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Rotkäppchen...?

GedichtAllgemein / P18 / Gen
03.02.2015
03.02.2015
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I

Das Dunkel verschlingt die vereinzelten Schritte
Des Mädchens und weist auf den Weg den sie kam.
Die Bäume versperren nach uralter Sitte
Die Strecke des Weges, die sie noch nicht nahm.

Sie wollen sie schützen vor finsteren Dingen,
Die tiefer verästelt im Inneren droh'n.
Es mahnen die Blätter mit Singen und Klingen,
Ihr Chorus beschwört in dem Mädchen nur Hohn.

Wo Männer erzittern und Frauen verzagen,
Erlernte das Mädchen das Fürchten noch nicht.
Die Drohungen stechen in Augen und Magen,
Wie Äste und Zweige, bis man sie zerbricht.

II

„Wohin denn des Weges, du zierliches Wesen,
Mit kleidendem Käppchen von glänzendem Rot -
Von Rot, das so strahlend, so fahrig erlesen,
Wie Gott es nur Opfern und Tätern androht.“

„Noch tiefer ins Dunkel, du wölfische Fähe,
Zur Mutter der Mutter, sie ist doch so krank...
Nun lass mich und suche dir Hirsche und Rehe
Mich stört dein erdrückender Totengestank.“

„Ich jage die Schwachen, erlöse die Kranken
Von ihrem verhassten Verwesungsgewand,
Doch rieche ich besser, es riecht nach Gedanken,
Dein Modergeruch, der entspringt dem Verstand.“

„Mein Händchen ist rot und mein Kleidchen ist rötlich,
Ich habe vergessen, wieso das so ist...“
„Die Lüge ist lieblich, die Wahrheit ist tödlich,
Verstehen ist Grausam, wer schwach ist, vergisst.“

„Dein Maul schäumt fast über vor grinsenden Messern,
Vielleicht hast du meine Großmutter verspeißt!“
„Dein Kleid wurd' getränkt in den Venengewässern,
Der Eltern, der Ahnin, du bist nun verwaist.“

„Ich glaube, ich ahne, du hast sie erschlagen,
Du bist doch das hungrige, mordende Tier...“
„Ich töte und fresse, doch muss ich mich fragen:
Weshalb klebt ihr Venengebräu dann an dir?“

III

Das Dunkel verschlingt die vereinzelten Schreie
Der roten Verzweiflung und löscht sie dann aus;
Die Fähe beschützt sie und spricht: „Ich verzeihe
Dir alles, mein Kindlein, du bist nun Zuhaus'“.
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