Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Warm Bodies - Eine zweite Chance

von Creenella
Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich, Liebesgeschichte / P12 / Gen
29.01.2015
02.03.2015
10
13.638
4
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.02.2015 1.353
 
Nach einer gefühlten Stunde versiegten meine Tränen endlich und ich fühlte mich auf einmal so seltsam leicht und müde.
Ich versuchte aber wieder einen klaren Kopf zu kriegen und konzentrierte mich deshalb auf das hier und jetzt. Es würde sicher nicht mehr lange dauern, bis er wiederkehrte und bis dahin brauchte ich irgendetwas um mich zu verteidigen, sollte es zu einem Angriff von ihm kommen.
In meinem Hinterkopf motzte plötzlich meine Naivität, immerhin hatte er mir gesagt dass er mich nicht essen wird. Aber...wer sagt denn dass ich ihm einfach so glauben kann? Immerhin ist er ein Zombie, vergessen die nicht schnell mal was?
Ich stemmte die Hände auf die Armlehnen meines Sitzes und drückte mich hoch um aufzustehen.
Noch immer etwas zittrig schlich ich in dem engen Gang umher, öffnete ein paar Fächer an den Sitzen, durchsuchte im halbdunkeln des Abends einen der Stewardess-Tische, welcher vollgeladen war mit irgendwelchen Büchern, und fand nach einigen Minuten wühlen unter einem relativ dicken Exememplar eine angerostete Schere.
Ich nahm sie fest in die Hand und machte mit meiner Hand eine Wurfbewegung, ohne jedoch wirklich zu werfen, und war erleichtert, dass sie relativ gut in der Hand lag. Ich steckte sie erst einmal in meine Jackentasche und sah mich noch einmal um.
Im Halbdunkeln erkannte man zwar nicht alles, aber trotzdem noch eine ganze Menge.
Überall lagen nämlich Haufenweise unnützes Zeug, Löffel, ein Zauberwürfel, Hefte aller Art, tonnenweise Bücher, Schallplatten, ein Plattenspieler und es hing sogar ein Mobilé an der Decke.
Plötzlich hörte ich das dumpfe quietschen der Metalltreppe die zum Eingang des Flugzeugs führte, als jemand sie hochging.
Zitternd zog ich die Schere aus meiner Jackentasche und kauerte mich, mit der Schere fest in beiden Händen haltend, auf einen der Sitze.
Das laute quietschen der Flugzeugtür durchfuhr den Raum und der Zombie trat leicht wankend ein und suchte mit seinem Blick den Raum ab, bis er an meinem Gesicht hängen blieb.
Das Blut an seinem Kinn war mittlerweile weg, nur noch die verschmierten, schwarzen Stellen an seinen Mundwinkeln ließen darauf schließen was er zuletzt wohl gegessen hatte.
Langsam schlurfte er auf mich zu und blieb vor mir stehen.
Ich fing unter seinem Blick wieder an zu zittern, doch plötzlich drehte er sich um klappte ein Fach in der Decke auf.
"Was machst du da..?" Hauchte ich, dummerweise ein paar Tonlagen höher als gewollt, und er nahm etwas aus dem Fach heraus. "Bitte lass mich in Ruhe.." meine Stimme klang jetzt nicht nur hoch, sondern auch unheimlich ziemlich zittrig und verheult. Plötzlich drehte er sich wieder zu mir und schüttelte etwas aus, wobei er den Blick auf mich gerichtet hielt. Es war eine Decke.
Langsam beugte er sich vor und legte die Decke über mich, von Schulter zu Schulter und drückte sie dort in die Nische zwischen meiner Schulter und den Sitz um sie zu fixieren, dabei möglichst darauf bedacht, mich so wenig wie möglich anzufassen.
Ich starrte ihn verblüfft an. Hatte er das tatsächlich ernst gemeint vorhin..?
Sein Blick war voll Mitleid und Reue, zudem hatte er die Augenbrauen ein wenig hochgezogen, sein ganzes Gesicht drückte förmlich das Wort "Entschuldigung" aus.
Halt warte mal Julie, er ist TOT, schon vergessen...?Das bildest du dir nur  wieder ein.
Aber wieso tat er das? "Wieso ich..?" Flüsterte ich und sah ihn verblüfft an. Wieso verschonte er mich...? "Wieso hast du mich gerettet...?" Gott sei dank klang meine Stimme jetzt wieder gleichmäßiger.
Aber wieso hatte er denn ausgerechnet mich gerettet? Wieso nicht Nora, Perry oder Berg..?
Er streckte vorsichtig die Hand aus, wohl um mir die Schere ab zu nehmen, ich jedoch zog sie nur näher an mich.
Er zog die Hand wieder weg und ich schaute ihm erneut in sein blasses Gesicht. "N....nicht.." Er machte eine Pause um zu schlucken und erneut Luft zu holen. "Wei....nen.."
Als ich keine Antwort gab, drehte er sich weg, wobei sein Blick nach oben zu ein paar weiteren Fächern ging. Ich legte die Schere neben mir auf den Nachbarsitz, nah genug dran, um sie jeder Zeit zur Verteidigung zu verwenden.
Nach ein bisschen Kramen zog er dann eine Schallplatte aus einem der Fächer.
Ich hatte den Plattenspieler und die vielen Platten bereits zuvor gesehen, aber er konnte doch keines Wegs wissen wie er funktioniert, oder? Immerhin war er doch ein Zombie.
Aber kein normaler Zombie wie du ja vielleicht schon vermuten kannst Julie.
Vorsichtig pustete er den Staub von ihr herunter und legte sie auf den Spieler.
Ich hörte wie die Nadel einrastete und das typische knistern der Schallplatte leise ertönte. Nach einer kurzen Pause hörte ich dann leise Gitarren-Akkorde und eine gepfiffene Melodie. Ich starrte ihn völlig verblüfft und mit gerunzelter Stirn an und folgte jeder seiner Bewegungen mit meinem Blick, als er sich umdrehte und sich auf die Armlehne eines Sitzes gegenüber von meinem niederließ.
Wieder musterte er mich mit diesem starren Blick, der aber diesmal viel weicher wirkte als ich erwartet hatte. "Sicher....Ich b..beschütze..." stotterte er dann leise, verlor sich dann aber in den Worten.
Er schien einmal tief durchzuatmen, schloss die Augen und ließ den Kopf ganz langsam hin und her schwanken.
Es brauchte mich ein paar Sekunden um zu begreifen, dass er sich tatsächlich zum Takt der Musik bewegte.
Er sah dabei so friedlich und entspannt aus.....Das Licht das durch die Sterne draussen erzeugt wurde, fiel durch die Fenster sanft auf sein blassgraues Gesicht herab. Es umschmiegte die weichen, aber doch markanten Konturen seiner Wangenknochen, der geraden Nase, hinab an seiner Wange, über die zwei Narben die sich über Mund und Mundwinkel zogen, sowie den Rest des auch sonst relativ schmalen Gesichts, das friedlich nach rechts und links wiegte und erzeugte weiche Schatten dabei. Er wirkte überhaupt nicht mehr wie der bedrohliche Zombie, für den ich ihn vor wenigen Stunden noch hielt.
"Was bist du..?" Fragte ich leise in den Raum hinein, obwohl das eigentlich nur ein zu laut geratener Gedanke war. Langsam öffnete er die grauen Augen, welche mich durch die nur halb hochgezogenen Lider ansahen.
Dann jedoch wechselten sie ihren Winkel und schauten auf den Boden, als er sich fast schon elegant auf den Sitz rutschen ließ.
Die Akkorde der Gitarre wurden ein wenig kräftiger und auch das melodische Pfeifen veränderte sich.
Sein Kopf drehte sich plötzlich wieder zu mir und fixierte ununterbrochen mein Gesicht, während er den kleinen Knopf unter der Armlehne des Sitzes drückte und er sich mitsamt Sitz langsam nach hinten neigte. Als der Sitz stehen blieb drehte sich sein Kopf zur Decke, die er schließlich betrachtete.
Noch immer verblüfft von seinem Verhalten starrte ich auf sein Profil, musterte jeden seiner Züge, beteachtete die Art und Weise wie sich sein Hals bog und sich die leicht durchschillernden Adern daran  verzweigten,... sich die schwarzen, zottigen Haare an seinem Nacken und um die Ohren leicht nach innen kringelten und sich zottig und unordentlich über die blasse Stirn legten... Oh Gott.... Ich drehte den Kopf weg von ihm und runzelte, entsetzt über mich selbst, die Stirn. Ich hatte doch grade nicht ernsthaft fast mit dem Gedanken gespielt, ihm sie von der Stirn zu steichen oder....?!
"Shed a tear 'cuz I'm missing you, I'm still alright to smile.." ertönte es vom Plattenspieler und riss mich aus meinen bizarren Gedanken.
Der sanfte Gesang von Axl Rose sackte langsam in mein Bewusstsein und ließ mich gähnen. Erst jetzt merkte ich, wie erschöpft und müde ich eigentlich war.
"Girl I think about you everyday now.." ich drehte mich leicht seitlich und zog die Decke weiter heran. "Was a time when I wasn't sure, but you set my mind at ease.."
Meine Augenlider drohten mehr und mehr zu zu fallen, es kostete mich immense Kraft sie offen zu behalten. " There is no doubt you're in my heart now..."
Darf...nicht....schlafen......Zom..bie...........hier..............Waren meine letzten Gedanken, bevor meine Augen sich schlossen und ich in die weichen, warmen Arme des Schlafes glitt.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast