Demon of Silent (III/III)

GeschichteFantasy, Horror / P16
Glenda Perkins John Sinclair Sheila Conolly Sir James Powell Suko
26.01.2015
26.01.2015
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Auch wenn Irene nicht voraussehen konnte, was sie selbst betraf, so konnte sie dennoch erahnen, was Sam plante. Wieso sollte ihre Verlobte sonst mit zwei Frauen, die sie noch nicht mal einen Tag kannte, zum shoppen gehen?

Irene war sich sicher, dass Sam für Irene ein Geburtstagsgeschenk kaufen würde – sie hatte gestern auch genug Andeutungen gemacht, was ihr gefallen würde.

Nach dem gemeinsamen Kaffee im Hoteleigenen Restaurant, wo sie sich mit John, Suko, Shao, Bill und Sheila getroffen hatten, gingen die Frauen ihres Weges. Auch Bill entschuldigt sich; er wollte nach Hause, da sein Sohn, Johnny, heute früher aus der Schule kam und er sicher gehen wollte, dass sein Nachwuchs auch Hausaufgaben machte und die Zeit mit nicht der Spielkonsole verbrachte.

  „Und was nun?“ fragte John. „Worauf hättest du denn Lust, Irene?“

  „Wenn ich ehrlich bin“, sagte die blonde Frau, „würde ich mir gerne euer Büro ansehen.“

 „Eigentlich habe ich frei“, sagte John, aber er konnte Irenes flehenden Blick nicht wiederstehen, „Aber unter einen Vorwand, könnten wir uns für ein paar Minuten dort sehen lassen.“

  „Dann los!“ Irene war aufgesprungen und sah die beiden Männer an. „Worauf wartet ihr noch?“





  Einen Sack Flöhe hüten habe ich mir immer schwer vorgestellt, aber das war bevor ich Irene wirklich kennen gelernt habe. Aber was sollte ich machen? Ich habe ihrer Großmutter damals etwas versprochen und ich befürchte, wenn ich Irene in die Schranken weise, dass Annis Geist mich heimsucht.

Also beiße ich in den berühmten sauren Apfel und lenke eine Frau ab, damit ihre Verlobte ein Geburtstagsgeschenk für sie organisieren kann.

Irgendetwas ist in meinem Leben verdammt schief gelaufen…

Wir waren mit meinem Bentley gefahren und mein Bentley ist nicht gerade ein 08/15 Auto, aber Irene hatte der Wagen nicht beeindruckt. Viel mehr hatte sie Augen für Sukos Motorrad, das direkt neben meinem Wagen stand.

  „Ich habe ein Custum Bike!“ sagte sie und stieg in den Fond des Wagens ein. „Silberner Lack mit blauer Flammenoptik.“

  Während Suko und Irene über Motorräder sprachen, hörte ich nicht zu, sondern pendelte mich in den Verkehr ein. Erst als Irene von ihrem eigenen Auto erzählte, wurde ich wieder aufmerksam.

  „… Pferde unter der Haube und eins auf der Haube“ sagte sie und grinste mich über den Rückspielgen an. „Nein, es ist kein Ferrari! Es ist ein 69 Ford Mustang Cabriolet.“

  Nun wusste ich, warum mein Bentley sie nicht beeindruckte: Die Frau stand eindeutig auf Motorräder und Muscle- Cars. Die Frau wurde mir immer sympathischer, obwohl ich genau wusste, dass ich nie im Leben eine Chance bei ihr haben würde.

Im Yard angekommen, parkte ich in der Tiefgarage, führte Irene zum Aufzug und erzählte ihr grob etwas von den Kollegen. Kaum öffneten sich die Aufzugtüren erneut, meldete sich mein Handy.

Es war Glenda.

  „John, du musst sofort ins Büro kommen. Sir James will dich auf der Stelle treffen!“

  Glenda, meine Sekretärin, hatte mir den Rücken zugedreht und sah zur Tür, die zum Büro von Sir James Powell, meinem Chef führte. Sie bemerkte gar nicht, dass wir ihr uns näherten.

  „Sag ihm, ich bin in einer Minute bei ihm!“

  Glenda erschrak und legte zittrig den Hörer auf. „John, hast du mich erschreckt. Und wer ist das?“

  Ich stellte ihr Glenda vor und die beiden Frauen schienen sich auf Anhieb zu verstehen. Dieses mal behauptete Irene auch nicht, dass sie meine neue Freundin sei.

  „John, ich zeig Irene mal das Gebäude!“ sagte Suko. Er griff nach Irenes Arm und zog sie sanft mit sich.

  „Ich ruf dich an, wenn ich hier fertig bin“, rief ich meinem Freund und Kollegen noch nach; Irene schenkte ich noch ein lächeln, bevor sie wieder im Aufzug verschwand.

Nun ging ich zur Sir James.

In seinem Büro roch es nach frischem Kaffee. Zwar hatte ich gerade erst eine Tasse gehabt, aber es war eine Art Spiel zwischen uns, dass ich immer wieder versuchte eine Tasse von ihm zubekommen – er hatte einfach eine sehr gute Röstmischung.

„Guten Morgen, Sir James. Ich hoffe, ich habe Sie nicht zu lange warten lassen!“ sagte ich und warf dabei einen vielsagenden Blick auf die Kaffeemaschine.

  „John?“ überrascht sah er auf. „Ich habe Glenda vor nicht mal fünf Minuten gebeten… John, hören Sie mir überhaupt zu?“

  „Also Sir James, wenn Sie noch einen Augenblick brauchen, dann…“ ich setzte mich und sah wieder auf die Kaffeemaschine.

  „Herr Gott, John… Wenn ich so ihre ungeteilte Aufmerksamkeit erhalte, dann nehmen Sie sich einen Kaffee!“

  „Danke, Sir James. Zu freundlich!“





  Suko führte Irene in den Gebäudetrakt, in dem die Fitnessräume waren und brachte sie in den Raum, in dem Nahkampf unterrichtet wurde. Nachdem was er über Irene wusste, würde sie das interessieren und ihm würde es auch nicht schaden mit den Kollegen noch einige Griffe zu üben.

  Sie standen etwas entfernt der Kampfarena, welche aus Matten bestand, und sahen dem Kampfsporttrainer zu. Um ihn herum, besser gesagt am Rand der Kampfarena, saßen überwiegend junge Polizisten, Männer sowie Frauen, und hörten ihm zu. Alle trugen Trainingsanzüge und waren ohne Schuhe.

Der Kampfsporttrainer erblickte Suko und Irene, ging auf sie zu und sprach sie an. Suko stellte beide vor.

  „Oh, Sie haben Erfahrung in Kampfsport? Möchten Sie vielleicht mit uns trainieren, Dr. Kien?“

  „Gerne, aber ich muss Sie warnen, Trainer Wilkson, man sagt meine Methoden seien alles andere als konventionell.“ Irene schlüpfte aus ihren Stiefeln und war sofort um einige Zentimeter kleiner. Sie zog ihre Jacke aus und bat Suko sie für sie zu halten.

  „Bist du dir sicher? Er hat bei der Weltmeisterschaft den dritten Platz gemacht und hat acht schwarze Gürtel in drei Kampfsportarten.“

  Irene lächelte und sagte nur, er solle ihr vertrauen und folgte dann Trainer Wilkson in die Mitte der Matte. Sie sprachen sich kurz ab, vorbeugten sich voreinander und Irene durfte den ersten Angriff machen.

Sie deuteten beide gegenseitig einige Schläge und Tritte an, die gewollt vom anderen abgeblockt wurden. Trainer Wilkson sagte hin und wieder etwas dazu und erklärte sinnvolle Abwehrmethoden.

„Und damit ihr Gegenüber Sie nicht noch mal angreifen kann, packen Sie beherzt zu und werfen ihren Gegner über die Schulter.“

Gesagt getan. Suko sah wie Irene durch die Luft wirbelt, mit einem lauten Knall am Boden landet und regungslos liegen bleibt

  „… könnten Sie dem Angreifer Handschellen anlegen. Ja, Sie haben eine Frage!“

  „Sir, ist es normal, dass die junge Dame sich nicht mehr bewegt?“

  Noch bevor Trainer Wilkson reagieren konnte, war Suko zu Irene gerannt. Er hockte sich neben sie, berührte sie bei der Schulter und… plötzlich traf ihn ein harter Schlag; sein Kopf flog zur Seite und ein Körper folgte. Ein lautes rauschen erklang in seinem linken Ohr, aber sein Trommelfell schien nicht betroffen zu sein.

Er sah zu Irene hoch, die mit Leichtigkeit aufsprang, sich die Hände rieb und sagte: „Ich sagte doch, ich bin unkonventionell!“

  „Das habe ich gemerkt!“

  Verlegen schlug sie sich die Hände ans Gesicht: „Suko… Das tut mir Leid, ich dachte…“ sie zeigte auf Trainer Wilkson, der genauso erstaunt schien wie Suko, „… ich dachte, du wärst er!“

  „Falsch gedacht!“ Suko stand wieder auf. Er rieb sich das Ohr und stellte fest, dass das Rauschen langsam leiser wurde. Er versicherte Irene, dass es ihm gut gehen würde und wollte sehen, ob John sein Gespräch mit Sir James beendet hatte.

  „Keine Sorge ich werde niemanden etwas davon erzählen “, sagte Irene und sah in die Runde, „Und ich denke, dass das diesen Raum nicht verlassen wird!“

  Alle stimmten ihr zu und nickten; sogar Trainer Wilkson.

Nun, wer würde auch glauben, dass Suko von einer kleinen Frau fast K.O. gehauen wurde?





  Nachdem Sir James mich über einen ungewöhnlichen Zwischenfall informiert hatte, wollte ich eigentlich nach Suko und Irene suchen, aber mein Freund hatte schon an die Tür von Sir James geklopft, bevor ich vom Stuhl aufstehen konnte. Ich war mir nicht sicher, ob es Zufall war, oder ob dieses perfekte Timing an Irene lag. Sie war wie Anni – immer da wenn man sie brachte, auch wenn man nicht mit ihr gerechnet hätte.

  Suko betrat das Büro und Irene streckte den Kopf durch die Tür. Sie fragte höflich nach, ob sie reinkommen darf, oder draußen warten sollte.

„Ich würde den berühmten Sir James Powell gerne persönlich kennen lernen, so fern Ihre Zeit es auch erlaubt“, sagte sie an Sir James gewandt und lächelte dabei.

  „John, wollen Sie mir Ihre Freundin nicht vorstellen?“

  „Sir… sie ist nicht…“ doch bevor ich die Sachlage erklären konnte, hatte Irene das Büro betreten, die Tür hinter sich geschlossen und war stellte sich persönlich vor.

  Sir James schüttelte ihr die Hand und wirkte direkt begeistert. „Sie sind Ärztin? Wo haben Sie John denn kennen gelernt? Ich meine, er meidet Ärzte und Krankenhäuser wie der Teufel das Weihwasser.“

  „Das ist eine längere Geschichte!“ sagte Irene. Sie setzte sich, nachdem Sir James ihr den letzten freien Stuhl angeboten hatte. „Und ich glaube, dazu haben wir heute nicht die Zeit.“

  „Dann erzählen Sie mir doch bitte die Kurzfassung bei einer Tasse Kaffee!“ Sir James schenkte Irene eine Tasse ein und reichte sie ihr; mir blieb fast der Mund offen stehen. Da bekam Irene nach weniger als fünf Minuten eine Tasse der besten Röstungen in ganz London und ich musste betteln, damit ich nicht auf das Spülwasser aus dem Automaten zurückgreifen musste.

  Obwohl man Frauen nachsagt, dass sie viel reden, schaffte es Irene in weniger als zehn Sätzen unserem Chef zu erklären, woher wir uns kannten und warum sie nun hier war. Und dann bewegte sie sich genauso wie Anni damals, wenn sie etwas wollte und hatte genau den gleichen Blick drauf wie ihre Großmutter.

  „Quit pro Quo, Sir James!“ sagte Irene. „Erzählen Sie mir von dem Auftrag, den Sie John gerade zugeteilt haben.“

  „Woher wissen Sie davon, dass…“ er brach mitten im Satz ab und sah mich an.

  „Quit pro Quo!“ sagte Irene erneut, wobei ich unweigerlich an Hannibal Lektor denken musste. „Sie beantworten meine Fragen und ich dann wieder Ihre!“

  Fragend sah Sir James zwischen mir und Suko hin und her.

  „Sir, ich sag es nur ungern, aber die Methoden von Dr. Kien sind sehr unkonventionell.“

  Der fragende Blick von unserem Boss blieb bei Suko stehen. „Das merke ich!“ er seufzte, sah dann Irene an und erzählte dann das, was er mir gerade berichtet hatte.

„… Zudem haben die Bühnenarbeiter ein merkwürdiges Wesen gesehen. Angeblich sah es so aus wie ein sehr großer Mensch, war nackt und hatte graue Haut. Es soll keine Augen gehabt haben, dafür aber besonders große Ohren. Es soll in Richtung der Baustelle nahe der alten U-Bahnstation verschwunden sein.

  „Anscheinend fühlte es sich von den Konzertproben gestört und hat auf seine Art für Ruhe gesorgt.“

  „Schon merkwürdig!“ meinte Irene. Wieso haben nicht alle Bühnenarbeiter ihre Stimme verloren. Und warum gibt es keine Aussagen von den Arbeitern an der Baustelle?“

  „Und genau das ist es, was wir jetzt herausfinden wollen!“ sagte ich und erhob mich.

  Irene tat es mir gleich, doch bevor wir gehen konnten, fragte Irene noch nach, welcher Künstler denn ein Konzert geben würde.

  „Hat das irgendeine Relevanz?“ fragte Sir James irritiert und suchte in der Akte nach dem Namen.

  „Nicht wirklich“, meinte Irene Schulterzuckend, „Aber wenn es sich um Helene Fischer handelt, wäre es in meinen Augen kein Verlust für die Menschheit…“

  „Es ist eine Frau… Moment… Sie nennt sich Tarja und…“

  „Danke, mehr wollte ich nicht wissen!“ Irenes Tonfall hatte sich schlagartig verändert. Ihr Lächeln war verschwunden und in ihren Augen blinkte Zorn auf. „John, das ist ein wichtiger Auftrag.“

  „Ja…“ irgendwie wurde ich gerade nicht schlau aus ihr und Suko sah mich genauso ratlos an wie ich ihn. „Vielleicht sollten wir erst mal zu mir, ich habe meine Waffen zu Hause im Safe!“ Eigentlich wollte ich noch sagen, dass Irene dann in meiner Wohnung bleiben kann, aber dazu kam ich nicht mehr.

  „Das ist eine gute Idee, John!“ sie packte mich am Arm und zog mich schnellen Schrittes den Gang entlang. Eigentlich wollte ich den Aufzug nehmen, aber das dauerte Irene zu lange.

Erneut bewunderte ich, wie Frauen mit hohen Absätzen rennen konnten, vor allem in diesem Tempo die Treppe runter. Da konnte ich nur hoffen, dass sie nicht stürzten würde.
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