Gruppe 16: Flucht

von MDU-Story
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
08.02.2015
08.02.2015
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08.02.2015 860
 
Hallo, meine Lieben!
Hier ist auch schon die nächste meiner Gruppen. Ich hoffe, dass ihr auch so viel Spaß beim Lesen haben werdet wie ich beim Leiten der Gruppe. Vielen Dank an die neun fleißigen Schreiber, die mich dabei tatkräftig unterstützt haben! Hier sind sie auch schon:

1. AuctrixMundi
2. Wegweiser
3. Nairalin
4. -Schreibkatze-
5. Aurorae
6. Traumherz11
7. Sonico Castello
8. allosaurus
9. Seraphina
10. LittleStory

Kapitel 1 -AuctrixMundi (Benutzer existiert nicht mehr)


„Schrubb!“, hallte es durch den Schankraum.
„Ja, ja, ist ja schon gut“, knurrte Ragnar und schrubbte den Boden energischer. Sein voller Bart schwankte dabei hin und her. Er war einen missmutigen Blick auf den Mann, der nahebei saß und ihn beobachtete. Er hatte die Schuhe auf den Tisch gelegt und einen Krug Bier in der Hand. Stellan war ein über Trinker und kein Freund der Zwerge, davon konnte Ragnar ein Lied singen.
Manchmal wünschte sich Ragnar die alten Zeiten herbei, in denen sein Volk nicht der Armut verfallen war und sich gezwungen sah, mehr oder weniger willige Diener der Menschen abzugeben – wobei es „Sklave“ wohl eher getroffen hatte.
„Da ist noch ein Fleck“, brummte Stellan und deutete mit dem Krug unbestimmt auf den Boden. Bier schwappte über und bereitete dem Zwerg noch mehr Arbeit. Dieser knurrte nur unwirsch in seinen Bart und schrubbte an der besagten Stelle.
„Na, was wird das, Bürschchen?“, frotzelte Stellan. „Wirst du schlapp? Seit sie dich nicht mehr in den Mienen sondern hier im Schankhaus als Putze arbeiten lassen, bist du weich geworden. Wie ein Weib. Aber vielleicht bist du das ja auch! Zwerge sehen ja alle gleich aus.“ Er lachte grölend.
Ragnar versuchte ihn zu ignorieren. Stellan kam immer nach Feierabend hierher, um über ihn zu lästern. Wahrscheinlich brauchte er das als Bestätigung für seine eigene Männlichkeit, redete sich Ragnar zu. Menschen mussten sich ja immer überlegen fühlen. Sie waren eine vergleichsweise junge Rasse, aber eine, die mit maßloser Geschwindigkeit die Herrschaft an sich gerissen hatte. Ältere Rassen, unveränderlichere wie die der Zwerge, waren diesem Vormarsch kaum gewachsen gewesen. Es galt sich anzupassen oder unterzugehen.
Ragnar wusste nicht, welches Los das Schlimmere war.
Während er also den Tavernenboden von den Hinterlassenschaften des Tages befreite, besoff sich der Mensch, einer der Aufseher in den Mienen, immer mehr. Irgendwann einmal lallte er nur noch unverständliches Zeug und schlief schließlich ein. Ragnar kannte das fast allabendliche Prozedere mit diesem Kerl und hatte nur auf diesen Moment gewartet. Jetzt endlich konnte er Feierabend machen.
Schnell war alles beiseite geräumt und der Zwerg verließ die Taverne durch die Hintertür. Draußen war es bereits Nacht, nicht gerade die angenehmste Zeit. Aber Ragnar war nicht unbedingt der wehrloseste Zwerg hier, in besseren Tagen hatte er sehr wohl die Axt zu führen gewusst. Ein bisschen was davon war immer noch erhalten geblieben.
Auf dem schnellstmöglichen Weg begab er sich zu den Barracken, wo die anderen Arbeiter, allesamt Zwerge wie er, untergebracht waren. Er vermisste die Zeiten, in denen er solides Felsgestein um sich hatte und einen ganzen Berg zwischen sich und dem Himmel. Hier draußen fühlte er sich nicht wohl, vor allem nicht mit solch einem wackeligen Holzverschlag, den er sein Heim nennen musste.
Aber es war nun sein Heim und das seiner Frau Svea.
Obgleich die Stunde weit fortgeschritten war, sah er noch Licht durch das einzige Fenster seiner kleinen Hütte scheinen. Svea schien ihn zu erwarten. Seufzend öffnete er mit einem Ruck die klemmende Tür.
„Mein Liebling!“, grüßte Svea ihn sogleich und gab ihm einen Kuss auf die bärtige Wange. „Du siehst erschöpft aus. Ich habe dir noch etwas Essen warm gehalten. Nimm nur.“
Er lächelte müde. „Es hat heute wieder einmal länger gedauert. Yoricks Gerede hat wieder einmal für einige Unruhe unter den Wächtern gesorgt.“
Svea grummelte, während sie hinter ihm die Tür schloss und ihn zum Tisch führte. Dann stellte sie ihm eine kleine Schüssel dünner Suppe hin.
„Yorick kann es auch nicht lassen“, sagte sie verstimmt. „Immer redet er von Revolution und Aufbegehren gegen unsere Unterdrücker. Ein unnötiges Unruhe stiften ist das, sage ich. Was soll es uns schon nützen? Er macht doch alles nur schlimmer statt besser.“
Ragnar blinzelte müde. „Manchmal frage ich mich jedoch, ob er nicht vielleicht doch irgendwo Recht hat. Erinnerst du dich noch an die alten Zeiten? An mächtige Königreiche? Zeiten, in denen jeder von uns in Gold schwamm und sich mit kostbaren Edelsteinen schmücken konnte. Das waren noch Zeiten!“
Svea schnaubte. „Jetzt fängst du auch noch an!“ Sie stemmte die Hände in die breiten Hüften. „Was nützt es, Vergangenem nachzutrauern? Ja, unsere momentane Situation ist bei weitem nicht die Beste, aber ich sehe keine Möglichkeit sie irgendwie zu verbessern. Im Gegenteil verschlimmern Leute wie Yorick sie nur noch mehr. Also hör auf damit und iss!“
Ragnar grummelte in seinen feuerroten Bart und schlürfte seine Suppe. Viel war es nicht, aber immerhin. Er dachte insgeheim anders als Svea, auch wenn er es noch nicht wagte so offen wie Yorick zu reden. Der arme Kerl saß schon wieder im Kerker und hatte sich zudem auch noch fünf Peitschenhiebe eingefangen. Nein, das würde Ragnar nicht riskieren, schon allein für Svea nicht.
Aber etwas musste sich ändern, das stand fest.
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