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Between Worlds

von Curupira
Kurzbeschreibung
GeschichteMystery / P16 / FemSlash
Hope Estheim Lightning / Claire Farron Oerba Dia Vanille Oerba Yun Fang Serah Farron Snow Villiers
29.01.2015
15.09.2015
9
21.335
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Dieses Kapitel
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29.01.2015 1.074
 
Es beginnt in einer kalten Nacht. [Prolog] [Fang]

Es hatte geschneit. Schnee sah im Leuchten einer Straßenlaterne so wunderbar rein aus, so unberührt, wenn noch keine Fußspuren hindurchführten. So manche Nacht, im Winter, verbrachte Fang träumend an ihrem Fenster. Nur um die Reinheit des Schnees zu erleben. Es war etwas, worauf sie sich schon im Sommer freute.

Etwas Einzigartiges, was nur sie verstand.

Ihre Eltern schüttelten dagegen regelmäßig missbilligend ihre Köpfe, wenn sie die Treppen hinunterstürmte, nur um im Fernseher, den Wetterbericht zu lauschen. Oh wie oft hatte sie sich Nächte um die Ohren geschlagen, nur weil der Wettermann im Fernsehen behauptete, es würde schneien. Oft wurde sie enttäuscht und nicht selten hatte sie sich heimlich das Telefon stibitzt und den Sender angerufen, der solchen Unsinn erzählte. Sie hatten gelacht und einmal sogar Grüße an sie gesendet, es war ihr nicht peinlich, ihren Eltern schon. Weshalb sie froh war, seit drei Jahren in einer eigenen Wohnung zu leben. Denn dort konnte sie es sich leisten, vor der Fensterscheibe einzuschlafen, zu träumen. Konnte vergessen, dass es Dinge gab, an die sie sich nicht erinnern konnte.

Es war weit nach Mitternacht, als sie verspannt ihre Augen öffnete und mit Schrecken erkannte, dass sie den Schnee verpasst hatte, dass sie den Moment nie zurück bekommen würde, in dem der Schnee unberührt vor ihr lag, dass sie nun ein weiteres Jahr warten musste. Wütend darüber, dass sie so dumm war, einzuschlafen, öffnete sie ihr Fenster, um wenigstens den Schnee auf ihrem Fensterbrett als Erstes zu berühren. Doch noch bevor sie nach den kleinen, kalten Kristallen greifen konnte, ersuchte etwas anderes ihre Aufmerksamkeit.

Vor ihrem Fenster, wo sich eine abgelegene Straße einen Weg in die Stadt schlängelte, verlief eine seltsame, dunkle Spur durch den Schnee. Es kam nicht selten vor, dass noch mitten in der Nacht Menschen diesen Weg passierten, schließlich gab es außerhalb der Stadt eine Kneipe, die günstiges Bier verkaufte. Fang wusste nicht, wieso diese Spur ihre Aufmerksamkeit erregte, wieso sie sich anzog, ihren Lieblingsschal überwarf und eilig hinunter lief, als ob die Spur verwehen würde, wenn sie nur noch eine Sekunde verschwenden würde.

Sie ahnte, was es für eine Spur war. Doch wollte es nicht glauben, bevor sie es selbst sah. Mit dem Schein der Taschenlampe leuchtete sie über die Spur. Helles Rot. Als die Erkenntnis einsetzte, dass es sich um Blut handelte, begann es erneut zu schneien und Fang folgte gedankenverloren der Spur, die an einem Spielplatz, wenige Meter von einer Polizeistation entfernt, endete. Eine Schaukel quietschte und leises Stöhnen drang an ihr Ohr, bevor sie erkannte, dass jemand in der Dunkelheit schaukelte.

„Eine schöne Nacht, findest du nicht auch?“, fragte eine Frauenstimme. Die Schaukel hielt an und Fang konnte sehen, wie sich am Boden Blut sammelte und den Schnee rot färbte. Sie traute sich nicht, die Frau mit der Taschenlampe anzuleuchten. „Du blutest“, erwiderte sie und steckte die Lampe in ihre Manteltasche.

„Hätte ich fast vergessen, wenn diese Schmerzen nicht wären“, spottete die Frau. „Ich kann keinen Meter mehr gehen. Aber ein Glück, dass ich … du mich gefunden hast.“

Wortlos näherte Fang sich der Frau und kniete sich vor ihr. „Ich kann dir Hilfe holen“, bot sie an.

„Ein warmes Bad wäre schöner.“

Fang wusste nicht, weshalb sie der Frau anbot, ihr Bad zu nutzen, anstatt ihr zur Polizeistation zu helfen. Mit der verletzten Frau, dauerte der Rückweg zu ihrer Wohnung doppelt so lange. Fang war erstaunt, dass die Blutspur schon verschwunden war, von Neuschnee überdeckt.

„Wie heißt du?“ Wollte Fang wissen, als sie der Unbekannten half, den Mantel abzulegen und die Stiefel auszuziehen.

„Lightning.“

Anscheinend wollte Lightning nicht, dass sie ihren echten Namen erfuhr. Fang nahm es hin, stattdessen ließ sie ein Bad ein und holte ihren Erste Hilfe Koffer. Im Licht des Bades schaute Fang Lightning verwundert an. Denn die Unbekannte mit dem Namen Lightning hatte pinke Haare und wirkte merkwürdig vertraut auf sie. „Kennen wir uns?“

„Möglich“, antwortete Lightning vage und untersuchte ihre Stichwunde.

„Bist du sicher, dass du mit dieser Wunde ein Bad nehmen willst? Wie ist das überhaupt passiert?“

„Das Bad ist für dich, Fang. Es war kalt da draußen.“

„Du kennst meinen Namen?“

„Dein Klingelschild hat es verraten.“

Verlegen, weil es sie so überrascht hatte, dass Lightning ihren Namen kannte, stellte sie das Badewasser ab und half Lightning, die Wunde zu versorgen. Es war kein schlimmer Stich, er ging nicht tief genug, doch genäht musste die Wunde werden. „Ich habe keine Ahnung vom Wunden zunähen.“

„Nimm dein Bad, ich erledige das.“

Fang wusste nicht, weshalb sie ohne Widerworte in die Wanne stieg oder warum sie es zuließ, dass Lightning einfach ihr Bad verließ um sich selbst zu versorgen. Sie hatte noch nie fremde Menschen in ihre Wohnung gelassen. Noch nie, selbst an so besonderen Tagen nicht.

„Es gibt für alles ein erstes Mal“, seufzte Lightning, als Fang in ihre Küche trat, in die sich Lightning zurückgezogen hatte. „Du musst mir beim Vernähen helfen.“ Fang half so gut sie konnte und Lightning akzeptierte es. Als der Stich vernäht und verbunden war, erhob sich Lightning während Fang die Blutspuren entfernte.

„Willst du etwas trinken oder essen?“

„Danke, aber ich muss gehen.“

„Schon? Du konntest doch vorhin nicht einmal selbst laufen.“

Lightning verzog ihre Lippen zu etwas, was anscheinend ein Lächeln sein sollte. „Ich muss. Schöne Wohnung Fang. Drück mir die Daumen, dass ich nicht noch einmal hier lande.“ Fang verstand die Bedeutung der Worte nicht, weshalb sie der Frau wortlos hinterher blickte, bis ihre Wohnungstür zuschlug.

Plötzlich, es glich einem Stromschlag, kam Bewegung in Fangs Körper. Eilig stürmte sie in den Flur und riss die Tür auf. „Wann kommt Snow zurück?“ Die Worte erreichten niemanden. Das Treppenhaus war leer, Lightnings Spuren verschwunden, als ob sie nie hier gewesen wäre und Fang wunderte sich über ihre eigenen Worte, sie konnte sich keinen Reim aus ihrer albernen Frage machen, denn der Schnee war doch da...

Als sie sich von dem Treppenhaus abwandte und ihr Blick auf das Namensschild fiel, war sie komplett verwirrt. Woher kannte Lightning ihren Namen? Denn an dem Schild stand lediglich ihr Nachname.

Tage, Wochen und Monate vergingen genauso, wie der Schnee schmolz und die ersten Frühlingsblüher zum Leben erwachten. Die merkwürdige Fremde hatte Fang im Sommer schon wieder vergessen, als sie sich erneut auf den Winter freute und nicht bemerkte, wie sie von einer jungen Frau beobachtet wurde. Den Vanilleduft schrieb sie ihren Erinnerungen an den Winter zu, als sie leise summend durch einen Park schlenderte.
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