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Mary Sue: in Navy, Midnight and Royal Blue

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Aegnor Beleg Cúthalion Círdan Mablung von Doriath Nerdanel Thranduil
27.01.2015
14.03.2016
40
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27.01.2015 792
 
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Mit bebendem Mund und flehenden Augen, die die letzten Stunden durchgeweint hatten, versuchte sie ein letztes Mal, die Eltern umzustimmen: "Ich bitte euch! Ich flehe euch an! Bitte – BITTE – nehmt mich mit. Nehmt mich mit! Lasst mich nicht hier zurück!"

Der Mutter schnürte es das Herz zusammen und dem Vater die Kehle.
Er schluckte schwer und kniete sich zu seiner Tochter herab um sie liebevoll ein letztes Mal in die Arme zu nehmen und zu drücken.

"Kaléri, Prinzessin, wir haben dies alles schon durchdiskutiert. Glaub mir, wir sind die Allerletzten, die eine Familientrennung wünschen. Aber es geht nicht anders. Sei vernünftig. Bitte. Sei vernünftig und halte unseren Namen hoch während wir jenes Opfer bringen, das gebracht werden muss. Niemals darf der Sinda von dir erfahren. Wir halten unsere Würden in Ehren, aber geheim. Geh niemals – NIEMALS", damit hob er beinahe drohend den Zeigefinger, "zu Thranduil dem Sinda. Diese Schmach nehmen wir auf uns. Als Söldner. Damit unser Clanverband nicht entdeckt wird, gehen wir mutig auf die Bedrohung zu und als Söldner ins Waldlandreich. Er soll nicht auch noch unseren Stamm vereinnahmen."

"Das ist doch alles so sinnlos! Er weiß doch schon, dass es da noch weitere Scharen, Clans und Völker gibt!"
"Er wird aber nicht auch noch unseren Clanverband eingliedern und für Kriegszwecke einspannen!", erzürnte der dunkle Elb und hielt seine Tochter eisern an den Schultern fest. "Unsere Zahl ist gering genug, ich werde nicht zulassen, dass er uns zur Gänze auslöscht! So wie es unter seinem Vater und ihm in diesem elenden Krieg am Ende des letzten Zeitalters mit anderen Stämmen und Clanverbänden geschehen ist! Du darfst niemals Teil seiner Untertanen werden!"
"Er hat doch schon längst seine Fühler nach dem Osten ausgestreckt. Er weiß Bescheid. – Ich will lieber mit meinen Eltern untergehen als alleine hier zu sitzen um eines Tages ja doch vereinnahmt zu werden!"

"Niemand wird vereinnahmt werden wenn sich alle an unsere Befehle halten", erwiderte die Mutter nun. "Haltet euch bedeckt und zieht euch zurück. Es ist alles arrangiert. Befehle sind an alle Bezirksmeister und an alle Clanältesten ergangen. Wir werden nicht zu oft zurückkehren können, sonst fällt es auf.  Du wirst an unserer Statt unseren Clanverband lenken. So wie wir es besprochen haben. Wir glauben an dich. Du bist nicht umsonst unsere Tochter. Und damit eine Erbin des ersten Tulcatino (1). Reiß dich zusammen. Alles hat im Leben eine vorbestimmte Zeit, und alles hat seine Abfolge und seinen Platz. Deine Zeit hat nun begonnen."

"Glaubt ihr denn im Ernst, Thranduil wird sich täuschen lassen?!"
"Seine Späher haben stets nur uns und unsere Knappen gesehen. Etwas, was ihm in der Größenordnung schon zig Male über den Weg gelaufen ist. Er ahnt nichts weiter."
"Wie weißt du das mit Sicherheit? Schließlich stellt ihr euch nun sozusagen sicherheitshalber in seine Dienste um von unserem Gesamt-Clanverband abzulenken! Er muss also doch eine Ahnung haben – ihr rechnet jedenfalls damit!", ließ sich Kaléri nicht für dumm verkaufen, auch wenn sie insgeheim wusste, dass ihre Eltern sich nicht umstimmen lassen würden.
"Nein, hat er nicht. Weil er unseren Clanverband sonst längst eingegliedert hätte. Diese fruchtlose Unterhaltung ist hier zu Ende", unterband der Vater weitere Verzögerungsmanöver seiner Tochter.

Der darauffolgende Tag sollte der letzte gemeinsame für lange, lange Zeit sein.

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Nach diesem Tag sah Kaléri ihre Eltern nur noch drei weitere Male.

Vor Zorn und niederen Gefühlen, spie sie beim letzten Mal heraus, sie wünschte es wäre das letzte Zusammentreffen dieser unerfreulichen Art!

Voller Eifersucht und dem Gefühl des Betrogenwordenseins, warf sie ihre Eltern förmlich aus dem Herrscherbezirk ihres Avari-Clanverbands.
Ihre Mutter blickte verhärmt zu der Tochter, die sie momentan nicht wiedererkannte.
"Leben ist kostbar. Und du wirst deiner Mutter keine Vorschriften machen", herrschte sie sie dann aufs Schärfste an.

Hernach war das Fürstenpaar nicht mehr unter Ihresgleichen gesehen.

Manche der Alten sahen Unglück auf Kaléri zukommen nach so einer Tat.
"Dummes Geschwätz", kommentierte die angesprochene Fürstin nur.


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Doch eines Tages vernahm sie vom Fall ihrer Eltern, und es reute sie unsäglich, dass die letzten Worte und Empfindungen solcher Natur gewesen waren.

Dem alten, gefallenen Fürstenpaar zu Ehren wurde eine angemessene Andacht abgehalten, und Kaléri vergoss bitterste Tränen und verging beinahe an Trauer, Schmerz und Kummer.
Denn sie konnte ihre Eltern nicht einmal nach deren Tod zurück nach Hause holen.

Kaléris fürchterlicher Wunsch, der allein im Zorn ausgesprochen worden war, war nur allzu schnell in Erfüllung gegangen.


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(1): Eigenerfindung für Häuptling, Stammesanführer, etc.
Tulcatino     Steadfast Course     tulca+tië+-no
http://www.realelvish.net/quenya_names_personality.php  
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