Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Im Rhytmus unserer Herzen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Mai Tsuzuki "Misato Uehara" Nana Osaki Nobuo Terashima Ren Honjo Shinichi Okazaki Yasushi Takagi
01.02.2015
06.08.2015
7
7.685
2
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
02.02.2015 985
 
Der restliche Vormittag verlief ruhig. Ich räumte ein wenig  auf.
Meine Wohnung war recht groß und vor allem leer, denn mein bester Kumpel und Mitbewohner war vor kurzem hier ausgezogen. Haru und ich hatten jahrelang zusammen gewohnt. Doch nun war er zu seiner neuen Freundin Hana gezogen. Diesmal war es wohl etwas Ernstes. Immerhin hatte Haru andauernd irgendwelche Frauengeschichten am laufen. Ja, selbst ich musste gestehen, dass Hana schon ein hübsches Mädel war. Aber war es nötig, mich wegen ihr hier mutterseelenallein zurück zu lassen? Der plötzliche Auszug hatte mich schon ziemlich sauer gemacht. Seitdem sprachen wir auch nicht mehr miteinander. Ich war mir jedoch sicher, dass Haru sich früher oder später schon melden würde. So eine Freundschaft warf man nämlich nicht einfach weg.
Als mein Blick auf ein Regal im Wohnzimmer fiel, bemerkte ich, dass Haru seine Lieblings-CD vergessen hatte.
Ich musste sie ihm zurückbringen, das war ich ihm schuldig. Beim Versuch, die CD herunterzuholen, stieß ich gegen das Regal. Plötzlich  fiel ein dickes Buch aus dem obersten Fach nach unten. Schnell machte ich einen Schritt zur Seite, um auszuweichen. Erst als es auf dem Boden aufprallte und sich eine Seite aufschlug, wurde mir klar, was das für ein Buch war. Vor ein paar Jahren hatte ich eine Phase, in der ich leidenschaftlich gerne fotografierte. Jedes geschossene Foto bekam einen Platz im Album und wurde gut verwahrt. Wurde ich heute nicht schon genug mit meiner Vergangenheit konfrontiert? Oder warum fiel mir genau jetzt das Album vor die Füße, das fast ausschließlich aus Bildern von Mai bestand? Ich fragte mich, warum ich dieses Album überhaupt noch besaß. Die Antwort war einfach. Ich war noch nie eine von den Personen gewesen, die alle Sachen, die sie an die Ex erinnerten, verbrannten oder rausschmissen. Außerdem hatte mich das Album bis jetzt nicht gestört. Es staubte im obersten Fach des Regals vor sich hin. Das hier war wohl bloß ein dummer Zufall. An so etwas wie Schicksal glaubte ich bis jetzt jedenfalls nicht.
Ich hob das Ding vom Boden auf und setzte mich auf mein gemütliches, rotes Vintage-Sofa. Nach einer kurzen Musterung des Einbandes, hob ich das Buch hoch und pustete die dicke Staubschicht, die sich über die Jahre gebildet hatte, runter.
Es war mehr Staub, als ich erwartet hätte. Mein heftiger Nieser hallte im ganzen Raum wider. Nun schlug ich die erste Seite auf. Die Bilder wurden im Sommer vor drei Jahren gemacht. Eine der ersten Aufnahmen zeigte Mai, Haru und mich, wie wir hier in der Küche am Esstisch saßen. Wir sahen damals ziemlich glücklich aus. Sofort fiel mir wieder ein, dass ich jetzt allein war. Ohne Mai oder Haru. Wenn ich mal etwas genauer zurück dachte, waren die beiden in den letzten Jahren oft bei mir. Auch als Mai sich von mir getrennt hatte, hielten wir den Kontakt, denn unsere Verbindung war immer noch stark.
Heute früh, als sie mich anrief, klang sie ganz normal. Als ob wir uns so nahe wie früher stehen würden.
War es vielleicht so? Oder hatten wir uns mehr verändert, als ich mir eingestehen wollte?
Ich blätterte durch die Seiten und die vielen strahlenden Gesichter. Verdammt nochmal, ich hielt das einfach nicht mehr aus. Mit Schwung beförderte ich diesen Haufen Papier in die nächste Ecke.
Nicht gerade elegant stand ich auf. Meine Beine führten mich zurück in die Küche, wo ich mir abermals eine Zigarette ansteckte. Durch das große Fenster konnte ich auf die Straße und zum Park schauen. Ich schätzte, dass es draußen recht ungemütlich war. Die Baumkronen bewegten sich im Wind, die Fußgänger trugen Mäntel.
Mir wurde sofort kalt, bei dem Gedanken, dass ich nachher noch einmal rausgehen würde.
Apropos rausgehen, wie spät war es eigentlich? Mein Blick schweifte zur Uhr.
MIST! Schon 16.00 Uhr. Wie von einer Tarantel gestochen, sprang ich auf und rannte ins Badezimmer.
Ich sah schrecklich aus. Ungefähr so, als ob ich gerade aus dem Bett gestiegen wäre. Na ja, genau genommen stimmte das ja.
Eilig begann ich, mein Make-Up aufzutragen. Doch als ich die Kappe meines dunkelroten Lieblings-Lippenstiftes abnahm, fing ich fast an, laut zu schreien. Er war komplett geschmolzen. Hatte ich ihn etwa zu nah an der Heizung gelagert?
Das war eine Trägödie. Jetzt musste ich schnell noch einmal raus zur Parfümerie, um einen neuen zu kaufen. Natürlich hätte ich auch  einfach ohne gehen können. Aber nur dieser eine Lippenstift, verlieh mir das gewisse Etwas.
Ich schlüpfte also in meine Stiefel und streifte mir meine Jacke über. Im nächsten Moment rannte ich schon die Treppen hinunter. Zum Glück war der Laden an der nächsten Ecke. Der Wind war eisig. Er durchzog sofort meine Kleidung. Ich konnte meinen Atem sehen und meine Haare wehten mir ins Gesicht. Wahrscheinlich hätte ich mich wärmer anziehen sollen. Doch die Zeit hatte ich nun mal nicht. Im Geschäft angekommen, lief ich sofort auf das Regal mit den  Lippenstiften zu. Meine Hand wanderte zu meiner Marke und Farbe. Da die Kasse leer war, konnte ich auch gleich bezahlen. Mit schnellen Schritten machte ich mich wieder auf den Rückweg. Innerhalb von 20 Minuten war die Sache erledigt. Wieder in der Wohnung angekommen, war ich froh über die Wärme.
Ich lief zum Kleiderschrank, der sich in meinem Schlafzimmer befand. Jetzt stellte sich mir nur noch eine Frage. Was sollte ich anziehen? Nach kurzer, gründlicher Überlegung entschied ich mich für ein schwarzes Neckholdertop, einen violetten  Minirock und schwarze, halterlose Strümpfe. Der Blick in den Spielgel verriet mir, dass etwas fehlte. Um den Look abzurunden, legte ich mir noch eine Kette an und trug den Lippenstift auf. Perfekt. Im Vorbeigehen schnappte ich mir meinen roten Mantel und zündete mir eine weitere Zigarette an. In aller Ruhe ging ich zum Park, wo ich in 10 Minuten Mai treffen sollte.
Eigentlich hatte ich ja immer noch keine große Lust. Doch ich riss mich zusammen.
Das war wenigstens besser, als den ganzen Abend allein in der Wohnung zu sitzen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast