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Nicht ohne Dich

Kurzbeschreibung
GeschichteTragödie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
06.02.2015
20.02.2015
3
4.452
 
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06.02.2015 1.358
 
Disclaimer: Ich verdiene kein Geld mit der Geschichte, und leihe mir Herrn Schweiger und die anderen Kochprofis nur zum spielen aus ;) Sie gehören alle sich selbst. Michi, mein OC, ist eine gemeinsame Schöpfung von Writing Sin und mir.

Aber jetzt geht es los mit dem ersten Kapitel:

„Krack!“ Na klasse. Konnte das denn die Möglichkeit sein? Ich stand am Bahnhof, und konnte meine Reisetasche, deren Träger gerade geräuschvoll gerissen war, nur dank meiner guten Reflexe davon abhalten, auf den Boden zu fallen. Zum Glück hatte dieses Mistding zum einen Rollen und zum anderen noch einen Träger, an dem ich es dann ziehen konnte. Ich fluchte dennoch.
Meine Freunde nannten mich schon immer Little Miss Ungeschickt, und damit hatten sie nicht gerade unrecht. Denn ich, Michaela, bin tatsächlich der größte Tollpatsch, der auf Gottes Erdboden so wandelt.
Ich stellte die Reisetasche entnervt neben mich, und zündete mir eine Zigarette an. Wenigstens das klappte unfallfrei. Naja, zumindest so lange, bis ein empörter Bahnhofsmitarbeiter mich in Richtung des Raucherbereichs scheuchte. Dort angekommen, inhalierte ich nochmals tief, und hing meinen Gedanken nach. Auf einmal spürte ich, wie mein T-Shirt feucht wurde. „Pass halt auf, Spacken!“ meckerte ich den Typen an, der mir gerade schwungvoll seinen Kaffee übergekippt hatte. „Lass‘ halt deine Tasche nicht im Weg rumstehen, doofe Schnepfe!“ schimpfte der auch sofort zurück. Ich schaute auf den Boden, und stellte fest, dass meine Tasche platzsparend zwischen mir und der Säule des Aschenbechers verstaut war. „Wenn du zu blöde zum gehen bist, ist das deine Sache. Aber mich dafür verantwortlich zu machen…Wer hat dich denn freigelassen? Und: Wie zur Hölle bekomme ich jetzt den Kaffeefleck aus meinem Shirt?“ Ich war wirklich ungehalten. Was fiel diesem Idioten eigentlich ein? Da fällt DER über seine eigenen Füße und pampt mich dafür an? Na soweit kommt es noch. Nicht mit mir.
„Wenn das eine Anmache sein sollte, war die verdammt mies, mein Freund“, giftete ich weiter. Er konterte: „Dich Schreckschraube anmachen? Du hast ja Haare auf den Zähnen!“ Oh, dieser Idiot! Ich hatte das dringende Bedürfnis, ihn langsam und genüsslich zu töten.
Da fuhr zum Glück der Zug ein, und unser Streit wurde unterbrochen. Ich stieg ein, und begab mich erst mal zur Bordtoilette, ich musste mich ja schließlich umziehen, ich war auf ein Grillfest eingeladen, geschäftlich. Der Dresscode war zwar casual, aber nicht casual mit Kaffeefleck. Murrend, und frisch umgezogen trat ich wieder auf den Gang, als mir der Kaffeetyp entgegenkam, diesmal mit einem Bier in der Hand. Wo er das nur her hatte? Sollte mir auch egal sein. Ich presste meine Reisetasche dicht an meinen Körper und fauchte. „Bleib bloß weg von mir mit deinem Bier“ Er schaute mich wütend an. „Oh, Miss-Borsten-auf-den-Zähnen! Schön, dich wieder zu treffen. Nicht.“
Ich schnaubte verächtlich und drängte mich an ihm vorbei, um mir einen freien Sitzplatz zu suchen. Ich fand ein leer stehendes Abteil und setzte mich. Kaum saß ich, wurde die Tür aufgerissen und ein großer, rotblonder Mann, mit sehr gestresstem Gesichtsausdruck steckte seinen Kopf durch die Tür.
„Hast du hier noch drei Sitzplätze frei?“ „Klar, immer rein mit euch!“ entgegnete ich gut gelaunt. Es gab also doch noch nette Menschen hier im Zug. Die Tür öffnete sich und der große rothaarige, und ein großer schwarzgraumelierter traten ins Abteil. „Heute ist wohl unser Glückstag! Unsere Produktionsfirma hat vergessen und Plätze zu reservieren“, seufzte der melierte. Ich wandte mich an den rothaarigen. „Du hattest doch was von drei Personen gesagt?“ „Ja, unser dritter Mann war gerade auf dem Weg ins Bordbistro und sollte gleich da sein.“ Er tippte auf seinem Handy herum. „So Ole, ich habe ihm grad die Wagen und Abteilnummer durchgegeben.“ Ah, der ältere der beiden hieß also Ole. Dieser wandte sich auch an mich. „Nach dem wir hier jetzt wohl 3 Stunden miteinander rumhängen werden: Also ich heiße Ole und der charmante Herr mir gegenüber ist Nils.“ Der hob seine Hand leicht zum Gruß. „Ich bin die Michi, freut mich, so nette Mitfahrer zu haben. Da ging die Abteiltür erneut auf, und mein Nemesis stand vor mir. „Nicht du schon wieder? Stalkst du mich?“ fuhr ich ihn an. „Das ist nicht euer Ernst!“ wandte sich der Kerl an meine Mitfahrer. „Oh nein, DER ist euer dritter Mann? Ich hau‘ ab!“ wandte ich mich an Nils. „Lässt du mich eben durch?“ Ich angelte meine Tasche von der Gepäckablage und floh aus dem Abteil.
Nachdem ich festgestellt hatte, dass der Wagen, in dem ich mich befand, hoffnungslos überfüllt war, ließ ich mich im Gang des Zuges auf den Boden sinken. Na toll, 3 Stunden auf dem kalten Zugboden, das konnte etwas werden.
Aus meinem ehemaligen Abteil drangen Stimmen. „…ja und dann hab ich ihr den Kaffee übers Shirt gekippt, und sie hat mich angegiftet, aber ihr habt diese Furie ja selbst erlebt!“. „Andi, was erwartest du?“ Andi hieß dieser Vogel also, dachte ich bei mir. „Ernsthaft Ole? Die Frau ist gemeingefährlich!“ wetterte Andi. Nils gluckste. „Ich fand sie irgendwie süß.“ „Dann heirat‘ sie doch!“ fauchte Andi. „Hast du dich überhaupt bei ihr entschuldigt?“ fragte Ole. Schweigen. Nein, hatte er nicht. Aber hatte ich ihm auch die Chance dazu gegeben? Nein, ich war mal wieder hochgegangen wie ein HB-Männchen. „Naja, erst wollte ich ja, aber dann keift die was von wegen blöder Anmache, da ist mir eben der Kragen geplatzt.“ Entgegnete Andi etwas kleinlaut. Nils prustete nun endgültig los. „Andi, das war aber nicht der Grund, oder?“ Andi seufzte. „Nein war es nicht. Seit meine Scheidung durch ist, habe ich einfach mein Temperament nicht im Griff. Eigentlich fand ich sie ja am Bahnsteig ganz süß, und wollte sie anquatschen, und naja, dann waren mir meine Füße im Weg. Den Rest kennt ihr.“
Ich saß geschockt da. Er fand mich süß? Naja, hässlich war er ja auch nicht, aber ich war Single aus Überzeugung. Mein letzter Freund hatte mich bei Nacht und Nebel verlassen, wegen einer 16-lährigen. Danach war mein Drang, mich fest zu binden verschwunden, und ich lebte meine Freiheiten aus. Männer feiert man für so etwas, über mich rümpften einige schon die Nase, aber das war mir egal. Ich liebte mein Singleleben, und verschwendete keinen Gedanken an eine ernsthafte Beziehung. Wobei, dieser Andi schien einen Versuch wert. „Du gehst jetzt sofort da raus und suchst sie. Der Zug ist völlig überbucht, und das arme Mädel soll sich nicht wegen dir erkälten!“ Oles Machtwort schien zu wirken, denn keine drei Sekunden später trat Andi aus dem Abteil. „Ah da biste ja. Befehl von oben: Mitkommen!“ „Bist du immer so einsilbig?“ entgegnete ich, worauf ich einen fassungslosen Blick aus zugegebenermaßen aufregenden blauen Augen erntete. „Du kannst ja auch nett!“ war der Konter. Ich lachte. „Natürlich kann ich das. Aber wenn so ein Trampeltier mir mein Geschäftsoutfit ruiniert, kann ich zur…wie hast du es ausgedrückt…Furie mutieren“ „Wie lange hast du denn da draußen gesessen?“ wollte Andi wissen. „Lange genug“, erwiderte ich und zwinkerte ihm zu. „Vergeben und vergessen. Sorry, dass ich so ein Ekel war. Aber von dem Termin heute Abend hängt viel für mich ab.“ Ich streckte meine Hand in Richtung Andi aus. Der ergriff sie, und schüttelte sie kurz. „Auch sorry von mir. Ich bin in letzter Zeit wohl leicht reizbar.“ Nils und Ole applaudierten. „Geht doch, ihr zwei Kampfhähne!“
Die restlichen 2,5 Stunden der Zugfahrt waren sehr witzig. Wir lachten sehr viel, spielten A***loch, ein Kartenspiel, dass in Andis und meiner Heimat sehr verbreitet war, und dass wir den Nordlichtern ausführlich erklären mussten.
Als der Zug in der Stadt einfuhr, wo mein Grillabend stattfand, verabschiedete ich mich herzlich von den drei Jungs. „Es war schön, euch kennengelernt zu haben. Auch dich, Andi.“ Ich umarmte alle drei.
Ole und Nils drückten mir jeweils noch 2 Küsse auf die Wangen. „Wir würden uns freuen, dich bald einmal wieder zu sehen.“ „Würde mich auch freuen, Nils. Wenn ich mal in Hamburg bin, futtere ich mich durch eure Restaurants.“ „Und was ist mit meinem?“ Ich lachte. „Das liegt nicht in Hamburg, aber wenn ich in München…ach heilige Scheiße, nicht dass der Zug mit mir weiterfährt!“ japste ich, und schaffte es gerade noch, den Zug zu verlassen.
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