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the forest river

KurzgeschichteAbenteuer, Drama / P12 / Gen
Bilbo Beutlin Oin Thorin Eichenschild
06.02.2015
06.02.2015
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06.02.2015 3.152
 
Hallöchen :)
jaaaaaaa, ich weiß, es ist ein Uhr nachts^^
sorry übrigens für die Kurzbeschreibung...^^
da hab ich beim Durchstöbern meines Laptops noch diesen OS gefunden - ich glaube, er ist inzwischen zwei Monate alt^^
ich muss sagen, ich bin mir beim Genre (wollte eigentlich "Romanze" oder "Freundschaft" nehmen, wusste aber nicht welches^^) und bei der Altersempfehlung (so von wegen Slash oder nicht) nicht ganz sicher - ich persönlich habe den OS zwer eher als Slash gedacht (und lese ihn auch so^^), aber ich denke von dem, was letztlich wirklich passiert und schwarz auf weiß dasteht, ich es so besser
okay, genug gelabert, ich wünsche jetzt erst einmal viel Spaß :)



„Gut gemacht, Meister Beutlin“, erklang Thorins Stimme von einem der vorderen Fässer her, doch obgleich sich der Hobbit über das Lob des Zwerges freute, war es doch eher selten, dass er ein solches erhielt, brachte er kaum mehr als eine abwinkende Handbewegung zustande, während er sich vollkommen durchnässt an Noris Fass klammerte.
Der brünette Zwerg kam ihm zu Hilfe und gemeinsam sorgen sie dafür, dass der kleine Lockenkopf nicht den Halt an der glitschigen Oberfläche verlor. Da setzten sich die Fässer schon in Bewegung, wurden geradezu von der Strömung mitgerissen – wild und erbarmungslos.

Auf einmal hörte Bilbo Thorin „FESTHALTEN!“ schreien und als er endlich freie Sicht auf den Ausgang der Höhle hatte, sah auch er den Wasserfall.
Entsetzt packte er noch fester zu, sodass seine Finger bereits anfingen zu schmerzen.
Er hatte Angst, panische Angst – immerhin konnte er nicht schwimmen, oder zumindest so gut wie nicht. Welcher ehrenhafte Hobbit lehrte denn auch bitteschön seinen Sohn das Schwimmen? Und dass seine Mutter sich damals darüber hinweg gesetzt und ihm heimlich einige Grundlagen gezeigt hatte, half ihm hier auch nicht weiter.

Viel zu schnell hatten sie dann auch schon die Kante erreicht und nur einen Sekundenbruchteil später stürzte das Fass mit Nori und Bilbo darüber hinweg.

Nicht gewillt das Holz loszulassen wurde der Hobbit unter die Oberfläche gedrückt.
Es war schrecklich. Überall um ihn herum wurden die Fässer mit den übrigen Zwergen vom tobenden Wasser umher geschleudert und teilweise gegen die Felswände gedrängt.
Prustend und nach Luft schnappend tauchte Bilbo schließlich wieder auf.
Noch immer aufs Ärgste darauf bedacht sich am Fass zu halten hörte er über das Tosen des Flusses hinweg, wie jemand seinen Namen rief, aber der Hobbit war momentan nicht in der Lage die Stimme einem seiner Reisegefährten zuzuordnen, zu sehr war er damit beschäftigt nicht abzurutschen. Er bemerkte nicht einmal den Blick, den Thorin ihm zuwarf, ein Blick, wie man ihn bei ihrem Anführer noch nie gesehen hatte – voller Sorge.

Indes ertönten weitere Rufe seitens der Zwerge und schließlich erklang ein Horn.
Die Elben hatte ihre Flucht bemerkt und verfolgte sie. Befehle wurden gebrüllt auf einer Sprache, die den Zwergen und Bilbo unbekannt war. Hektisch blickten sie sich um, doch noch war keine der Elbenwachen zu sehen.

Eine Flussbiegung weiter erblickten die Flüchtenden ein Tor, das quer über den Fluss verlief und mit mehreren Wächtern besetzt war.
Augenblicklich versuchten die Zwerge in ihren Fässern – allen voran Thorin – ihre Fahrt noch weiter zu beschleunigen, doch es genügte nicht. Genau vor dem ersten Fass – Thorins – schlossen sich die Gitter. Sie saßen fest.

Mit einer Mischung aus Angst und Neugier schaute Bilbo zu den elbischen Wächtern auf dem Tor, die nun ihre Schwerter zogen, als auf einmal einer jener Wachposten vornüber und ins Wasser, direkt zwischen die Fässer mit den Zwergen, kippte – aus seinem Rücken ragte ein Pfeil.

Orks!

~°~°~°~°~

Während der Hobbit weiterhin nur starr vor Schreck nach oben zu den Geschehnissen gucken konnte, war Thorin, der in seinem Fass ganz vorne ans Gitter gedrückt wurde, dazu verdammt, mehr oder weniger untätig den Ereignissen beizuwohnen.
Das war das Schlimmste. Mit gefährlichen, ja geradezu ausweglosen Situationen konnte der Zwergenprinz umgehen. Er konnte kämpfen, für sich und für seine Leute, das hatte er bereits in der Vergangenheit häufig bewiesen, aber zum Zuschauen gezwungen und in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt in einem Fass zu sitzen war etwas nahezu Unerträgliches für ihn.
Immer wieder ließ er den Blick über seine Gefährten wandern, musste sich vergewissern, dass es ihnen alles gutging. Nur weil er nach außen hin meistens hart und ruppig war, hieß das nicht, dass er sich nicht um seine Kameraden sorgte.
Allerdings war es ein bestimmter Lockenkopf, zu dem seine Augen jedes Mal aufs Neue wanderten. Im Laufe ihrer Reise hatte Bilbo bewiesen, dass er ein wertvolles Mitglied ihrer Unternehmung war, hatte er sie alle nicht schon mehrmals aus brenzligen Situationen befreit und ihm persönlich sogar das Leben gerettet, indem er sich zwischen ihn und Azog gestellt hatte – eine Tat, die er bis heute nicht verstehen konnte. Was hatte den Halbling dazu veranlasst so leichtsinnig zu handeln?

Weitere Orkschreie rissen ihn aus seinen Gedanken. Verdammt! Er musste doch etwas tun können!

~°~°~°~°~

Beinahe gleichzeitig wurde auch Bilbo gewaltsam aus seiner Schockstarre geholt, denn ein großer Ork war auf das Fass gesprungen, an dem der Hobbit sich festklammerte und hob bedrohlich seine Klinge um Nori zu töten.
Während der Zwerg, unbewaffnet und durch das Fass stark eingeschränkt, nur erschrocken zu dem Ungeheuer aufschauen konnte, zögerte Bilbo keine weitere Sekunde, zückte sein Schwert „Stich“ und ohne länger darüber nachzudenken rammte er seine Waffe tief in das Fleisch des Angreifers, der daraufhin tot in den Fluten versank.
Schwer atmend tauschte der Hobbit einen Blick mit dem Zwerg, dessen Leben er gerade gerettet hatte, dann konzentrierte er sich wieder auf die nicht enden wollende Masse von Feinden rechts und links am Ufer.
Wieder entging ihm dabei die Erleichterung, die sich in einem eisblauen Augenpaar spiegelte, das direkt zu ihm herüber sah und alles beobachtet hatte.

Da griff auch schon der nächste Ork an. Es war ein einziges Durcheinander, das Wasser brodelte geradezu.
Genau neben Bilbo erledigte Dwalin einen Feind mit einem einzigen gezielten Faustschlag. Anschließend schnappte sich der kämpferische Zwerg das Schwert des Orks und enthauptete damit gleich den nächsten Angreifer, doch es rückten immer wieder neue Gegner nach.

~°~°~°~°~

Unterdessen kletterte Kíli aus seinem Fass und sprang ans Ufer. Dem jüngsten der Zwerge war aufgefallen, dass der Hebel, mit dem sich die Schleuse öffnen ließ, unbewacht war und eine Flucht war ihre einzigen Chance.

Doch auch ihre Feinde hatten erkannt, was der schwarzhaarige Zwerg vorhatte und schon durchbohrte einer der giftigen Orkpfeile Kílis Bein kurz oberhalb des Knies.
Der junge Zwerg brach beinahe augenblicklich zusammen.

~°~°~°~°~

Bilbo schrie entsetzt auf und einen Moment lang verharrten die Zwerge und der Hobbit in einer Art Schreckstarre, bevor die einzelnen Kämpfe noch verbissener als zuvor weitergingen.

Es war ein einziges Chaos aus Zwergen, Elben und Orks und mittendrin der kleine Halbling, der sich noch immer mit einer Hand am Außenrand eines der Fässer festklammerte und mit der anderen unkoordiniert sein Schwert durch die Luft sausen ließ.
Innerlich hatte Bilbo jedoch schon aufgegeben. Wie konnte diese Situation auch noch gut ausgehen? Die Feinde waren ihnen Zahlenmäßig hoffnungslos überlegen.
So hatte der Hobbit sich sein Abenteuer ganz sicher nicht vorgestellt.

Hektisch blickte er sich um, versuchte sich zu konzentrieren, aber seine Augen blieben schlussendlich immer wieder zwangsläufig an Kíli hängen. Bilbo hatte den jungen Zwerg in sein Herz geschlossen und ihn dort oben auf der Schleuse liegen zu sehen – verletzt und hilflos – machte ihn verrückt, doch weder er noch einer der anderen Zwerge waren in der Lage den Schwarzhaarigen zu erreichen.

Es war in diesem Moment, als die rothaarige Elbin, die schon vor Kílis Zelle gesessen hatte, wie aus dem Nichts auftauchte und dem Zwerg das Leben rettete.
In Folge dessen gelang es dem Schwarzhaarigen doch tatsächlich sein anfängliches Vorhaben in die Tat umzusetzen und den Hebel zu ziehen.
Beinahe sofort öffneten sich die Schleusentore und die Zwerge in ihren Fässern wurden mitsamt dem Hobbit von den Wassermassen mitgerissen.

Bilbos anfängliche Erleichterung schlug allerdings sehr bald in eine neue Welle der Panik um, denn nun wurde der Fluss noch wilder und rasch hintereinander rasten die Fässer mehrere kleinere Wasserfälle hinunter.
Ein ums andere Mal wurde der Halbling unter die Oberfläche gedrückt und immer fiel es ihm schwerer den Griff um das Holz nicht zu verlieren.
Die Orkpfeile, die derweil durch die Luft zischten und sich hier und da in eines der Fässer bohrten, machten die Situation auch nicht besser und plötzlich war es soweit:
in einer besonders schnellen, besonders scharfen Kurve, verlor Bilbo den Halt und strampelte einige Sekunden lang panisch in den tobenden Fluten, bis er glücklicherweise eines der anderen Fässer zu fassen bekam.

Hustend und prustend schnappte er nach Luft, schluckte dabei jedoch nur noch mehr Wasser.
Sauerstoff, er brauchte Sauerstoff!

Mit einem Mal spürte der Lockenkopf, wie etwas großes direkt neben ihm in den Fluss stürzte und nur Sekundenbruchteile später packte ihn eine klauenartige Hand am Kragen und riss ihn gewaltsam vom rettenden Holz des Fasses weg.
Instinktiv wollte er seinen Mund zu einem Hilfeschrei öffnen, aber er besann sich im letzten Moment, denn inzwischen drückte sein Angreifer seinen Kopf unter Wasser.
Es war ein Albtraum, ein einziger schrecklicher Albtraum.

~°~°~°~°~

Die Strömung war stark, stark und gefährlich, aber im Moment kam Thorin beides recht, denn so erhöhten sich ihre Chancen den Orks zu entkommen.
Rasend schnell schoss sein Fass dahin und immer wieder wurde er kurz unter gedrückt, doch sein Gefährt tauchte immer wieder auf, sodass er sich keine Sorgen machen musste.
Er tat es trotzdem, allerdings nicht um sich selbst, sondern um seine Neffen – besonders um Kíli, der zudem auch noch verletzt war – und auch um Bilbo. Der kleine Hobbit hatte sie alle gerettet und ihnen den Ausweg gezeigt und nun hing der Ärmste an Noris Fass und litt wahrscheinlich Todesängste.

Ein Pfeil, der sich in sein Fass bohrte, riss den Zwergenprinz aus seinen Gedanken. Er durfte sich nicht ablenken lassen – noch waren sie nicht außer Gefahr.
Über das Tosen des Wassers hinweg hörte er, wie sich das Brüllen und Knurren ihrer Feinde mit den Rufen seiner Kameraden vermischte.
Einmal glaubte Thorin sogar den Namen ihres Meisterdiebs zu hören und blickte sich instinktiv nach dem Halbling um.
Diese Fahrt musste wahrlich die Hölle für Bilbo sein.

~°~°~°~°~

Óin starrte entsetzt auf die Stelle, wo er den Hobbit zuletzt gesehen hatte, bevor dieses Scheusal von einem Ork ihn mit sich unter die Wasseroberfläche gezogen hatte.
Es war alles so schnell gegangen, dass der alte Zwerg kaum reagieren konnte, als Bilbo, der gerade erst Halt an seinem Fass gefunden hatte, von ebendiesem wieder weggezerrt wurde.

Hilfesuchend blickte er sich um, da er selbst kaum in der Lage schien, den kleinen Lockenkopf zu retten, unbewaffnet wie er war.
Allerdings schien keiner der anderen Zwerge mitbekommen zu haben, was ihrem Meisterdieb zugestoßen war.

In diesem Augenblick zischte ein weiterer Orkpfeil durch die Luft und nur knapp an dem alten Heiler vorbei in die tobenden tosenden Wassermassen. Entgegen seiner Erwartung versank der Pfeil jedoch nicht, sondern ragte noch zur Hälfte in die Luft, während das schäumende Wasser sich dunkel färbte.
Der Pfeil hatte getroffen!

>Bilbo!< dachte Óin sogleich, doch da tauchte der durchbohrte Körper auf und gleich auf den ersten Blick war klar, dass es sich nicht um den Hobbit handelte – der Tote war viel zu groß.
Trotzdem war jegliche Erleichterung noch in weiter Ferne, denn wenn das hier der Angreifer war, dann musste Bilbo jetzt irgendwo haltlos von der Strömung umher geschleudert werden.

Es war reiner Zufall, dass der alte Zwerg sich – so gut das in einem Fass halt ging – umdrehte und etwas Dunkles unter der brodelnden Wasseroberfläche entdeckte. Man konnte von Glück sprechen, dass seine Augen – ganz im Gegensatz zu seinen Ohren – noch einwandfrei funktionierten, denn ansonsten wäre ihm der kleine Körper wohl entgangen.
So schnell er eben konnte, beugte der Heiler sich vor und griff nach der reglosen Gestalt des Hobbits.

~°~°~°~°~

Hier und da schlug Thorin noch nach einem der Angreifer, wenn die Strömung ihn mal wieder zu nah ans Ufer trieb, aber dann hatten sie die Orks hinter sich gelassen.
Erleichtert schloss er kurz die Augen, dann lehnte er sich nach vorne und paddelte ins seichte Wasser, wo er sich dann endlich des Fasses entledigte und an Land trat.
Sie waren in Sicherheit – vorerst.

Der Zwergenprinz beobachtete, wie nach und nach seine Kameraden in ihren jeweiligen Fässern eintrafen.
Dwalin war der erste, der nach ihm das Trockene betrat und kurz darauf zog der kräftige Zwerg einen völlig durchnässten Ori aus dem Wasser.
Es folgten Balin, Bifur, Bofur und Dori.
Als Kíli mit der Hilfe seines Bruders aus seinem Fass kletterte, machte sich Thorin auf den Weg zu den beiden um einen Blick auf die Verletzung seines jüngeren Neffen zu werfen.
Die Wunde sah nicht gut aus, aber hier im Moment konnten sie nicht viel für ihr jüngstes Mitglied tun; immerhin war der Junge noch in der Lage selbstständig zu laufen.

Weitere Zwerge kamen ans Ufer und ihr Anführer blickte ihnen zufrieden entgegen, bis er Nori entdeckte, oder besser gesagt Noris Fass – ohne Bilbo.
Noch während er auf den Neuankömmling zuging, rief der Zwergenprinz: „Nori, wo ist der Halbling?“
„Ich weiß nicht, Thorin“, kam die niederschmetternde Antwort, „ich hab ihn in dem Chaos irgendwann verloren, er muss abgerutscht sein“
Nein!
Thorins Herz rutschte in seine Hose.
Das konnte nicht sein.
Der tapfere kleine Hobbit konnte einfach nicht ertrunken sein, von diesem wilden, tobenden Fluss verschluckt...

Bevor er allerdings noch weiter über das Ausmaß von Noris Worten nachdenken konnte, erklang auf einmal Bofurs Stimme: „Bilbo! Bei Mahal, Óin, was ist passiert?“
Augenblicklich wirbelte der Zwergenprinz herum und watete den letzten ankommenden Fässern entgegen, sein Blick blieb währenddessen fixiert auf den alten Heiler – oder eher das, was er im Arm hielt.

Kaum war das Fass mit den beiden in Reichweite, nahm Thorin dem Anderen den reglosen Körper des Hobbits ab und trug ihn eigenständig zurück an Land.
Dort legte er den Lockenkopf vorsichtig auf den steinigen Untergrund und kniete sich neben ihn.

So schrecklich blass und hilflos hatte der Zwerg seinen Meisterdieb noch nie gesehen und er war sich sicher, dass er ihn niemals wieder so sehen wollte.
Behutsam legte er seine große Hand an Bilbos kühle Wange und strich sanft darüber.
Der Halbling jedoch regte sich nicht und Thorin fühlte eine kalte Hand nach seinem Herzen greifen.
Was würde er nicht dafür geben, dass der Andere jetzt aufspringen und sie alle mit diesem herzerwärmenden warmen Lächeln ansehen und sagen würde, dass alles in Ordnung war.

„Thorin, das Wasser muss aus seiner Lunge!“, drang Óins Stimme wie aus weiter Ferne an die Ohren des Zwergenprinzen.
Ja! Der alte Heiler hatte Recht – natürlich.
Trotzdem rührte er keinen Finger.

>Mach was Thorin! Bilbo braucht Hilfe! Starr ihn nicht nur an, sondern TU ETWAS< schalt er sich selbst und schließlich legte er seine Hände auf den Brustkorb des Lockenkopfes und übte vorsichtig Druck darauf aus.
So unsicher wie in diesem Moment hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Auf der einen Seite wollte – nein, musste – er Bilbo helfen, ihn retten, aber auf der anderen Seite hatte er Angst, Angst ihn zu verletzen, denn der Hobbit war bei weitem nicht so robust gebaut wie die Zwerge.

Er drückte zu...

… keine Reaktion.

Noch einmal, dieses Mal etwas fester...

… wieder nichts.

Immer wieder versuchte Thorin es, doch jedes Mal musste er stets verzweifelter feststellen, dass Bilbo sich noch immer nicht regte.
Die betroffenen Blicke, die die übrigen Zwerge wechselten, bemerkte er gar nicht, viel zu fokussiert war er auf die bleiche Gestalt am Boden vor ihm.

Nein! Nein, nein, nein, nein, nein!
So konnte es nicht enden.
So durfte es nicht enden!
Beinahe schon manisch presste der Zwergenprinz seine Hände auf die Brust des Halblings.

Erst als Óin ihm plötzlich eine Hand auf die Schulter legte, blickte er auf.
Nein!
Er konnte nicht aufgeben.
Er musste es weiter versuchen!
Das, was der alte Zwerg sagte, registrierte er lediglich als Hintergrundgeräusch – es war momentan völlig nebensächlich.
Doch gerade als er sich nach vorne beugte und wieder ansetzen wollte, packte ihn jemand von hinten und hielt ihn fest.
„Thorin!“, das war Dwalins Stimme, „Thorin, er ist wach!“

Unwichtig! Unwichtig, unwichtig, un... Moment, WAS?!
Ruckartig hob der Schwarzhaarige den Kopf und blickte direkt in Bilbos dunkelblaue Augen, die ihn mit einer Mischung aus Erschöpfung und Irritation anblinzelten.

~°~°~°~°~

Alles war ruhig – wunderbar ruhig.
Wann war es das letzte Mal so ruhig gewesen?
Seit er mit den Zwergen unterwegs war, gab es immer Lärm um ihn herum, selbst in der Nacht schnarchten seine Reisegefährten so laut, dass der Hobbit selbst nur äußerst schwer in den Schlaf fand.
Nicht, dass er sich beschweren wollte, er mochte die Gesellschaft und all ihre Mitglieder, aber die plötzliche Ruhe war einfach so angenehm, dass er gar nicht anders konnte, als sich ihr hinzugeben. Es war so leicht, so leicht loszulassen...

Auf einmal durchdrangen leise Stimmen die Stille und mit einem Mal fühlte er sich eingeengt, ja beinahe zerdrückt – geradeso, als ob ein schweres Gewicht auf seinen Brustkorb drückte.
Was sollte das?
Warum konnte man ihm nicht die wenigen Minuten der Ruhe gönnen?
Widerwillig versuchte Bilbo weg von den Stimmen und dem unangenehmen Druck, zurück in die allumfassende Stille zu gelangen, doch stattdessen begann er seine Umwelt immer deutlicher wahrzunehmen.
Je klarer, die Geräusche jedoch an seine Ohren drangen, desto größer wurde auch der Druck auf seinen Brustkorb und mit diesem Druck kam auch ein beinahe unerträgliches Brennen in Nase, Hals und Rachen.
Luft, er brauchte Luft! – musste atmen!

Dem stechenden Schmerz und seiner Erschöpfung zu trotz, schnappte er leise keuchend nach Luft und öffnete langsam die Augen.

Wo war er?
Wieso lag er auf dem Boden?
Und wieso standen die Zwerge in einem Kreis um ihn und Thorin, der neben ihm kniete, herum?

...Moment, Thorin?

In diesem Augenblick wandte der Zwergenprinz ihm sein Gesicht zu und entsetzt musste Bilbo feststellen, dass die hellen Augen des Anderen voller Panik waren.
Ein paar Sekunden lang sahen sich die beiden einfach nur an, bis die Panik zu schwinden begann und einem Ausdruck der Erleichterung Platz machte.
Der Hobbit lächelte. Thorin hatte tatsächlich Angst um ihn gehabt und obgleich das eigentlich kein Grund war glücklich zu sein, war Bilbo es, denn jetzt wusste er mit Sicherheit, was er zuvor nur vermuten konnte:
So harsch und teilweise grob sich ihr Anführer – vor allem ihm gegenüber – häufig gab, so wichtig waren sie ihm doch auch alle.
… Besonders er?
Auf diese Frage wusste der Lockenkopf noch keine sichere Antwort, aber Thorins warme große Hand, die ihm aufhalf und das noch immer ein wenig besorgt klingende „Bereit weiterzugehen, Meister Beutlin?“ ließen ihn mehr als nur hoffen.

Ja, er war bereit, bereit weiterzugehen und bereit dem Drachen und allem, was sich ihnen sonst noch in den Weg stellen sollte, zu trotzen – solange er an Thorins Seite war, denn dort gehörte er hin.


das wars dann auch schon :)
die Idee hierfür kam übrigens durch eine Skizze, die man im Extended Material zu diesem Teil zu sehen bekommt - sie zeigt Bilbo, der von einem Ork untergedrückt wird ;)
wie auch immer,
ich freu mich über Reviews und lg Dramaqueen
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