Der Ausgestoßene

GeschichteAbenteuer, Suspense / P16
OC (Own Character)
25.01.2015
25.01.2015
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Langsam ging die Sonne auf, doch das Wasser war trüb. So trüb wie die Gedanken des Hydriten, der am Rande des Gewässers stand. Doch sosehr er es auch wollte, Malo´sor durfte erst dann zurückkehren, wenn er seinen Hunger gestillt hatte. Wie alle Hydriten war er an das Leben im Wasser angepasst. Er war etwa 1,5 Meter groß und hatte am ganzen, fischartigen aber zugleich doch humanoiden, Körper eine dunkelblaue Schuppenhaut. Seine Arme und Beine wurden von Flossen verziert, und auf seinem Kopf hatte er einen großen Flossenkamm. Dieser wechselte die Farbe, je nach dem, in welcher Laune sich Malo´sor befand. So wie es eben bei jedem Hydriten war.
Doch die Kreatur in der Begleitung des Hydriten war nach seiner Meinung etwas, was es nicht hätte geben dürfen. Cora´tar war ebenso an das Leben im Wasser angepasst, wie die Hydriten, und doch war er keiner von ihnen. Der Mendrit ignorierte die bösen Blicke seines Begleiters. Er war es gewohnt, für seine Andersartigkeit von den Hydriten abgelehnt zu werden.
Wenn man Cora´tar aus der Ferne sah, konnte man ihn für einen Menschen halten. Seine Gesichtszüge, sein Körperbau, vieles an ihm sah beinahe menschlich aus. Aber eben nur beinahe. Am ganzen Körper hatte er kein einziges Haar. Zudem war seine Haut ledrig, sah gräulich aus – nicht unähnlich der eines Delfins – und glänzte leicht feucht. Wenn der Mendrit den Mund öffnete, sah man die scharfen Reißzähne, die auch Hydriten zu eigen waren. Doch das auffälligste waren neben den spitz zulaufenden Ohren, die Schwimmhäute, die er zwischen den Fingern und Zehen hatte.
Cora´tar war 17 Rotationen alt, was die gleiche Zeit in Menschenjahren bedeutete. Als er noch sehr jung war, hatte sich seine Mutter um ihn gekümmert. Seine Mutter, die nun an Land gegangen war, um den Menschen Frieden zu bringen. Seine Mutter, die davon geschwärmt hatte, dass sein Vater – einer junger Matrose aus dem fernen Euree – so gänzlich anders als seine Artgenossen war. Keineswegs barbarisch, sondern ruhig und sanftherzig. Es war ihnen vergönnt, für eine kurze Zeit ein Paar zu sein.
Und kurz darauf wurde er geboren. Ein Mischling, der zwischen Mensch und Hydrit gezeugt worden war. Ein Mendrit.
„Vermisst du auch das Wasser?“ fragte Malo´sor beiläufig, während sie auf den Weg zu ihrer letzten Mission waren.
„Nein, eigentlich nicht. Ich könnte noch lange an Land bleiben.“ antwortete Cora´tar unschuldig.
Malo´sor verzog verächtlich das Gesicht. Das zeichnete den Mendriten in seinen Augen nur noch mehr als etwas unnatürliches aus. Hydriten konnten lange Zeit an Land leben. Über Monate, sogar Jahre – vielmehr Rotationen – hinweg. Doch über kurz oder lang zog es sie immer wieder in den Ozean zurück, der nun einmal ihr natürlicher Lebensraum war. Doch ein Mendrit hatte offenbar mit dem Leben an Land ebenso wenig Schwierigkeiten, wie ein Mensch.
„Wir haben unser Ziel fast erreicht. Du solltest dich besser bereithalten.“ meinte der Hydrit und duckte sich ins Gebüsch.
Inzwischen konnte auch Cora´tar die Geräusche hören. Gelächter von Menschen und das schrille Quieken von Tieren. Der Hydrit und der Mendrit schoben sich beide durch die Sträucher, sodass sie sehen konnten, was die Ursache dieser Geräusche war.
Mehrere Menschen, von wildem Aussehen und nur mit Fellen bekleidet, standen um einige Taratzen herum. Die Taratzen waren noch sehr jung. Als Ausgewachsene waren diese Riesenratten noch ein gutes Stück größer als Menschen, diese Taratzen dort waren aber gerade einmal einen Meter groß, wenn überhaupt. Es waren noch Jungtiere.
Ängstlich klammerten sie sich aneinander, während die Barbaren lachend um sie herumstanden. Einige von ihnen hielten Fackeln in der Hand, mit denen sie immer wieder nach den Taratzen stießen, um sie zu erschrecken oder zu verbrennen.
Cora´tar fuhr auf, doch Malo´sor hielt ihn zurück.
„Dein Menschenblut macht dich impulsiv. Du solltest besser Ruhe bewahren, sonst werden diese Barbaren noch auf uns aufmerksam.“ redete der Hydrit.
„Wir können das doch nicht zulassen!“ meinte Cora´tar, „Sie werden die Tiere noch umbringen.“
„Und auffressen.“ bestätigte Malo´sor, „So sind die Menschen eben. Barbaren, Fleischfresser. Weißt du, warum die Fische in unseren Unterwasserstädten frei herumschwimmen; manchmal so nahe, dass man sie fast berühren könnte? Weil sie wissen, dass sie von uns nichts zu befürchten haben. Davon sind die Menschen noch weit entfernt.“
Die Art und Weise, wie Malo´sor den Mendriten anschaute, wirkte beinahe, als sei das Verhalten dieser Barbaren seine Schuld.
„Ich wollte deine Mutter zu meiner Gefährtin erwählen.“ erzählte der Hydrit plötzlich, „Doch sie ließ sich stattdessen auf einen Menschen ein. Sieh genau hin. Das ist das Volk, von dem du abstammst.“
„Stamme ich denn nicht ebenso von eurem Volk ab?“ fragte Cora´tar und sah zu Boden.
Die einzige Antwort von Malo´sor war ein abfälliger Blick.
Gejaule und Geknurre ertönte plötzlich, und mehrere braune und schwarze Gestalten sprangen aus den Gebüschen. Sie waren weit von den heimlichen Beobachtern entfernt, als sie auf die Menschen und die Taratzen zuliefen. Cora´tar erkannte sie sofort. Es waren Lupas. Die mutierten Riesenwölfe umstellten die Barbaren, welche hektisch aufschrien. Schon griffen zwei von ihnen einen der Barbaren an.
Der Barbar wurde zu Boden gerissen und zerfleischt. Die jungen Taratzen wichen noch weiter zurück, doch die Barbaren widmeten ihnen keine Aufmerksamkeit mehr. Sie griffen nach ihren Waffen. Eine der jungen Taratzen verlor die Nerven und rannte blindlings in den Wald, genau auf Malo´sor und Cora´tar zu. Sie bemerkte nicht, dass ein Lupa ihr folgte.
Inzwischen waren vier weitere Barbaren zu Boden gerissen worden, während die anderen mit ihren Waffen wild um sich schlugen, und zwei Lupas bereits verletzt oder tot am Boden lagen. Als den Barbaren klarwurde, dass sie das Rudel nicht besiegen konnten, wandten sich sich blindlings zur Flucht. Einer der Barbaren stach einem anderen sein Schwert ins Bein, sodass dieser mit einem Schmerzensschrei zu Boden fiel, und rannte dann schnell in den Wald hinein.
In diesem Moment sprangen ein halbes Dutzend weitere Gestalten aus dem Wald. Es waren Taratzen, diesmal ausgewachsene. Offenbar wurden sie durch die Schreie ihrer Jungen angelockt. Sie stellten sich schützend vor diese und fauchten die Lupas an. Vier junge, eher unerfahrene Lupas griffen wagemutig eine Taratze an, und lagen einen kurzen Kampf später, tot am Waldboden. Lupas und Taratzen knurrten und fauchten sich an, bis die Lupas schließlich den Rückzug antraten.
„Da siehst du es! Selbst die Taratzen kümmern sich deutlich mehr um ihre Artgenossen, als die Menschen. Der Barbar hat den anderen verletzt, um selber entkommen zu können. Doch die Taratzen haben ihr Leben für ihre Jungen riskiert.“ redete Malo´sor.
Cora´tar hörte nicht auf ihn. Er starrte auf die junge Taratze, die geflohen war. Während ihre Geschwister nun in Sicherheit waren, rannte sie noch durch den Wald, dichtauf gefolgt von dem Lupa. Sie kreischte vor Entsetzen, und die ausgewachsenen Taratzen sahen zu ihr hin, doch sie würden zu spät kommen.
Cora´tar konnte nicht mitansehen, was passieren würde. Er trat hervor und hob seinen Schockstab. Gerade als der Lupa zum Sprung ansetzte, trafen ihn die Blitze voll und betäubten ihn.
Der Schockstab war eine sehr beliebte Waffe der Hydriten. Er sah beinahe so aus wie ein menschlicher Teleskopschlagstock, war aber zum einen viel dicker, so dick wie zwei menschliche Daumen nebeneinander; und zum anderen auch viel länger, gut einen Meter lang. Der Schockstab verschoss Blitze, meist um ein angreifendes Tier zu betäuben. Allerdings konnte er auch eine tödliche Stromladung erzeugen. Und obendrein konnte man ihn auch einfach dazu gebrauchen, Licht zu machen. Er bestand aus Bionetik, was bedeutete, dass er sich mit der Zeit von selbst wieder auflud.
Die Taratzen wurden auf die Szenerie aufmerksam. Zwei von ihnen rannten auf Cora´tar zu, während das Jungtier ihn aus großen Augen ansah.
„Wir müssen verschwinden!“ sagte Malo´sor schnell, „Wir dürfen keine Zeit verlieren!“
Cora´tar widersprach ihm nicht. Beide rannten los. Doch in der Dunkelheit achtete der Mendrit nicht auf den Weg, stolperte über eine Wurzel und schlug der Länge nach hin.
„Hilf mir auf.“ bat er Malo´sor.
Der Hydrit sah zum ihm hin, dann auf die Taratzen, die immer näher kamen. Und rannte weg.
„Malo´sor, warte!“ schrie Cora´tar laut und versuchte, aufzustehen.
Sein Fuß tat weh, aber er konnte laufen. Sein Knöchel war also weder gebrochen noch verstaucht. Doch er kam nicht schnell voran. Die Taratzen hatten ihn fast eingeholt, als der Mendrit tiefer in den Wald stolperte. Er hatte längst die Orientierung verloren, und wusste nicht, in welche Richtung Malo´sor geflüchtet war.
Plötzlich blieben die Taratzen, wie vom Donner gerührt, stehen. Im gleichen Moment fühlte Cora´tar, wie sich etwas um seinen Körper wickelte. Er dachte an einen Fangarm, fuhr seinen Schockstab wieder aus und schoss eine knisternde Landung Blitze ungezielt ab. Doch es hatte keinen Erfolg.
Als der Mendrit genauer hinsah, bemerkte er seinen Irrtum. Kein Tentakel hatte ihn gepackt, sondern die Ranke einer großen Pflanze. Einer großen, fleischfressenden Pflanze. Denn die Ranke trug ihn weiter in die Höhe, sodass er eine kelchförmige Öffnung erkannte, in welcher mehrere Skelette lagen. Das Maul war gleich am Stiel der zehn Meter großen Pflanze, wo sich bei einer normalen Blume eine Blüte befunden hätte.
Unerbittlich bewegte die Ranke Cora´tar darauf zu. Der Mendrit schoss weitere Blitze auf die Pflanze ab, zielte diesmal auf das Maul, doch es brachte nichts. Pflanzen waren offenbar nicht auf Elektrizität empfindlich. Trotzdem reagierte die Pflanze, und streckte weitere Ranken nach ihrem zappelnden Opfer aus. Cora´tar packte verzweifelt eine dünnere Ranke, die nicht viel dicker als sein Unterarm war, und biss mit seinen scharfen Zähnen hinein. Pflanzen waren keine Tiere, litten keine Schmerzen, doch das war das einzige was der Mendrit tun konnte, wenn er nicht ganz aufgeben wollte.
Gelber Pflanzensaft spritzte ihm ins Gesicht und auf seinen Körper. Und mit einem Mal ließ die Pflanze ihn los. Doch Cora´tar befand sich schon mehrere Meter in der Luft. Schreiend fiel er dem Boden entgegen, während die Blätter seinen Fall zumindest etwas dämpften. Dennoch war der Aufschlag hart genug, um ihn bewusstlos werden zu lassen.
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