Das Geheimnis von Zhamorrah

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
03.02.2015
05.01.2019
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Das dunkelrote Licht der aufgehenden Sonne spiegelte sich im Wasser des Golfes von Perricum. Aufgeregt folgte ich meiner Mutter auf dem Pfad nach Zorgan, wo wir den Fischmarkt besuchen wollten. Wir hatten Oliven und Limetten aus unserem Dorf dabei, um sie gemeinsam mit dem heutigen Fischfang von meinem Vater und Jalif zu verkaufen.
Vor uns tauchte der breite Barun-Ulah auf. Hier an seiner Mündung ins Meer war er über 200 Schritt breit. Der Fluss war alles, was uns nun noch von der Stadt trennte. Wir stellten uns an sein Ufer und hielten Ausschau nach dem Boot meines Vaters. Nach einer Weile tauchte es über dem Meer auf und steuerte direkt auf uns zu.
Wir mussten ein Stück weit ins Wasser waten, um zum Boot zu gelangen, sodass ich froh war um meine wasserfesten Stiefel. Jalif reichte mir die Hand, um mir ins Boot zu helfen. Mit erfahrener Hand führte mein Vater das Boot an das andere Ufer zum grossen Handelshafen.
Zu Beginn blieb ich bei meiner Familie und half beim Verkauf der Ware, doch schnell wurde mir langweilig und ich schlenderte über den Markt. Marmorne Statuen zierten die Eingänge der bemalten Wohnhäuser. An den Ständen wurde alles von Fisch und Obst über Pergament bis zu Teppichen angeboten. Die Stadt war für die frühe Stunde sehr geschäftig. Viele waren Tulamiden wie ich, doch ich konnte auch viele Mittelländer und sogar einige Waldmenschen und Elfen entdecken. Die Flötenmusik der Schlangenbeschwörer mischte sich in den Lärm der rufenden Händler, die ihre Ware anpriesen. Vor dem prächtigen Tempel des Phex, dem Gott der Händler und Diebe, beobachtete ich einige Zwerge, die mit einem Juwelier um den Preis ihrer kostbaren Edelsteine feilschten.
Ein junger Strassenmusiker erregte meine Aufmerksamkeit. Sein Lied erzählte in der antiken Sprache Bosparano von der Legende eines fürchterlichen Krieges, bei dem eine Metropole namens Zhamorrah mit machtvoller Magie dem Erdboden gleichgemacht worden war. Interessiert lauschte ich seinem Gesang.
Plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter. „Guten Tag Shenny“, wurde ich begrüsst. „Du siehst dir den Markt an?“ Ich drehte mich um. Vor mir stand Ayrina Marwansuni, eine erfahrene Entdeckerin und seit einigen Jahren meine Lehrerin.
„Meine Eltern verkaufen ihre Ware in Zorgan“, erklärte ich und warf einen Blick zurück auf den Musiker. „Ist das eine wahre Geschichte, von der dieser Mann singt? Gab es wirklich diesen Krieg zwischen dem Sultan von Khunchom und den Magiermogulen vom Gadang?“
„Ich sehe, du beherrschst Bosparano schon sehr gut“, antwortete Ayrina Marwansuni lächelnd. „Jedes Wort ist wahr. Man nennt sie die Skorpionkriege, doch sie sind schon über 2000 Jahre her.“
Sie sah sich nach den Zwergen um, die ihr Geschäft offensichtlich abgeschlossen hatten und mit dem Ergebnis sehr zufrieden schienen. „Shenny, darf ich dir gute Bekannte von mir vorstellen?“ Sie nahm mich am Arm und führte mich zu ihnen hinüber. „Ich habe dir doch immer gesagt, du solltest unbedingt einmal eine Zeit in einer fremden Kultur verbringen, fern von zu Hause, um dich auf das Leben als Entdeckerin vorzubereiten.“ Ich nickte. „Ich denke, mit vierzehn Jahren bist du jetzt alt genug", fuhr sie fort. „Und welcher Ort ist besser geeignet als das Reich der Zwerge?"
Ich wollte protestieren, denn ich hatte mir unter meinen Abenteuern etwas anderes vorgestellt, als in den Bergen bei einer Horde Kleinwüchsiger zu leben, doch dann verkniff ich mir meinen unhöflichen Kommentar. Ayrina Marwansuni stellte mir die Zwerge der Reihe nach vor: Luxil Sohn des Lubril war ein junger, muskulöser Zwerg mit einem lebensfrohen und abenteuerlustigen Blick. Die Zwergendame Diorba Tochter der Dwarela musste etwa in seinem Alter sein. Sie war relativ hübsch, sofern dies für eine Zwergendame überhaupt möglich war. Der Dritte war ihr Onkel Cendrix Sohn des Cadrillosch. Sein Umhang wurde von einer goldenen Brosche in Form eines Fuchses zusammengehalten. Er war der Älteste und Grösste von ihnen, doch auch er war noch etwa zwei Köpfe kleiner als ich. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass er auf mich herabsah.
„Die drei gehören zum Volk der Brillantzwerge“, erklärte Ayrina Marwansuni. „Ihr Volk wurde aus seiner alten Heimat vertrieben und kann bestimmt Hilfe beim Aufbau eines neuen Reiches gebrauchen. Ich habe bereits mit Cendrix über dich gesprochen. Er wäre gerne bereit, dich für ein Jahr aufzunehmen.“
„Wir bleiben noch drei Tage in der Stadt“, ergänzte dieser. „Dann kehren wir zurück zum Raschtulswall, ob du mitkommst oder nicht.“
„Überleg es dir gut, Shenny“, bat meine Lehrerin.
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