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Mary Sue: in Navy, Midnight and Royal Blue

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Aegnor Beleg Cúthalion Círdan Mablung von Doriath Nerdanel Thranduil
27.01.2015
14.03.2016
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26.06.2015 3.099
 
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"Eure Hoheit, bitte seid nachsichtig mit mir. Ich möchte keinesfalls an Eurem Gedächtnis und Wissen zweifeln! Aber… es……… - - "
"So sprich endlich!", bedeutete Kaléri ungeduldig, dass ihr Berater endlich zum Punkt kommen solle.
"Nun, es ist so …. nun ja - - unglaublich…! Seid Ihr sicher?"
"Nicht nur meine Erinnerungen sind intakt. Es existiert beim Sindakönig ein Personenregister, welches die Existenz gar bestätigt. Freilich kenne nur noch ich den Zusammenhang und somit die Herkunft", lenkte sie mit müde gewordener Stimme ein und sank auf ihrem wahrlich Ehrfurcht gebietenden  Sitz ein wenig zusammen.

Nach Anbruch der Dunkelheit, als sie mit Sicherheit für niemanden mehr ansprechbar sein musste, lenkte sie ihre Schritte erneut zur Gedenkstätte ihrer Eltern.
Sie war froh, nicht mehr im Dienst des Sindas stehen zu müssen, inkognito.
Ihre Eltern hatten Recht behalten, und sie hätte sich niemals zu so einer Erniedrigung herablassen sollen.
Nach der ersten Euphorie um ihre Rückkehr, und auch nach den ersten kritischen Worten, ebbte alles ein wenig ab, und ein Hauch von "sie war als Dienstbote beim Sinda!" wehte ab und an zwischen Tür und Angel, bevorzugt dann, wenn man meinte, sie sei außer Hörweite.

Kaléri hatte nun sicherlich keinerlei Schwierigkeiten, solche Anbiederungen im Keim zu ersticken.
Aber es nagte an ihr, dass sie sich überhaupt damit auseinandersetzen musste.
Dennoch war die Zeit beim Sinda-König nicht umsonst gewesen.
Für sich selbst hatte sie einiges dadurch erreicht.
Und manches "geschenkt" bekommen, was sie ein wenig aus der Bahn geworfen hatte… - doch auch das würde sie zu Gunsten ihres Volkes, ihrer Elbenrasse, einzusetzen wissen.
Und nein: nichts würde unter den Tisch fallen; und niemand würde vergessen werden.
Bei dem letzten Gedankenzusatz beschleunigte sich ihr Atem unwillkürlich und ihr Puls stieg an.
In der Tat, niemand würde vergessen werden…

Ein Kloß im Hals brachte sie wieder ins Hier und Jetzt zurück.
"Das Tulcatino-Geschlecht hat keinen Kloß im Hals", erinnerte sie sich an eine ihrer selbst aufgestellten Regeln.
Es würde sich alles fügen. Dafür würde sie sorgen.

Sorgsam schob sie das Ríërilya*  von der Gedenkstatue etwas beiseite, betrachtete die hängenden Blüten über dem steinernen Abbild ihrer Eltern in Kampfeshaltung, und schloss die Augen.
Tief sog sie den besonderen Duft des Ríërilya*  ein und ließ die eine Träne – vollgesogen mit Trauer, Scham, Zweifel und Wut – los.

Wie ein zäher Öltropfen hing er an ihren Wimpern bevor er auf dem Marmor zerplatzte und den Sockel der Statue befleckte.
"Dies bist du", flüsterte sie so leise, sodass sich ihre bebenden Lippen kaum bewegten.

Dann verwischte sie den Tropfen keuchend so lange, bis er verdampft war und nicht das geringste Zeichen an seine Existenz erinnerte.
Schlussendlich erhob sie sich und blinzelte die Reste ihrer unerwünschten Gefühle weg.

Noch einmal atmete sie den hehren Duft der Blüten ein.

In den kommenden Tagen würde eine weitere Besuchsreise beginnen, dieses Mal eine zeitlich ausgiebigere. Für mehrere Monate sollte diese sie mit ihrem Gefolge ostwärts und südwärts führen.
Darauf freute sie sich eigentlich.
Es gab noch so viel aufzuholen, und neu einzuordnen, auch neu aufzustellen.

Verträge mussten erneuert, bekräftigt oder verlängert werden; Handelsrouten besichtigt und nach langer Zeit wieder einmal - zumindest grob - kontrolliert werden; Verhandlungen geführt werden; oder schlichtweg nach dem Rechten gesehen werden;

Die Avari hatten wieder einen Tulcatino: diese Botschaft musste wieder ins Bewusstsein geholt werden.

Passende Ehepartner mussten auch gefunden werden.
Möglicherweise musste es für sie gar einer von den Stämmen südöstlich des Rhûnmeeres sein – dort war die höchste Abspaltungsrate vom übergeordneten Großverband verzeichnet worden. Diese waren zwar allein aufgrund ihrer Zahl nicht bedeutungsvoll genug, aber es war nicht auszuschließen, dass sie die Menschen ihrer Peripherie unterstützten, oder gar diejenigen Avaristämme, die sich nicht im Großverband sehen wollten, und somit Kaléri schaden könnten und sicherlich auch würden wenn sie die Gelegenheit dazu bekämen.
Es war eine uralte Fehde….

Wenn die Südost-Rhûner Stämme sich nur den Menschen anschlössen, wäre es Kaléri herzlich egal gewesen.
Aber es ging das Gerücht, dass diese Menschen im Bund mit Sauron wären. Unter anderem davon wollte sich Kaléri selbst überzeugen.

Und die Guerilla-Avari, diese Stammesinseln, die einmal mehr, einmal weniger untereinander in Fehden verwickelt waren, würden sich auch eher dunklen  Machenschaften zuwenden, als sich freiwillig dem Tulcatino anzuschließen.
Auch dies war eine uralte Fehde…

So war es jedenfalls einst Stand der Dinge gewesen, vor ihrem Aufenthalt bei Thranduil.

Aber Kaléri war nicht nur die Tochter ihrer Eltern, sondern auch Kaléri als selbstständig agierende und Entscheidungen treffende und tragende Fürstin, die nun an der Macht war und Befugnis hatte, alte Karten neu zu mischen und auszuteilen.

Letztenendes aber wäre für sie selbst ein Ehemann aus dem starken und bedeutungsvollen Osten angemessen, oder auch aus dem hohen Norden. Aber es war unwahrscheinlich, dass sie zufällig auf genau so einen Schneeelben unterwegs treffen würden.
Auch wenn es nicht zur Gänze abwegig war. Die Clanältesten der Nordost-Clans  hatten von mehrfachen und länger andauernden Besuchen von entfernt verschwägerten Sippen aus dem Norden erzählt.
Der Südosten war politisch und gesellschaftlich aber brisanter, und sie musste auch danach Entscheidungen treffen.
Kaléri seufzte. Aber ihre Schultern und ihr Rücken blieben dabei gerade und aufrecht.

Weit im Osten sollte auch noch ein Zauberer hausen.
Auch ihm galt geplanterweise ein Anstandsbesuch; so es sich ausging. Oder besser: so er sich finden ließe.

Nun, es gab insgesamt viel zu tun.


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"Captain", stand Menelas stramm vor seinem Chef.

Cúthalion warf ein gelangweiltes Auge auf seinen Wächter und widmete sich sogleich wieder seiner Leimzubereitung.
Nach ein paar Rührrunden streute er noch weiter mehliges Pulver in den blubbernden Brei und rührte beständig weiter.
"Was gibt es, Menelas", fragte er dann endlich.
"Die Neuaufteilung steht noch aus. Und der Bote des Königs wartet auch noch auf Antwort."
"Lass Brethilas dem König ausrichten, dass alles wie üblich abläuft. Keine Veränderungen. Und ich akzeptiere keine Neuanträge. Mit den jetzigen Schülern habe ich wahrlich genug zu tun", fügte er noch genervt hinzu.

"Captain", fing Menelas nach einer unangenehmen Pause erneut an.
"Was noch."
"Einige Männer fühlen sich mit dem letztgültigen Plan nicht wohl."
"So mögen sie nach Hause gehen um zu den Schößen ihrer Mütter und Frauen zurückzukehren!",  brauste Cúthalion unbeherrscht auf.

Er hatte diese Meute ohne Mumm und Ansporn so satt!
Warum wollten alle in sein Camp um dann schon bei der kleinsten Herausforderung einen Rückzieher zu machen!
Und die, die es wollten, wurden kaum zu ihm geschickt!
Wie sollte er eine Elitetruppe aufbauen ohne dass die, die diese Elite formieren sollten, dazu bereit waren auch so zu denken!
Warum schickte Thranduil ihm nicht die Leute, die auch tatsächlich zur Elite gehören wollten und zu allem dazu nötigen bereit waren!!

*******

"Ihr müsst dazu BEREIT sein! Ein einfaches "ich will" reicht nicht aus, Männer! Ihr müsst es in euren Herzen spüren! Euer Herz muss an allem, das ihr tut, ausnahmslos zur Gänze hängen und ihr müsst im Herzen entschlossen sein, zu kämpfen! Findet zuerst die innere, bedingungslose Bereitschaft, für das, was Euch lieb und teuer ist, zu kämpfen! Dann kommt die Kreativität, die Finesse, die Möglichkeiten, die spontanen Lösungsfindungen in Notsituationen. Ihr seid immer noch ein Haufen unselbstständiger und kopfloser Halbwüchsiger, verdammtnocheinmal!", donnerte er zornig in die versammelte Mannschaft hinein.

Das ging den Rekruten nahe.
Sie kannten ihren Captain schon ein wenig, aber dies traf sie hart.

"Ich will keinen von euch als Toten nach Hause bringen lassen müssen! Aber ihr werdet eure Messer noch nicht gezogen haben, da wäret ihr bereits auf dem Weg nach Mandos! Meint ihr, das möchte ich sehen?? Ich kann hier keine Mimosen brauchen! Jeder, der sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlt, packt seine Sachen und geht nach Hause! Geht bis morgen Abend in euch und steht zu eurer Schwäche, trefft eine ehrliche Entscheidung. Dies hier ist kein Spielplatz, Männer! Ich kann alleine nicht gegen untereinander verbündete Spinnennester kämpfen und siegen, und schon gar nicht Orknester beobachten und in Schach halten, aber noch weniger kann ich auf euch alle aufpassen!"

Streng blickte er in die Runde um die Wirkung seiner Worte zu messen.

"Du!", pickte er sich irgendeinen heraus – sie sahen alle gleich aus, diese verwöhnten Burschen, zog er die Brauen zusammen und setzte einen Blick auf, der an ein aufziehendes, gewaltiges Berggewitter erinnerte. "Geh mit Brethilas zurück zum König, und überbring ihm von mir folgende Botschaft. Dies wird mein letzter Befehl an dich sein. Folgendes:  Daereths Spuren enden abrupt. Ebenso die spärlichen Hinweise auf ihren Verbleib. Daraus schließe ich aufgrund von zahlreichen Erfahrungswerten am ehesten auf Tod durch Fressen. Entführung halte ich für sehr unwahrscheinlich. Es könnte auch eine Gefangennahme gegeben haben. In diesem Fall aber hat sie entweder wunderbar dicht gehalten oder wurde gleich getötet. Denn es gibt keine Anzeichen auf einen Hinterhalt oder einen größer angelegten Plan, soviel kann ich mit Sicherheit sagen. -Ich halte Daereth für bereits tot."

Totenstille.

Brethilas räusperte sich als erster.
"Ihr meint… gefressen … von….Orks?"
"Bilwissen, Trollen, vielleicht war der alte Hautwechsler auch schlecht aufgelegt und sie gerade besonders provokant dumm und töricht – was weiß ich!"

Menelas' Faust verschloss seinen eigenen Mund. Diese Ansage fuhr ihm durch Mark und Bein.
In diesem Moment wusste er, dass er nicht mehr im Elitetrupp sein wollte.
Er hatte Daereth im Stillen immer für begabter gehalten und für beherzter. Das was Cúthalion versuchte aus ihnen heraus zu kitzeln, war sie von sich aus mehr als bereit zu geben gewesen. Und gerade sie sollte …. gefressen worden sein….!
Aber er konnte doch auch nichts dafür, dass der König ihn und nicht sie ins Camp geschickt hatte!

Jedenfalls war ihm sein Leben lieb und teuer, und dazu stand er mit seinem ganzen Herzen.

Am nächsten Tag packte er seine Sachen zusammen und ließ sich vom Captain entlassen.
Er würde als einer von drei weiteren zusammen mit Brethilas und dem ernannten zweiten Boten zu Thranduil zurückkehren.

*******


Cúthalion fühlte sich kein bisschen befreiter. Jetzt da er es ausgesprochen und auf den Weg geschickt hatte, brachte es doch keine Erleichterung für sein Gemüt.

Sein Bogen war fertig, und ein Ersatzbogen im Entstehen.
Für seine Schützlinge hatte er im Sinn, je einen Bogen als Abschiedsgeschenk zu leimen; mit dieser Arbeit hatte er bereits begonnen.

     
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"Erzählt die Geschichte von eurem ersten Treffen mit ihm noch einmal, bitte. Es macht mir Mut", lächelte Nerdanel bekräftigend und ermutigend Mablung zu.

Die Tage und Nächte auf hoher See zogen langsam dahin.
Eigentlich von keiner Relevanz für elbisches Zeitverständnis. Und doch konnte es die Besatzung kaum erwarten die Gestade Mittelerdes zu erreichen.
Für einige würde es ein Wiedersehen werden.
Für andere eine völlig neue Erfahrung.

Entsprechend unterschiedlich waren die Erwartungen und Bilder in den Köpfen.
Doch schlussendlich war Mittelerde dieser Zeiten für alle neu.

"Lord Angrod trinkt zu viel Gebranntes", merkte Mablung einmal an, und Nerdanel nickte etwas bekümmert.
Sie wusste ja woher dies rührte.

"Und Ihr wollt mir tatsächlich bei der Suche beistehen?", wollte Mablung noch einmal wissen, als ob es nun, da die Reise bereits im Gange war, noch eine Rolle spielte.
"Wie es ausgemacht war. Aber Ihr wisst um meine Personenverbindlichkeiten Bescheid", seufzte sie ein Mal mehr. "Es mag mitunter nicht leicht sein, in meiner Gesellschaft auf Wohlwollen zu stoßen."

"Wie werden wir uns zu erkennen geben? Wie sollen wir uns vorstellen?", diese Frage war bereits vor Reisebeginn aufgekommen und bis jetzt noch immer nicht ausreichend beantwortet worden.
"Es mag für jeden von uns anders verlaufen", sinnierte Angrod.
Er selbst war sich nicht mehr ganz sicher ob er sofort seinen Bruder suchen gehen sollte, oder doch zuerst seine Schwester suchen sollte. Galadriel war in Mittelerde jedenfalls mit Sicherheit leichter zu finden als sein Bruder.
Zu dieser Erkenntnis war er gekommen, nachdem er sich alle Begegnungen und Gespräche mit Neuankömmlingen in Valinor wieder ins Gedächtnis gerufen hatte.

Die Sterne am Himmel mochten heute Nacht nicht durch die dichte Wolkendecke strahlen.
Er seufzte erneut und trank beherzt seinen Becher leer.

**********


"Amondos, wie sieht es aus?", wollte Mablung vom Schiffskapitän wissen, der zu Zeiten Beleriands unter Cirdan gedient hatte, und nun angestrengt Wolkenbewegungen und Wellengang beobachtete.
"Weiterhin unerwartet ruhig", berichtete jener. "Es gab noch keinen Tag und keine Nacht, in der Sturm oder der Maiar Unwille aufgekommen wären. Es ist seltsam, wenn man mich fragt. Ich hätte mir Widerstand erwartet."
"Wollen wir es nicht verschreien", wehrte Mablung ab. "Mir ist eine leichte Reise beileibe lieber!"
"Wohl wahr. Und wir haben die Reise erst begonnen, und sind noch lange nicht angekommen. Wer weiß wohin es uns verschlägt – dies mag unsere Strafe sein –"
"Ich bitte Euch aufrichtig, nicht weiter von Strafe zu sprechen", unterbrach Nerdanel Amondos.

Sie glaubte nicht an Strafe.
Dazu war es zu seltsam, dass eine der Maiar Mablung einen Hinweis gegeben hatte.
Und sie selbst war von Vaire in Träumen besucht worden.
Es mochte Zufall sein. Dennoch glaubte sie nicht, dass ihre Unternehmung zur Gänze unerwünscht war.
Was die eigentliche Frage wieder aufwarf: Wie hing das alles zusammen?
Nerdanel konnte sich noch keinen Reim darauf machen.
Umso mehr freute sie sich auf Mittelerde, denn dort versprach sie sich Antworten zu bekommen.
"Antworten, deren Fragen ich gar nicht gestellt habe. Oder doch? Schließlich wollte ich nach Mittelerde um selbst zu erfahren, was so viele dorthin gezogen hat. Was aber haben die Maiar und Valar damit zu tun, wieso unterstützen, ja ermutigen sie uns? Ich erkenne noch immer keine Zusammenhänge", sinnierte sie vor sich hin.

Schließlich wandte sie sich wieder an Angrod, um von ihm weiter in der neueren und ihm bekannten Sindasprache unterrichtet zu werden, die er sich durch die Kontakte mit Alqualonde angeeignet hatte.


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Cerveth blühte auf dem Wasser förmlich auf.
Sie fühlte sich dort am sichersten und am richtigen Ort.
Egal ob Boot, Floß oder gekenterte Nussschale – im und auf dem Wasser fand sie immer eine Möglichkeit und ging niemals unter.

Daereth stand mit den Händen an der Stirn am Ufer und verfolgte die Manöver ihrer Freundin. Sie fand es unglaublich, wie selbstsicher und kompetent Cerveth schlagartig wurde sobald ihre Haut ein wenig Wasser spürte.
Eigentlich war sie stolz auf sie!



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"Das glaube ich nicht! Dazu ist sie zu ausgefuchst", erzürnte Thranduil auf seinem Thron. "Ich werde selbst mit ihm reden."


*******



Cúthalion kam gerade mit seinen vertrauenswürdigen, altgedienten Männern von einer Observationsrunde zurück, als er König Thranduils Ankunft bereits erahnte.

Thranduil musterte ihn eingehend, und sie grüßten einander dann endlich auch angemessen.

"Du wirkst und agierst hier wie ein König", sprach Thranduil dann endlich seine Beobachtung aus. "Wie ein Fürst zum anderen hast du mir eine Reihe Männer zurückgeschickt, wie Ausschussware. Ganz zerknirscht waren sie, gar verängstigt", fuhr er fort.
Dies geschah wie wenn ein Raubtier ein anderes beobachtet und die Situation abtastet, die Gefahr abschätzt.

"Nun, es ist im Sinne aller aktiv oder passiv Beteiligter, dass hier nur Männer agieren, die Härte, Ausdauer, Mut und Disziplin aufbringen können. Alles andere brauche ich nicht in diesen Reihen, auf deren Rücken eine große Last ruht. Wenn wir versagen, steht einem Feind der Weg frei zu Eurem Palast", rückte Cúthalion die Sache ins rechte Licht.

Thranduil drehte bereits Runden um die Feuerstelle.

"Wohl war, wohl war, Cúthalion. - - Nun….. Ich kann nicht glauben, dass ausgerechnet Daereth tot sein soll. Suche nochmals nach ihr. Gründlichst. Geh jeder noch so  unwahrscheinlichen Spur nach."

Cúthalion traute seinen Ohren nicht.
Unwillig schnaufte er die Luft heraus.

Jetzt hatte er wirklich genug von diesen Kindereien.

"M..", er stockte und brachte das 'mein' nicht über die Lippen.
Augenblicklich musste er an die Situation mit Daereth denken, der das 'mein' in der Anrede zuletzt auch nicht über die Lippen hatte kommen wollen.
Angewidert schluckte er die nun bittere Spucke hinunter.

"Darum also", dachte er für den Bruchteil eines Augenblicks, bevor er dann entschlossen fortfuhr: "Mein König, ich werde Eurem Wunsch nachgehen und sie ein letztes Mal suchen. Aber wisset, dass dies meine letzte Tat in Euren Diensten stehend sein wird, so ich sie nicht finde."

Thanduil blicke ihn durchaus bestürzt an.

"Wenn ich in einem Jahr nicht mit ihr zurückkehre, so möchte ich mit dieser Schmach nicht länger in Euren Diensten stehen und als bester Fährtenleser dieser Zeit gelten", atmete er tief durch.

"Mein guter Cúthalion, so eine drastische Maßnahme ist nun wirklich nicht nötig", versuchte Thranduil das Schlimmste abzuwenden. "Die Situation war und ist nun wirklich keine einfache, und ich nehme es dir sicher nicht übel, falls sie uns tatsächlich durch die Lappen gehen sollte! Du hast Spuren gefunden – ein anderer wäre nicht einmal bis Seestadt gekommen!"
"Mein Entschluss steht fest, es ist eine Frage der Ehre für mich geworden", wehrte Cúthalion ab. "Wie kann ich euch weiter dienen, wenn ich es nicht einmal mehr schaffe, eine einfache Wache aufzuspüren oder zumindest etwas über den Verbleib herauszufinden."

Thranduils Miene verdüsterte sich schlagartig.
Diese Göre schaffte es also nicht nur, ihm unter seiner Nase zu entwischen UND etwas zu entwenden, das er selbst bis heute nicht genau hatte identifizieren können, nein jetzt verabschiedete sich ihretwegen sogar sein bester Mann und Captain im gesamten Wald!
Wegen dieses unbedeutenden, vermaledeiten BALGS!
Eine Horde uneinsichtiger Zwerge verursachte nicht so viel Aufhebens und Unannehmlichkeiten wie sie! Und jetzt gar höchstgradigen Verlust!!

"Ich verspreche Euch, es noch einmal zu versuchen. Ein letztes Mal. Am besten ziehe ich die noch nicht ganz ausgeschöpften Möglichkeiten in Betracht und gehe diesen Hinweisen nach, so noch ausreichend davon auszumachen sind", fuhr er fort.

Schweren Herzens willigte Thranduil ein; aber nicht ohne erneut zu betonen, dass Cúthalion stets willkommen sei und sein Palast stets offen für ihn stehe.

Er konnte noch nicht ganz glauben, dass Cúthalion ernsthaft daraus eine Ehrensache machen wollte.



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*_eine reine Erfindung:
Ríërilya = östlich vom Rhûnmeer eine häufig vorkommende Duftpflanze, die man unter den Avari nur hochgeschätzten Personen schenkt. Der Duft bewirkt dass man sich an erhebende Momente erinnert und sich verbunden und eins mit einer größeren oder übergeordneten Macht fühlt (aber keine Euphoriegefühle).
Als Blütentee bewirkt sie Zuversicht.
Das Extrakt frischer Wurzeln zur rechten Zeit gezogen, wird nur in seltenen Fällen hergestellt: bei kriegerischen Auseinandersetzungen oder anderen Situationen, die großen Mut, Herzblut und große Zuversicht abverlangen.

(Quenya: ríë = crown, rilya = glittering; Quelle: http://folk.uib.no/hnohf/wordlists.htm)
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