mit schnellem Schritt eilte Rafael die Treppe hinab zum Eingang, während er versuchte, seine Hose hochzuziehen. Einen Moment hielt er inne, doch ohne vorher durch den Türspion zu sehen, riss er nun die Haustüre auf und starrte mit offenem Mund auf seinen Gegenüber. Er wurde weiß wie die Wand, ähnlich, als hätte er ein Gespenst gesehen.

„Du.... bist hier?!“, platzte es aus ihm heraus.
Vor ihm stand Romy. „Ja, tut mir leid, ich hab meinen Schlüssel vergessen“, murrte sie knapp.
Unsicher wippte Rafael von einem Bein auf's andere. „Ich dachte, du bist auf Leilanis Feier?“, fragte er.
Romy zog die Augenbrauen zusammen. „Da war ich auch, aber ich wollte nach Hause. Ich bin mit dem Taxi hergefahren.“ Sie musterte ihn genauer. „Warum bist du eigentlich hier? Wolltest du nicht zu Loui?“
„Schon, aber ich war müde“, wich Rafael aus.
„Warst du überhaupt bei Will? Marty und ich haben dich nicht gesehen“, ging Romys Verhör weiter.
Rafael verschränkte schützend die Arme vor der Brust. „Natürlich war ich bei ihm, was denkst du denn? Was soll überhaupt dieses Verhör?“, knurrte er.
Bevor Romy zu einer Antwort ansetzen konnte, ertönte von oben eine Stimme. „Rafi, wo bist du denn? Erst scharf machen und dann liegen lassen, oder was?“, rief Charlotte.
Romys Augenbrauen wanderten jetzt bis zum Haaransatz hoch. „Was läuft denn hier?“
Am oberen Treppenabsatz erschien Charlotte, die Romy nun erblickte und sofort ihren Bademantel schloss. „Romy, ich dachte, du bist unterwegs“, stöhnte sie erschrocken.
„War ich auch....“ Sie schloss kurz die Augen und hob die Hände. „Wartet. Ihr beide habt tatsächlich was am Laufen? Und dafür lasst ihr Leilanis wichtige Fete sausen? Wann wolltet ihr mir das denn sagen?“
„Äh, nein, wir wollten einfach nicht....“, begann Rafael, wurde aber von Charlotte unterbrochen.
„Wir wollten von Anfang an nicht auf diese Feier. Das weißt du. Und ja, wir haben eine Affäre! Aber wir sind keinem eine Rechenschaft schuldig“, platzte es aus Charlotte raus.
Rafael warf ihr einen raschen Seitenblick zu. „Es ist schon mehr als eine Affäre“, hielt Rafael dagegen.
„Es ist eine Affäre“, behielt Charlotte ihre Meinung stur bei.
Rafael schien alles aus dem Gesicht zu fallen. „Das hörte sich die letzten Tage aber anders an. Was soll der Schwachsinn jetzt? Ich dachte, ich bedeute dir etwas!“, fuhr er sie aufgebracht an. Romy war mittlerweile für ihn zu Luft geworden.
„Es ist mir egal, was für Differenzen ihr jetzt habt. Aber ich finde es schon bescheuert, dass ihr an dieser Feier nicht teilgenommen habt. Leilani hat sich so auf euer Erscheinen gefreut. Nicht mal abgesagt habt ihr, und alles nur, weil ihr hier vögeln wollt!“, motzte Romy.
Ihr Handy schellte lautstark, was Romy sofort in ihrer Schimpftirade inne halten ließ. Sie starrte auf den Display und wurde schneeweiß. Ihr wütender Gesichtsausdruck wurde weich.
„Was ist los?“, fragte Rafael alarmiert.
„Das ist das Krankenhaus“, schluckte sie und nahm den Anruf mit zitternden Händen an.
Rafael wurde schlecht. Wieso sollte das Krankenhaus um diese unchristliche Uhrzeit noch anrufen? War Will etwa.... Nein, daran wollte er nicht denken!
Als Romy aufgelegt hatte, schien sie in einer Starre zu sein. „Was ist los? Was haben die gesagt?“, fragte Rafael ungeduldig.
Romy sah ihn mit offenem Mund an. „Dr. Sanders möchte, dass wir sofort ins Krankenhaus kommen“, sagte sie.
„Oh Gott, ist Will tot?“ Rafael schluckte beklommen.
Romys Mundwinkel zuckten kurz. „Er klang nicht so, als hätte er gerade einen Menschen verloren“, sagte sie und zum ersten Mal klang sie hoffnungsvoll.
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