Eine kleine Weihnachtsgeschichte

von Incognito
GeschichteFamilie, Fantasy / P12
Catherine Kathleen "Cat" Crawfield Crispin "Bones" Phillip Arthur Russell III Tate Bradley
06.02.2015
06.02.2015
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06.02.2015 1.086
 
Es schneite tatsächlich. Wirklich daran geglaubt hatte er nicht mehr, doch anscheinend war das Wetter mit den Kindern, denn die kleine Lady in seinem Leben hatte sich ausdrücklich Schnee gewünscht, da sie solchen noch nie gesehen hatte. Und nun, kurz vor Sonnenaufgang, hatte es wirklich angefangen.
Er hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, denn, wenn er ehrlich war, war er ziemlich nervös. Natürlich war Katie mindestens genauso angespannt und hatte deshalb auch eine ganze Weile gebraucht, bis sie endlich eingeschlafen war – eine Eigenschaft, von der er stolz behaupten konnte, dass sie sie von ihm hatte. Aber dies war kein Weihnachten wie jedes andere. Dies war sein erstes Weihnachten als Vater.
Er hätte niemals gedacht, dass er zu einem Vater werden könnte, noch dazu von einem so wundervollen und einzigartigen Mädchen wie Katie. Doch nun war er es, seit einem halben Jahr schon, zumindest offiziell. Er hatte die ersten Lebensjahre seiner Tochter verpasst, da er nichts von ihrer Identität gewusst hatte, doch sobald er erfahren hatte, dass es sie gab, versprach er sich, niemals mehr als einen Tag von ihr getrennt zu sein. Ihm waren sieben Jahre entgangen, verloren, und er würde darum kämpfen, diese Zeit wieder aufzuholen.
„Dad?“ fragte ein leises Stimme hinter ihm. Katie. Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen, als er sich herumdrehte und in das Gesicht seiner Tochter – dem ihrer Mutter so ähnlich – blickte. Ihre braunen Haare waren ein wenig zerzaust und standen von ihrem Kopf ab und gähnend rieb sie mit ihrer kleinen Hand eins ihrer Augen, wie um den Schlaf zu vertreiben; die andere drückte ihre Stoffkatze fest an sich.
„Hey, Prinzessin.“ sagte er leise und winkte sie an sich heran. Umgang mit Katie war schwierig, sie war noch immer nicht wirklich an die Liebe gewöhnt, die sie hier im Haus bekam. Man konnte fast meinen, dass sie Streitsituationen, die häufig von ihm und seinem Erschaffer ausgingen, besser handhaben konnte als gewöhnliches Miteinander. Dennoch kam das Mädchen auf ihn zu und stellte sich neben ihn.
„Ich konnte nicht mehr schlafen...“ sagte sie ebenso leise wie er vorher. Manchmal versetzte es ihm einen Stick im Herzen, wenn er sie ansah. Sie war noch so jung, hatte aber vermutlich mehr gesehen als er, war mehr gedrillt worden als er in all seinen Jahren beim Militär... ihr fehlte es an Kindheit, am Kindsein... was er nicht alles dafür geben würde, ihr das wiederzugeben... wenn es etwas bringen würde, würde er sein Leben geben für sie.
Er nickte ihr zu und kniete sich dann zu ihr herunter, wie automatisch nach ihrer Hand greifend. Inzwischen hatte sie sich an Berührungen gewöhnt, was ihn ziemlich erleichterte. Er hätte es nicht noch länger ausgehalten, sein Mädchen nicht berühren zu können, obwohl er so eine Liebe ihr gegenüber empfand, wie er sie noch nie gekannt hatte.
„Ich auch nicht.“ sagte er und lächelte etwas breiter, bevor er die Arme ausbreitete. Es fiel ihm ziemlich schwer, sie nicht andauernd an sich zu drücken, nachdem sie sich ohne Zusammenzucken von ihm anfassen ließ. Und jedes Mal wieder verzog sich sein Mund zu einem fast dümmlichen Grinsen, wenn sie selbst den Körperkontakt herbeiführte. So wie auch jetzt, seiner stummen Einladung folgend, als sie einen Schritt auf ihn zutrat, in seine offenen Arme, und ihren Kopf an seine Schulter lehnte. Sie mochte erzogen worden sein wie eine Kriegerin, aber sie war und blieb ein Kind.
Langsam schloss er seine Arme um sie, wie um sie nicht zu erschrecken. Kurz wanderte seine Hand ihren kleinen Rücken auf und ab, beruhigenden Druck ausübend, bevor er sich mit ihr hinstellte. „Sieh mal.“ sagte er leise und dicht zum Ohr des Mädchens gebeugt, während er sie in seinen Armen so drehte, dass auch sie einen Blick durch das Fenster werfen konnte, durch das er die vergangenen Stunden gesehen hatte. Das Anspannen ihres kleinen Körpers und das sofort einsetzende Herzrasen zeigten ihm, dass sie es entdeckt hatte. Mit einem Geräusch voll Wunder, was nur Kinder wirklich erzeugen konnten, entließ sie die Luft aus ihren Lungen, als sie das ruhige, ebenmäßige Fallen der vielen einzelnen Schneeflocken bemerkte. Für einen Moment war sie wie gebannt, bevor sie versuchte, sich von ihm loszureißen, um näher ans Fenster heran zu kommen. Leise lachte er und gab ihrem Wunsch nach, allerdings auf andere Art und Weise. Er wollte sie nicht loslassen, aus ganz egoistischen Gründen, also ging er mit ihr zusammen näher heran, bis sie ihre kleinen Hände auf das kalte Glas legen konnte. Schweigend standen sie eine Weile da, sie in den immer heller werdenden Himmel schauend, er seine Tochter beobachtend. Sie wirkte so ruhig, ausgeglichen... es war ein wundervoller Moment. Einer der Momente, die er nie vergessen würde.
„Kann ich sie anfassen, Dad?“ fragte sie nach einigen Augenblicken in die Stille hinein, ihren Blick nur langsam vom Anblick des Schnees losreißend, um ihren Vater bittend anzuschauen. Und wie konnte er ihr jemals etwas ausschlagen.
Also lächelte er und nickte ihr fröhlich zu. „Na klar, warum nicht?“ Das brachte auch sie zum Lächeln, und wenn sein Herz noch schlagen würde, hätte es in diesem Moment einen Aussetzer gemacht. Aber er fing sich wieder und öffnete das Fenster, noch einen Schritt nach vorne tretend, um sich mit ihr etwas nach draußen zu lehnen. Sie streckte, kaum, dass das Fenster geöffnet war, die Hand nach dem eisigen Regen aus und erschauderte leicht, als eine Flocke ihre Hand berührte und sofort schmolz. Dennoch blieb immer ein kleines, fasziniertes Lächeln auf ihrem Gesicht zurück.
Er konnte nicht anders. Vorsichtig legte er seine Lippen auf ihren Scheitel und drückte diese gegen ihre Haut.
„Frohe Weihnachten, Katie.“ murmelte er, was ihre Aufmerksamkeit auf ihn zog. Kurz legte sie den Kopf schief und sah ihn fragend an, da sich ihr die Bedeutung von Weihnachten natürlich noch nicht ganz erschlossen hatte, aber das machte ihm nichts.
„Frohe Weihnachten.“ antwortete sie und lächelte leicht, eine Spur Unsicherheit in ihrem Gesicht erkennbar – zwar nur schwer, aber es war da. So langsam lernte man, ihre häufige Ausdruckslosigkeit zu lesen, besonders als Elternteil.
Das Knarren des Bettes im Stockwerk über ihn machte die beiden aufmerksam. Fast sofort schoss Katies Blick nach oben, prüfend, abwartend. Cat und Bones waren wach. Tate drückte sie kurz und deutete dann mit einem Nicken in Richtung Tür. „Na, wollen wir Mom und Pops wecken?“ fragte er und zog suggestiv die Augenbrauen hoch. Katie nickte und diesmal ließ er sie wirklich hinunter, bevor sie wie ein geölter Blitz aus dem Raum schoss und die Treppen hinauf lief. Dass man an Weihnachten Geschenke bekam, hatte sie allerdings schon verstanden.
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