Gemeinschaftsprojekt 2.0 (Bobbelchen, SaskiaBerg117, Sara2000 und RadioCity)

GeschichteAllgemein / P12
25.01.2015
25.01.2015
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Rückkehr in ein altes Leben


Neustadt in Holstein

Der Abend war kalt, es war bereits dunkel und es schneite. In den Straßen liefen viele Menschen, an bunt dekorierten Schaufenstern, entlang. Kinder zeigten auf ausgestelltes Spielzeug. Ihre Augen leuchteten beim Anblick der vielen schönen Sachen.
Auf dem Marktplatz war eine große Eisfläche zum Schlittschuhlaufen aufgebaut worden. Bunte Discolichter und laute Musik hallten über den Platz, nur übertönt vom fröhlichen Lachen der vielen Menschen.
Bald war Weihnachten. Das Fest der Liebe, der Familie, des beisammen seins.
Saskia Berg, ehemals Wachhabende Offizierin bei der Küstenwache, war nach einer sehr langen Zeit zurück nach Neustadt gekommen. Eigentlich wollte sie gar nicht hier sein. Nie mehr, das hatte sie sich geschworen. Zu schwer und traumatisch waren die Erinnerungen an jenen Tag, der ihr aller Leben für immer veränderte.
Sie zog sich zurück, verließ Neustadt, verließ Deutschland. Ein neutraler Ort war das was Saskia damals brauchte, einen Ort der keine Erinnerungen oder Verbindungen zu ihrem alten Leben zuließ. Doch die Einsamkeit, die dieser auf Dauer mit sich brachte erdrückte sie zunehmender. Nahm ihr die Luft zum atmen. Sie wusste, sie konnte der Vergangenheit nicht entkommen, nicht auf Dauer. Früher oder später waren sie wieder da, diese schrecklichen Bilder.


Ich öffne die Augen, mein ganzer Körper schmerzt. Ich liege auf dem Boden. Jede noch so kleine Bewegung tut furchtbar weh. Ein beißender Geruch schlägt mir entgegen. Es ist heiß, furchtbar heiß. Ich blicke mich um. Feuer, Qualm, ein knarren, schlagen. Stimmen dringen an mein Ohr, laute Stimmen. Sie rufen Namen, sie rufen nach Hilfe, sie klingen panisch. Ich versuche mich aufzurichten, doch es geht nicht, ich hänge fest. Mein rechtes Bein ist eingeklemmt. Ein großes Metallregal ist aus der Verankerung in der Wand gerissen. Der Inhalt ist über mir und dem Boden verteilt. Panik macht sich nun auch in mir breit. Was ist hier passiert? Ich bin auf der Albatros, auf der Brücke. Wir sind auf einer Einsatzfahrt. Da war ein Frachter, Thure wollte ihn kontrollieren...Thure...wo ist Thure? Ich blicke mich hektisch um, kann aus meiner Position jedoch nichts und niemanden sehen. Ein heftiger Ruck geht durch das Schiff, Schüsse fallen.


Saskia schüttelte sich, in der Hoffnung diese Erinnerung würde abfallen, doch das taten sie nie. Seit sie zurück in Neustadt war, nahmen sie wieder überhand. Sie akzeptierte es, es war wohl Schicksal. Eine Begleiterscheinung ihres Entschlusses zurück zu kommen. Dorthin, wo sie einst viele Freunde hatte, ja sogar so etwas wie eine Familie.
Es waren diese kurzen Momente, die Gedanken an die einst so geliebten Menschen, die ihr das Gefühl gaben noch zu leben, ein Mensch mit Gefühlen zu sein. Etwas, das sie für lange Zeit verdräng, vielleicht sogar vergessen hatte.
Saskia hielt sie fest, diese schönen Erinnerungen gaben ihr Kraft alles etwas erträglicher zu machen.
Gerne dachte sie an diese Zeit zurück. An die vielen schönen Momente, die sie mit ihren Kollegen teilte. Einige wurden mehr als Kollegen, sie wurden Freunde. Ihr wurde warm ums Herz.


Kai, der so warmherzige, aber manchmal auch etwas verpeilte Sani-Smutje. Er war ein hervorragender Sanitäter, aber sein Essen machte uns so manches Mal selbst zu seinen Patienten. So oft hatte wir lieber einen knurrenden Magen, was Kai dennoch nie entmutigte für uns zu kochen.
Leonie, unsere Bootsfrau, mit ihrer liebevollen, einfühlsamen, manchmal auch etwas naiven Art. Dennoch schaffte sie es mit dieser oft das Vertrauen der Leute zu gewinnen. Sei es Täter oder Opfer. Am Ende fand sie die Wahrheit.
Auch die anderen sind noch in den Erinnerungen noch so lebendig, als wäre unsere letzte Begegnung erst gestern gewesen.
Ben, das Informatik-Genie. Er wollte nie als solches betitelt werden, aber er hatte für jedes Problem die passende Lösung. Knackte jeden Code, jedes Geheimnis, war es auch noch so verschlüsselt.
Marten, der groß gewachsene Maschinist. Der immer seine Dose mit Gemüse dabei hatte. Er war bekennender Vegetarier. Seine freie Zeit nutzte er häufig um diese mit seiner Tochter Emma zu verbringen, die sonst bei ihrer Mutter lebte.
Thure. Kapitän. Doch war er mehr als das...



So schön diese Erinnerungen auch waren, es waren eben nur Erinnerungen. Diese Zeit ist lange vorbei und das tat weh. Es schmerzte, auch das die Erinnerungen an Thure immer wieder verschwammen. Die anderen waren so präsent, nur die Gedanken an Thure wurden immer wieder blockiert. Saskia kam nicht an sie heran, was sie auch versuchte. Erneut schüttelte sie den Kopf. Die Realität ist hier und jetzt. In Neustadt, auf dem Marktplatz. Saskia blickte sich um, nichts hatte sich hier verändert. Alles war noch so, wie sie es damals verlassen hatte.
Sie setzte ihren Weg, Richtung Hafen, fort. Auf einer Bank saß ein junges Paar, sie küssten sich. Sie waren so innig, so vertraut miteinander. So etwas hatte sie sich auch immer gewünscht, so zu lieben, so geliebt zu werden. So sehr, dass das eigene Leben daneben unwichtig war. Vollkommen in der Liebe aufzugehen. Zu heiraten, Kinder zu haben, eine eigene Familie.
Alle Erinnerungen daran, waren wie ausgelöscht.

Langsam ging Saskia weiter die verschneite Straße entlang. Leicht lächelnd blickte sie die Menschen, um sich herum, an. So hart ihr Schicksal bis jetzt auch war, sie wusste, dass sie nicht alleine war. Jeder hatte sein eigenes Päckchen zu tragen.
Ihr Weg führte sie am Hafen vorbei, die Straße hoch zur Einsatzzentrale, der Bundespolizei See. Dort wo damals dieser verhängnisvolle Tag begann. Je weiter sie auf das große Gebäude zu ging, so mulmiger wurde ihr. Es war ein Gefühl von Angst, was sie erwarten würde und Freude, Hermann Gruber wieder zu sehen. Auch wenn er damals immer der strenge Vorgesetzte war, stets darauf bedacht in der Öffentlichkeit und vor dem Polizeipräsidenten gut da zu stehen, war er zugleich ein herzensguter Mann, der immer hinter seinem Team stand. Egal was passierte.
Saskia drückte gegen die große Eingangstür und trat in das Foyer der Einsatzzentrale.
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