Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Busted

GeschichteHumor / P12
Lindsay Donner Professor Connor Doyle
24.01.2015
24.01.2015
1
4.835
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
24.01.2015 4.835
 
Titel: Busted
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Sue Thomas F.B.Eye
Pairing: Connor/ Lindsay, Jack/ Sue
Rating: 12
Kategorie: AU, Romance, Humor
Inhalt: Eines Nachts erhält Lindsay einen Anruf von Sue: „Wie viel Geld kannst du innerhalb von 24  Stunden beschaffen?“
Anmerkungen: Die Idee zu dieser Geschichte hatte ich, als eine Freundin in Urlaub fuhr und ich zu ihr sagte: „Bleib anständig… Zur Sicherheit spare ich aber schon einmal für eine Kaution, falls du im Gefängnis landen solltest.“
Allerdings ist Vorfreude doch immer noch die beste Freude, wenn ich an meinen Kapstadt- Trip denke :-)


Busted

Besorgt schaute Lindsay am Flughafen auf die digitale Tafel, welche ihren Abflug nach Kapstadt verkündete. Sie und Connor hatten ihre Koffer vor einer halben Stunde abgegeben, der Flug ging in drei Stunden. „Wir müssen noch eine Weile warten“, sagte Connor zu ihr, dann lächelte er, „Entspann dich.“
Lindsay wusste genau, worauf er hinauswollte: Er glaubte, sie litt unter Flugangst.
„Mir geht es gut“, versprach sie ihm. Das Problem war nicht, dass sie überhaupt fliegen musste, sondern was sie in Südafrika erwartete: Sue war mit Jack ebenfalls nach Kapstadt geflogen. Es war ein großer Zufall, dass die beiden sich das gleiche Reiseziel ausgesucht hatten, wie Connor und Lindsay. Noch seltsamer wurde es, als sie ihnen sagten, wann sie nach Südafrika reisten, denn auch dies kollidierte mit Connors und Lindsays Reise. Damals hatte Lindsay beschlossen, dass sie sich damit zufrieden geben müsste, in Kapstadt eventuell auf Jack und Sue zu treffen und sie tröstete sich damit, dass wenn sie und Connor ankamen, Jack und Sue in zwei Tagen wieder nach Hause fahren würden. Doch dann erreichte sie gestern Abend ein merkwürdiger Anruf: Es war schon weit nach Mitternacht, als das Telefon klingelte und Lindsay das Gespräch müde entgegennahm. Der Anrufer war Sue und sie klang sehr beunruhigt: „Wie viel Geld kannst du innerhalb von 24  Stunden beschaffen?“, fragte Sue.
Mit einem Male war Lindsay hellwach. „Was soll das heißen?“, wollte sie wissen, „Würdet ihr in Kapstadt von einem Rudel wilder Affen überfallen?“ In Lindsays Kopf kreisten Bilder einer wütenden Affenherde, die Jacks gesamtes Bargeld mitgenommen hatten. Sie kannte außerdem einige Freunde, die im Afrika- Urlaub im Hotel von wilden Affen ausgeraubt und um einige wichtige Medikamente erleichtert wurden.
„Nein“, sagte Sue, „Wir wurden verhaftet. Die Kaution, damit uns die Polizei wieder frei lässt, beträgt 10.000 südafrikanische Rand für jeden von uns. Bitte helft uns.“
Lindsay erzählte Connor am nächsten Morgen davon und da sie ohnehin in wenigen Stunden aufbrechen würden, beschlossen sie, sich vor Ort um die Angelegenheit zu kümmern. Insgeheim fragte Connor sich, was seine Freunde in Kapstadt angestellt hatten und es stand für ihn außer Frage, ihnen zu helfen, aber…

Eine Woche zuvor
Am Montag erhielt Lindsay die Nachricht, dass sie sich kurzfristig im Büro ihres Chefs melden sollte. Sue und Peter, ihre Arbeitskollegen schenkten ihr darauf hin ein T- Shirt, auf der eine große Eins aufgedruckt war. Sie winkten ihr sogar, als sie in den Aufzug stieg. Im Büro ihres Chefs angekommen, bot er ihr zuerst einen Kaffee an. „Lindsay, ich will nicht um den heißen Brei herumreden…“, meinte er.
„Ja, das ist auch gar nicht nötig. Ich habe gehört, dass unsere Abteilung neue Fördergelder erhält und…“
„Ich muss Sie leider entlassen.“
Es dauerte eine Sekunde, bis sie begriffen hatte, was das bedeutete. „Was?“
„Es tut mir leid, ich muss Sie entlassen.“
„Aber… Aber die Fördergelder…“
„Ja, die da oben wollen, dass wir Personalkosten einsparen“, ihr Chef sah an die Decke, „Aber wenn es Sie tröstet: Sie sind nicht die Einzige, die gehen muss.“ Tatsächlich empfand Lindsay dies als schwachen Trost. Sie fragte nach ihrer Kündigungsfrist und kehrte dann niedergeschlagen in das Büro zurück, welches sie sich mit Sue und Peter teile. „Und? Boss, wann besorgst du uns allen diese neuen Bürostühle mit integrierter Sitzheizung und Massagerückenlehne?“, wollte Peter wissen.
„Gar nicht. Ich wurde entlassen“, berichtete Lindsay. Dann erzählte sie ihnen, dass sie ihrem Chef gesagt hatte, er könne sie nicht entlassen, weil sie schon so lange dabei war. Ihr Chef argumentierte, dass die anderen beiden Kollegen noch länger hier arbeiteten, als sie. Peter und Sue erkundigten sich nach Lindsays letztem Arbeitstag und während es Lindsay schwer fiel, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, fragte sie sich, wie Connor wohl reagieren würde, wenn er es erfuhr.

Wie immer war er am Abend bereits zuhause, als Lindsay ihre Handtasche aufräumte. Sie war nach der Arbeit noch ein wenig einkaufen gegangen und stellte die Tüte mit den Lebensmitteln in die Küche. Connor war bereits am Kochen. Sie hatten die Regel, dass derjenige, der zuerst zuhause war, das Abendessen kochen musste. Connor suchte in der Plastiktüte nach den frischen Pilzen, die sie persönlich auf die Einkaufsliste gesetzt hatte.
„Pilze können wir uns jetzt nicht mehr leisten“, antwortete Lindsay und griff nach der geöffneten Sektflasche, die noch von gestern im Kühlschrank stand.
„Wie meinst du das?“
„Ich wurde heute zum Chef gerufen“, erzählte sie, „Alle dachten, man würde mich befördern. Stattdessen hat er mich gefeuert. Mein letzter Arbeitstag ist in einer Woche.“ Während sie heute noch im Büro mit ihrer Arbeit beschäftigt war, dachte sie darüber nach, was das für sie bedeutete: Sie und Connor würden Probleme haben, den Kredit zurückzuzahlen, den sie für ihre Hochzeit aufgenommen hatten. Vielleicht müssten sie sogar umziehen, wenn sich herausstellen sollte, dass sie  die Miete mit nur einem Gehalt nicht bezahlen konnten.
Während Lindsay ihren Sekt trank, erzählte sie Connor von dem Gespräch mit ihrem Chef in allen Einzelheiten und sie klang sehr besorgt. Beide aßen ihr Abendessen, danach setzte sich Lindsay mit einem Sektglas in der Hand an den Laptop, der auf Connors Schreibtisch im Wohnzimmer stand. „Was machst du?“, fragte er als er hinter sie trat um ihr das Glas abzunehmen.
„Ich muss Bewerbungen schreiben…“
„Du bist angetrunken. In diesem Zustand solltest du keine Bewerbungen schreiben“, er setzte sich auf die Armlehne der Couch und beobachtete, wie sie seufzend vor dem Computer zusammensank, „Hör zu, ich kann verstehen, dass du Kummer hast“, sagte er zu ihr, „Aber du darfst den Kopf nicht hängen lassen. Es wird alles wieder gut. Wenn sich eine Tür schließt, geht irgendwo ein Fenster auf.“
„Das hat Peter heute auch schon zweimal zu mir gesagt…“ Sie sah noch immer sehr niedergeschlagen aus, also stand Connor auf und umarmte sie.
„Ich habe das nicht verdient…“, jammerte sie.
„Ja, ich weiß.“ Connor war beinahe erleichtert, als sie den Computer herunterfahren ließ. Er bot an, ihr morgen bei den Bewerbungen zu helfen aber Lindsay lehnte ab.
„Wichtig ist, dass du jetzt nicht den Kopf in den Sand steckst“, empfahl Connor ihr, „Unsere Reise wird dir guttun.“
Ihre Flitterwochen in Kapstadt! Das hatte Lindsay völlig vergessen! Sie hatten nach der Hochzeit keine Zeit gehabt, die Flitterwochen sofort anzutreten, also mussten sie die Reise aufschieben.
„Denkst du wirklich, dass wir nach Kapstadt fliegen sollten? Wir können das Geld für Wichtigeres brauchen…“
Connor erklärte ihr, dass die Reise ohnehin bereits bezahlt war- Und er hatte keine Lust, auf den Stornokosten sitzen zu bleiben. „Jetzt ist es eben ein Urlaub zum Trost.“
„Wirklich?“, fragte sie und Connor nickte. Dann umarmte er sie erneut. „Ja, wir machen uns eine schöne Zeit und denken nicht mehr an unsere Probleme. Dazu ist noch genug Zeit, wenn wir gut erholt wiederkommen.“

In Kapstadt
Nach der Passkontrolle mussten Connor und Lindsay ihr Bargeld in die in Südafrika übliche Währung umtauschen. „Wie viel sind 10.000 südafrikanische Rand?“, fragte Lindsay, als eine Frau am Counter ihr Geld zählte.
Lindsay und Connor warfen gemeinsam einen Blick auf den Computerbildschirm der Frau. „Das sind nicht einmal 1.000 US- Dollar“, Connor war erleichtert. Wenn die Kaution für Jack und Sue insgesamt 20.000 Rand waren, dann mussten ihre Freunde weniger als 2.000 Dollar bezahlen. Connor und Lindsay konnte sich das noch leisten.
Die Dame schob ihnen ihr gesamtes Geld durch den Counter, insgesamt über 100.000 Rand und Lindsay steckte das Geld ein. Sie und Connor wussten nicht, warum Jack und Sue überhaupt von der südafrikanischen Polizei festgehalten wurden. Beide waren neugierig, was ihre Freunde angestellt hatten und so fuhren sie ohne Umwege zur Polizei. Lindsay war müde: Nachdem sie von Toronto nach Dubai geflogen waren, mussten sie und Connor eine Nacht in der Wüstenstadt verbringen, denn ihr Anbindungsflug nach Kapstadt hob erst am nächsten Morgen ab.
„Ich habe ihr gesagt, sie soll anständig bleiben“, erinnerte Lindsay sich, während sie und Connor in einem alten Taxi zur Polizeistelle in den Innenstadt fuhren, „Ich habe ihr vor ihrer Abreise gesagt, sie soll anständig bleiben, denn ich spare kein Geld für ihre Kaution…“ Dass ausgerechnet die brave und ehrliche Sue es geschafft hatte, mit ihrem Freund verhaftet zu werden, überraschte Lindsay.
Auf der Polizeistation redeten sie zuerst eine Weile mit dem Polizeichef, dann überreichten sie einem Anwalt die Kaution und Jack und Sue wurden frei gelassen. Die vergangenen 24 Stunden in dem Gefängnis hatten bei Sue Spuren hinterlassen: Sie sagte, sie wolle so schnell wie möglich ins Hotel zurück, duschen, sich umziehen und dann eine Mütze schlaf nehmen.
„Was habt ihr euch nur dabei gedacht?“, fragte Lindsay, als sie, Connor, Jack und Sie die Polizeistation verließen, „Hast du nicht zugehört, als ich vor eurer Abreise sagte…“
„Habt Spaß, passt auch euch auf, bleibt anständig und tut nichts, was ich nicht auch tun würde“, wiederholte Sue für Lindsay, „Dass wir verhaftet wurden, war ein Versehen. Wir sind sicherlich nicht nach Kapstadt gekommen mit der Absicht, uns verhaften zu lassen.“
„Zum Glück wurdet ihr wieder freigelassen“, sagte Connor zu Jack. Er konnte den spöttischen Unterton in seiner Stimme kaum verleugnen, denn er kannte niemanden, der es im Urlaub geschafft hatte, verhaftet zu werden.
„Ich konnte ja nicht wissen, dass es in Südafrika ein Gesetz gibt, welches jungen Leuten, die Badeanzüge tragen, verbieten, weniger als 20 Inches voneinander entfernt zu sitzen… Wahrscheinlich zählt man das hier zur Erregung öffentlichen Ärgernisses…“
„Ein Wunder, dass man euch noch zu der Kategorie „Junge Leute“ zählt“, meinte Connor.
„Wirklich lustig“, sagte Jack und sie stiegen gemeinsam in ein anderes Taxi.

Am nächsten Tag trafen sie sich ziemlich früh im Hotel. Heute war es unheimlich heiß. Sue fächerte sich bereits jetzt mit ihrem Reiseführer frische Luft zu.
„Wo ist Jack?“, fragte Connor, „Will er nicht mit zu unserem Ausflug kommen.“
„Jack hat einen fiesen Sonnenbrand“, erzählte Sue, „Er möchte heute im Hotel bleiben.“
„Da verpasst er aber was“, meinte Connor, dann sah er Lindsay und Sue unsicher an, „Oder wollt ihr, dass wir unseren Ausflug zum Tafelberg verschieben?“
„Nein“, antworteten Sue und Lindsay einstimmig.
„Ich habe Schmerzen“, sagte eine Stimme plötzlich zu ihnen, „Alleine dieses Hemd zu tragen verursacht unsägliche Schmerzen.“ Sie drehten sich um und sahen Jack, der mit feuerrotem Gesicht vor ihnen stand.
Connor wusste nicht, ob er lachen sollte, oder ob er es besser unterließ. „Sue hat nicht übertrieben“, stellte er fest, „Du siehst wirklich aus wie ein Hummer.“
Der Touristenbus kam pünktlich und sie fuhren zu einem Parkplatz, von dem aus sie den restlichen Weg bis zum Gipfel des Tafelbergs zu Fuß zurücklegen mussten. Sie genossen die Aussicht und die Sonne, als eine Person Lindsays Schulter berührte.
Sie drehte sich um und…
„Mom!“, rief sie erstaunt aus, „Mom, was machst du hier?“ Und wie sie feststellte, war ihr Vater ebenfalls hier.
„Das ist ein Zufall, was?“, rief Elie Donner amüsiert aus. Sie musste ihren Sonnenhut festhalten und ihre Bluse flatterte im Wind. Elie umarmte ihre Tochter.
Lindsay wusste nicht, ob sie geschockt sein oder sich freuen sollte. „Woher wusstet ihr, dass Connor und ich in Kapstadt sind?“, fragte sie.
„Oh, das wussten wir nicht, Liebes“, antwortete ihre Mutter, „Dein Vater und ich haben diese Reise schon lange geplant und nachdem wir in den vergangenen Jahren durch schwere Zeiten gegangen sind, du erinnerst dich?“
„Ja.“ Lindsay nickte. Natürlich erinnerte sie sich an die Krebserkrankung ihres Vaters.  Er hatte es einem Kampfgeist zu verdanken, dass er überhaupt noch am Leben war.
„Nachdem wir also schwere Zeiten durchgemacht haben, haben dein Vater und ich beschlossen, dass wir das Leben genießen sollten, solange wir noch können. Es könnte jeden Tag zu spät sein, verstehst du?“
„Ja.“ Wieder nickte Lindsay.
Zum Glück hatte Elie Donner jetzt Connor ihn der Menschenmenge entdeckt und ging zu ihm. Auch Connor war anfangs entsetzt, seine Schwiegereltern hier zu sehen. Lindsay konnte dies sehr gut nachvollziehen: Von allen Plätzen dieser Erde, musste Lindsay ausgerechnet in ihrem Urlaub auf ihre Eltern treffen…! Sie war froh, dass ihre Eltern offenbar mit einem anderen Touristenbus hergekommen waren. Das bedeutete, sie wohnten nicht im gleichen Hotel.
Mit Connor an ihrem linken Arm und Lindsays Dad an ihrem rechten Arm kam Elie Donner zu ihr zurück. „Schön, dass wir hier alle vereint sind“, meinte sie und zwinkerte, „Gibt es Neuigkeiten?“
„Welche Neuigkeiten soll es geben?“, fragte Lindsay ahnungslos zurück.
„Naja“, ihre Mutter schob sie mit den Ellenbogen an, „Was ist mit einem Baby?“
„Mom“, Lindsay rollte genervt mit den Augen (sie fasste es nicht, dass ihre Mutter offenbar an nichts anderes dachte) und Elie verstand sofort.
„Deine Cousine Claudia ist bereits mit ihrem zweiten Kind schwanger“, sagte Lindsays Mom.
„Claudia und ihr Mann sind auch schon seit fünf Jahren verheiratet“, Lindsay hasste es, wenn ihre Mutter dieses Baby- Thema ansprach, „Außerdem haben Connor und ich anderen Prioritäten: Wir wollen reisen und die Welt sehen.“ Sie beide fanden, dass sie noch lange genug Zeit hatten, ein Baby zu bekommen.
„Aber…!“
„Mom, ich will jetzt nicht mit dir reden“, sagte Lindsay ernst, „Und schon gar nicht darüber!“ Sie war froh, dass ihre Eltern den Touristenbus betraten und sie noch einen Moment nach frischer Luft schnappen konnte.
„Alles in Ordnung?“, fragte Sue, die ihre Unterhaltung verfolgt hatte.
„Ja“, Lindsay nickte und bemühte sich zu lachen, „Das ist der Grund, weshalb ich Familientreffen hasse: Denn seit Connor und ich ein Paar sind müssen wir uns ständig die Frage gefallen lassen, wann wir denn ein Baby bekommen… Ohne könnte man ja unmöglich glücklich sein…!“
„Keine Sorge“, sagte nun auch Connor zu ihr und legte einen Arm um Lindsays Schultern: „Morgen nehmen wir uns die Wine Route vor. Wenn wir Glück haben, treffen wir dort nicht auf deine Eltern und falls doch, sind wir so betrunken, dass wir es ohne Probleme und mit einem Grinsen im Gesicht überstehen.“
„Danke“, Lindsay bemühte sich, zu lächeln. Dann stiegen sie zu dritt- Lindsay, Sue und Connor- ebenfalls in den Touristenbus ein.

Sie hatten verabredet, sich heute Abend zum Abendessen zu treffen und eigentlich war Sue davon ausgegangen, dass Lindsays Eltern in einem anderen Hotel wohnten. Sie staunte, als sie beim Betreten des Restaurants Elie Donner und ihren Mann an einem Tisch sitzen sah. Sofort machte sie auf dem Absatz kehrt und ergriff jeweils seinen Arm von Connor und Jack. „Gott sei Dank ist Lindsay nicht da“, sagte sie erleichtert. Sie drehte sich noch einmal um und sah jetzt, dass Elie Donner sie gesehen hatte. Sie winkte ihnen. Auf Elies Teller und auf dem Teller ihres Mannes lag jeweils ein feuerroter Hummer mit einem Berg Kartoffelbrei.
„Das ist eure Aufgabe, Jungs“, Sue schob sie ins Restaurant zurück, „Geht und findet heraus, ob die beiden ebenfalls in diesem Hotel wohnen.“
„Was wirst du in der Zwischenzeit machen?“
„Ich werde versuchen, Lindsay aus ihrem Zimmer zu holen. Ihre Eltern werden Fragen stellen wenn sie nicht zum Essen kommt.“

Sue betrat entschlossen das Zimmer im dritten Stock, in dem Connor und Lindsay wohnten. „Wie lange möchtest du noch in deinem Zimmer bleiben?“, wollte sie von Lindsay wissen, als diese sich weigerte, aus dem Zimmer zu kommen. Damit Sue überhaupt wusste, was ihre Freundin sagte, ging sie vor ihr auf und ab.
„Weiß nicht“, murmelte sie, „Bis meine Eltern die Stadt verlassen haben?“
„Nein, das geht nicht“, beschwerte sich Sue und setzte sich neben sie, „Ich möchte nicht voreilig sein, aber deine Eltern wohnen wahrscheinlich im gleichen Hotel.“
„Woher weißt du das?“, fragte Lindsay.
„Deine Mom und dein Dad sitzen im Restaurant und jeder von ihnen verspeist einen Hummer“, erzählte Sue, „Andererseits ist das Hotel für seine gute Küche berühmt… Es könnte demnach sein, dass sie nur zufällig hier sind. Ich habe Connor und Jack darauf angesetzt, es herauszufinden.“
Lindsay nickte.
„Trotzdem werden Sie fragen stellen, wenn du nicht zum Essen erscheinst. Du weißt, wie Eltern sind: Sie vermuten dahinter gleich eine Ehekriese.“ Als Sue das sagte, erinnerte sie sich an die Vorweihnachtszeit im vergangenen Jahr: Sie hatte Jack nicht nach Minnesota zu seinen Eltern begleitet, weil sie eine schreckliche Grippe hatte und am nächsten Tag rief seine Mutter an und bat sie, die Situation genau zu überdenken. Dabei lag Sue wirklich krank im Bett und es gab kein Problem zwischen ihr und Jack. Sie hatte ihm sogar empfohlen, wegen ihr nicht den Besuch bei seinen Eltern zu verpassen.
„Außerdem: Was kann denn so schlimm sein, dass du deinen Eltern aus dem Weg gehst…?“
„Die ewige Babyfrage“, berichtete Lindsay.
„Naja, Connor, Jack und ich stehen dir bei. Ignoriere ihre Beschwerden einfach… Jack und ich fahren morgen Abend nach Hause. Du und Connor habt noch eine Woche und du musst davon ausgehen, dass du deiner Mutter in Kapstadt noch mehrfach über den Weg läufst“, Sue lächelte und Lindsay sah ein, dass sie recht hatte. Sie ging zu ihrem Schrank und holte ein schönes Sommerkleid hervor, als aus dem Badezimmer nebenan ein polterndes Geräusch kam. Lindsay ergriff Sues Arm und zerrte sie mit sich zur Badezimmertür. Als sie in den Raum schauten, sahen sie, dass ein Affe auf der geschlossenen Toilette hockte und in Lindsays Kulturbeutel kramte.
„Was…?“
Der Affe ergriff eine Packung Tabletten und fing an, die Medikamente zu verputzen.
„Nicht!“, rief Lindsay, doch der Affe sprang mit einem Satz zu dem kleinen Fenster und rettete sich daraus auf die meterhohe Palme, durch die er heraufgeklettert war. So etwas war Lindsay auch noch nie passiert! Noch nie hatte ein Affe sie ausgeraubt!

Connor und Jack hatten eigentlich gehofft, sie könnten Elie Donner und ihren Mann wieder loswerden, doch kaum waren sie an ihren Tisch gekommen, hatte Elie den Kellner angehalten, ihnen noch vier weitere Stühle zu bringen. Sie mussten sich von den beiden allerhand Fragen gefallen lassen und als sie Lindsay und Sue am Eingang des Restaurants sahen, entschuldigten sie sich für einen Moment.
„Kann dein Schwiegervater dich leiden?“, fragte Jack auf dem Weg zum Eingang. Die Art, wie Connor und Lindsays Dad miteinander redeten, hatte ihn stutzig gemacht.
„Denke schon“, antwortete Connor, „Warum fragst du?“
„Ich glaube, Sues Dad kann mich nicht leiden: Bei unserem letzten Treffen hat er mich ziemlich merkwürdig angesehen und er hat kein einziges Wort mit mir geredet…“
„Das ist ganz normal“, beruhigte Connor ihn, „Väter haben mit den Männern an der Seite ihrer Töchter immer Probleme. Der König ist tot, lang lebe der König.“
Jack legte die Stirn in Falten. „Was?“
„Damit wollte ich ausdrücken, dass Sues Dad dich für den Grund hält, warum er bei seiner Tochter nicht mehr die Nummer Eins ist.“
Sie sahen, dass Sue es geschafft hatte, Lindsay doch zu einem Abendessen zu überreden. „Worüber sprecht ihr?“, wollte Sue wissen.
„Männerprobleme“, antwortete Jack.
„Wunderbar“, sagte Lindsay, „Ich wurde soeben von einem Affen ausgeraubt: Er hat sämtliche Medikamente mitgehen lassen.“
Connor legte die Stirn in Falten. „Heißt das, der Affe war in unserem Zimmer.“
„Ja“, Lindsay nickte und sah zu ihren Eltern. „Wohnen meine Eltern im gleichen Hotel?“, wollte sie dann wissen.
„Nein, sie wohnen im Cape Diamond Inn“, erklärte Connor und er konnte sehen, dass Lindsay erleichtert ausatmete, „Aber sie haben schon wieder gefragt, ob….“ Er begann, mit den Augen zu zucken und Lindsay verstand sofort. Sie nickte vielsagend und sie alle drehten sich zu Elie um, die noch immer mit ihrem Mann am Tisch saß, einen Hummer verspeiste und ihnen erneut zuwinkte.
„Ich kann das nicht“, sagte Lindsay.
„Doch, du kannst“, Connor ergriff ihren Arm und führte sie zu dem Tisch.
„Lindsay, Liebes“, sagte ihre Mutter zur Begrüßung, „Wir haben soeben darüber gesprochen, wie schön es wäre, wenn…“
„Mom, sag es nicht“, bat sie.
„Du weißt doch gar nicht, was ich sagen wollte“, Elie Donner lächelte und jeder am Tisch konnte sehen, dass Lindsay erleichtert ausatmete, „Ich wollte natürlich sagen, dass es schön wäre, wenn du und Connor hier in Kapstadt mein Enkelkind auf den Weg bringt.“
„MOM!“, rief sie. Der Kellner war soeben an den Tisch gekommen und fragte sie, was sie haben wollten, aber Lindsay schickte ihn davon. Sie warf die kunstvoll gefaltete Serviette auf den Tisch und stand auf.
„Was hat sie denn?“, fragte Elie Donner verwundert, als Lindsay aus dem Restaurant stürmte.
„Sie verstehen es wohl nie“, murmelte Sue und Jack war erstaunt, dass sie so mit Lindsays Eltern umging, „Ich rede mit ihr.“
„Nein, ich mache das“, sagte Elie.
„Ich bin ihre beste Freundin“, erwiderte Sue, „
„Das glaubst du vielleicht“, meinte Jack.
„Sie haben außerdem schon genug Schaden angerichtet.“
„Und ich bin Ihre Mutter…“
„Und ich ihr Mann… Also sollte ich mit ihr reden.“ Connor war ihnen allen zuvorgekommen und stand auf. Er folgte Lindsay aus dem Restaurant und holte sie draußen vor dem Eingang des Hotels wieder ein. „Geht es dir gut?“, fragte Connor.
„Nein, es geht mir NICHT gut!“, rief Lindsay und dann entschuldigte sie sich, weil sie ihn angeschrien hatte. Sie umarmte Connor und in diesem Moment kam Elie Donner ebenfalls aus dem Hotel. „…Elie, nun lass Lindsay doch für eine Sekunde alleine“, versuchte Lindsays Dad sie aufzuhalten, aber es war zwecklos. Sie ergriff Lindsays Gesicht und drückte ihre Wangen fest.
„Lindsay, Liebes, rede mit mir. Was ist los? Warum sprichst du nicht mit mir?“
Sie sah ein, dass sie ihrer Mutter reinen Wein einschenken musste, sonst würde sie hier in Kapstadt niemals Ruhe haben. „Ich wurde entlassen…“
„Aber warum hast du das denn nicht gleich gesagt?“
„Weil ich nicht wollte, dass du dir irgendwelche Sorgen machst. Connor und ich schaffen das, okay? Das ist ein Problem, mit dem wir fertig werden.“
„Das habe ich nie angezweifelt…“
„Doch, hast du“, antwortete Lindsay, „Ich kann es in deinem Gesicht sehen. Deine einzige Sorge ist, dass du…“, sie machte eine Pause, „Ach, vergiss es.“ Sie griff Connors Hand und ging mit ihm davon, irgendwie wusste sie, dass ihre Mutter genau verstanden hat, worauf sie hinaus wollte. Sie würden ein anderes Mal darüber reden.

Weil Sue und Jack am nächsten Tag am späten Abend nach Dubai flogen, hatten Connor und Lindsay beschlossen, es ihren Freunden gleich zu tun und so buchten sie am Flughafen ihren Rückflug in fünf Tagen um. Ihren Eltern hatten sie von dieser „Flucht“ aus Kapstadt nichts gesagt: Elie und Lindsays Dad würden es bei Gelegenheit selbst herausfinden, dass sie nicht mehr in der Stadt waren.
„Mein Gott, wir haben es nicht einmal eine Woche lang in Kapstadt ausgehalten“, stellte Lindsay fest.
„Ja, zum Glück konnten wir umbuchen.“
„Ich freue mich sehr auf den Rückflug“, sagte Sue, „Jack und ich müssen in Dubai zwischenlanden und wir wollen dann noch zwei Tage dort bleiben. Wir haben sogar schon eine Todo- Liste gemacht.“ Das machten sie immer, wenn sie verreisten: Vorher überlegten sie sich, was sie gerne sehen und unternehmen wollten. Diesmal hatte Sue sich sogar lange im Voraus überlegt, was sie in Dubai anziehen wollte, denn aufreizende, enge oder durchsichtige Kleidung war für Frauen verboten.
„Kann ich die Liste sehen?“, fragte Lindsay. Sie und Connor würden auf ihrem Rückflug ebenfalls in Dubai zwischenlanden müssen.
„Sicher.“ Sue überreichte ihr das Papier und Lindsay las: „Ein Foto vom Burj al Arab machen, die Füße in den Persischen Golf tauchen, eine Tasse bei Starbucks kaufen (falls es Starbucks gibt), Mom eine Postkarte schicken.“
„Naja, ich bin jedenfalls froh, dass wir nicht im Gefängnis gelandet sind“, sagte Connor. Ihr Flug wurde ausgerufen und sie mussten zum Gate gehen.

Der Flieger landete pünktlich in Dubai und an ihrem ersten Tag in der Stadt unternahmen Connor, Lindsay, Sue und Jack einen Ausflug zum Strand und besuchten am Nachmittag die Mall of the Emirates, ein großes Kaufhaus, in dem es auch eine Skihalle gab. An ihrem zweiten Tag in Dubai unternahmen sie eine Stadtrundfahrt und am Abend sonderten sie sich von der Touristengruppe ab, als sie über einen Markt gingen. Mittlerweile hatten sie fast alle Dinge erledigt, die auf Sues To Do- Liste für Dubai standen.
„Im Reiseführer steht, dass solche Märkte beliebt sind für einheimische Produkte“, sagte Sue und blätterte in dem kleinen Buch, „Aber hier steht auch, man soll sich vor Verkäufern hüten, die gefälschte Markenprodukte anbieten.“ Sie hob den Kopf. Während sie ging und las, führte Jack sie durch die Menschenmenge. Aber Sue bemerkte nun, dass etwas nicht stimmte.
„Wo ist Lindsay?“, fragte sie.
„Sie kauft eine Tasche“, antwortete Connor und zeigte auf seine Frau, die einen Stand betrat und von einer einheimischen Frau hineingeführt wurde.
„Das ist…!“, rief Sue, „Ihr nach!“ Sie folgten Lindsay in den Stand. Zwischen den Taschen und Kleidungsstücken war es überraschend kühl, denn draußen brannte die Sonne vom Himmel und es war unerträglich heiß.
Lindsay begutachtete soeben eine blaue Handtasche mit einem goldenen Emblem, welches aus drei Buchstaben bestand. Sue war überzeugt, dass es sich um eine Fälschung handelte. Sie war kein Experte, aber sie glaubte nicht daran, dass man diverse berühmte Handtaschen für so wenig Geld und noch dazu auf einem arabischen Basar kaufen konnte. Ein Mann bot ihr eine Louis Vuitton- Handtasche an und weil sie die arabische Sprache nicht beherrschte, verstand Sue kein Wort. Sie drehte sich erschrocken von dem Mann weg.
„Lindsay, lass uns gehen“, sagte Sue, „Ich bin überzeugt, das ist gefälschte Ware.“
„Das weiß ich“, antwortete Lindsay, „Kennst du meine Freundin Sara? Sie war im letzten Jahr hier und hat eine ganze Taschenkollektion für umgerechnet 300 Dollar gekauft.“
Sue glaubte nicht, was Lindsay sagte. Sie sah, dass einer der Verkäufer eine Waffe an seinem Gürtel trug und ihr wurde noch mulmiger, als es ohnehin schon war.
„Lass uns gehen, Bitte“, bettelte Sue und es wunderte sie, dass Connor und Jack nichts dagegen sagten, doch als sie sich umdrehte, wusste sie warum: Die beiden Männer begutachteten eine Vitrine mit Rolex- Uhren. Sie dachte, dass das unmöglich wahr sein konnte, aber sie war froh, als sie mit ihren Freunden endlich den Stand verließ.
„Ich kann nicht glauben, was ich da drin gesehen habe!“, schimpfte Sue.
„Beruhige dich, man wird ja wohl zumindest darüber nachdenken dürfen.“ Jack war zum Beschweren aufgelegt. Er genehmigte sich einen Kaugummi und sie suchten nach ihrer Touristengruppe.
Sie fuhren mit dem Bus zum Burj Kalifa, dem momentan höchsten Bauwerk der Erde. Dort stiegen sie aus, bewunderten die Wasserspiele und trennten sich dann erneut von ihrer Gruppe, um ein wenig die Gegend zu erkunden.
Jack wollte seinen Kaugummi loswerden (er schmeckte nicht mehr) und weil er keinen Mülleimer sah, spukte er ihn in einem unbeobachteten Moment auf den Boden. Sue sah ihn aber trotzdem.
„Was hast du gemacht?“, fragte sie entsetzt.
„Ich wollte meinen Kaugummi loswerden“, antwortete Jack. Sue war sicher, dass es dafür auch in Dubai Mülleimer gab. Ihre Freunde bemerkten einen Aufruhr, den Jacks Kaugummi verursachte und sofort waren sie von einer Gruppe Polizisten umringt, die zufällig in der Gegend waren. Einer der Polizisten zeigte ihnen ihren Ausweis und fragte auf Englisch nach ihren Ausweisen. Als Jack ihm seine Papiere zeigte, ergänzte der Polizist: „Sie sind verhaftet.“
„Was?“, fragte Jack.
„Aber das können Sie nicht machen!“, rief Sue, obwohl sie im Reiseführer gelesen hatte, dass der Polizist dies sehr wohl tun konnte. Wahrscheinlich wartete jetzt eine Geldstrafe auf Jack.
Sue stürzte zu Jack, und weil der Polizist sich und seine Kollegen in Gefahr sah, wurde auch Sue verhaftet. Connor und Lindsay wollten helfen, doch da klickten auch bei ihnen die Handschellen. Sie wurden von den Polizisten sogleich abgeführt.

Zuhause in Kanada klingelte Peters Telefon. Weil niemand zuhause war, nahm der Anrufbeantworter das Gespräch entgegen: „Peter, hier ist Lindsay“, sagte die Stimme auf dem Band. Peter betrat in diesem Moment seine Wohnung und lauschte. „Kannst du bitte 2.000 Dollar nach Dubai schicken? Connor und ich wurden verhaftet und wir müssen eine Geldstrafe wegen Ruhestörung bezahlen. Wir dürfen die Stadt erst verlassen, wenn das Geld überwiesen ist.“ Sie hinterließ ihm noch die Telefonnummer, unter der man einen Ansprechpartner erreichen konnte und legte dann auf. Dann klingelte das Telefon erneut und weil Peter es nicht schaffte, das Gespräch entgegen zu nehmen, kümmerte sich der Anrufbeantworter erneut darum.
„Hallo Peter, hier ist Sue. Wie viel Geld kannst du innerhalb von 24 Stunden besorgen? Ich frage nur, weil Jack und ich in Dubai verhaftet wurden weil er einen Kaugummi auf die Straße gespuckt hat und es wäre sehr schön, wenn du unsere Kaution per Western Union schicken könntest. Für uns beide fallen 2.000 Dollar Kaution an. Ich hinterlasse dir noch eine Telefonnummer. Solltest du Fragen haben, kannst du uns dort erreichen. Danke und wir sehen uns.“ Sue sprach die gleiche Telefonnummer wie zuvor Lindsay aufs Band und legte dann auf.
Peter wusste nicht, was er davon halten sollte. Doch als er seine Ersparnisse prüfte, sagte er zu Levi, auf den er für Jack und Sue während ihrer Reise aufpasste: „Levi, ich gehe mir einen besser bezahlten Job  suchen. Ich wusste, dass es irgendwann auf uns beide hinauslaufen wird.“

Fin
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast