Das Leben meiner Schwester

von Kazu22
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
24.01.2015
24.01.2015
19
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Die Nacht war herein gebrochen, die Wolken ließen dem Mondlicht kaum eine Chance das Land zu erhellen. Die Dunkelheit kam mir gelegen als ich den Vorsprung der Mauer entlang schlich. Ich richtete den blick auf mein Ziel - die Stallungen im Osten, ein schnelles Fortbewegungsmittel war der erste schritt meines Planes. Ich wollte raus, weg von hier, das war mein einziger Gedanke und ein schnelles Pferd konnte mir dabei behilflich sein. Erneut widersetzte ich mich meinem Gebieter der mich hier gefangen hielt und mir die Welt hinter der Mauer verwehrte. Niemals durfte ich die Festung verlassen doch wollte ich nur eins frei sein, ich sehnte mich nach der Freiheit und ertrug es nicht länger eingesperrt zu sein ohne je wieder Nosgoth ganze Schönheit zu sehen.

Seltsame träume quälten mich und ließen mich des öfteren schweißgebadet aufwachen. Feuer, schreie und kalte Augen begleiteten Nacht für Nacht meinen Schlaf. Mit der zeit in der das verlangen nach Freiheit wuchs nahmen auch meine Alpträume zu.

Flammen, überall waren Flammen und ich hörte schreie, Todesschreie aber... von wem...?
Eine dunkler Schatten erhob sich bedrohlich vor mir.
kalte, harte Augen voller Niedertracht blickten mit Verachtung auf mich herab, langsam kamen sie näher. Eine finstere lache und das blitzen von Stahl durchzog die Nacht.
Ein Schrei...

Diese Träumen knechteten meine Seele und warfen jeden Tag aufs neue frage auf, auf die ich wohl niemals eine Antwort erhalten würde. Mit ihnen war es das selbe wie mit Kain der mir ebenfalls nie eine Antwort darauf gab warum er mir die Freiheit versagte. Ich begriff das ich das eine nicht ohne das andere haben konnte. Ich wusste das ich niemals den Grund für meine Alpträume und niemals antworten auf meine fragen finden konnte wenn ich weiterhin in diesen Gefängnis dahin vegetiere. Irgendjemand da draußen musste mir helfen können antworten zu finden nach denen ich schon so lange suche.

Ich kam meinem Ziel immer näher, aufmerksam beobachtete ich die Umgebung und erarbeitete mir Details zu meinen noch rohen Fluchtplan. Seit meinem letzten flucht versuch hatte Kain die Wachen verstärken lassen. Ich ließ meinen Blick über den Hof schweifen, Melchiahime wachten auf der Mauer, Turelime patrouillierten durch die Gassen und die Kinder meines Bruders Rahab zogen ihre kreise im schwarzen Wasser des Burggrabens. Das Aufgebot an Wachen war riesig, Kain schien an alles gedacht zu haben zumindest glaubte er dies... denn ich fand einen kleinen Fehler in seinem System. Jeder Winkel des Heiligtums war gut bewacht außer dem Haupttor auf dessen Wehrgang nur zwei Melchiahime wache standen. Er rechnete wohl nicht damit das ich den Vordereingang nutzen würde, das war meine Chance. Lautlos ließ ich mich in die Gasse hinab gleiten die direkt zu den Ställen führte. Der weg dorthin schien frei und so machte ich mich auf den ersten Schritt meines Plans umzusetzen. An den Ställen angekommen nahm ich mir das erste Pferd was ich sah, ein muskulöser Aschgrauer Hengst mit schwarzer Mähne. Dieses anmutige Tier sah kräftig genug aus mich schnell, weit weg von hier zu bringen. Weg von diesem Gefängnis und seinem Wärter Kain der mir die Freiheit versagte aus welchen gründen auch immer. Ich sattelte den Grau falben, legte ihm Zaumzeug an und führte ihn ins freie in Richtung des Haupttores.

In sicherer Entfernung ließ ich das Tier stehen und beobachtete das Tor. Ich wusste das Nachts eine Wachablösung statt fand und die nächste stand kurz bevor. Das hieße, das ich bis zum Morgengrauen zeit hatte, bevor jemand bemerkte das ich geflohen war. Ich wartete ab und schlich mich dann zur Treppe die auf das Haupttor führte. Jetzt musste ich nur noch die Melchiahime ausschalten dann konnte ich das Tor öffnen und mein Weg wäre frei.

Leise bewegte ich mich die Treppe hinauf und schlich mich an den Melchiahim heran, immer wieder sah ich mich um um nicht plötzlich entdeckt zu werden. Die Luft war rein und so konnte ich mich daran machen die beiden außer Gefecht zu setzen. Mein Glück das sie dicht bei einander standen so verpasste ich den einem mit einem kräftigen Sprung einen Fußtritt gegen den Kopf und konnte mich gleich darauf von ihm abstoßen um auch dem anderen mit einem Tritt ins reich der Träume zu befördern. Ich duckte mich sogleich und warf einen schnellen blick in den Hof um sicher zu gehen das mich niemand gehört oder gesehen hatte. Doch alles war ruhig und so beeilte ich mich zum Rad zu gelangen welches das Tor öffnete denn wer weiß wie lange die beiden durch meine Attacke bewusstlos blieben und ich noch unentdeckt bleiben würde. Meine Hand zuckte kurz zurück als ich das hölzerne Rad in Bewegung setzen wollte. Es gab jedes mal ein lautes ächzen von sich sobald man es betätigte, dieses Geräusch würden die patrouillierenden Turelimer wahrnehmen und mir bliebe nur ein schmales Zeitfenster. Ich schaute erneut in den Hof, die Patrouillen marschierten immer in gleicher Reihenfolge durch den Hof, des öfteren hatte ich sie in den letzten Nächten von meinem Zimmerfenster aus beobachtet. Ich musste also abwarten bis alle Patrouillen am weitesten von meinem Standpunkt entfernt waren um so wenigstens ein paar Sekunden zu gewinnen. Diese Sekunden konnte über mein Erfolg oder mein scheitern bestimmen. So wartete ich bis alle Turelimer weit genug entfernt waren bevor ich mich daran machte das Tor zu öffnen.

Ich drehte an dem Rad und das Tor begann sich langsam zu heben. Ich vernahm schon den leisen Anflug von Verwirrtheit aus den Innenhof als ich das Rad in Bewegung setzte. Jetzt war eile geboten denn aus der ferne riefen die Melchiahim ihre außer Gefecht gesetzten Brüder während die Turelimer sich auf das Tor zu bewegten. Nach einigen Umdrehungen sah ich nach wie weit das Tor sich geöffnet hatte. Der Spalt reichte aus um hinaus zu gelangen, ich verkeilte das Rad und lief die Treppe hinunter und meiner baldige Freiheit entgegen. Noch bevor ich die Hälfte der Treppe hinter mich gebracht hatte schlug jemand Alarm. Ich warf den Kopf zur Seite und erblickte Kelan der oben auf dem Wehrgang unweit von mir entfernt stand. Er hatte mein verschwinden bemerkt und versetzte nun das gesamte Heiligtum in Aufregung. Ich sprang vom Treppenabsatz auf den Boden um so mehr zeit zu gewinnen und hastete zu meinem Pferd was immer noch in sicherer Entfernung stand. Aufgebracht vom Kelan´s Alarm betrat Kain den Altan seines Gemaches um zu sehen was da vor sich ging. Sein blick fuhr hinab in den Hof und verfolgte die Turelimer die eilig zum Haupttor liefen.

Die Zeit rann mir wie Sand durch die Finger, in dieser Situation kam mir der Weg zu meinem Pferd endlos vor doch erreichte ich endlich den Grau falben nach einer gefühlten Ewigkeit.
„Haltet sie auf!“ rief der Gebieter den Wachen zu die eiligst auf mich zu stürmten. Ich musste mich beeilen, ich schwang mich auf das Pferd und schlug meine Fersen in seine Flanken. Der Hengst stieß ein wiehern aus bevor er hastig los Galoppierte. Ich konnte sehen wie Kelan oben auf der Mauer auf das Drehrad zu lief. Ich spornte den Falben noch mehr an bevor Kelan das Rad erreichen konnte und mir meinen Fluchtweg zu nichte machte. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit, der Sieger war ungewiss denn es trennten uns jeweils nur einige Meter von unserem Ziel. Das Tor war in greifbarer nähe als ich das rasseln der Halterungsketten vernahm. Kelan hatte den Keil vom Rad entfernt welches nun zu Boden raste.
Ich weiß nicht ob es Mut oder einfach nur Irrsinn war was mich dazu trieb das Tier trotz der beinah aussichtslosen Lage anzutreiben. Ich presste mich gegen mein Reittier um nicht vom gewaltigen Eisentor niedergerissen zu werden, ein letzter verzweifelter versuch um doch noch dieser Hölle zu entkommen. Ich schloss die Augen und setzte all mein vertrauen in das Tier, entweder ich schaffte es oder ich würde von dem Tonnen schweren Tor aufgespießt werden. Mit einem donnernden knall schlug das Gitter auf den Boden, ein kurzer Augenblick in dem ich nichts fühlte weder die Bewegung des schnaufenden Pferdes noch meinen Herzschlag, nur die Angst. Schmerzen blieben aus und so öffnete ich meine Augen. Vor mir erblickte ich die Straße auf welcher der Falbe mich in die Freiheit führte, ich hatte es geschafft.
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