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Narben

GeschichteTragödie / P12 / Gen
Abigail "Fetch" Walker Delsin Rowe Reggie Rowe
30.01.2015
30.01.2015
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„Ist dein Bruder immer so“, genervt ließ Fetch sich auf eine alte Lautsprecherbox fallen.

„Meist ja“, musste Delsin gestehen als er ihrem Beispiel folgte, sich jedoch auf eine Box gegenüber der Frau setzte. „Ich schätze diese ganze Conduit Sache ist einfach zu viel für ihn.“

„Das du einer bist meinst du?“, als stille Antwort gab es ein Nicken. Delsin starrte mit einem Seufzen an die Decke des Theaters. „Anderen Conduits die Kräfte zu entziehen.. ich hätte nicht gedacht das so was möglich ist“, ihre grün-braunen Augen glitten in Richtung ihrer Hände. Sie schienen immer noch zu Kribbeln, in Fakt fühlte sich ihr ganzer Körper so an als würde sie innerlich brennen. Kein unangenehmes Brennen, aber eines das sie als störend empfand und von dem sie hoffte das es schnell verflog. Irgendwie kam es ihr nämlich so vor als wäre ein Teil von Delsin – so seltsam das auch klingen mochte – noch immer in ihr.

„Hat wohl niemand. Ich meine, nicht ein Mal Augustine hat mir geglaubt“, ein abfälliges Lachen kam über seine Lippen. „Und mein Bruder denkt immer noch das es ein Heilmittel für das Conduit-Sein gibt.“

Jetzt war Fetch diejenige die Lachen musste. „Ja klar, glaub mir, wenn es ein Heilmittel dafür gäbe hätte ich es vor Jahren schon genommen“, und zwar noch bevor sie auf Shane reinfiel. Bevor sie ihren Bruder tötete. Brent. Sie vermisste ihn immer noch so sehr wie am ersten Tag nach seinem Tod. Immer noch machte sie sich Vorwürfe. Darüber wie leichtsinnig sie war. Sie war alt genug um es besser zu wissen, noch dazu war sie lang genug auf der Straße gewesen und konnte Leute schnell einschätzen. Bei Shane hatte sie zwar auch ein ungutes Gefühl, aber da er Brent kannte waren all ihre Zweifel verflogen. Erst später, als Shane sein wahres Gesicht zeigte und immer mehr von ihr verlangte – als er ihren Bruder entführte.

Sie erinnerte sich gut daran wie besorgt Brent war als ihre Kräfte zum Vorschein kamen, Reggie ging es mit Delsin vermutlich nicht anders.

Das änderte jedoch nichts an der Tatsache das sie ihn nicht leiden konnte.

~*~

„Mann Reg, du solltest dich bei ihr entschuldigen“, der Conduit, Hände in den Hosentaschen, trat gegen einen Kronkorken der auf dem Gehweg lag.

Sein Bruder lief neben ihm, eine Hand in der Jackentasche, die andere hielt einen Kaffeebecher fest. Es war zweit Tage her das sie Fetch begegnet waren. „Und für was? Das sie Leute tötet?“

„Es sind Dealer.“

„Und ich bin immer noch Cop.“

„Tz, ein schöner Cop bist du und es ging mir nicht um das töten sondern darum das du sie als Abschaum bezeichnet hast. Machst du dir überhaupt Gedanken darum was du sagst? Was ihr widerfahren ist?“, bisher hatte er das gesehene und das worüber die beiden sich unterhalten hatten als sie alleine waren für sich behalten. Fetch hatte wirklich eine Menge Scheiße mitgemacht. Angefangen mit den Eltern die das D.U.P. angerufen hatten anstatt zu ihrer Tochter zu stehen, der Flucht mit ihrem Bruder, der Drogenabhängigkeit die damit endete das sie die einzige Person die ihr wichtig war und die zu ihr stand, durch ihre eigene Hand starb. Von der Zeit in Curdun Cay wollte er gar nicht erst anfangen.

Abschaum.

Wie oft sie so etwas in der Vergangenheit gehört haben musste? Wie oft man sie schräg ansah weil sie nicht normal war? Delsin hatte das in Seattle selbst erlebt. Die Blicke, die Worte, es gab sogar Leute die mit Steinen nach ihm warfen aber im Gegensatz zu Fetch war er nicht alleine.

„Mich behandelst du auch normal.“

„Du bist auch mein Bruder.“

Mit zusammengekniffenen Augenbrauen sah Delsin seinen Bruder an. „Dein Ernst? Das ist deine Begründung? Weil ich dein Bruder bin? Das ist eine dämliche Begründung und das weißt du selber.“

Tat er, ja. Schon nachdem er es gesagt hatte, hatte es ihm Leid getan. Allein der Blick den er von Delsin bekam sorgte dafür das Reggie sich schlecht fühlte. Das änderte sich auch nicht als Delsin ihm erzählte durch was für eine Hölle Fetch gegangen war – ob sie wollte das er es wusste mal außen vor. Er hatte wirklich keine Ahnung wie man sich als Conduit fühlen musste. Angefangen damit wenn man erkannte das man anders war und das Verhalten anderer gegenüber einem selbst. Er hatte sich nie damit befasst wie sich Conduits fühlen mussten, wie es ihnen in Curdun Cay erging. Auf eine Art und Weise hielt er es für richtig das man sie von den Menschen abschirmte, aber das 'Wie' war falsch; das musste selbst er zugeben. „Du hast vermutlich Recht, ich meine das ich mich entschuldigen sollte für das was ich gesagt habe.“

„Super, wenigstens ein kleines bisschen Einsicht vom sturen Herrn Polizisten“, zufrieden klopfte Delsin dem anderen auf die Schulter. Jetzt musste er die beiden nur noch zusammen bringen damit sie sich aussprachen. Und das ganze ohne das einer von beiden etwas merkte oder gar frühzeitig abhaute. Delsin konnte nur hoffen das sein Bruder, sollte Fetch das Weite suchen wollen, dies zu unterbinden versuchte. Immerhin wollte er sich entschuldigen, jetzt musste er das nur umsetzen.

~*~

So kam es das Reggie sich am nächsten Tag an einer Straßenkreuzung befand und – so dachte zumindest er – auf Delsin wartete der sich mit ihm treffen und die nächsten Schritte besprechen wollte. Es gab eine Spur zum dritten geflohenen Conduit. Selbst wenn Reggie dagegen war ihn zu suchen, er konnte und wollte seinem Bruder nicht vor den Kopf stoßen. Am Ende durfte er sich Gott weiß was anhören. Nein, wenn er schon bei Fetch falsch angefangen hatte wollte er wenigstens bei dem nächsten Conduit keinen Fehler machen was den ersten Eindruck anging. Den konnte man immerhin nicht mehr ändern.

Ach, er musste wirklich dringend mit Fetch reden und ein paar Dinge klarstellen bevor..

Ein pinker Neonstreifen neben ihm auftauchte?

Eigentlich rechnete er mit seinem Bruder der da vor ihm auftauchte, doch stattdessen war es genau jene Frau die ihm kurz zuvor im Kopf herumgespukt war.

„Was willst du denn hier?“, fragte Fetch noch bevor Reggie überhaupt die Chance hatte etwas zu sagen.

„Ich warte auf meinen Bruder, er wollte sich hier mit mir.. oh warte“, plötzlich keimte in ihm die Erkenntnis das Delsin ihn ausgetrickst hatte. „Lass mich raten: du bist hier weil Delsin sich mit dir treffen wollte?“

Zögerlich nickte Fetch. „Wollte er, ja“, wurde sie tatsächlich von einem Conduit – noch dazu von dem Conduit der ihre Kräfte geraubt hatte – verarscht? Sie hatte Delsin geglaubt. Das er ihr helfen wollte mit ihrem Problem mit den Dealern und nicht das er sie hierher lockte damit sie seinem Bruder begegnete. Was hatte er auch davon? Das war ihr zu blöd. Wenn Delsin nicht wollte war das halt so, sie würde sich wieder auf den Weg nach Hause machen. Na ja, in einen ihrer kleinen Unterschlüpfe. Lieber verbrachte sie ihren Tag allein in einer düsteren und kalten..

„Delsin hat mir erzählt was passiert ist. Mit deinem Bruder meine ich“, Reggie konnte binnen Sekunden sehen wie sich Fetch's Blick noch mehr verfinsterte. Wenn sie schon schlecht gelaunt war das er hier war anstatt Delsin, dann war sie jetzt echt schlecht gelaunt. So schlecht das er schon Angst um sein Leben hatte. „Hör zu: du kannst Delsin dafür gern durch die halbe Stadt jagen und ihm.. keine Ahnung.. 'Arschloch' mit Neon auf die Stirn schreiben. Das ist mir egal. Ich finde es auch nicht gut das er Dinge, die ihr privat besprochen habt, weiter erzählt.. vor allem weil ich mich dadurch nur noch schlechter fühle.“

„Warum fühlst du dich schlecht?“, fragend zog sie eine Augenbraue hoch.

„Wegen dem was ich gesagt habe. Das mit dem Abschaum, das tut mir Leid und das wir hier sind liegt wohl daran das Delsin es sich in den Kopf gesetzt hat das wir reden oder eher das ich mich entschuldige“, verlegen kratzte er seinen Nacken. „Es tut mir wirklich Leid. Ich habe.. ohne nachzudenken geredet. Das Delsin ein Conduit ist, damit komme ich einfach nicht klar und dann fängt er an anderen Conduits hinterher zu laufen. Das ist einfach..“

„Du magst uns nicht. Sag es doch einfach wie es ist.“

„Das.. nein, das kann man nicht so sagen“, wie es genau war wusste Reggie selber nicht so genau. Natürlich, das konnte er nicht abstreiten, hatte er in gewisser Weise Angst vor Conduits. Dem was sie tun konnten. Egal ob es gewollt oder nicht gewollt war wie in Fetch's Fall als sie ihren Bruder tötete. Sich nicht unter Kontrolle zu haben musste grausam sein. Er wollte sich gar nicht vorstellen wie es war. Wie Delsin sich gefühlt haben musste als die Erkenntnis das auch er ein Conduit war komplett bei ihm angekommen war. Er hatte Angst gehabt. Reggie hatte es gesehen als Delsin zurück getaumelt war nachdem er das Auto zur Seite geschoben hatte. Diesen verzweifelten Blick und Reggie konnte nichts dagegen tun. Gegen die Angst, gegen die Kräfte. Alles was er konnte war für seinen Bruder da sein, ihm beistehen und gut zureden. Genauso musste es mit Fetch und ihrem Bruder gewesen sein. Der einzige der an sie geglaubt hatte. „Es ist eher das ich Angst habe.. nicht vor dir oder.. einem anderen Conduit. Jetzt mal abgesehen von Augustine vielleicht“, kurz lachte er bevor die Stimmung wieder ernst wurde. „Ich habe Angst Delsin zu verlieren. Das er stirbt, dass das D.U.P. ihn fängt und wegbringt. Das sind Dinge gegen die ich nichts tun kann und was dann? Er will unseren Stamm retten, ich weiß das sie ohne ihn – ohne Augustine's Kräfte – zum Tode verurteilt sind und das er alles tun würde sie zu retten. Ich will nur.. ihn beschützen schätze ich.“

Erstaunt über das Geständnis sah Fetch den Mann an. „Ist okay“, sie konnte verstehen wovor er Angst hatte und warum. Delsin konnte froh sein einen Bruder zu haben der sich um ihn sorgte auch wenn der Conduit das selber gar nicht richtig zu schätzen wusste.

„Ist es nicht.. es tut mir wirklich Leid.“

„Ich.. danke.. denke ich“, sie war nun wirklich ziemlich verwirrt.

Die beiden schwiegen sich an. Fetch weil sie nicht wusste was sie sonst sagen sollte und Reggie aus so ziemlich demselben Grund. Er hatte gesagt was er zu sagen hatte, vielleicht gab es noch mehr aber dazu war weder die Zeit noch der Ort. Ein paar Leute hatten mittlerweile bemerkt das Fetch und somit ein Conduit, mitten auf der Straße stand und auch wenn niemand die Polizei oder gar das D.U.P. rief, war es nicht wirklich klug sich hier aufzuhalten.

„Was hältst du von Essen? Ich lade dich ein.“

„.. wirklich?“

„Klar“, Reggie nickte. „Du sagst wo du hin willst. Ich kenne mich hier eh nicht aus und ich kann mir vorstellen das es bestimmt etwas gibt worauf du Lust hast“, wobei es eine blöde Idee war. Das fiel ihm nur zu spät ein. Einer Frau zu sagen das sie entscheiden konnte wo man essen ging? Und Fetch hatte sich  seit Tagen von Gott weiß was ernährt. Jetzt, wo sie dieses Angebot bekam, würde sie das doch ausnutzen oder nicht?

„Burger“, sprach sie und die Wahl überraschte Reggie. „Ich habe Lust auf Burger und Pommes – jede Menge davon und ich kenne einen richtig guten Laden; nein, den besten Laden dafür.“

~*~

Es dauerte nicht lange und das ungleiche Paar saß in einem, beinahe schon heruntergekommenen, Lokal das laut Fetch für die besten Burger der ganzen Stadt bekannt war. Das mit den besten Burgern bezweifelte Reggie bei der Einrichtung, trotzdem waren viele Leute hier. So viele das man meinen könnte es müsste genügend Geld dafür da sein neue Stühle und Tische zu kaufen. Fetch nannte es 'Flair' – na wenn sie meinte.

Alleine das Geld was Reggie hier über die Theke schob war definitiv ein neuer Tisch denn Fetch hatte praktisch die ganze Karte rauf und runter bestellt.

Während sie es sich also schon in einer der hinteren Ecken bequem gemacht hatte, zusammen mit einem ein Liter Softgetränk das zu 95% purer Zucker war, wartete Reggie bis die arme Seele hinter der Theke damit fertig war das Tablett voll zu stellen. Und mit voll zu stellen war genau das gemeint wie es klang, denn manche Sachen wurden aus Not schon gestapelt. Der Polizist konnte nur den Kopf schütteln und beschloss zwei Tabletts zu nehmen die er versuchte sicher zum Tisch zu tragen bevor er sich selbst noch einen Kaffee gönnte, von dem er hoffte das er schmeckte.

Fetch hatte die ersten Pommes bereits im Mund und kaute darauf herum als Reggie sich setzte. Zeitgleich packte sie den ersten Burger aus seiner Verpackung und drückte ihn zusammen so das die Remoulade an den Seiten raus lief.

„Ich dachte mit Essen spielt man nicht.“

Hastig schluckte Fetch die gekauten Pommes runter. „Ich spiele nicht, ich mache mein Essen nur passender. Mein Mund ist nun mal nicht so groß und jetzt komm mir nicht an das ich eine große Klappe habe oder ähnliches“, tadelte sie Reggie bevor er etwas sagen konnte.

Tja, vermutlich hätte er so etwas in die Richtung gesagt. Eine große Klappe hatte sie nämlich tatsächlich und damit war sie Delsin nicht ganz unähnlich. Auch das Essverhalten der beiden war gleich. Wobei sein Bruder grundsätzlich schlechte Tischmanieren hatte, bei Fetch lag es mitunter eher daran das sie eine Weile nichts richtiges gegessen hatte. Da würde selbst Reggie so schlingen, das konnte er ruhigen Gewissens zugeben. Allerdings wäre seine Wahl was das 'Restaurant' anging in dem Fall eine ganz andere gewesen um seinen Hunger zu stillen. Er kam zu der Erkenntnis das es die einfachen Dinge waren die man vermisste wenn man eingesperrt war.

„In Curdun Cay gab es so was wohl eher nicht?“, er nickte zu den beiden Tabletts.

Für einen Moment zögerte Fetch ihm zu antworten. Was in Curdun Cay passierte konnte man nur verstehen wenn man selber dort war. Natürlich konnte man es den Leuten sagen aber niemandem war bewusst was es bedeutete eingesperrt und wie ein Tier ohne Recht auf irgendetwas behandelt wurde. Es gab Conduits die fast rund um die Uhr überwacht wurden. Die meisten wurden gefüttert, gewaschen, man half ihnen sogar auf die Toilette nur damit sie nicht die Möglichkeit hatten ihre Kräfte zu nutzen. Zu gut erinnerte sich an die Betonhandschellen die nur durch Augustine oder jemanden mit den gleichen Kräften geöffnet werden konnte.

Die Frage nach dem Essen nahm sie da schon fast mit einem Lächeln hin. „Wäre schön gewesen. Ich meine.. man hat sich darum bemüht das wir alles an.. Nährstoffen kriegen was wir brauchen. Burger standen da nicht auf der Liste und vom Geschmack fange ich gar nicht erst an“, sie bemerkte wie Reggie nickte. Er schien sich seine eigenen Gedanken zu machen was dort passierte. Was ihr passiert war. „Hey, du kannst auch was von dem Zeug essen. Wenn ich noch Hunger habe sobald das hier weg ist kannst du ja einfach ein wenig Nachschlag holen.“

„Danke das ich die Erlaubnis bekommen von dem Essen was ich bezahlt habe auch was ab zu bekommen“, grinsend griff er sich einen Burger. Auch wenn er nicht der größte Fan von Fast Food war, das hier war gar nicht so schlecht und über die Gesellschaft die er hatte konnte er sich auch nicht beschweren. Nicht so sehr wie er es bei der ersten Begegnung mit Fetch zumindest dachte. Vielleicht war das ja der Anfang auf den richtigen Weg sich mit Conduits zu verstehen. Und wenn es nur Delsin zuliebe war.

~*~

Das die beiden weit mehr Zeit zusammen verbracht hatten wurde ihnen klar als es draußen dunkel wurde und die ersten Neonschilder anfingen zu leuchten.

Zunächst waren sie darüber überrascht, dann jedoch mussten beide lachen. Sie hatten die Zeit komplett vergessen und das war nicht ein Mal schlimm, denn beide hatten Spaß. So viel Spaß das man als Außenstehender meinen konnte die beiden wären schon seit Jahren die besten Freunde. Wenn nicht sogar mehr als das. Die Stimmung zwischen den beiden war eine komplett andere als wie beim ersten Treffen vor wenigen Tagen.

„Du hast Augustine ernsthaft mit deinem Essen beworfen?“

„Nicht nur Augustine, jeden der mir doof gekommen ist. Ich werde ihren Blick nie vergessen, die Strafe auch nicht“, wie auf Bestellung zog sie den linken Ärmel ihres Shirts hoch so das ihr Oberarm sichtbar war. Ihre Jacke hatte sie irgendwann ausgezogen und neben sich auf die Sitzbank gelegt. Reggie atmete ein Mal tief ein als er die Narbe an Fetch's Arm sah. Das sah wirklich übel aus.

„Tut mir Leid.“

„Oh, das braucht es nicht. Es ist meine eigene Schuld aber der Blick war es mir wert. Außerdem ist es nur eine Narbe.. eine hässliche vielleicht, ja, aber das verkrafte ich – hab ich ja schon ein paar Jahre.“

„Dennoch“, begann Reggie ohne sich wirklich einen Gedanken darum zu machen was er nun sagte. „Ich weiß das Narben Geschichten erzählen, manche sind dämlich, manche zeugen von so etwas wie Heldenmut. Ich habe durch meinen Job und auch durch Delsin so manch eine aber.. ich finde einfach Frauen sollten keine haben.“

Interessiert zog Fetch eine Augenbraue hoch. „Warum? Sind sie für dich dann weniger attraktiv?“, und war das der Versuch eines mehr oder weniger missglückten Flirts?

„Nein, das hat eher was mit meinem Job zu tun denke ich. Den meisten Narben denen ich begegnete – gerade die bei Frauen – zeugen von schlimmen Dingen. Bei dir ist es auch nicht gerade Positiv, nicht nachdem was du mir erzählt hast.“

„Das heißt ich sehe immer noch heiß aus“, als Reggie sich an seinem mittlerweile dritten Kaffee verschluckte, konnte Fetch nicht anders als zu lachen. Der Mann der ihr gegenüber saß war wirklich leicht aus dem Konzept zu bringen. Irgendwie war das ja niedlich, das musste sie zugeben. Oh warte! Hatte sie gerade gedacht das sein Benehmen niedlich war oder das er niedlich war? Okay, sie hatte eindeutig zu viel Zucker zu sich genommen und auch zu viel Burger. Das schien ihr ein wenig das Gehirn zu vernebeln. So als hätte sie zu tief ins Glas geschaut.

Es half auch nicht im geringsten als sie anfing mit ihrem Fuß leicht gegen seinen zu stoßen. Noch dazu da er anfing das ganze zu erwidern.

„Vielleicht sollten wir gehen. Es ist wirklich spät geworden und ich bin vollkommen satt. Ein kleiner Verdauungsspaziergang klingt nach einer guten Idee.“

„Das heißt wohl eher ich gehe zurück ins Hotel und du verschwindest im Nichts.“

„Nein“, Fetch schüttelte den Kopf. „Es heißt das was ich sage: ich möchte einen Spaziergang in netter Begleitung machen.“

„Ah, ich bin nun also doch nett.“

„Kann man so sagen. Zumindest bist gar nicht so schlecht wie ich dachte. Also? Lust auf einen Spaziergang?“, fragte sie direkt. Die Antwort ließ ein wenig auf sich warten aber sie war positiv. So zog Fetch sich geschwind ihre Jacke an, Reggie tat es ihr mit seiner gleich und nachdem sie die paar Reste die noch auf dem Tablett lagen in eine Papiertüte gepackt hatten verließen sie den Imbiss.

Die Luft draußen war kalt. Schon fast eisig – zumindest kam es ihnen so vor weil sie Stunden in einer doch recht warmen Atmosphäre verbracht hatten, was zum Ende nicht nur unbedingt an den Öfen und Fritteusen lag. Fetch rieb sich über die Arme. Sie brauchte dringend eine dickere Jacke, gerade jetzt wo es auf den Winter zuging. Das musste sie auf ihre Liste von Dingen die sie noch besorgen musste packen. Jetzt jedoch hieß es erst ein Mal zurück zu einem Unterschlupf zu kommen und sich so warm es ging in eine Decke einzukuscheln.

„Also.. du zeigst den Weg und ich folge dir.“

„Klingt nach einem Plan. Dann mal los“, damit setzte Fetch sich in Bewegung.

Es fiel ihr schwer nicht plötzlich in einen Neonsprint zu verfallen und den Polizisten hinter sich zu lassen. Sie war es gewöhnt sich schnell und somit auch ungesehen durch die Stadt zu bewegen, dieses langsame gehen passte ihr da eigentlich gar nicht. Aber sie war nicht alleine, das war etwas Positives und sie kam nicht daran vorbei Reggie hin und wieder anzuschauen. Sie war sich nicht sicher ob er es bemerkte. Wenn ja war es ihr egal. Jetzt wo sie mehr oder weniger alleine waren war es seltsam sich zu unterhalten.

So kam es das beide nicht wirklich sprachen. Es erschien beiden angenehm einfach so mit dem anderen die Straße entlang zu gehen und als sie irgendwann an dem Theater angekommen waren wo Fetch die meisten Nächte verbrachte, war es zu spät für Gespräche.

„Danke fürs herbringen. Sicher das ich nicht aufpassen sollte das du heil zum Hotel kommst Herr Polizist?“

„Ich bin groß genug, danke Frau Conduit“, entgegnete Reggie. Es war schwer sich das Grinsen zu verkneifen. Daran war allein Fetch Schuld. Sie bot ihm wesentlich besser die Stirn als sein Bruder und wenn er ehrlich war genoss er das ein wenig. „Nun ja, ich schätze man sieht sich. Spätestens wenn Delsin mal wieder eine seiner blöden Ideen hat.“

„.. vermutlich ja. Danke.. für das Essen“, sie hielt die kleine Papiertüte hoch. „Und für das Gespräch. Ich steh da eigentlich nicht so drauf aber unter den Umständen und allem..“

Reggie stimmte ihr zu. „Ich bin froh das wir das klären konnten. Wenn ich mich das nächste Mal wie ein Idiot benehme kannst du mir vors Schienbein treten.“

„Auf das Angebot komme ich bestimmt schneller zurück als dir lieb ist“, sagte sie neckend und schlug dem Mann leicht gegen die Brust. Es war so seltsam sich plötzlich normal mit ihm unterhalten zu können oder so normal wie es halt ging. Während dem Essen hatten sie über vieles geredet. Reggie hatte ihr versucht zu erklären das es von ihm aus nicht okay war sie als Abschaum zu betiteln, er es jedoch – auch aufgrund seines Jobs – nicht einfach so hinnehmen konnte und wollte das sie Menschen tötete. Ob Dealer oder nicht, auch diese Leute hatten Familien.

Und so hatte Fetch sich vorgenommen das ganze weniger brutal anzugehen.

Von Delsin hatte sie auch schon eine Belehrung bekommen. Bei ihm ging es jedoch eher darum das sie als Conduit versuchen sollte einen guten Eindruck zu hinterlassen. Sie gab zu das er Recht hatte: die Menschen fürchteten sie und die anderen Conduits aufgrund ihrer Kräfte. Weil das D.U.P. erzählte das sie wahllos Menschen tötete und das auf die grausamsten Arten. Fetch konnte nicht abstreiten das ihre Morde nicht grausam waren, denn das wäre gelogen.

Doch darum wollte sie sich keine Gedanken machen. Nicht jetzt. Nicht in dieser Situation.

„Danke auf jeden Fall. Komm gut zum Hotel – ich werde Delsin vermutlich tatsächlich durch die Stadt jagen sobald ich die Möglichkeit bekomme.“

„Dann hast du den Tag also doch weniger genossen als gedacht.“

Die Antwort die er bekam war ein Kopfschütteln. „Nein, es ist eher aus Prinzip.“

„Gut, ich dachte schon“, das erleichterte ihn irgendwie. „Also.. gute Nacht.“

„Dir auch“, schon fast unbeholfen und wie zwei Teenager standen die beiden da. Keiner wusste was er machen sollte und vor allem Fetch ärgerte sich weil dieses Verhalten so gar nicht zu ihr passte. Normalerweise war sie nie um ein Wort verlegen, war das jetzt allein wegen Reggie? Weil sie in all den Jahren in Curdun Cay verlernt hatte mit anderen Leute zu reden? Allen voran mit Männern? Ach, war doch egal. Bevor sie zwei Mal drüber nachdachte gab sie Reggie einen Kuss auf die Wange, dann verschwand sie in einer Spur aus Neon damit niemand sah wie rot ihr Gesicht wurde. Warum sie es getan hatte konnte sie sich nicht erklären, in diesem Moment fühlte es sich einfach richtig an.

Erstaunt über das was passiert war, ja schon fast ungläubig, legte Reggie seine Hand auf die Stelle die Fetch's Lippen wenige Sekunden zuvor berührt hatte. Was war hier gerade passiert? Und noch viel wichtiger:

warum war er froh darüber?

~*~

Delsin hatte nicht gefragt wie das Treffen verlaufen war. Er hatte seinen Bruder und Fetch ungefähr eine Stunde lang beobachtet und beschlossen das nichts interessantes passieren würde. Somit war er seiner Wege gegangen und wurde bei der nächsten Begegnung mit Fetch tatsächlich durch die Stadt gejagt. Er hatte es als Spaß angesehen. Aber okay, er wusste auch nicht in was für einer Gefühlszwickmühle Fetch wegen ihm steckte.

Die hatte in der Nacht nach dem Treffen kein Auge zu bekommen und als sie doch endlich den Schlaf fand wurden ihre Träume von Reggie heimgesucht. Es gab die unterschiedlichsten Szenarien: von einem wütenden Reggie weil sie wieder ein Mal jemanden getötet hatte und er sie dafür zu Rechenschaft zog, über den Mann in einem Burgerkostüm – es war wirklich eine schlechte Idee die ganze Karte zu bestellen – bis hin zu sehr.. freizügigen Träumen die dafür sorgten das Fetch schweißgebadet aufwachte. Und das lag nicht daran weil sie schlimm waren sofern man das so nennen konnte, sondern eher weil sie erkennen musste das sie genau das wollte.

Sie wollte Reggie.

Für Gefühle gab es hier allerdings keinen Platz.

Sie waren einem nur im Weg und sorgten in vielen Fällen nur für Tränen. Hier würde es leider nicht anders sein, das wurde Fetch schneller bewusst als ihr lieb war.

Als das D.U.P. sie fand konnte sie nichts dagegen tun. Die Soldaten erwischten sie als sie unachtsam war, ihre Gedanken waren bei Reggie und ein wenig wollte sie ihn in diesem Moment verfluchen. Doch sie wusste das sie nicht ihm die Schuld daran geben konnte. Dazu gehörten immer zwei und sie wusste nicht ein Mal ob es ihm genauso ging wie ihr, wozu ihm also Vorwürfe machen? Und so war sie mit ihren Gedanken bei dem Polizisten der plötzlich, ohne das sie es erwartet hatte, zusammen mit Delsin zu ihrer und Eugene's Rettung eilten.

Als sie ihn gesehen hatte war sie erleichtert gewesen. Ihr Herzschlag wurde innerhalb von Sekunden schneller und trotzdem konnte sie sich einen kleinen bissigen Kommentar nicht verkneifen.

„Habt ihr vor uns hier die ganze Zeit hängen zu lassen?“

„Wir müssen uns überlegen wie wir euch da runter kriegen. Das ist nicht so leicht“, Delsin drehte sich zu seinem Bruder. Sein Blick fiel auf den Granatwerfer. „Du hast echt keine Munition mehr dafür?“

„Meinst du das ernst?“, Reggie kniff die Augenbrauen zusammen. „Ich werde ganz bestimmt nicht mit einem Granatwerfer auf die beiden schießen!“, das er dabei so wütend wurde entging Delsin nicht, er sagte dazu jedoch nichts. Das Reggie und Fetch sich ausgesprochen hatten wusste er, daran war er schließlich nicht ganz unschuldig und somit erschien es für ihn nicht seltsam das Reggie sich um das Wohlergehen von Fetch sorgte. Genauso wie bei Eugene den er wesentlich freundlicher als Fetch begrüßt hatte als sie sich das erste Mal begegnet waren.

Sein Hass oder wie man die Gefühle die er gegenüber Conduits hatte auch immer nennen wollte, hatten sich ins Positive gewandt. Darüber war Delsin froh.

„Okay okay.. aber irgendwie müssen wir sie raus kriegen. Meinst du mit normalen Kugeln klappt es?“

Reggie seufzte, dann griff er seine Pistole. „Ich glaube kaum das die helfen“, er feuerte ein paar Schüsse auf das fliegende Betongefängnis ab, jedoch ohne Erfolg. Als er seine Waffe senkte fing Delsin an das ganze mit ein paar Rauchschüssen zu probieren.

Genau wie bei den Kugeln funktionierte das aber auch nicht. Beide Dinge prallten am Beton ab ohne die geringste Veränderung daran zu hinterlassen.

„Delsin das funktioniert nicht.“

„Ich weiß Eugene, ich weiß“, Delsin nahm die Arme runter. Er musste doch etwas tun können.. irgendwas das.. „Woah!“, beide Männer auf der Plattform schreckten zurück als sich der Beton um die beiden gefangenen Conduits schloss. „Fetch! Eugene!“

Delsin drehte sich um. In einiger Entfernung sah er Augustine stehen die ihn angrinste. Er hasste es wenn sie dies tat, sie kam sich dann immer so wichtig vor, das ihr niemand etwas anhaben konnte und in diesem Fall hatte sie leider Recht.

Denn als wäre es nicht schon schlimm genug das die Chance an die beiden Conduits zu kommen nun nur noch geringer wurde weil weder Delsin noch Reggie eine Idee hatte wie man den Beton aufbrechen sollte oder konnte, setzte sich das ganze Gebilde in Gang und fiel direkt auf die Plattform wo die Brüder standen. Beide versuchten zur Seite zu springen doch es nutzte nichts. Zusammen mit mehreren großen und auch kleineren Stücken Beton fielen sie hinab. Delsin schaffte es gerade noch so sich mit einer Hand festzuhalten, die andere griff seinen Bruder der weniger Glück hatte und sich nun auf Delsin verlassen musste nicht zu fallen.

Ein, wie vor allem Delsin beim Blick nach unten feststellen musste, auswegloses Unterfangen.

Er konnte sehen wie sich, angefangen an Reggie's Füßen, immer mehr Betonstücke den Körper hinauf schlichen die es Delsin immer schwerer machten Reggie festzuhalten ohne das ihn das Gewicht mit nach unten zog. Reggie folgte dem Blick seines Bruders. Ihm war bewusst was dies bedeutete.

„Delsin.. du musst mich los lassen.“

„Nein! Das werde ich nicht, ich kann dich nach oben ziehen“, er wollte das nicht hören. Er würde es schaffen, er würde alles dafür tun.

„Nein Delsin, wir wissen es beide..“, mittlerweile tat es Reggie selbst weh sich an die Hand seines Bruders zu klammern. Der Beton bohrte sich Stück für Stück in seinen Körper. Selbst wenn Delsin es schaffen würde beide nach oben zu ziehen, für Reggie gab es keine Hilfe mehr. „Delsin schau mich an.“

Das tat der Conduit nur widerwillig. Er wusste es genauso wie sein Bruder: würde er Reggie nicht loslassen würden beide fallen aber wie konnte er loslassen? Reggie war sein Bruder. Seine letzte Familie und während Reggie ihn nach Seattle begleitet hatte um alles zu tun das Delsin sicher war und sich nicht Hals über Kopf in die Gefahr stürzte, war es nun Delsin der seinen Bruder beschützen und retten wollte. „Reggie bitte.. ich kann das nicht..“, sein Blick war verzweifelt.

Es zerbrach Reggie das Herz Delsin so zu sehen. „Delsin.. du musst den Stamm retten.. ich weiß das du es kannst. Sag Betty das ich sie vermissen werde.. und Fetch auch..“

„Nein, nein!“

„.. ich bin stolz auf dich.. das war ich immer.. ich liebe dich“, den Blick starr auf seinen Bruder gerichtet ließ Reggie dessen Hand los und stürzte in die Tiefe. Er konnte hören wie Delsin nach ihm rief. Für Reggie war dies eins der schlimmsten Gefühle die er je erlebt hatte, seinen kleinen Bruder allein zu lassen.. zu sehen wie er jetzt schon darunter litt..

Das Wasser verschluckte ihn binnen Sekunden. Der Beton hatte seinen Körper noch nicht komplett bedeckt, der Arm mit dem er nach Delsin gegriffen hatte und sein Gesicht waren immer noch sichtbar und als er unter Wasser sank, fragte er sich ob er ertrinken würde bevor er komplett mit Beton eingehüllt war. Das er irgendwann sterben würde hatte er gewusst, das war der Lauf der Dinge und er hatte sich die schlimmsten Sachen ausgemalt. Er lebte gefährlich. Eine falsche Handlung bei der Arbeit, ein falscher Schuss – es hätte schon oft passieren können.

In der Hoffnung das es schnell vorbei gehen würde schloss er die Augen bis er plötzlich eine Hand bemerkte die nach ihm griff.

Schon fast befürchtete er das es sein Bruder war der ihm hinterher gesprungen war, doch statt den Augen seines Bruders blickte er in die von Fetch die verzweifelt versuchte ihn wieder nach oben zu ziehen.

Der Aufprall auf die Plattform hatten den Beton um die beiden gefangenen Conduits aufgesprengt und sie so ins Wasser geschleudert. Als sie aufgetaucht waren hatten beide gesehen wie Delsin und Reggie an der Außenkante hingen und auch wie Reggie schließlich in die Tiefe stürzte.

In Fetch's Kopf spielte sich in diesem Moment so viel ab das sie das Gefühl hatte er würde platzen. Ohne das es ihr richtig bewusst war, die Entschuldigung und die Träume außen vor, war Reggie ihr mehr ans Herz gewachsen als sie dachte und sie hatte mehr Angst ihn zu verlieren als davor was man ihr antun würde. Dazu kam und das war das schlimmste an der Situation, das sie wusste wie schmerzhaft es war den eigenen Bruder zu verlieren. Als Brent starb, als er wegen ihr starb, hatte sie aufgegeben. Ihr war alles egal, lange Zeit lang wollte sie selber einfach nur sterben und sie hatte in Curdun Cay oft darüber nachgedacht sich umzubringen. Sie hätte es gekonnt, mit ihren eigenen Kräften, es wäre ein leichtes gewesen in den Momenten in den sie die Handschellen nicht an hatte.

Und als sie dies überstanden hatte wollte sie nur noch Rache.

Brent's Tod hatte ein riesiges Loch in ihr Herz gerissen das nur langsam wieder heilte und gerade jetzt wurde diese Wunde noch größer wieder aufgerissen.

Sie wusste wie sehr Delsin zu seinem Bruder aufschaute. Er hatte es Reggie vermutlich nie erzählt, aber ihr. Als sie zusammen saßen nach dem ersten Treffen. Sie konnte das Leuchten in seinen Augen sehen und auch als sie mit Reggie sprach und er von seinem kleinen, manchmal dämlichen, Bruder redete konnte sie es sehen. Die beiden waren ein Herz und eine Seele, trotz aller Differenzen die sie hatten und Fetch wollte nicht das es Delsin genau so erging wie ihr. Sie wollte Reggie retten, egal zu welchem Preis.

Das sie selbst immer tiefer unter Wasser gezogen wurde, war ihr nicht bewusst. Das Gewicht des Betons zog sie mit hinab. Sie merkte wie Reggie versuchte seine Hand wegzuziehen denn ihm war durchaus bewusst was passieren würde wenn sie nicht losließ und wieder zur Oberfläche schwamm.

Zu sehen wie sie um sein Leben kämpfte machte ihn froh und zeitgleich auch traurig. Es gab so viel was er ihr hatte sagen wollen. Wozu er an dem Abend beim Burger essen nicht gekommen war und wozu sie danach auch keine Zeit hatten. Vielleicht, wenn alles anders gekommen wäre, hätten die beiden einen leichteren Start gehabt, sich besser vertragen und mehr miteinander gesprochen. Das hätte ihn froh gemacht.

Plötzlich nahm er eine weitere Person wahr die zu ihm hinab geschwommen kam. Es war Eugene der sich an Fetch klammerte und versuchte sie von Reggie loszureißen. Beide Männer wechselten einen Blick und Reggie nickte ihm zu bevor der Beton sein Gesicht komplett einhüllte. Noch immer hielt Fetch seine Hand fest, er konnte noch spüren wie Eugene versuchte den Griff mit seinen Händen zu lösen, doch erst als der Beton an der Hand ankam verschwanden die anderen beiden.

Dann war da nichts mehr außer anhaltender Schwärze.

Als Eugene Fetch endlich wieder an der Oberfläche hatte rangen beide nach Atmen. Ihre Lungen brannten, Fetch's mehr als seine und obwohl er froh war das er sie retten konnten sah Fetch ihn mit einem Blick an der im das Blut in den Adern gefrieren ließ.

„Warum hast du das getan? Ich hätte ihn retten können!“, sie schlug gegen seine Brust. Ob es Tränen waren, das Wasser oder der Regen der ihre Wangen hinab lief wusste sie nicht mehr.

„Du konntest nichts mehr für ihn tun.. wenn ich dich nicht.. du wärst auch gestorben“, das Trommeln gegen seine Brust wurde weniger. Stattdessen hielt Fetch sich nun an seinem Hoodie fest, den Blick nach unten gesenkt.

„.. ich wollte ihm helfen..“

„.. ich weiß.. und er wusste es auch.“

Als wäre das ein Zeichen gewesen brach alles aus Fetch heraus. Sie wusste nicht wann sie das letzte Mal so sehr um einen Menschen geweint hatte außer um ihren Bruder aber das hier erschien ihr viel schlimmer. Sie wünschte sich zurück. An den Tag an dem er sich bei ihr entschuldigt hatte, als sie mit Reggie so unbefangen über ihre Vergangenheit und seine Ängste sprach. Als noch alles in Ordnung war.

Ihr tränenverschwommener Blick glitt zu ihrer rechten Hand von der immer wieder Blut in das Wasser tropfte. Als der Beton sich komplett um Reggie geschlossen hatte, hatte sie noch ein Mal versucht nach ihm zu greifen bevor Eugene sie an die Oberfläche zerrte. Eine breite Schnittwunde zierte die Innenfläche.

Was hatte Reggie erzählt: die meisten Narben die er an Frauen gesehen hatte zeugten von schlimmen Dingen? Damit hatte er mehr Recht als ihr lieb war und nun würde sie für immer eine Erinnerung an den Mann haben der als einziger den Mut hatte sich bei ihr zu entschuldigen, sich ihre Geschichte anzuhören und der dafür sorgte das sie sich ein klein wenig geliebter gefühlt hatte.

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Tut mir Leid.. ich mag Reggie total gerne.
Das hier zu schreiben war grausam und ich will so was nie wieder machen.

Ich habe auf Tumblr einen Eintrag gefunden in dem jemand erwähnt hatte das er daran glaubt das Fetch versucht hat Reggie zu retten weil sie nicht wollte das Delsin seinen Bruder verliert und das sie selbst nur noch lebt weil Eugene sie von ihm weggerissen hat, bevor sie weiter ins Wasser gezogen wurde.
Diese Vorstellung ist schlimm aber ich mag sie und will daran glauben das es tatsächlich so gewesen sein könnte.
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