Grau

von chiro96
GeschichteAllgemein / P16
Abby Smith Alex Finn Peters Jess Rudy Wade
29.01.2015
29.01.2015
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29.01.2015 518
 
Der Tag ist grau. Eigentlich ist jeder Tag in Wertham grau. Vermutlich gibt es Menschen, die würden nicht lange hier leben können, so fast komplett ohne Sonne. Aber das ist mir egal, ich mag grau.
Eine Mischung aus weiß und schwarz, aus hell und dunkel, aus gut und böse.
Das gefällt mir, denn ich bin genauso.
Ich bin ebenso gut wie böse, und weil ich nunmal auch böse bin, bin ich jetzt hier gelandet.
Im Gemeindezentrum.
Ich stehe hier im Eingangsbereich mit dem mir äußerst suspekten Bewährungshelfer, in diesem hübschen orangenen Overall. Naja, hübsch ist das nicht wirklich. Die hätten ruhig auch grau nehmen können.
Wir stehen hier nebeneinander, der Bewährungshelfer starrt schon seit knappen 10 Minuten gebannt auf die Eingangstür, während ich irritiert dabei beobachte. Offensichtlich wartet er auf etwas.
Oder jemanden.
Gelangweilt wende ich meinen Blick vom Gesicht des Bewährungshelfers ab, der Typ hat sich mir nicht einmal vorgestellt, tse. Aber mich hat er ausgequetscht wie eine reife Orange.
Hm, vielleicht deshalb die Overalls?
Das ist alles nur ein blöder Unfall gewesen, irgendwie. So ein Polizist, der zufällig da war, hatte mich dabei erwischt, wie ich notgedrungen mein kleines Geschäft in einem Parkhaus verrichten musste, weil mir sonst alles geplatzt wäre.
Deprimierend wie klein die Blase der Frau ist.
Da kam dann also dieser Bulle auf mich zu, den Schlagstock schon gezogen (ich bin ein Mädchen, was zur Hölle?!) und ich musste in Lichtgeschwindigkeit irgendwie meine Hose wieder hochziehen.
Als der Typ dann merkte, was ich da gemacht hatte, verwandelte sich sein zorniges Gesicht in ein lüstern-perverses Grinsen. Super, was?
Tja, und da man sich ja irgendwie gegen einen notgeilen Polizisten wehren muss, tat ich das, was in höchster Not geboten war:
Ich schubste ihn.
Und dann lag der Bulle da 20 Meter vor mir, sich krümmend vor Schmerzen, und er stammelte „Du verdammte Hure! Du hast mir drei Rippen gebrochen!!“.
Da war ich ziemlich verwundert, schließlich hatte ich ihn doch nur geschubst?
„Da seid ihr faulen Säcke ja endlich“, ruft auf einmal der Bewährungshelfer, ich schrecke aus meinen Gedanken hoch.
„Mach mal ganz locker, wir sind doch immerhin noch pünktlich. Psych!“, sagt einer von den fünfen und fuchtelt mit seinen Armen wild in der Gegend herum, als würde er Fliegen scheuchen.
Psych? Das kann doch nicht...
„Haltet eure Klappen und zieht euch um, ich habe heute eine schöne Arbeit für euch“, sagt der Typ, der, wie ich jetzt auch endlich auf seinem netten Schildchen sehe, Greg heißt. Er lässt mich hilflos vor den anderen stehen und wandert mit einem diabolischen Grinsen zurück in sein Büro.
Ich schaue schüchtern auf den Boden, halte mit mit der linken Hand an den rechten Oberarm. Das ist so ein Ding, was ich mir angewöhnt habe, hat für mich irgendwie was von Selbstschutz.
„Hi, ich bin Alex, und du?“, fragt mich plötzlich einer. Ich schaue hoch und blicke in ein paar haselnussbraune Augen. Der sieht irgendwie schwul aus.....
„Sheyla“, sage ich kurz und knapp, und ignoriere die ausgestreckte Hand, die er mir entgegenstreckt.
Alex scheint davon sichtlich irritiert zu sein, habe ich ihn jetzt in seinem Stolz verletzt?