Schatten der Nacht

von Elfafram
GeschichteDrama, Romanze / P18
Darion Thorne
04.02.2015
11.05.2015
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Disclaimer: Die Charakter und die HIntergrundgeschichte gehören alle Lara Adrian. Ich verdiene mit der FF kein Geld, nur meine OC gehören mir, können aber ausgeliehen werden, vorausgesetzt ich bekomme Beschied gesagt und sie werden als meine Charaktere ausgezeichnet.

Genre: Romanze, Drama

Rating: P18

Status: Abgeschlossen



Schatten der Nacht


Kapitel 1



Eigentlich dürfte ich nicht existieren. Es war unmöglich. Doch ich lebte, atmete, existierte.

 Vor über tausend Jahren waren acht Krieger einer außerirdischen, unbarmherzigen Welt auf der Erde gelandet, nicht ganz planmäßig, aber sie waren da und veränderten alles.
 Sie ernährten sich anders wie die Mensch, nämlich von deren Blut. Sie waren starke, gewalttätige und gnadenlose Eroberer. Alles was sie für eine Weile aufhalten konnte war das Sonnenlicht. Sie mordeten und vergewaltigen, kannten keine Gnade. Irgendwann wurden einige Frauen schwanger und brachten Mischwesen zur Welt. Das ward er Beginn des Stammes, ein Art von Vampiren, die nach und nach die Erde bevölkerten, ohne das die Menschheit auch nur ansatzweise von ihrer Existenz etwas ahnte. Die Frauen, die in der Lage waren ihren Samen zu empfangen, wurden im Laufe der Zeit Stammesgefährtinnen genannt.
 Ohne diese Frauen konnte der Stamm nicht überleben, denn jedes Kind, das in den Stamm hineingeboren wurde, war männlich, ohne Ausnahme.
 Bis jetzt.
 Jahrhunderte lang hatten die Stammesvampire geschützt und versteckt, verborgen in der Dunkelheit gelebt. Bis ein Stammesvampir namens Dragos durchdrehte und vor zwanzig Jahren hunderte Rogue auf die Menschheit los ließ. Innerhalb einer Nacht war alles zerstört, was sich der Stamm aufgebaut hatte, die Menschen wussten von seiner Existenz und fürchteten ihn. Ich war damals erst ein Jahr alt gewesen und konnte mich an nichts erinnern. Kannte die Ereignisse und die Angst nur aus den Erzählungen meiner Eltern. Und auch heute herrschte eine sehr fragile Sicherheit. Es gab auf beiden Seiten Unruhen.
 Einen Stammesvampir konnte man bereits aus der Ferne gut erkennen. Dermaglyphen überzogen seinen Körper, ein Gebilde aus Linien, Schnörkeln und abstrakten Mustern, die ja nach Stimmung des Trägers ihre Farbe veränderten. Meist waren sie jedoch nur einen Ton dunkler als die Hautfarbe des jeweiligen Vampirs. Je ausgeprägter die Male waren, desto höher war die Abstammung des Vampirs. Am stärksten waren sie bei einem Gen-Eins ausgebildet. Jene Männer, die die Ältesten als Väter hatten.
 Doch die Ältesten lebten nicht mehr, getötet von ihrem eigenen Söhnen.
 Es heißt acht Gen-Eins Krieger haben sich im Mittelalter zu einer Gemeinschaft, dem Orden zusammen geschlossen und den Ältesten den Krieg erklärt.
 Und noch heute existierte der Orden unter seinem Gründer Lucan Thorne. Er war nun die Instanz, die den Stamm in der Welt vertrat. Er war es auch gewesen, der vor zwanzig Jahren mit Hilfe seines Ordens Dragos getötet und die Menschheit von der Invasion der Rogue befreit hatte.
 Der Orden war auch der Grund weshalb ich mich freute, dass meine Familie nach Washington D.C. gezogen war. Denn ich war im Gegensatz zu meinen Eltern der Meinung, dass der Orden von meiner Existenz erfahren sollte. Ich war eine Frau, da war ich mir genauso sicher, wie ich wusste, dass ich ein Stammesvampir war, nur bloß eben weiblich. Und das war nicht alles, das mich von einem normalen männlichen Stammesvampir unterschied.
 Ich konnte mich frei in der Sonne bewegen, ohne Angst haben zu müssen, bei lebendigen Leibe zu verbrennen. Wenn ich gut drauf war, konnte ich meine Glyphen, die besser ausgeprägt waren, wie bei meinem kleinen Bruder Collin, ganz unterdrücken. Nur bei starkem Gefühlsregungen gelang es mir nicht, ich war trotzdem froh über diese Fähigkeit. Ich konnte ohne Bedenken von menschlicher Nahrung kosten. Doch meine Hauptnahrungsquelle blieb Blut, dass ich nach wie vor von meiner Mutter bekam. Sie wollte nicht, dass ich auf die Jagd ging und heraus kam, dass es auch weibliche Stammesvampire gab.
 Wobei ich mir sicher war, dass ich die einzige war.
 Die Gabe, die jeder Stammesvampir besaß hatte ich nicht von meiner Mutter geerbt sondern von meinem Vater. Zusätzlich besaß ich eine zweite Gabe. Mein Bruder schien genauso anders zu sein wie ich, nur dass er ein Junge und ganze elf Jahre jünger war. Weshalb er sich kaum verstellen musste, um nicht aufzufallen.

 Ich lief gerade durch die dunklen Straßen Washingtons, auf der Suche nach einem guten Club. Ich erhoffte mir so auf ein paar Ordenskrieger zutreffen, die Wahrscheinlichkeit mahlte ich mir groß aus, da sich die Hauptzentrale in Washington D.C. befand. In mehreren Städten gab es verschiedene Kommandozentralen. Doch hier in dieser Stadt lief alles zusammen.
 Ich wusste es würde Ärger geben, wenn ich erst mitten in der Nacht nach Hause kam, doch das war mir egal. Ich war einundzwanzig Jahre alt und damit mehr als volljährig. Ich konnte mein Leben selbst bestimmen. So war ich der Meinung.
 Nach einer Weile wurde ich fündig, vor einem Club, dessen Neonschilder mir in den Augen brannten, standen mehrere junge Stammesvampire. Ich schätzte, dass sie genauso alt waren wie ich. Obwohl man ab einem gewissen Alter nicht mehr schätzen konnte wie alt ein Vampir tatsächlich war.
 Was mich mehr beeindruckte war die Tatsache, dass zwei der vier Vampire so aussahen, als würden sie trotz ihres jungen Alters einer höheren Generation entstammten, ihre Glyphen waren mehr als stark ausgeprägt, etwas stärker als meine eigenen. Die jüngste Generation hingegen wies kaum noch Glyphen auf.
 Sie waren fast alle gleich gekleidet, in normalen schwarzen Jeans, Trenchcoats und schweren Militärboots.
 Ich wollte gerade auf die Gruppe zu gehen, als sich eine junge Frau und ein Gen-Eins, tatsächlich ein Gen-Eins zu ihnen gesellten. Ich hatte noch nie in meinem Leben einen Gen-Eins gesehen und dieser wirkte wesentlich jünger als ein paar Jahrhunderte. Die ganze Gruppe strahlte eine große Aura der Macht und Stärke aus. Sie waren definitiv Krieger und die einzigen Krieger, die es in D.C. gab, gehörten dem Orden an.
 Nun musste ich sie nur noch zu ihnen gehen und sie dazu bringen mich zu ihrem Anführer zu bringen. Ich war vollkommen in Gedanken versunken, wie ich es anstellen sollte, um zu bemerken, dass ich sie direkt anstarrte. Und dem Blick nach zu urteilen, der mir einer der jungen Männer entgegen brachte, schien es ihnen nicht zu entgehen
 Sofort wurde ich rot, als mir klar wurde, was ich getan hatte. Am liebsten wäre ich in einem Loch tief in der Erde verschwunden. Die ganze Zeit hatte ich gedacht, dass ich direkt auf den Orden zu gehen würde sobald ich ihn fand. Doch mein Mut sank stetig bis auf null. Ich schämte mich für mein Verhalten und dass ich mit Sicherheit so rot wie eine Tomate angelaufen war, half mir auch nicht viel weiter.
 Gerade als ich mich abwenden wollte um endlich nach Hause zu gehen, winkte mich ein junger Ordenkrieger zu sich und seiner kleinen Gruppe, worauf ich, soweit es noch ging, noch röter wurde.
 Am liebsten würde ich gerne in diesem Moment sterben, doch ich kratzte das bisschen Mut, der mir geblieben war, zusammen, strafte meine Schultern und lief entschlossenen Schrittes zu der Gruppe.
 Kurz bevor ich dort ankam, stolperte ich über meine eigenen Füße. Ich wäre hin gefallen und zwar direkt in die Mitte der Gruppe, wenn mich nicht der junge Mann, der mich heran gewunken hatte, nicht aufgefangen hätte.
 „Vorsicht!“, warnte er mich sanft, seine Stimmer schwappte über mich, wie eine dunkle, brausende Welle des Meeres.
 „Entschuldige“, stammelte ich leise vor mich hin.
 Aus der Nähe sah er noch besser aus. Er hatte rotbraune Haare, unter denen die schönsten braunen Augen hervor blitzten, die ich je gesehen hatte. Zudem schien er nur aus Muskeln zu bestehen.
 „Wohl noch nie Stammesvampire gesehen? Oder warum hast du uns so angestarrt?“
 Er war direkt, dass musste ich ihm lassen, eigentlich machte ich es, wenn Leute direkt waren. Doch dieses Mal hatte ich gehofft, ich wäre ihm vielleicht wegen etwas anderes aufgefallen.
 Allerdings war nichts an mir auffallend, sobald ich meine Glyphen unterdrückte. Weder an meinen dunkelbraunen Haaren, die ich meist in einem geflochtenen Zopf, aufgerollt am Hinterkopf trug oder meinen blauen Augen. Für einen Stammesvampir war ich erstaunlich klein, geradezu winzig. Weshalb mich kaum einer wahrnahm, in der Regel jedenfalls.
 „Doch, doch. Ich habe bloß noch nie Ordenskrieger gesehen oder einen Gen-Eins“, meinte ich leise und warf einen verstohlenen Blick auf den Gen-Eins.
 „Ah ja. Du solltest doch eigentlich wissen, dass es gefährlich ist Nachts draußen herum zu laufen. Vor allem für eine Stammesgefährtin!“
 Er deutete auf mein Mal, das sogar mein Bruder trug, allerdings an einer weniger auffälligen Stelle. Mein Mal hingegen konnte jeder sehen, es befand sich direkt unter dem äußeren Augenwinkel meines linken Auges.
 „Ich weiß um die Gefahren auf den Straßen und ich bin vorbereitet. Aber danke für den Hinweis.“
 Langsam normalisierte sich mein Körper wieder, nachdem er nach dem beinahe Sturz hochgefahren hatte.
 „Wie ist dein Name?“, fragte er.
 Wir wurden aufmerksam von seinen Freunden beobachtet. Mit Sicherheit fragten sie sich, warum er sich mit mir abgab.
 „Akilja.“
 „Interessanter Name. Darion Thorne.“
 Ich stockte der Nachname kam mir verdammt bekannt vor.
 „Thorne? Hast du etwas mit Lucan Thorne, dem Anführer des Ordens, zu tun?“
 „Danke, dass du mich darauf hinweist, dass mein Vater den Orden leitet. Darauf wäre ich nie gekommen“, meinte Darion trocken.
 „Lucan Thorne ist dein Vater?“, fragte ich ungläubig nach. Konnte mein Glück kaum fassen.
 „Ja, das habe ich eben gesagt.“
 Er musste mich wirklich für bekloppt halten.
 Deshalb waren seine Glyphen so ausgeprägt, sein Vater war ein Gen-Eins und das machte ihn trotz seines Alters zu einem Stammesvampir der zweiten Generation.
 „Perfekt“, setzte ich an, gepackt von einer Euphorie, die mir bis dorthin vollkommen unbekannt war. „Ich muss dringend mit dei...“
 „Akilja!“, ertönte plötzlich eine tiefe Stimmer hinter mir. Ich zuckte zusammen, meine Euphorie starb.
 Langsam drehte ich mich um. Auf der anderen Straßenseite stand Danijele Blake, ein sehr wütender Danijele Blake. Für Personen, die ihn nicht gut kannten war seine Wut kaum zu erkennen. Für sie stand er entspannt da. Die Arme hingen an seiner Seite herab. Sein Gesicht wirkte entspannt. Doch ich erkannte die kleinen Zeichen der Wut. Die Arme waren leicht angespannt, die Hände leicht verkrampft. Seine Nasenflügel bebten etwas. Der Ausdruck in seinen Augen war zu freundlich.
 Weder zeigten seine Glyphen irgendeine Regung, noch schimmerte irgendein bernsteinfarbener Funken in seinen Augen.
 „Vater!“, stieß ich erschrocken hervor. Ich beeilte mich schnell zu meinem Vater zu kommen, wurde aber von Darion kurz zurück gezogen. Heimlich schob er etwas papiernes in meine Hand. Möglichst nebenbei ließ ich es in meine Hosentasche gleiten
 Mein Vater wartete ungeduldig auf mich und führte mich dann schweigend zu seinem Auto.
 „Was fällt dir eigentlich ein? Ich habe dir doch ausdrücklich gesagt, dass du dich vom Orden fern halten sollst!“, schrie mein Vater mich an, kaum saßen wir in seinem Auto und fuhr mit quietschenden Reifen los.
 Jetzt wurde auch ich wütend. Er hatte kein Recht so mit mir umzugehen.
 „Ich bin Erwachsen, Vater. Ich kann tun was ich will!“, schrie ich zurück.
 „Nein. Eben nicht, du bist anders als alles, was je existiert hat. Du und dein Bruder. Man wird euch als Versuchskaninchen missbrauchen.“
 „Woher willst du das wissen? Ich meine, ich weiß eure Fürsorge zu schätzen, aber ihr übertreibt. Wie lange soll ich zum Beispiel denn noch Mutters Blut trinken?“
 „Für den Rest deines Lebens, wenn es sein muss!“
 „Aber Collin geht auch mit dir auf die Jagd und das schon seit Jahren!“
 „Er hat auch den Vorteil, dass er sich nicht verstecken muss, so wie du. Er muss lediglich aufpassen, was er draußen tut und sich nicht verrät.“
 „Ich kann auch aufpassen!“
 „Vielleicht, wenn die Existenz des Stammes noch nicht bekannt wäre, dann vielleicht ja. Aber inzwischen kannst du niemanden die Erinnerung rauben. Der Frieden ist bis jetzt noch sehr labil. Überlege doch was vor zwei Wochen bei der Versammlung passiert ist.“  Die Wut meines Vaters verrauchte allmählich, meine aber nicht.
 Mein Vater hielt an einer roten Ampel. Ich hielt die kurze Leine, die mir meine Eltern angelegt hatten nicht mehr aus. Das war jetzt einfach zu viel. Ich sprang aus dem Auto und rannte davon. So schnell wie es mir mein Vampirfähigkeiten erlaubten. Wage hörte ich, wie mein Vater mir hinterher schrie, doch ich war zu schnell weg um es verstehen zu können. Ich lief quer durch die Straßen ohne drauf zu achten wohin mich mein Weg führte.
 Ich ließ meiner Wut freien Lauf.
 Nach und nach konnte ich spüren, wie sich meine Fangzähne ausfuhren und meine Glyphen sich mit Farben füllten. Ich konnte sie nicht länger verbergen. Es war mir auch egal irgendwann blieb ich vor einem großen Herrenhaus stehen. Das große Eisentor, vor der Einfahrt des Hauses, wurde von irgendetwas bläuchlich angestrahlt. Es dauerte einen kurzen Moment, bis ich erkannte, dass es meine transformierten Augen waren, die das Tor in ein bläuliches Licht tauchten.
 Die Kameras am Tor fixierten mich, ich stand direkt davor, vollkommen transformiert in meiner Gloria als weiblicher Stammesvampir und ich kannte das Gebäude, vor dem ich stand, aus dem Fernseher. Ich stand nicht vor irgendeinem Gebäude in D.C., sondern vor der Hauptzentrale des Ordens.
 Ein Auto fuhr an mir vorbei, doch der Motor erstarb kurz darauf. Vermutlich stand ich dem Fahrer im Weg, doch ich war nicht in der Lage mich zu bewegen. Ich war an meinem Ziel angelangt, doch meine Wut war zu groß, sodass ich hätte klingeln können.
 „Akilja? Kann ich dir helfen?“, ertönte eine Stimme hinter mir.
 Ich fuhr herum, hinter mir stand Darion. Ich wusste nicht warum es mich so erstaunte ihn zu sehen, schließlich stand ich vor dem Haus in dem er wohnte. Kaum hatte ich mich umgedreht, riss er die Augen auf.
 „Ach deshalb wolltest du mit meinem Vater reden“, bemerkte er belustigt. „Steig ein!“
 Zwei der Männer, aus der Gruppe zuvor saßen ebenfalls in dem Auto.
 „Wenn ich vorstellen darf Micah, Sohn von Tegan und Elise und Rafe, Sohn von Dante und Tess“, stellte Draion mir seine Begleiter vor. So wie er sie vorgestellt hatte, klang es als wären sie ebenfalls die Söhne von Mitgliedern des Ordens. Also fragte ich nach, während Draion den Wagen, ein schwarzer SUV, durch das Tor fuhr.
 „Ja, mein Vater ist neben Lucan, das einzige Gründungsmitglied, das beim Orden geblieben ist“, erklärte Micah.
 „Mein Vater ging zum Orden, nach dem seine Eltern starben. Er ist schon eine Weile dabei“, meinte Rafe.
 „Mein Vater und die Krieger, die mit ihm vor der ersten Morgendämmerung für den Orden gekämpft haben, zählen zu den Ordensältesten. Sie leiten hauptsächlich die Kommandozentralen in den anderen Städten. Doch wegen der Friedenskonferenz vor zwei Wochen, sind alle in der Stadt. Du musst unbedingt Tavia Chase, die Gefährtin von Sterling Chase kennen lernen. Die beiden leiten die Bostoner Zentrale“, ergänzte Darion.
 Inzwischen hatten wir eine große Garage hinter dem Haus erreicht. Darion stellte den Motor ab und wir stiegen aus.
 „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dein Vater begeistert ist, dass du mich einfach mitgenommen hast“, meinte ich zögerlich.
 Zielstrebig steuerten die Männer einen Aufzug an. Ich bemühte mich mit ihnen Schritt zu halten.
 „Wahrscheinlich nicht, andererseits hatten sie dich auf dem Schirm. Mein Vater hat bestimmt ein paar Fragen an dich.“
 Unten angekommen, führten sie mich durch eine Vielzahl von Gängen. Verziert wurden die Wände und Böden mit Dermaglyphen. Dann blieben sie vor einer großen Glastür stehen, die lautlos auf glitt. Darion warf mir einen Blick zu, den ich nicht einordnen konnte und betrat den Raum, ich folgte etwas zögerlich.
 „Wieso?“ Ein einziges Wort, das aus dem Mund des Mannes kam. Ein Wort bei dem soviel Macht mitschwang.
 Der Mann, der es gesagt hatte, war groß, fast zwei Meter und bestand aus reiner Muskelmasse. Dermaglyphen zogen sich über seine Arme, Glyphen eines Gen-Eins. Ruhig stand er vor einem großen Tisch, an dem einige Stammesvampire und Frauen saßen. Die Arme vor der Brust verschränkt, schaute er mich aus unergründlichen grauen Augen an, die einen starken Kontrast zu seinen schwarzen Haaren darstellten.
 Lucan Thorne stand mit seiner ganzen Pracht direkt vor mir und obwohl er mich ansah, war die Frage nicht an mich, sondern an seinen Sohn gerichtet gewesen.
 „Ihr habt sie doch gesehen...“
 Die nächsten Worte, die ruhig aus Drions Mund kamen, nahm ich nicht mehr war. Mein Blick war auf eine blonde, hochgewachsene Frau gefallen. Neben ihr saß eine zweite Frau, sie war in meinem Alter. Eigentlich nichts ungewöhnliches, wären da nicht die stark ausgebildeten Dermaglyphen, die sich über ihre Arme zogen gewesen.
Ich war nicht allein, war alles was ich in diesem Moment denken konnte. Eine solche Freude überkam mich, ich wusste nicht was ich tun sollte, am liebsten wollte ich schreien oder doch vor Freude weinen. Ich hatte keine Ahnung wie ich mit meinen Gefühlen umgehen sollte.
 Wenn beim Orden zwei Frauen herumliefen, die anscheinend auch Stammesvampire waren, gab es für mich keinen Grund mehr mich zu verstecken.
 Ich sah wie die Frau langsam aufstand und auf mich zu kam, jeder wirklich jeder im Raum starrte mich an.
 „Hey, wie ist dein Name? Ich bin Tavia Chase“, richtete die Frau das Wort an mich.
 „Akilja Blake“, antwortete ich, immer noch vollkommen überrumpelt von meiner kleinen Entdeckung.
 „Wie alt bist du? Weißt du das?“, wollte Lucan plötzlich von mir wissen.
 Ich fragte mich warum mein Alter eine Rolle spielte und wie er darauf kam, dass ich es eventuell nicht wüsste.
 „Ich bin vor kurzem 21 geworden.“
 „Dann dürfte sie keine Medikamente bekommen haben“, meinte ein Mann mit stacheligen, schwarzen Haaren und grauen Augen, die mich an die Augen eines Wolfes erinnerten.
 Medikamente? Was für Medikamente? Ich verstand wirklich nicht was er meinte.
 „Ich frag mich wie sie überleben konnte, schließlich war sie erst ein Jahr alt, als wir Dragos getötet haben und mit ihm starb mit Sicherheit ihr Betreuer“, ergänzte ein Blonder Vampir, der vor einer riesigen Computerzentrale saß.
 Jetzt verstand ich wirklich gar nichts mehr.
 „Hä? Wo von zum Teufel redet ihr? Ich habe noch nie in meinem Leben Medikamente genommen oder bin Dragos begegnet, weder ich noch meine Eltern“, ich war vollends verwirrt.
 „Ich glaube sie ist anders als Tavia oder Carys. Als ich sie vor ein paar Stunden vor einem Club getroffen habe, konnte ich nicht die geringste Glyphe auf ihrem Arm oder in ihrem Ausschnitt erkennen, aber jetzt schon. Und ihr müsst ihre Augen doch auch gesehen haben. Sie waren vollständig transformiert, aber habt ihr auch nur einen bernsteinfarbenen Funken gesehen? Also ich nicht.“
 „Warte, das lässt sich heraus finden“, meinte der Vampir vor den Computern. Hektisch hackte er auf verschiedenen Tastaturen herum und wenige Augenblicke später flammte ein kurzes Video, auf einem großen Bildschirm, der über allen hing, auf. Sodass wirklich jeder das Video sehen konnte. Es zeigte mich, wie ich wutentbrannt vor dem Tor des Ordens stand, vollends aufgegangen in meiner Transformation.
 Ich wurde feuerrot im Gesicht, so peinlich war mir mein eigener Auftritt.
 „Tatsächlich kein Bernstein“, bemerkte ein Mann, dessen rechte Gesichtshälfte aus einer einzigen, großen Brandnarbe bestand. In seiner Stimme schwang ein leichter spanischer Akzent mit. Erneut richteten sich alle Blicke auf mich, dieses Mal erfüllt mit purer Neugierde.
 „Dann bist du kein genetisches Experiment von Dragos? So wie ich?“, fragte Tavia ungläubig.
 Jetzt wurde mir einiges klarer, Tavia war das Ergebnis eines Experimentes und sie hatten gedacht ich wäre ebenfalls ein Experiment, vermutlich hatte Tavia Medikamente bekommen, ich jedoch nicht.
 „Nein, ich bin das leibliche Kind meiner Eltern. Ich...“
 Ich wurde von dem Klingeln meines Handys unterbrochen, das Display zeigte mir die Nummer meines Vaters an.
 „Verdammt“, zischte ich. Doch ich wusste, es wäre schlimmer, wenn ich nicht ran ging, also nahm ich widerwillig ab.
 „Was willst du?“, ich war sichtlich genervt von ihm.
 „Wo zum Teufel steckst du?“, drang die tiefe, zornige Stimme meines Vaters an mein Ohr.
 „Ich wüsste nicht was dich das angeht!“, giftete ich zurück.
 „Eine Menge, junges Fräulein!“
 „Dein Fräulein kannst du dir sonst wo hin stecken. Ich bin 21 Jahre alt, ich kann tun und lassen was ich will. Ich finde eure Aufpasserei irgendwie rührend, aber allmählich nervt sie nur noch!“
 Wütend legte ich auf und schaltete sofort mein Handy ab, ich kannte meinen Vater gut genug, um zu wissen, dass er gleich wieder anrufen würde. Ein solches Benehmen nahm er nicht leicht hin. Das würde Konsequenzen haben und zwar heftige, aber das wir mir in diesem Moment herzlich egal.
 „Wer war das?“ Darion zeigte mit seinem Kinn auf mein Handy.
 „Mein Vater“, stieß ich gequält hervor. „Eltern können ja so nerven!“
 Ein zustimmendes Kichern ging durch die Reihe der jüngeren Krieger.
 „Da kann ich die nur zustimmen“, kicherte Rafe und erntete prompt einen bösen Blick von einem Mann mit whiskeyfarbenen Augen und schwarzen Haaren. Vermutlich sein Vater.
 „Aber wie kannst du …?“ Lucan ließ die Frage in der Luft hängen.
 „Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mein Bruder und ich vollkommen anders sind, als alle anderen Stammesvampire, die wir kennen.“
 „In wie weit unterscheidet ihr euch von anderen?“, fragte der Blonde am Computer.
 „Dürfte ich vielleicht zu erst eure Namen erfahren. Ihr wisst wer ich bin, aber ich weiß nicht wer ihr seit, bloß dass ihr den Führungskader des Ordens darstellt“, entgegnete ich. Ich hatte mich daran gewöhnt hier zu stehen und von allen angestarrt zu werden, nun kehrte auch mein Mut zurück.
 „Also mir gefällt die Kleine“, meinte der selbe Mann, der Rafe den düsteren Blick zugeworfen hatte. Auch in Lucans Mundwinkel konnte ich den Ansatz eines Schmunzeln erkennen, das war ein gutes Zeichen, mein Mut wuchs.
 „In Ordnung, dann stelle ich dir die Ordensältesten vor: Gideon und seine Gefährtin Savannah, Tegan, Elise und ihr Sohn Micah. Dante, Tess und ihr Sohn Xander Raphael. Niko und Renata, ihr Tochter Mira und Kellan. Rio und Dylan, Brock und Jenna, Kade und Alex. Hunter Corinne und ihr Sohn Nathan, Sterling Chase, Tavia und ihre Zwillinge Aric und Carys. Und zu guter Letzt meine Gefährtin Gabrielle und unseren Sohn Darion hast du ja bereits kennen gelernt.“
 Es dauerte eine Weile bis ich begriff, dass er sie paarweise vorgestellt hatte. Ich musste Rafe sehr seltsam und verwirrt angeschaut haben, als Lucan in vorgestellt hatte, denn kurz darauf erklärte er mir, dass „Rafe“ nur sein Spitzname war und er eigentlich Xander Raphael hieß.
 „Nun erkläre uns in wie weit du dich von uns unterscheidest!“, verlangte Lucan.
 „Du meinst abgesehen von dem offensichtlichen?“ Darions Blick wanderte kurz zu meinem Ausschnitt. Ich versuchte mit nichts anmerken zu lassen und begann zu berichten: „Eigentlich war alles in Ordnung. Meine Eltern lebten in einem Dunklen Hafen in Brooklyn, New York. Meine Mutter hatte eine normale Schwangerschaft, bis ich auf die Welt kam. Meine Eltern waren vollkommen überrascht zu sehen, dass sie eine Tochter hatten. Mein Vater löschte der Gefährtin, die bei meiner Geburt geholfen hatte, die Erinnerung und erzählte seinem Freunden und seiner Familie, dass meine Mutter eine Totgeburt gehabt hätte und um das zu verkraften wollen sie verreisen, meine Eltern tauchten unter und ich entwickelt mich ganz normal, wie ein kleiner Stammesvampir eben.
 Ich ernähre mich überwiegend von dem Blut meiner Mutter, kann aber auch menschliche Nahrung verdauen. Ich habe die Gabe meines Vaters geerbt und besitze zusätzlich eine zweite Gabe. Meine Glyphen kann ich verbergen, wenn ich ruhig und gelassen bin, deshalb hast du vorhin keine gesehen. Ach und ich kann so lange in der Sonne bleiben wie ich will, ohne Angst haben zu müssen zu verbrennen.
 Vor zehn Jahren kam mein Bruder auf die Welt, er ist genauso wie ich. Aber er hat die Gabe unserer Mutter geerbt. Ich weiß nicht wieso wir anders sind, nur das wir anders sind.
 Mein Vater wollte nicht, dass ich den Orden etwas sage. Er hat Angst, dass ihr mich als Versuchskaninchen missbrauchen würdet. Das werdet ihr doch nicht, oder?“
 „Nein. Ich würde trotzdem gerne ein paar Proben von dir und deiner Familie nehmen“, meinte Gideon. Der nur kurz von seinem Computern auf sah. Ich hatte keine Ahnung was er da eigentlich tat.
 „Was für Proben?“, fragte ich nun doch etwas ängstlich nach.
 „Ein paar Gewebe- und Blutproben, nichts schlimmes!“
 „Ich glaube kaum, dass meine Eltern dazu bewegen kann hier her zu kommen.“
 „Versuch es bitte trotzdem“, bat Lucan.
 „Wenn mich jemand nach Hause bringen könnte.“
 „Das mach ich“. Bot Aric an.
 Lucan nickt ihm zu.
 Aric führte mich zu seinem Wagen und nachdem ich meine Adresse genannt hatte, fuhr er mich schweigend nach Hause. Ich spürte, dass er gerne etwas gesagt hätte, vermutlich hatte er ein paar Fragen an mich. Doch er war zu höflich oder zu schüchtern um sie zu stellen. Mir war das recht, ich hatte genug erlebt, das ich erst verarbeiten musste, außerdem hatte ich Angst vor der Reaktion meiner Eltern.
 Die Sonne ging bereits langsam auf, dennoch stürmte mein Vater vor die Haustür, als Aric den wagen allmählich vor unserem Haus zum stehen brachte. Ich atmete ein paar Mal tief ein und machte mich bereit für den Wutanfall meines Vaters. Kaum hatte ich die Wagentür geöffnet, zog er mich auch schon aus dem Wagen und in seine Arme. Diese lagen wie ein Gitter um meinem Körper, ich konnte kaum atmen, geschweige denn mich bewegen. So fest war seine Umarmung.
 „Es geht dir gut. Gott sei dank, wir hatten uns solche Sorgen gemacht“, die Stimme meines Vaters war so voller Sorge, dass ich fast ein schlechtes Gewissen bekam, aber auch nur fast.
 „Vater ich bekomme keine Luft mehr“, presste ich mühsam hervor, sofort lockerte sich sein Griff.
 „Entschuldige. Wo warst du?“
 Noch war keine Wut zu erkennen, doch die würde noch kommen. Inzwischen standen meine Mutter und mein Bruder im Türrahmen. Ich konnte meinen Vater kaum in die Augen sehen, also starrte ich seine Brust an.
 „Beim Orden“, murmelte ich.
 „Wie bitte? Sieh mich an!“, forderte er.
 Aric saß die ganze Zeit im Wagen, doch ich konnte hören wie er die Wagentür öffnete und meine Mutter nach Luft schnappte. Der Blick meines Vaters glitt von mir zu meinem Fahrer.
 Langsam hob ich den Kopf und sah meinen Vater an, der wiederrum Aric voller Staunen anstarrte. Zu meinem Schrecken bildeten sich bereits kleine Brandblasen im Gesicht meines Vaters, wo die ersten strahlen der Morgensonne darauf fielen.
 „Vater dein Gesicht!“ doch ich wurde nicht beachtet.
 „Wir sollten besser reingehen, Sie fangen nämlich langsam an zu verbrennen“, meinte Aric gedehnt.
 Mein Vater sah kurz zu der aufgehenden Sonne und wandte sich Richtung Haus um. Er zog mich mit sich und Aric folgte uns.
 „Warum warst du beim Orden? Haben sie dich gezwungen aufzulegen?“ , fragte mein Vater mich, als wir alle die Küche betraten. Die Rollläden summten leise, als sie nach unten glitten um jeden Sonnenstrahl auszusperren.
 Ich warf Aric einen entschuldigen Blick zu, er nickte nur kurz.
 „Es war wirklich nicht geplant, dass ich beim Orden gelandet bin, das musst du mir glauben!“
 Als Antwort bekam ich nur ein verächtliches Schnauben. Also redete ich einfach weiter.
 „Ich war so verdammt wütend auf dich und deine Aufpasserattitüden, dann bin ich wahllos durch die Straßen gelaufen. Irgendwann bin ich dann stehen geblieben. Direkt vor dem Tor der Hauptzentrale des Ordens. Durch meine Wut war ich vollends transformiert. Kurz nach mir kam Darion, der junge Mann, mit dem ich mich vor dem Club unterhalten habe. Er sah meine Verwandlung und nahm mich mit rein. Natürlich hatten sie einige Fragen und ich habe ihnen alles erzählt was ich wusste. Aric war so freundlich und hat mich nach Hause gefahren.“
 „Und warum hast du einfach aufgelegt?“
 „Weil ich keine Lust hatte mich weiter mit dir zu streiten und weil ich dich gut genug kenne, dass du sofort wieder anrufen würdest, habe ich mein Handy abgeschaltet.“
 Während meiner Erzählung hatten sich meine Mutter und mein kleiner Bruder an den Küchentisch gesetzt, mein Vater lief unruhig auf und ab, ich hatte mich an die Küchenzeile gelehnt und beobachtete ihn dabei. Aric lehnte ruhig in der Küchentür.
 „Lass mich raten? Jetzt wollen sie dich als Versuchskaninchen haben“, bemerkte mein Vater zynisch und hielt für einen Moment inne, um mich mit einem festen Blick zu durchbohren.
 „Glaubst du wirklich, dass sie mich dann gehen gelassen hätten?“, fragte ich wütend zurück. Seine Paranoia ging mir wirklich auf die Nerven.
 „So etwas würden wir nie tun!“, warf Aric ein.
 „Und du bist wer?“, fragte mein Vater gereizt.
 „Ich bin Aric Chase. Mein Vater war bereits vor der ersten Morgendämmerung ein Mitglied des Ordens. Meine Mutter ist ebenfalls ein weiblicher Stammesvampir, nur ist sie nicht wie ihr Tochter auf natürlichem Weg entstanden, sondern wurde während eines Experimentes in Dragos Labor gezüchtet. Und Gideon hat sie nicht als Versuchskaninchen missbraucht. Er hat lediglich ein paar Tests mit ihr gemacht und keine wirklich schlimmen Tests. Die hat er mit meiner Schwester und mir auch gemacht und er möchte sich auch mit ihrer Familie machen. Vorausgesetzt Sie stimmen zu“, erklärte der Angesprochene ruhig.
 „Was für Tests und wozu?“
 „Weil er heraus finden möchte wie unsere Existenz möglich ist. Er nimmt bloß ein paar Gewebe- und Blutproben und macht eventuell den einen oder anderen Belastungstest, um heraus zu finden wozu man fähig ist. Mehr nicht. Er ist bloß neugierig, dass sind wir alle. So etwas wie ihre Tochter haben wir noch nie gesehen, sie scheint anders zu sein wie meine Mutter oder meine Schwester.“
 „Mmh“, mein Vater überlegte, er war wesentlich ruhiger geworden.
 „Was hat der Orden mit den Ergebnissen vor?“, fragte er nach einer Weile skeptisch.
 „Nichts. Er wird sie nicht veröffentlichen. Misstraut ihr uns so sehr?“
 „Wir misstrauen jedem!“
 „Okay. Ich schlage vor, sobald die Sonne untergeht kommen Sie zusammen mit ihrer Familie zu uns. Dann kann Gideon selbst erklären was er vor hat und was er mit den Ergebnissen machen will. Ihr könnt dann immer noch selbst entscheiden ob ihr zustimmt oder nicht.“
 „Einverstanden.“
 „Okay, findest du den Weg wieder?“, richtete Aric das Wort an mich.
 „Ich weiß wo der Orden ist“, meldete sich mein Vater zu Wort, bevor ich antworten konnte.
 Aric verabschiedete sich und ging. Zuvor übergab er meinen Eltern einen Zetteln mit den Nummer des Ordens.
 Kurz nachdem Aric gegangen war, ging auch ich in mein Zimmer, immer noch nicht glaubend, dass mein Vater zu gestimmt hatte dem Orden einen Besuch abzustatten. Vor allem so schnell. Das sprach vollkommen gegen sein eigentliches Verhalten. Meine Eltern ließen mich gehen, sie würden mich später zurecht weißen, sobald mein kleiner Bruder in seinem Bett war.
 In meinem Zimmer angekommen sprang ich aufgeregt auf und ab.
 „Ja endlich!“
 Endlich konnte ich mit dem Orden reden. Ich ahnte jedoch nicht, dass die Sache einen kleinen Haken hatte. Plötzlich kam mir ein Gedanke, wenn ich mit meinen Eltern dem Orden einen Besuch abstatten würde, dann könnte ich auch auf Darion treffen. Ein flaues Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus.
 Mir viel wieder der Zettel ein, den er mir zugesteckt hatte. Vorsichtig zog ich ihn hervor.
 Problem? Ruf an!, stand darauf, daneben war eine Nummer auf den Zettel gekrizelt. Darion hatte mir seine Nummer gegeben. Bloß wusste ich nicht wann er den Zettel beschrieben hatte. Ich hatte derartiges nicht mitbekommen. Auf einmal hatte ich es sehr eilig die Nummer in meinem Handy zuspeichern. Zum ersten Mal hatte mir ein Mann seine Nummer gegeben und er schien zudem auch anständig zu sein. Von dem ein oder anderen Blick mal abgesehen.
 Aufgeregt ließ ich mich auf mein Bett fallen und starrte verträumt die Decke an. Meine Gedanken wanderten zu Darion und meinen Erlebnissen beim Orden. Ich war froh endlich meine Existenz verständlich machen zu können.
 Irgendwann klopfte es an meiner Zimmertür. Reagieren tat ich nicht. Meine Eltern würden auch so eintreten. Was sie auch taten. Meine Mutter blieb an der Tür stehen. Typisch, sie hielt sich immer zurück. Mein Vater trat an mein Bett heran.
 „Was fällt dir eigentlich ein?“, rief er aufgebracht aus. „Wie kannst du nur zum Orden gehen und ihm von deiner Existenz unterrichten.“
 „Wie bitte? Geht das schon wieder los. Es war nicht so geplant. Ich musste es ihnen erklären“, brauste ich selber auf.
 „Aber du hattest vor es ihnen zu erklären?“
 „Nein!“
 „Und weshalb hast du dann mit Ordenskriegern geredet?“
 „Ich wollte bloß mit ihnen reden. Neue Leute kennen lernen. Verstehst du?“, versuchte ich mich heraus zu reden.
 „Und deshalb redest du ausgerechnet mit Ordenskriegern?“
 „Ja. Hat sich so ergeben.“
 „Mmh“, mein Vater glaubte mir nicht.
 Meine Mutter Elaine hielt sich immer noch zurück.
 „Es stimmt. Darion sprach mich an, was hätte ich denn deiner Meinung nach machen sollen?“
 „Darion?“, hackte mein Vater skeptisch nach.
 „Darion Thorne. Der Sohn von Lucan Thorne“, klärte ich ihn auf.
 „Du hättest ihm sagen können, dass du keine Zeit hast und einfach gehen können. Man muss nicht auf jede Person reagieren, die einen anspricht.“
 „Warum? Warum soll ich alle Personen abblocken? Ich bin einundzwanzig Jahre alt. Ich bin Erwachsen. Ich will endlich leben, endlich mein Leben leben. Das Leben, das ihr mir verwehren wollt.“
 Mein Vater Danijele wollte bereits etwa sagen, doch meine Mutter unterbrach ihn: „Sie hat Recht. Wir halten unsere Kinder an einer sehr kurzen Leine.“ Sie blieb vollkommen ruhig und gelassen.
 „Das weiß ich auch. Aber doch nur um sie zu schützen“, rief er aus.
 „Ich weiß. Aber vielleicht müssen wir das bald nicht mehr. Wir sollten abwarten was uns morgen beim Orden erwartet. Unsere Kinder sind nicht alleine. Es gibt noch andere wie sie.“
 „Das weiß ich jetzt auch. Aber ...“, setzte mein Vater an.
 „Es wird Zeit, dass wir Akilja etwas mehr Freiraum geben, wenn wir nicht wollen, dass unsere Familie daran zerbricht“, unterbrach meine Mutter ihren Gefährten erneut vollkommen ruhig.
 „Wie kommst du darauf dass unsere Familie zerbricht?“
 Ich sah neugierig zwischen meinen Eltern hin und her. Noch nie hatte ich die Beiden streiten sehen. Bis jetzt hatte sich meine Mutter immer zurück gehalten und meinem Vater bedingungslos zugestimmt. Zumindest hatte es bisher immer so auf mich gewirkt. Aber meine Eltern waren stets darauf bedacht nicht aufzufallen. Vielleicht hatte ich bloß nie etwas mitbekommen.
 „Weil ihr nur noch am streiten seit, sieh doch wozu das geführt hat. Du hast unsere Tochter von uns weggetrieben. Ich habe lange nur zugesehen, da ich immer dachte du kennst dich in der Welt des Stammes besser aus. Aber das heute war einfach zu viel.“
 „Okay. Wir warten ab was morgen beim Orden rauskommt. Dann sehen wir weiter. Geh schlafen. Wir sprechen uns am Abend“, meinte mein Vater gutmütig zu mir, beugte sich hinab und gab mir einen kleinen Kuss auf die Schläfe. Auch meine Mutter verabschiedete sich von mir. Perplex blieb ich auf meinem Bett sitzen. Meine Mutter hatte sich für mich das erste Mal gegen ihren Gefährten gestellt und dieser hatte eingelenkt. Sich gefügt. Normalerweise fügte sich meine Mutter und nicht mein Vater.
 Aber es freute mich, dass sich meine Mutter meinetwegen gegen meinen Vater gestellt hatte. Es wunderte mich dennoch sehr, dass er so schnell klein beigegeben hatte, fast schon zu schnell, dass passte nicht zu seiner Art. Zudem erhoffte ich mir viel von dem Gespräch beim Orden. Vielleicht würde sich in der kommenden Nacht alles für mich ändern. Erleichtert darüber, dass sich der Streit mit meinem Vater nicht ganz so schlimm geworden war, wie ich befürchtet hatte, machte ich mich bettfertig und löschte das Licht. Einerseits konnte ich meinen Vater verstehen. Er handelte bloß aus Sorge um seine Kinder, aber er sah nicht, dass er uns mit seiner Sorge erdrückte.
 Mit einem seligen Lächeln und einen letzten Gedanken an Darion schlief ich ein.

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So da hätten wir das erste Kapitel, ich hoffe es hat euch gefallen, ich werde versuchen regelmäßig hochzuladen, hoffe aber, dass ihr es mir nicht böse nehmt wenn es mir nicht immer gelingen sollte,
Liebe Grüße eure Elfafram
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