Was bleibt ist Sehnsucht

von Dahkur
GeschichteHumor, Sci-Fi / P12
"Trip" Charles Tucker III. Hoshi Sato Jadzia Dax Jonathan Archer Kira Nerys T'pol
25.01.2015
30.01.2015
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I - Eine revolutionäre Entdeckung



Im Jahr 2372



Kira Nerys  schüttelte den Kopf. Auf Jadzia Dax‘ fragend erhobene Augenbrauen hin deutete die Bajoranerin mit dem Zeigefinger verstohlen auf ihren Nasenrücken, wo sich die fünf Nasalfalten befanden, welche den einzigen äußerlichen Unterschied zwischen ihrer Rasse und den Terranern darstellten.

Die beiden ranghöchsten weiblichen Offiziere der Raumstation Deep Space Nine saßen bei einem Cocktail zusammen im Quark’s. Lieutenant Commander Dax war schon froh, dass sie ihre bajoranische Vorgesetzte mittlerweile dazu bekommen hatte, ihren üblichen Tee gegen etwas Anregenderes zu tauschen. Sie verbuchte das als kleinen Erfolg auf ihrer langen Liste der sozialen Eingliederung der Kira Nerys. Von ihrer Vorgesetzten ungeahnt hatte die Trill es sich als kleines privates Projekt vorgenommen, die Bajoranerin aufzulockern. Die Versuche, ihr die unzähligen vergnüglichen Möglichkeiten der Holosuiten nahe zu bringen, waren bisher  nicht mit Erfolg gekrönt. Auch auf dem Sektor der Verabredungen musste die lebenslustige Trill eine Schlappe nach der anderen einstecken. Seit dem Tod ihres Gefährten Vedek Bareil hatte Kira keinerlei Interesse an den Doppel-Dates gezeigt, welche Dax nicht müde wurde immer wieder einzufädeln. Das einzige Mal, dass die Trill die Bajoranerin etwas enthusiastischer von einem Mann hatte sprechen hören, war nach ihrer Rückkehr von Bajor gewesen, wo sie es irgendwie geschafft hatte, den Kommandanten ihrer früheren Widerstandszelle dazu zu bringen erfolgreich gegen Kai Winn zu kandidieren. Doch hier auf der Station schien es niemanden zu geben, der die rothaarige Frau reizte.

Es konnte doch nicht sein, dass sich die Bajoranerin nur für Männer ihrer eigenen Rasse interessierte? Sie hatte keine Ahnung, welche Abenteuer sie sich dadurch entgehen ließ.

Dax beugte sich über die Tischplatte nach vorne und flüsterte: „Du willst mir jetzt nicht sagen, dass dich die Andorianer da drüben nicht interessieren, weil sie keine bajoranischen Nasenrücken haben?“

Kira warf einen gehetzten Blick zu der gemeinten Gruppe hinüber, die nur wenige Tische von ihnen entfernt saß. Sie hätte es begrüßt, wenn Dax nicht immer und immer wieder Neuankömmlinge in Quarks Bar nach potentiellen Verabredungsmöglichkeiten durchforstete und über diese dann in einem für Kira viel zu lauten Ton sprach. Das Verhalten der Trill war ihr durch und durch peinlich. Die Bajoranerin saß gerne hier und beobachtete andere Rassen, doch sie wollte dabei auf keinen Fall auffallen.

„Sie haben Stupsnasen“, flüsterte Kira vorsichtig.

Dax seufzte. Die Hautfalten ließen die durchschnittliche bajoranische Nase natürlich recht prominent wirken. „Und?“ wollte sie etwas resigniert wissen. Sie hatte sich insgeheim schon auf einen anregenden Abend in andorianischer Gesellschaft gefreut. Natürlich konnte sie den immer noch alleine in die Wege leiten, doch sie wollte verdammt sein, wenn sie nicht endlich einmal ihre Kollegin und Freundin dazu bekam, ebenfalls Spaß zu haben.

„Sie haben blaue Haut.“

Dax seufzte frustriert. Dafür, dass sie auf einem Dreh- und Angelpunkt der unterschiedlichsten Völker Dienst tat, war Major Kira manches Mal extrem spezisistisch.

Die Bajoranerin gestikulierte entschuldigend mit den Händen. „Und diese Antennen würden mich auch irgendwie stören …“

Die Trill lehrte ihren Drink. Ihre klaren blauen Augen blitzten die Spielverderberin ihr gegenüber an. „Weißt Du was, Nerys, ich bring dir nachher einen Bildband über die Föderation, die Mitgliederplaneten, die Alliierten und die Geschichte vorbei. Ich habe den Eindruck, dass es nichts schaden könnte, wenn du ein wenig deinen Horizont erweiterst, was die Hautfarben angeht.“

Kira lächelte ihr säuerlich zu. „Die Leute können jede Hautfarbe haben, die sie möchten, das stört mich nicht – solange ich keine Verabredung mit ihnen eingehen muss.“

Die Trill winkte den Einwand ab. „Sieh dir den Stick an. Du kannst mich dann ja wissen lassen, ob eine Rasse darunter ist, bei der du ‚ja‘ zu einem Date sagen würdest.“ Sie grinste nun wieder einnehmend. „Dann kann ich meinen nächsten Vorstoß besser planen.“

* * *

Die Emppu waren leuchtende Wesen im wahrsten Sinn des Wortes. Wenn sie sich durch die schwach erhellten Korridore der Raumstation bewegten, dann schienen sie ihr eigenes Licht zu verbreiten. Als wenn die Zusammensetzung ihrer Biochemie eine leichte Abstoßung mit solider Materie verursachen würde, berührte ihr dicker Standfuß den Boden nicht. Ihre Fortbewegung bestand aus einem sanften Gleiten. Der Standfuß verdickte sich auf halber Höhe zu einem massiven Körper mit drei Armen, der stets leicht nickende Kopf wirkte proportional kleiner als es bei den meisten humanoiden Rassen der Fall war. Ihre Außenhülle, ob Haut oder Kleidung war bisher nicht auszumachen, bestand aus obsidianfarben glänzenden Schuppen, welche je nach Lichteinfall das gesamte Spektrum des Regenbogens wiedergaben – und im Dunkeln leicht nachleuchteten.

Sie waren mit einem kleinen Forschungsschiff durch das Wurmloch gekommen. Die externen Sensoren konnten wenig anzeigen, was die Taktiker und Techniker auf OPS als Bewaffnung interpretierten. Sie schienen tatsächlich die friedlichen Entdecker zu sein, als welche sie sich ausgaben. Was jedoch sehr an ihnen irritierte, war der Umstand, dass sie bei aller Höflichkeit keinerlei Erklärung abgaben, woher sie kamen.

Nachdem die Universalübersetzer endlich mit ihrer Sprachsyntax zurechtkamen, hatten sie ihr Volk als Emppu vorgestellt, doch sehr viel mehr waren sie nicht gewillt, über sich zu erzählen. Ihre Reise durch das All wurde von Neugierde getrieben – einer Motivation, welche die Sternenflottenoffiziere augenblicklich nachvollziehen konnten – doch ihre Geheimniskrämerei um ihre Herkunft erklärten sie durch die Angst vor einer Invasion. Ihr Planet war nach eigenen Angaben nicht auf Verteidigung ausgelegt, so dass sie es bevorzugten, wenn der Kontakt mit anderen Rassen in der Neutralität des unendlichen Weltraums stattfand.

Captain Sisko, dessen eigene Neugierde zwar keineswegs befriedigt war, hatte keine Veranlassung gesehen, den Emppu aus dieser Zurückhaltung einen Strick zu drehen. Er hatte ihnen den freien Aufenthalt auf der Station erlaubt, jedoch Constable Odo gebeten, ein wachsames Auge auf die Besucher zu haben.

Fünf ihrer Zahl weilten zurzeit auf Deep Space Nine. Ob und wie viele noch an Bord ihres Schiffes  waren, war unbekannt.

Natürlich hatte Lieutenant Commander Dax es sich nicht nehmen lassen, alles in Bewegung zu setzen, um einen Kontakt herzustellen. Und natürlich war es ihr gelungen, zwei von ihnen zu einer Unterhaltung ins Quark’s zu lotsen. Nachdem all die kleinen Missverständnisse über Nahrungsaufnahme, Getränke und Tischsitten ausgeräumt waren, war es der Trill gelungen, einen der beiden in ein harmloses, aber intensives, Gespräch über Alltäglichkeiten ihrer Rassen zu verwickeln. Der andere Emppu unterhielt sich angeregt mit Dr. Bashir, der am frühen Abend zu der kleinen Gesellschaft dazu gestoßen war. Die beiden hatten festgestellt, dass sie die Leidenschaft zur Medizin verband, und somit hatten sie recht rasch den Rest der Bar gedanklich ausgeschaltet.

Major Kiras Schichtende lag heute recht spät, weil sie hoffnungslos mit den Rotationsplänen hinterher hinkte. Captain Sisko hatte ihr ein Ultimatum bis morgen früh gestellt und so war ihr nichts anderes übrig geblieben, als die Bearbeitung an ihre reguläre Arbeitszeit anzuhängen. Es gab weniges, mit dem Kira so sehr auf Kriegsfuß stand wie mit den Dienstplänen. In ihren Augen hatte ein Erster Offizier Sinnvolleres zu tun, als sich mit solchen administrativen Fragen herumzuschlagen. Wenn sie in dieser Sache etwas zu sagen hätte, dann wäre diese Aufgabe schon längst an einen niedrigeren Dienstgrad abgegeben worden.

Sie betrat Quark’s in der Hoffnung, dass sie Jadzia Dax hier finden würde. Sie genoss die Gegenwart der lebenslustigen Frau sehr. Wenn sie ihr nur noch verständlich machen könnte, dass es tatsächlich weibliche Humanoide gab, die sich ohne andauernde männliche Gesellschaft wohl fühlten und einen Abend gerne meditierend verbrachten, anstatt damit, überflüssiges Süßholzgeraspel irgendeiner Zerstreuungs-Verabredung über sich ergehen zu lassen. Es hatte etwas Rührendes an sich, wie Dax immer wieder versuchte, Kira einen Freund – oder zumindest einen One-Night-Stand – nahe zu bringen. Aber die Trill hatte in dem einen Punkt recht: Kira war wenig experimentierfreudig, was ihr Sexualleben anging. Sie hatte Zeit ihres Lebens unter ihrem eigenen Volk verbracht, die einzige fremde Rasse, die ihr häufig begegnet war, waren die Cardassianer gewesen. Und deren Anblick barg nichts Erfreuliches für sie. Die vielen verschiedenen Rassen hier auf der Station waren ohne Zweifel interessant. Doch Kira konnte sich gerade einmal bei ein paar Terranern durchringen, sie als attraktiv zu bezeichnen – vorausgesetzt, die Nasen hatten die richtige Form – weiter konnte, und wollte, sie nicht gehen. Auch nicht Dax zuliebe.

So stockte sie ein wenig, als sie erkannte, dass ihre Freundin mit den Neuankömmlingen aus dem Gamma-Quadranten zusammen saß. Erst als Dax auf sie aufmerksam wurde und mit den Lippen die Worte „Kein Date“ formte, gesellte sie sich erleichtert zu ihnen.

„Kommen Sie, Major“, bemerkte Bashir sie. „Es ist sehr interessant, welche Ansätze die Emppu auf dem Gebiet der Virenbekämpfung verfolgen. Vranrör hat gerade erläutert, dass sie statt spezifischer RNA-Sequenz-Erkennungen, eine alternierende Reihe von nur zwölf Basenpaaren …“

Kira setzte sich, lächelte ihm zu und blendete die Worte einfach aus. Wenn Bashir loslegte, dann half es nur die wohlwollende Maske aufzusetzen und von Zeit zu Zeit zu nicken. Sie hatte es aufgegeben, auch nur ein Wort von dem verstehen zu wollen, was der Arzt als seine alltäglichen Handwerkszeuge betrachtete.

* * *

„Das ist unfassbar!“ Dr. Bashir gab seinem Drehstuhl einen kleinen Schubs und rollte von seinem Arbeitsplatz fort. Seine rechte Hand gestikulierte vage hinter sich ohne dass er den Blick von den Datenreihen auf dem Bildschirm fort nahm. „Sieh dir das an.“

Jadzia Dax stand hinter seiner linken Schulter. Sie nahm dennoch an, dass seine Aufforderung ihr gegolten hatte – sie schloss dies alleine schon aus dem Umstand, dass sich außer ihr niemand im medizinischen Labor befand. „Was hast du denn so Spannendes entdeckt?“

Bashir hob den Blick kurzzeitig irritiert und wechselte die Hand, mit welcher er ihr winkte. „Die Probe, die uns die Emppu zur Verfügung gestellt haben … Sieh selbst!“

Dax beugte sich über Bashirs Schulter, dabei streifte ihr Kinn seine Schulter leicht. Erneut flackerte Irritation in den Augen des Arztes auf. Die Trill betrachtete eine Weile die Datenreihen, dann wandte sie den Kopf, was ihr Gesicht so nahe an dasjenige von Bashir heranbrachte, dass die Contenance des jungen Mannes gefährlich ins Wanken geriet. Die Trill merkte es nicht einmal, wenn sie so etwas tat. Dieser Umstand addierte noch zu Bashirs Frustration hinzu.

„Ich sehe eine Blutprobe, geschätzter Weise eines männlichen Terraners im Alter zwischen 25 und 30 Jahren, bei welcher die Blutwerte alle innerhalb der gesunden Parametergrenzen liegen.“

Bashir gab seinem Stuhl einen weiteren Schubs, dieses Mal, um sich aus der direkten Nähe von Dax zu bringen. Die Irritation wollte nicht abreißen. „Wie kannst du Alter und Geschlecht aus den Blutwerten ablesen?“

Die Trill hob ihre Augenbrauen, ihr Blick zeigte einen Anflug von Arroganz. „Du bist nicht das einzige Genie hier.“ Dann breitete sich ein Grinsen auf ihren Zügen aus. Für eine versierte Tongo-Spielerin konnte sie nicht lange eine ernste Miene beibehalten, wenn sie ihre Freunde veralberte. Sie deutete mit dem Kinn auf den Monitor. „In der Fußzeile hast du den Namen des Patienten eingetragen und ich kenne den Ensign, weil er mit mir auf OPS arbeitet.“

„Verdammt, Jadzia!“ Bashir schüttelte unwillig den Kopf. „Die Werte!“

Jetzt war es an Dax Verwirrung zu zeigen. „Wenn du mir sagst, was mit der Probe los war, kann ich vielleicht etwas Hilfreiches dazu äußern. Im Moment sehe ich nur Zahlen, die mich sagen lassen: Prima Gesundheit, weiter so, Ensign Wu.“

„Ah, richtig“, Bashir strich sich eine nicht existente Strähne aus der Stirn. „Vergiss bitte mal den Namen, den du aufgrund meiner ärztlichen Schweigepflicht gar nicht hättest erfahren dürfen …“

„Schon vergessen!“

„… Der Patient hat sich bereits vor Jahren als Kadett auf einer Außenmission mit einer seltenen Art von Blutfieber angesteckt. Nichts Lebensbedrohliches, doch lästig genug in den Ausbrüchen, dass er darauf angewiesen war, monatliche Injektionen zu nehmen. Eine vollständige Heilung war bisher nicht bekannt – bis gerade eben.“

Dax blieb skeptisch. „Dir ist schon klar, dass es ein Unterschied ist, ob Du eine Probenbehandlung oder eine systemische Behandlung durchführst?“

Der Arzt schoss ihr einen vernichtenden Blick zu. „Musst du immer so negativ denken?“

„Ich bin Naturwissenschaftlerin, da gehört eine gute Portion Skeptizismus zum Berufsbild.“ Sie hob die Schultern.

Bashir beschloss, sich nicht weiter beirren zu lassen. „Und ich bin Arzt, da gehört eine Menge Optimismus zum Berufsbild.“ Er griff nach der kleinen Phiole, welche eine Probe des Mittels enthielt, das der Emppu ihm zur Verfügung gestellt hatte. „Wenn das hier funktioniert, dann ist das eine der bahnbrechendsten Entdeckungen der letzten Jahre.“

* * *

„Es ist einfach unglaublich! Sehen Sie selbst!“ Dr. Bashir hatte drei Monitore an seiner Forschungsstation aktiviert, über welche er nun drei verschiedene Ergebnisse laufen ließ.  Das Uniformshirt des jungen Terraners war am Hals weit geöffnet, die Haare standen ein wenig zerzaust und auf den Wangen zeigte sich ein leichter Bartschatten in dem sonst so makellos rasierten Gesicht. Captain Sisko bedachte den begeisterten jungen Mann mit einem väterlichen Lächeln. Was Bashir betraf, ging es ihm ebenso wie Major Kira: Er verstand kein Wort von dem, was dieser in seinem Enthusiasmus von sich gab.

„Dr. Bashir“, bremste er den Arzt. „Stellen Sie sich für einen Moment vor, ich hätte keine medizinische Ausbildung genossen. Was sehe ich da?“

Bashir wechselte einen Blick mit der neben Sisko stehenden Dax, welche ihm ein gutmütiges Lächeln schenkte. Er seufzte. Manchmal kam es einer Strafe gleich, dass er die meiste Zeit mit Nicht-Wissenschaftlern zu tun hatte.

„Captain, die Emppu haben mir ein Mittel zum Testen gegeben. Vranrör erzählte mir, dass sie bei ihrer Rasse viele Virusinfektionen nur mit dieser einen Lösung in den Griff bekommen. Ich dachte mir anfangs, dass er maßlos übertreibt, aber sehen Sie selbst“, er wandte sich halb zu den Monitoren um und deutete auf den ersten davon. Bevor Sisko erneut anmerken konnte, dass er nicht deuten konnte, was er sah, sprach der Arzt weiter: „Das sind drei Personen, die an ganz unterschiedlichen Infektionen erkrankt waren. Ich habe das Mittel gestern an allen dreien ausprobiert … mit deren Einwilligung nach einem aufklärenden Gespräch natürlich“, fügte er rasch hinzu, als er merkte, dass sich die Brauen des Captains zweifelnd zusammenzogen, „und innerhalb eines Tages hat sich bei allen eine rapide Verbesserung des Gesundheitszustands eingestellt.“ Sein rechter Zeigefinger stieß nacheinander auf die drei Monitore.

„Das ist ja unglaublich“, bemerkte Dax. Bashir quittierte den Ausspruch mit einem zufriedenen Nicken. Die Trill beugte sich vor und nahm die Daten etwas näher in  Augenschein. „Bei allen handelt es sich um völlig gesunde Blutbilder“, erklärte sie dem materiefremden Sisko.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so etwas gibt. Aber das ist hier ist ein Wundermittel!“ ereiferte sich Bashir. Die Begeisterung über diese Entdeckung war ihm quer über das jungenhafte Antlitz geschrieben.

„Kannst du es synthetisieren?“ wollte Dax wissen.

Der Arzt schüttelte den Kopf. „Bisher nicht. Ich habe es die ganze Nacht versucht, doch ich komme noch nicht hinter die Zusammensetzung.“

Dax murmelte ein leises „Das sieht man“ in Anbetracht von Bashirs Äußerem.

„Es sind Komponenten enthalten, die nicht einmal der Stationscomputer identifizieren kann“, ignorierte er die Spitze. „Ich hoffe, ich erhalte heute noch einmal die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Vranrör.“

„Nachdem Sie sich ein paar Stunden aufs Ohr gelegt haben“, bestimmte Sisko. Er betrachtete nachdenklich die Monitoranzeigen, dann seinen enthusiastischen Chefmediziner. „Können Sie sicher sein, dass es keine unerwünschten Nebenwirkungen gibt? Die Physiologie der Emppu ist doch recht verschieden von der unsrigen.“

Bashir nickte. „Ich hatte vor, die Probanden unter täglicher Kontrolle zu untersuchen. Bisher geht es ihnen hervorragend. Alle drei haben mir berichtet, dass sie sich so fit wie selten zuvor fühlen.“

* * *

Ensign Wu Baihu starrte seine Finger an. Er hatte eben ein Glas Wasser aus dem Replikator in seinem Quartier entnehmen wollen, doch das Gefäß war ihm aus der Hand gerutscht und auf dem Boden zersprungen. Ungläubig blickte er von der Pfütze zu seinen zitternden Gliedern. Mit der anderen Hand wollte er sie fest halten, doch auch hier gehorchten ihm die Finger nicht.

Er würde sich heute krank melden und ausruhen. Die private Feier, die er gestern Abend aufgrund seiner Heilung geschmissen hatte, war wohl ein wenig zu ausgelassen gewesen. Mit einer fahrigen Bewegung wischte er sich die Schweißtropfen von der Stirn und ließ sich auf das Sofa fallen.
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