Die Gedanken eines Wandlers

von Selenit
KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
04.02.2015
04.02.2015
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Der Wind peitscht dir ins Gesicht und lässt deine Haare umherwirbeln, du kannst dir ein seufzen nicht verkneifen.

Sonst liebtest du dieses Gefühl, liebtest es in sternklaren Nächten stundenlang wach zu bleiben und gen Himmel zu blicken, während der warme Wind deine Frisur ruinierte.

Doch das Alles konnte in dieser Nacht dein Herz nicht berühren, ganz im Gegenteil es machte dich Wehmütig gar Traurig. Nie wieder Würdest du so eine Nacht erleben dürfen, nie wieder würdest du Wind in DEINEM Gesicht spüren, nie wieder würden DEINE Haare vom Wind zerzaust werden, nie wieder würdest du den Anblick des Sternenhimmels mit DEINEM Bewusstsein erleben, das war alles nun vorbei.

Kein Wind, kein Himmel, kein Fenster, nie mehr. Nach dieser Nacht würden sie kommen, wahrscheinlich bei Sonnenaufgang, es sollte sich ja niemand von dieser “unangenehmen Situation“ belästigt fühlen.

Dann wärst du Tod.

Deine bloße Existenz nur noch ein Name, welcher bei den Daten, der zu implantierenden Teile, stünde. Geteilter Zustand nennen sie es, alle Teile des Menschen seien am Leben, nur eben in einem anderen Körper, man sei nicht Tod.

Du glaubst nicht daran, du würdest sterben, das stand für dich fest und niemand würde jetzt noch etwas daran ändern können. Für die Welt bist du nur noch ein laufender Sack Organe mit Namen, den es umzuwandeln geht. Das hatten deine Eltern veranlasst, sie hatten die Umwandlungspapiere unterschrieben, in dreifacher Ausführung. Das Recht auf eine “rückwirkende Abtreibung zwischen dem 13.-18. Lebensjahr“ nannte man das, widerlich.

Aber was konntest du schon tun? Weglaufen?

Genaugenommen wäre das die einzige Chance, weglaufen und hoffen bis zum 18. Lebensjahr zu überleben. Dann dürften sie dich nicht mehr umwandeln. Zwar dürften sie dir alle Straftaten, welche du bis dahin begehen wirst, zur last legen und dich den rest deines Lebends ins Gefängnis stecken, aber sie dürften dir kein Haar mehr krümmen.  

Also fasstest du den Entschluss und liefst weg, einfach nur weg von hier, denn deine Hoffnung und deinen Lebendswillen hattest du im Gegensatz zu deiner Existenz noch nicht verloren.
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