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Mary Sue: in Navy, Midnight and Royal Blue

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Aegnor Beleg Cúthalion Círdan Mablung von Doriath Nerdanel Thranduil
27.01.2015
14.03.2016
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27.01.2015 1.458
 
Ihr Lieben,
Diese Geschichte setzt kein Wissen aus dem Silmarillion/Unfinished Tales/HoME voraus, sie funktioniert aber umso besser, wenn man damit vertraut ist.
Es lässt sich auch alles leicht im Internet recherchieren.
Kapitel 1-4 sind der Vorspann.


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°° 01 °°

Dunkel und unbehaglich – eine mulmige Atmosphäre legte sich über die Ostküste Amans.

Die verwunschenen Inseln wirkten noch gespenstischer als sie es ohnehin waren.

Tol Eresseä schien nicht nur dünn besiedelt sondern gänzlich verlassen und dem Vergessen anheimgefallen.


Mit Gischtschaum um seine sich manifestierende Gestalt herum, bemühte sich der Herrscher über alle Meere, Liebhaber der Tiefsee, zu einer bedeutsamen Zusammenkunft der Valar im Máhanaxar.
Zu keinem geringeren Anlass wäre er sonst dem Ozean entstiegen.

Schweren Schrittes und in Gedanken versunken, beeilte er sich nicht gerade dorthin.

Es würde keine einfache Entscheidung werden. Einiges sprach dafür, Schwerwiegendes jedoch dagegen. Er selbst wollte sich noch immer nicht bindend festlegen.


Nun war er am Ring des Schicksals angekommen.
Er war der letzte, alle warteten auf ihn.
Wortlos nahm er seinen Platz inne und schwieg weiter bedeutungsschwer.

So saßen die Valar und hatten einen finalen Entschluss zu fassen.

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Endlich hatten sich alle zusammen zu einer Verbindlichkeit durchgerungen.

Manwe und auch Vaire blickten ostwärts.
Jenseits des Nebels und über Ulmos Reich hinweg, richteten sie ihre Blicke auf Mittelerde.


"So sei es", löste Manwe den Rat auf, und Ulmo kehrte zum Wasser zurück.



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Beleg Cúthalion war von den Valar auserkoren worden, nach Mittelerde zurückzukehren.

Mandos und Ulmo hatten warnende Worte ausgesprochen und wiederholt.
Aber die übrigen Großen hatten erwidert, dass die Zeichen der Zeit auf Sturm stünden und keine weitere Zeit mit der Suche nach einem Anderen vergeudet werden dürfe; oder gar mit noch längerem Warten.
Die Auswahl sei zudem sehr klein.
Mandos und Ulmo hatten sorgenschwer genickt. Es war ihnen nur allzu genau bewusst.

Der größtenteils willenlose Geist Belegs nahm die Botschaft auf, wieder in seinen Körper zurückfinden zu sollen. Er wartete auf weitere Botschaften, Anweisungen. Die Vergangenheit ruhte, der Sturm nach der Einkehr in Mandos war seit langem bereits abgeflaut, auch wenn der Geist einst zerbersten wollte vor Pein.
Doch Beleg hatte sich von sich und dem Selbst gelöst; Zeit war verstrichen.

Er kannte nichts mehr.
Nichts war von irgendeiner Bedeutung, oder von Gestalt, mit Inhalt beschwert, oder von erfassbarem Wert.
Sein Geist-Selbst war inzwischen reingewaschen: ein leeres Blatt mit Vergangenheit – jedoch ohne Bewusstsein darob.
Er hatte keine Erinnerung.

Belegs Geist war frei und unvoreingenommen; er könnte wieder in eine Form eingegliedert werden.
Doch wer sollte dies ermöglichen? Und: War Belegs Fea von sich selbst aus bereit dazu?

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Vaire hatte zunächst die Überlegung unterstützt, Nelyafinwe zurückzusenden.

Aber Nerdanel zeigte sich seit je her sehr unwillig. Seitdem sie ihre gesamte Familie an Mittelerde verloren hatte, damals, als nur die Sterne am Himmel geleuchtet hatten, weigerte sie sich standhaft, nochmals zu heiraten um höchstwahrscheinlich irgendjemanden aus ihrer Familie nochmals in die Groß-Sippe hineinzugebären. Denn das würde unweigerlich geschehen, ahnte sie. Das allerdings würde sie nicht verkraften.
Selbst wenn die Valar dafür gesprochen hätten.


Darum hatten sich die Valar für eine außerordentliche Tat entschieden, und jeder von ihnen steuerte nun so viel seines Könnens und seiner Macht bei, wie es gerade noch vor Ilúvatar rechtzufertigen war, ohne einen Frevel an des Einen Schöpfungsgedanken begangen zu haben.

Die Wahl war auf Beleg Cúthalion gefallen, weil er selbst nie geboren worden war, sondern einst am See des Erwachens erweckt worden war.
Er hatte keine Nachkommen, keine verbindlichen Personenverantwortlichkeiten und keine Herkunftsfamilie, er konnte also nicht in eine Sippe wieder hinein geboren werden. Dies ermöglichte aber auch den gewagten Schritt der Valar vor Eru rechtzufertigen.


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Noch wäre es für Beleg zu früh, wieder in seine eigene Form zurückgeschickt zu werden, denn den letzten Schritt der Bewusstwerdung, der Schritt des Erneuten Erwachens, von dem war Belegs Geist von sich selbst aus noch entfernt.
Diesen letzten und wichtigsten Entscheidungsschritt aber übernahmen die Valar für ihn, und nicht alle waren glücklich mit dieser Vorwegnahme.


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Es sollte Ulmos Aufgabe sein, Beleg zu Bewusstsein zu verhelfen.
Er brachte Beleg auf die Insel Himling, die einst Nelyafinwes Festung Himring gewesen war.

Dort empfing der Geist einen Auftrag: die Wiederselbstwerdung.
Durch das Ankommen auf dem Festland sollte er nach und nach wieder in seinen physischen Körper zurückfinden.
Durch das Sich-Auseinandersetzen mit der konkreten Erde, dem Gestein, der Luft, der Unfassbarkeit des Wassers und der Wärme des Feuers, solle sein Körper wieder manifestiert werden, um zuletzt wieder als Beleg Cuthalion reinkarniert zu sein.

Auf Himling erhielt der Geist auch diese Botschaft: Er solle helfen und Hilfe erhalten. Er solle den König suchen und ein Königreich finden.
Er solle das Bestreben der freien Völker, Mittelerde wieder lebenswert zu machen und zu erhalten, unterstützen und noch mutiger voran schreiten als er einst in Beleriand schon bewiesen hatte imstande zu sein.

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Als reines Geistwesen kam Beleg Cúthalion am Meeresstrand Forlindons an, an einem unbewohnten Ort in einer Einöde, wo außer einigen wenigen wackeren Tierarten kein Wesen weilte; und er wanderte als reines Geistwesen mit Ulmos Auftrag des Wiederselbstwerdens langsam über die Blauen Berge.

Gelenkt durch Wächter der Lüfte, kam er südostwärts bis zum Kleinen Lhûn, und die Reise führte noch weiter und weiter.
Seine Essenz driftete mit immer größer werdender Mühe und Beschwerlichkeit weiter ostwärts über die Emyn Uial, bis zum See Nenuial.
Ulmos Wasserdiener lenkten ihn entlang der Wasseradern so gut sie imstande waren.

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Einmal kam der Schmerz.
Er setzte ein und hörte nicht mehr auf.
Belegs Geist wand sich, litt Qualen und wollte sich damit noch nicht auseinandersetzen.
Doch die Form um ihn wurde konkreter, die Physis zwingender, und der Geist unfreier.

Je deutlicher und zuletzt vehementer er sich dagegen zu wappnen und wehren versuchte, desto schneller lief der Prozess aber ab.
Und eines Nachts – er erinnerte sich und nahm den Zustand als Nacht wahr – da spürte er.
Er empfand die Begrenzung vollends und brauchte erstmals wieder……

Zeit.

Zeit um sich wiederzufinden.

Mit beiden Händen ertastete er sich und seine Umwelt. Er erkannte und erlebte Form als Abgrenzung.
Sein Geist jedoch durchdrang die Physis nun, bis hin zur Formgrenze, seinem Körper.
     

Es dauerte noch bis der Geist es erneut verstand, auch über die Formgrenze hinaus zu wirken, und was das bedeutete.



Schließlich erinnerte er sich.

Die Frei-heit des Geistes war nun gänzlich verloren gegangen.

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Dort, am See Nenuial, erreichte er dann endgültig seine inkarnierte Gestalt zurück - er erwachte.
Beleg verweilte für einige zig Jahre bei einer nomadisierenden Nandor-Familie, die ihn ohne viele Fragen als gestrandete, gepeinigte Seele aufnahm.
Sie lehrten ihn die Allgemeinsprache, den Dialekt des rezenten Sindarins, den sie selbst sprachen, sowie die Westron-Schrift.
Auch Weltgeschichte, so wie sie die Nandor kannten und erfahren hatten, wurde ihm vermittelt. So erhielt er einen Einstieg, einen Anknüpfungspunkt, und konnte dadurch wieder beginnen, sein Leben selbst in die Hände zu nehmen.

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Fasziniert und mutig knüpfte er erste Verbindungen auch zu anderen nomadisierenden Elben und verbrachte Zeit mit ihnen. Er lernte sogar hin und wieder Menschen kennen, die ihn faszinierten, da sie so anders waren als die, die er aus Beleriand kannte.

Schließlich begab er sich mit einigem Hab und Gut, das er von seinen Nandor-Freunden geschenkt bekommen hatte, ostwärts zu Thranduil, einem König, wie man ihm sagte. Der König im Düsterwald.
Die Nandor gingen zuletzt nach Mithlond um mit dem nächsten Schiff nach Valinor zu segeln.
Manche aber blieben und lebten als Nomaden, so wie sie es schon über Generationen hinweg taten.


Bei Thranduil kam er zunächst einfach als "Cúthalion", als selbsternannter Bogenheld, und als scheinbar ahnungsloser Grünschnabel an, entwickelte sich aber bald schon zu einer von Thranduil hochgeschätzten Institution im Düsterwald.
Sein Selbst, seine Fähigkeiten und seine Erinnerungen an Beleriand waren vollends wieder zurückgekommen.
Doch dies brauchte der König nicht zu wissen.
Cúthalion hielt seine Seelenmission unter Verschluss und gab nichts davon preis.
Die Zeit würde zeigen, inwieweit Thranduil als König zu ihm gehörte.


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Er erhielt zunächst militärische Ausbildung und Weiterbildung um Thranduils Ansprüchen und Vorstellungen zu genügen.
Und bald schon war Cúthalion als bester Schütze und Fährtenleser bekannt, anerkannt und höchst geschätzt – nicht zuletzt von Thranduil selbst.

Es war auch nur noch eine Frage der Zeit gewesen, wann Cúthalion Captain der sensiblen Südgrenzen vor den Waldlandbergen werden sollte.

Nein, es war nicht annähernd so wie in Beleriand einst.
Aber es war ein Anfang für ihn.
Später erweiterte Thranduil seine Aufgaben auf Ausbildung und Training von und mit Spezialeinheiten.


Zunächst war Cúthalion vorsichtig gewesen mit der Namenswahl.
Aber er wusste auch, dass Thranduil ihn nicht persönlich kennen konnte, denn damals in Menegroth war Thranduil gerade auf die Welt gekommen und hatte in den wenigen Jahren bis zu Belegs Weggang, ihn, Beleg, kaum einmal zu Gesicht bekommen.

Und 'Cúthalion' war ein Beiname, der ihn nicht zwangsläufig verraten musste.

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