Mein ganzes Leben lang ...

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Jessie Woody Pride
26.01.2015
27.01.2015
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Sie liebte mich. Nicht nur, da ich schon so lange bei ihr war, immerhin war ich auch das letzte Geschenk, was ihr Bruder ihr gemacht hatte, bevor er damals nach England auswanderte.
Seitdem nahm mich Jessie überall mit hin. Ich lernte all ihre Freunde kennen. Wenn sie traurig war, war ich an erster Stelle, um für sie da zu sein und sie zu trösten. Auch ich liebte sie, mehr als alles auf der Welt. Ich kannte sie, seitdem sie ein Baby war. Hatte ihre ganze Entwicklung mit verfolgt.

„ Woody“, schluchzte sie und nahm mich in den Arm. „ Jack hat tatsächlich Schluss gemacht. Ich bin ihm wohl zu prüde und das nur, weil ich noch keinen Sex wollte.“ Sie streichelte meine Wangen. Das beruhigte sie immer. Fest drückte sie mich an sich und ich konnte ihren Duft wahr nehmen. So lagen wir zusammen im Bett. Fast jede Nacht. Sie war nun 16 Jahre alt und von beeindruckender Schönheit. Ihre roten Haare gingen ihr über die Schultern und glänzten im Mondschein, der durch das Fenster strahlte. Normalerweise trug Jessie immer einen Zopf. Ich liebte ihr Haar. Wie gerne hätte ich es doch berührt, ihr gesagt, dass dieser Jack sie gar nicht verdient hatte. Aber das konnte ich nicht … denn ich war nur ein Spielzeug!
Und so musste ich mitansehen, wie sie sich immer die falschen Typen aussuchte, die sie nur benutzen wollten. Es brach mir das Herz. Und insgeheim wünschte ich mir nichts sehnlicher, als mehr zu sein als eine Puppe. Jede Nacht wenn sie schlief, konnte ich den Blick von ihren Lippen nicht abwenden, die so wohl geformt waren. Dennoch würde ich es nie ausnutzen, so sehr ich sie auch liebte … ich würde Jessie nie im Schlaf küssen. Sie war anders als die Mädchen in ihrem Alter. Die meisten hatten ihre ehemaligen Wegbegleiter vergessen, weg geworfen oder verkauft.
Sie nicht. Obwohl sie ein Teenager war, durfte ich mit ihr in einem Bett liegen, durfte bei ihr sein.
Und ich war dankbar für dieses Geschenk.

Dann kam der Tag, wo Jessie auszog. Sie war nun 19 und wollte endlich auf eigenen Beinen stehen.
Aber sie vergaß mich nicht, sondern nahm mich mit. „ Ich hoffe dir wird es auf dem College gefallen, Woody“, sagte sie lächelnd. Und so erlebte ich, wie sie Nacht für Nacht büffelte. Sie war so ein fleißiges Mädchen, meine Jessie. Manchmal schlief sie erschöpft auf ihrem Schreibtisch ein, dass ich mich an sie kuschelte und ihrem Atem lauschte.

Ich erlebte wie Jessie erfolgreich ihr Studium abschloss und wir zogen wieder um. Weg vom Studentenheim in eine eigene Wohnung. Tagsüber war ich oft alleine, da Jessie angefangen hatte in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten. Wenn sie abends wieder kam, sah sie oft ziemlich erschöpft aus. Doch sie setzte mich neben sich auf die Coach und wir schauten ihren Lieblingsfilm an. „ Woody“, räusperte sie sich. „ Ich habe jemanden kennen gelernt. Ich hoffe sehr, dass es dies mal der Richtige ist. Bitte, drück mir die Daumen. Es muss einfach klappen.“ Ihr Blick war traurig.
Sie hatte zu viele Enttäuschungen erlebt. Ihr erstes Mal war auf einer Party gewesen, das hatte sie mir damals erzählt. Sie wollte es gar nicht, doch ein paar Freunde hatten so wild gefeiert, dass auch sie mit trank. Der Rest ergab sich dann. Allerdings hoffte sie, dass er mehr empfand. Doch er sagte ihr, dass sie für ihn nichts weiter war, als ein schlichter One Night Stand. Mir wurde übel, als ich daran zurück dachte. Ich hätte Jessie nie so behandelt. Ja es mag kitschig klingen … aber ich hätte ihr die Sterne vom Himmel geholt. Und wenn dieser Typ nun wieder …?

Sie hatte mich auf den Nachtspind gesetzt und ich beobachtete sie, bis es hell wurde. „ Guten Morgen, Woody“, sagte sie lächelnd. Dann machte sie sich für die Arbeit fertig.
Da sie ja nicht wusste, dass ich lebte, zog sie sich vor mir um. Ich hatte sie nun schon oft nackt gesehen … aber es war jedes Mal aufs Neue wunderschön. Ihre festen, kleinen Brüste, ihre wohl geformte Taille und ihr herrlicher Po … kein Wunder, dass sie bei den Männern so beliebt war.
„ Ich muss los“, sie gab mir einen Kuss auf die Stirn. „ Bis später, Woody.“ Dann verließ sie unsere Wohnung.

„ Er wird morgen hier her kommen“, sagte sie mir, bei unserem täglichen Filmabend. Schon morgen? Mein Magen drehte sich. „ Ich bin so aufgeregt, dass glaubst du gar nicht, Woody.“

Sie war tierisch angespannt und hatte sich besonders heraus geputzt. Ihr schwarzes, kurzes Kleid raubte mir förmlich den Atem und ich beneidete schon jetzt diesen Kerl. Es klingelte und sie stürmte zur Tür. Sie zwinkerte mir zu. „ Hallo“, ich sah ihr Gesicht vom Schrank aus nicht, auf dem sie mich gesetzt hatte, aber da ich sie gut kannte, wusste ich, dass sie in jenem Moment rot wurde.
„ Wow, du siehst echt fantastisch aus“, sagte er. „ D … danke. Komm doch rein.“ Ich musste zugeben … er sah wirklich gut aus, mit seinen schwarzen Haaren, der charismatischen Brille, langen Beinen und einer Größe von ungefähr 1,90. Genau Jessies Typ. Mir wurde schwer ums Herz.

Sie lachten und unterhielten sich den ganzen Abend bis spät in die Nacht hinein. Man merkte, wie sehr sie seinem Charme verfallen war. Hatte ich nun ausgedient? „ Sag mal ...“, er stand auf und ging zum Schrank. „ Wer ist denn diese Cowboy Puppe?“ „ Ach“, Jessie kicherte. „ Das ist Woody. Ich habe ihn von meinem Bruder geschenkt bekommen. Er lebt jetzt in England und wir sehen uns leider selten.“ „ Ach so“, er betrachte mich. „ Wieso fragst du?“, erkundigte sie sich.
„ Ach, einfach nur so“, sagte er mit einem Lächeln. „ Weißt du … Woody ist nicht nur einfach ein Spielzeug … er ist auch mein bester Freund“, sagte sie ernst. „ Ich werde ihn nie weg geben. Wer ihn nicht akzeptiert, bekommt auch mich nicht.“ Diese Worte berührten mich sehr. Auch wenn ich nur ihr bester Freund war … so  konnte ich immer bei ihr sein, das war es doch was zählte. „ Keine Sorge, Jessie“, sagte er ruhig. „ Ich habe selbst noch ein altes Spielzeug von mir, ein Stofftier aus dem Film Totoro. Es begleitet mich auch schon mein Leben lang. Ich kann dich sehr gut verstehen.“
Sie lächelte. „ Dann bin ich ja beruhigt“, meinte sie mit einem tiefen Seufzer. Vielleicht hatte ich mich doch ihn getäuscht und er war der Richtige für sie. „ Bitte, mach meine Jessie glücklich. Gib ihr all das, was ich ihr nie geben kann“, dachte ich.

Es lief gut mit Jessie und ihrem neuen Freund. Sie hatte nun nicht mehr so viel Zeit für mich, aber ich war glücklich, dass sie in guten Händen war. Tom, so hieß er, blieb nun auch öfters über Nacht.
Ich freute mich für sie. Doch im Nachhinein kam alles anders … .

Tom blieb nun oft mehrere Tage bei uns. Er war Schriftsteller und arbeitete von zuhause aus.
Erst griff er Jessie unter die Arme, die meistens spät Abends nach Hause kam, weil sie in der Anwaltskanzlei Überstunden machen musste. In letzter Zeit jedoch, ließ er stark nach. Jessie musste auch abends noch kochen, den Haushalt schmeißen und Arbeiten erledigen, die sie mit nach Hause nahm. Sie beschwerte sich nie. Als Tom einmal außer Haus war, sagte sie mir, dass sie vermutete es sei nur eine Phase, da es momentan nicht gut liefe, mit seinem neuen Roman. „ Er hat eine Schreibblockade, Woody“, meinte sie traurig. „ Ich bin mir sicher, es wird wieder aufwärts gehen.“
Sie sollte falsch liegen. Denn er beachtete sie immer weniger. Ich wurde, das Gefühl nicht los, dass er Jessie schamlos ausnutze. Und ich sollte recht behalten!

Als Jessie an der Arbeit war, brachte Tom eine Blondine, etwa in ihrem Alter, mit, groß, lange Haare, sie wirkte fast wie eine dieser Hollywood Starletts. Für mich hatte sie nicht mal annähernd das, was Jessie hatte! Er grinste sie an und sie küssten sich. Dann zog er sie an sich heran und dirigierte sie auf die Coach. „ Oh man“, sie zog die Augenbrauen hoch und gluckste. „ Ist das deine Tom?“
„ Wo denkst du denn hin?! Die gehört meiner Noch-Freundin.“ „ Ich wollte schon an deinem Geschmack zweifeln“, kicherte sie. „ Ach was“, er sah mich mit einem schiefen Grinsen an. „ Ihr ist dieses dumme Ding so wichtig. Sie würde ihn auf keinen Fall weg geben und wer das nicht akzeptiert, mit dem will sie nicht zusammen sein. Um sie rum zu kriegen, hab ich ihr vor gelogen, ich hätte auch noch eines meiner alten Spielsachen.“ „ Wow, du bist ja richtig böse“, sie sah ihn verliebt an. „ Das macht mich so scharf.“ „ Das hoffe ich doch, Baby“, er leckte gierig ihren Hals ab, dabei stöhnte sie vor Erregung. „ Du störst“, sagte er und schmiss mich von der Coach. Er setzte sich, zog sie an sich ran und knetete ihre Brüste. „ Mhmm, Tom.“
Ich konnte es nicht fassen! Nicht nur, dass er Jessie betrog, er hatte sie auch noch eiskalt belogen!
Sogar mich hatte er getäuscht. Tränen stiegen mir in die Augen. Nein! Das konnte ich mir nicht mit ansehen. Ich musste eingreifen. „ Du weißt, dass du damit unsere Regeln brichst“, dröhnte eine Stimme in meinem Kopf. „ Wer bist du?“ „ Ein Beauftragter … ich soll euch Spielzeuge überwachen. Und du bist mir schon länger aufgefallen.“ „ Was soll das heißen?“ „ Du hast dich in einen Menschen verliebt, Woody Pride! Auch noch in deine Besitzerin. Ich habe darüber hinweg geschaut, doch wenn du jetzt eingreifst, sehe ich mich gezwungen zu handeln!“ „ Was meinst du damit?“ „ Ich habe die Kraft dir sämtliches Leben, aus deinem Spielzeugkörper zu ziehen. Du bringst unser Universum in Gefahr. Wenn du nun, das tust, was du möchtest… wirst du nie wieder über Jessie wachen können. Denke an meine Worte.“ Lautes Stöhnen holte mich aus meinen Gedanken.

Tom war gerade dabei dieses Miststück zu stimulieren, als schließlich das Schloss aufging.
„ Du Schwein“, schrie Jessie. „ D … du bist wieder da?“ „ Ich habe heute früher Schluss gemacht, um dich zu überraschen und was sehe ich hier.“ Ungeniert starrte dieses Biest auf Jessie.
Sie grinste. Jessie war rot geworden vor Zorn. Dann fiel ihr Blick auf mich. „ Woody ..“ murmelte sie.„ Du hast ihn runter geworfen?“, sie sah Tom scharf an. „ Ich bitte dich Jess, dass ist nur eine dumme Puppe.“ Jessie ballte die Fäuste. „ Ach so“, Tränen des Zorns stiegen in ihre Augen. „ Dann hast du mich belogen, ja?“ Tom rollte mit den Augen. „ Werde mal erwachsen, Jess. Ich hab dir nie Treue für immer versprochen. Aber du lebst ja sowieso in deiner Spielzeugwelt. Bestimmt ist Woody dort dein Prinz.“ Tom und die Blonde lachten. Jessie ging auf ihn zu und gab ihm eine Ohrfeige, die sich gewaschen hatte. „ Verschwinde“, sagte sie laut. „ Verschwinde aus meiner Wohnung! Und nimm deine Barbie da gleich mit.“ Die beiden schauten sich an, warfen sich in ihre Sachen und gingen wortlos aus der Tür.

Jessie sank zu Boden. Tränen liefen ihr Gesicht hinunter. Sie nahm mich in den Arm, drückte mich fest an sich. „ Ach, Woody“, sie weinte nun lauthals. „ Immer passiert mir das. Es ist wie ein Fluch! Ich kann einfach nicht mehr.“ Ihr Körper bebte. Meine arme Jessie. Wie gerne hätte ich sie doch, in jenem Moment, in den Arm genommen.

Ihr Schlaf war unruhig. Sie wälzte sich hin und her. Wahrscheinlich quälten sie wieder einmal Alpträume. Ich hasste es, so nutzlos zu sein. Mir dämmerten die Worte dieser unheimlichen Stimme. Nun musste ich mich noch mehr zurück halten. Tränen glänzten auf ihrem Gesicht und rannen es hinunter. „ Jessie“, flüsterte ich, da ich sicher war, das sie nun fest schlief. „ Für mich bist du einfach wunderschön. Das wirst du immer sein. Auch wenn ich nutzlos bin … ich werde über dich wachen und da sein. Jessie …. ich liebe dich.“ Dann schlief auch ich ein.