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Mary Sue: in Navy, Midnight and Royal Blue

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Aegnor Beleg Cúthalion Círdan Mablung von Doriath Nerdanel Thranduil
27.01.2015
14.03.2016
40
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01.11.2015 1.558
 
°°   25  °°


So angenehm der Aufenthalt in Bruchtal nun doch noch geworden war,  war es für Daereth stets  klar und nur eine Frage der Zeit wann sie weiter zögen.
Immerhin hatte sie ein Ziel, eine Stelle auf ihrer seltsamen Karte, ausmachen können.

Als nun die Jahreszeiten ins Land zogen, und schließlich der Frühling neues Erblühen und Erwachen brachte, stand fest: Die beiden würden weiter in Richtung der Grauen Anfurten ziehen.

"Die Orksituation hat sich beruhigt entlang der Straße", fachsimpelte Elrond vor sich hin, so als ob er für sich einen Grund finden müsste, warum er die beiden Frauen ohne Geleit ziehen ließ.
"Außerdem achten die Waldläufer bis zum Auenland in alle Himmelsrichtungen auch auf die Straße."

In den Tagen vor der Abreise bekam Cerveth kalte Füße.
Aber Daereth war unerbittlich und wollte keine Diskussion über die Abreise führen.
Sie hatte ihr Bündel bereits gepackt und besonderes Augenmerk auf ihren Rucksack gelegt.

Morgen sollte es endlich losgehen!
"Mit oder ohne dich, mir gleich", murmelte sie patzig.


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Er saß im Geäst hoch oben in den Pappeln, weit über dem Eingang des Geheimzugangs zu Thranduils Tunnelnetz, sichtgeschützt, außerhalb der Reichweite von Pfeilen, und sinnierte.


Cúthalion war lange genug in ME um die wichtigen Geschichten aus dem Zweiten Zeitalter der Sonne zu kennen, besonders die desaströsen.
Ihm war bekannt, dass  Thranduils Vater Oropher einst im Alleingang gehandelt hatte, damals zu Zeiten der letzten Allianz von Elben und Menschen. Dass er nicht unter dem Banner eines Noldos hatte reiten wollen. Und daraufhin den größten Teil seiner Armee und sein eigenes Leben verloren hatte.
Und Thranduil war ein wahrer Nachfolger seines Vaters.
In Bruchtal würden Waldreichelben aus Thranduils direktem Dienst also eher weniger warm und wohlwollend aufgenommen werden, überlegte er.
Falls Daereth tatsächlich nach Bruchtal gegangen war, was als einzige Option außer dem Tod noch übrig blieb, dann nur wie auf Durchreise und vermutlich nur unter Vorwänden.

Außer sie könnte gut lügen und dort verkaufen, dass sie ein Flüchtling sei.
Dies schloss er aber aus. So wäre sie nicht, glaubte er fest.

*****

Sollte er, oder sollte er nicht?
Nun, er hatte die offizielle Gutheißung Thranduils, ALLEN Spuren nach zu gehen.
So ließ er es sich nicht nehmen, die geheimen Tunnelpfade unter den Wurzeln der Bäume des Waldlandreichs zu beschreiten, deren Exisenz nicht einmal dem Prinzen Legolas bekannt war.

Er selbst fühlte sich durchaus würdig genug und es mangelte ihm keinesfalls an Selbstbewusstsein, darin nichts Verwerfliches zu sehen.

Der erste Schritt war gar nicht schwer, und die Erfahrung mit nichts zu messen und aufzuwiegen…

Er roch die Gefahr und hieß das neue alte Gefühl willkommen, wieder Herr seiner selbst zu sein.
Heroische Erinnerungen an Beleriand huschten in seine Gedanken.

***

Legolas traute seinen Augen nicht.
Regelrecht betäubt von der Unfassbarkeit, ja Ungeheuerlichkeit, die er hier nun lautlos erdulden musste, bebte sein gesamter Körper und zitterten seine Glieder bis in die Fingerspitzen.

Wie konnte ihm sein Vater dies nur vorenthalten!
War er also wirklich nur ein Waldelb und keines Sindakönigs würdiger Thronfolger?
Und auf einer ganz persönlichen Ebene: weshalb sollte ein Captain mehr wissen dürfen als der eigene Sohn!

Voller Zorn befand Legolas sich bereits im Absprung um in Angriffshaltung überzugehen.
Doch dann folgte er Cúthalion stattdessen geräuschlos in den Tunnel hinein.
Hier sollte diese Schmach ein Ende nehmen: Er würde seine Ehre wieder herstellen und den Captain in seine Schranken verweisen.

***

Cúthalions Hochstimmung und Reminiszenzen an sein altes Leben in Beleriand wurden abrupt durch seine jetzige Gegenwart und deren Realität abgelöst:

Er kam an eine Gesteinsblockade, die er nicht überwinden konnte, egal welchen ihm bekannten Spruch er zitierte. Tief wühlte er dazu im Pool der Erinnerungen an Menegroth, und die Meister aus Belegost und Nogrod, als diese noch mit dem Bau der Palast-Kavernen beschäftigt gewesen waren.

Aber diese Erinnerungen halfen ihm in keiner Weise, der kalte Stein rührte sich keinen Deut.

Wütend donnerte er Mal um Mal gegen den unnachgiebigen Fels und verfluchte Zwerge, Daereth und nicht zuletzt auch Thranduil, die ihn alle drei scheinbar mit besonderem Genuss versagen sehen wollten und um den Verstand bringen wollten!
Er schrie den unnachgiebigen Felsen an und verwünschte die Schöpfung der Welt.



"Cúthalion!", brüllte Legolas in an, nachdem er sich sattgesehen hatte an Cúthalions Scheitern den Fels zu bewegen.


***


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Eines Morgens gelangten die beiden Freundinnen in die Nähe der Stadt Bree. Das Stadttor war für das elbische Auge bereits in Sichtweite gerückt.
Cerveth erzählte Daereth einiges über diese Stadt und was das Besondere an ihr sei.
"Mein Patenonkel betreibt auch hier Geschäfte, aber längst nicht mehr so intensiv wie früher. Was schade ist, denn hier kommen so viele unterschiedliche Leute zusammen – es ergeben sich immer wieder Möglichkeiten zu Handel und Wissensaustausch."

Doch sie verbrachten nur eine Nacht in Bree und zogen schon weiter.
Einen ersten Eindruck konnte Daereth aber durchaus mitnehmen:
Ein Betrunkener torkelte von Wand zu Wand, in umstehende Leute hinein, die ihn angewidert weiterschoben; von manchen sammelte er auch eine Ohrfeige ein. Dritte lachten und schoben ihm eine Tabakpfeife zwischen die Lippen.
Dies schien ihn in der Tat zu beruhigen, denn er glitt mit einem zufriedenen Lächeln eine Wand hinab und blieb mit dem Kopf zwischen den Beinen so hängen.

Cerveth runzelte die Stirn.

"Er sieht gar großwüchsig für einen Menschen aus, und sieh nur seine Augen", meinte sie zu Daereth.
"Da hast du wohl recht. Aber ich möchte mich hier nicht einmischen, hast du auch diesen abscheulichen Gestank in der Nase? Widerlich."
"Wohl wahr, widerlich ist das!", stimmte eine fremde Frau ihr zu. "Dieses Kraut gehört verboten, aber wer kümmert sich schon drum, wenn die Luxussteuerabgaben an die Stadt stimmen?"
"Wie meint Ihr das?", wollte Daereth wissen, nichts ahnend was das bedeuten könnte oder sollte.
"Nichts für ungut", nickte Cerveth der Frau zu und zog Daereth schnurstracks weiter.
"Was meinte sie?", ließ Daereth  nicht locker.
"Über manche Dinge muss man nichts wissen", wich Cerveth aus und sagte nichts weiter darüber.


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Eines Tages überquerten die beiden – Cerveth auf dem Pferd, Daereth zu Fuß – einen Fluss.
Daereth zog ihre Karte heraus und befeuchtete sie.
Wie erwartet verschwamm die Karte und eine neue kam zum Vorschein.
Erwartungsvoll beobachtete sie die lebendigen Linien wie sie sich neu arrangierten und sich vor ihr ein völlig neues Bild entfaltete.
Cerveth lugte auch herüber, schien davon aber nicht sonderlich beeindruckt zu sein.
Wahrscheinlich glaubte sie noch immer nicht daran, dass es eine geheime Schatzkarte sein sollte.

"Das könnte der Baranduin sein", wies sie auf den einen Fluss. "Da befinden wir uns jetzt."
Sie würdigte die Karte keines weiteren Blickes und widmete ihre Aufmerksamkeit der Pflege ihres Äußeren.

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"Wer seid Ihr und was sucht Ihr in diesen Landen? Ihr stehlt Euch heimlich durch dieses Land – sprecht auf der Stelle!", forderte der stattliche Mensch mit den edlen Zügen barsch von Cúthalion.
Jener sah sich mit einem Kreis von durchaus ernstzunehmenden Männern konfrontiert, die zu allem entschlossen waren, wie er aus deren Haltung und Blicken lesen konnte.

"Ich bin auf der Suche nach einer Person. Mein König… möchte sie zurückholen. Ihre Spur führte mich hierher, auch wenn ich kaum glauben mag, dass sie so weit gekommen sein soll."

Misstrauisch beäugte der Hauptmann ihn und ließ dann zu guter Letzt sein Schwert sinken.
Daraufhin sanken auch die übrigen Schwerter, Messer und Bögen und ein deutliches Aufatmen folgte auf beiden Seiten.

"Hat diese Person einen Namen? Wer ist Euer König?"
"Ihr Name tut nichts zur Sache, aber meinen Auftrag habe ich vom König unter Eiche und Buche erhalten."
Ein Schmunzeln, Murmeln und hie und da auch ein hämisches Auflachen mischten sich in seine Rede hinein.
Die Männer hatten augenblicklich jegliches restliches Misstrauen ihm gegenüber verloren.
"Man sagt, die Waldelben des Düsterwaldes seien eher den Reben zugewandt denn dem Wald", neckte einer. Sein Hauptmann bedachte ihn zwar augenblicklich mit der Androhung einer körperlichen Rüge, aber selbst er konnte diese nicht ernsthaft durchziehen.

"Wie ist Euer Name?", nahm der Hauptmann den Faden wieder auf, sich wieder sammelnd. Die Stimmung insgesamt mochte aber nicht mehr zu der Ernsthaftigkeit zurück kehren, wie sie anfangs noch jedem auf die Stirn geschrieben war.
"Man nennt mich Cúthalion", antwortete er und beäugte den Trupp – selbst auch entspannter - nun genauer.

Beim Lagerfeuer erfuhr Cúthalion mehr über diesen hervorstechenden Menschenschlag und er empfand mehr und mehr Sympathie für deren Streben und deren Einstellung.

So blieb er Tage, und danach Wochen unter ihnen und lernte sie stets ein Stück näher kennen.
Sein Auftrag rückte mehr und mehr in den Hintergrund, bis er ihn bewusst für null und nichtig erklärte. Was scherte ihn ihr Verbleib – so sie noch am Leben wäre, was er grundsätzlich für unwahrscheinlich hielt.
Viel mehr widmete er sich der Unterstützung dieser Menschen hier, die er gerne an seinem Können und Wissen teilhaben lassen wollte. So einen Trupp Männer hätte er sich für den Düsterwald gewünscht, seufzte er in sich hinein.
Außerdem war er offiziell vom Kronprinzen verbannt worden. Als ob er, Cúthalion, etwas für die Politik des Königs könnte.
Er war eigentlich ganz froh, letztenendes – unehrenhaft, aber doch – aus den Fängen des Düsterwaldpolitikums entkommen zu sein.


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