Eine nahe Zukunft

GeschichteParodie / P6
02.02.2015
02.02.2015
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Langsam gehe ich durch die Stadt. Noch immer fühle ich mich nackt. Ich sehe sogar immer wieder an mir runter, um zu kontrollieren, ob ich wirklich eine Hose anhabe. Ja die Hose ist noch da, mein Bandshirt genauso. Aber meinen typischen Wintermantel darf ich nicht mehr tragen. Er wurde verboten, ebenso wie Hüte, die das Gesicht verbergen könnten oder Regenschirme. Alles im Namen der Sicherheit. Grimmig betrachte ich die Kameras über mir. Jeder Quadratmeter der Fußgängerzone wird gefilmt. Ich frage mich wer mich gerade beobachtet. Man muss eine ziemliche Petze sein, um so einen Job zu machen. Es würde mich nicht wundern wenn es Andi ist, der damals auf der Gesamtschule der Prügelknabe der ganzen Klasse war. Er lernte es nicht, dass er nicht wegen jedem Scheiß zu den Lehrern hat rennen sollen. Bei meinem Glück ist es genau er und er wartet nur darauf einen Fehltritt von mir zu beobachten. Dann hat er sich genau den Richtigen Tag ausgesucht. Das wäre dann der zweite Eintrag in meiner Akte. Den ersten habe ich bekommen, weil ich mich vom Frust über die grenzenlose Dummheit der Bevölkerung, dass sie nicht mehr Krach geschlagen haben, als die Kameras eingeführt wurden, einer solchen Kamera den Finger gezeigt habe. Der Spass kostete mich dann 500€ Strafe.
Ich gehe Weiter runter zum Fluss. Hier ist die Kameradichte weniger hoch und die blinden Flecken, sind allgemein bekannt. Jedenfalls wenn man ein Auge dafür hat. Die Blinden Flecken sind zugemüllt. Ich gehe auf einen und begrüße die Person die dort steht. Auch er trägt nur eine Kurze Lederjacke, da sein Mantel nun auch Illegal ist. Wir begrüßen uns mit Handschlag und ich fühle einen Kleinen Beutel in meiner Hand. Sofort greife ich in die Tasche und Ziehe meinen Geldbeutel hervor. Er nimmt aus seiner Tasche eine CD und für diese Zahle ich die exorbitante Summe von 70€. Jedenfalls sieht es so aus. Die CD ist es nicht wert. Aber der Beutel, den ich bekommen habe. Wir gehen aus dem Blinden Fleck und ich reiche ihm eine Kippe.
Wir reden noch etwas über Musik und gehen zurück. An einer Mauer bleibt er stehen und bindet sich seinen Stiefel neu. Ich gehe weiter. Der Schnürsenkel ist seit dem Blinden Fleck offen, aber hier ist einer seiner toten Briefkästen. Darüber zu kommunizieren ist mittlerweile die einzige Möglichkeit ohne die Augen dritter zu kommunizieren. Natürlich ist auch das verboten, aber ein solcher Briefkasten kann alles sein.
Früher habe ich Verschwörungstheoretiker ausgelacht, wenn sie mir gesagt haben, dass wir eines Tages in einer Überwachungsgesellschaft leben. Aber nun haben wir sie. Jedoch habe ich es früher mitbekommen als die meisten anderen. Von Smartphones und einem umfangreichen Fernsehprogramm geblendet, haben sie die Warnzeichen übersehen. Ich Frage mich nur ob schon jemand daran Forsch, die Gedanken der Bevölkerung auszuspionieren. Lügendetektoren wurden schon entwickelt die eine 99%ige Genauigkeit haben und werden eingesetzt. Ach könnten wir nur statt in „1984“ doch in der „Schönen neuen Welt“ leben. Naja mein Soma habe ich mir gerade eben besorgt. Leider reicht es nur für eine Woche. Ich muss mehr verdienen um diese Realität ertragen zu können. Morgen fange ich zum Glück meinen zweiten Job an.
Ich komme zu Hause an und betrachte wehmütig meinen Mantel. Ich hätte nie gedacht, das mir ein Kleidungsstück so sehr fehlen könnte. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und fange an mir eine Tüte zu drehen. Gerade als ich sie angezündet habe fällt mein Blick auf eine Veränderung. Über meinem Schreibtisch ist eine Kamera angebracht. Das also war die Heizungskontrolle, die während meiner Abwesenheit durchgeführt wurde. Na klasse, jetzt kann ich nicht mal mehr unbeobachtet an mir rumspielen. Ich rauche diese Türe schnell auf und drehe die restlichen 5 Gramm in eine einzige. Wenn die Polizei schon kommt und mich einkassiert, sollen sie mir nicht meine Ausflucht abnehmen. Außerdem bin ich dann erstmal eine Zeit lang unbrauchbar. Sie ist fertig und aus der Kamera kommt eine Stimme. Es ist wie ich vermutet hatte, die von Andi.
„Wenn sie diesen Joint anzünden, wird es ihre Strafe verschlimmern!“
„Oh man, jetzt haben die Dinger auch Mikros und Lautsprecher? Halt die Klappe Andi. Ich hab schon vermutet dass nur Flachpfeifen wie du so einen Job machen können!“
„Wollen sie sich noch mehr Strafen einhandeln?“
„Wieso denn nicht, ich bin doch sowieso schon am Arsch!“
Ich zünde mir den Joint an, und blase den Rauch demonstrativ gegen die Kamera. Auf das Gemecker höre ich kaum. Während ich so schnell es geht rauche suche ich nach meinem Hammer. Er ist in der Abstellkammer. Ich komme mit ihm zurück zur Kamera und Andi brüllt duch den Lautsprecher: „Wage es ja nicht Staatseigentum zu zerstören!“
Ich nehme den Letzten Zug und zertrümmere dieses elektrische Auge.