Eddie Angsthorn - Sommerliebe

GeschichteKrimi, Romanze / P18
21.01.2015
21.01.2015
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Einen Sommer lang Zeit für uns haben. Einfach mal abschalten, dem Alltag entfliehen, keine Termine wahrnehmen oder Verpflichtungen einhalten müssen. Entspannen und die gemeinsame Zeit genießen. Das war alles, was wir wollten. Wir wollten unbeschwert zusammen sein, unsere heimlichen Träume und Fantasien ausleben. Aber dass sich alles anders entwickelte, damit hatten wir nicht gerechnet. Dass uns etwas derart brutales und hinterlistiges widerfahren würde.
Aber alles der Reihe nach: Mein Freund Dave und ich sind nun schon fast drei Jahre lang ein Pärchen. Als er mir damals seine Liebe gestanden hat, war ich zwar zuerst etwas durcheinander, habe aber schließlich erkannt, dass auch ich mehr für ihn empfinde als nur Freundschaft. Vor allem nach der bitteren Enttäuschung, die ich damals erlebt habe, tat es gut, jemanden zum Reden zu haben. Jemanden, der einen versteht. Anfangs hatte ich zwar Bedenken, eine feste Beziehung mit ihm einzugehen, schließlich waren wir seit Jahren beste Freunde gewesen – und mit einem Schlag war Liebe daraus geworden. Ich zweifelte nicht an meinen Gefühlen für ihn, denn ich wusste, dass auch ich ihn über alles liebte. Vielmehr hatte ich Zweifel daran, ob unsere Persönlichkeiten zusammenpassen würden. Ich war immer schon der ordentliche Typ gewesen, musste alles stets säuberlich und gewissenhaft erledigen. Dave dagegen war schon immer etwas chaotisch. Er konnte sich zwar schnell für eine Sache begeistern, verlor aber meist genauso schnell wieder das Interesse daran. Ich überlegte, ob ich den Rest meines Lebens damit verbringen wollte, hinter ihm herzuräumen und mich um ihn zu kümmern. Aber schließlich sagte ich mir, dass zu einer ehrlichen Beziehung auch gehört, die Fehler des anderen zu akzeptieren. Außerdem waren meine Gefühle für ihn stärker als meine Zweifel, die zwar in jeglicher Hinsicht berechtigt, aber kein Grund dafür waren, es nicht mit ihm zu versuchen. Nach zwei Monaten habe ich mich dann schließlich dazu durchgerungen, ihm einen Heiratsantrag zu machen. Dafür musste ich mir reichlich was einfallen lassen, damit Dave nichts mitbekam. Ich liebe ihn sehr, wirklich. Aber manchmal treibt er mich zum Wahnsinn, weil er ständig seine Nase in Dinge stecken muss, die ihn nichts angehen. Sicher kann man erahnen, wie verflixt kompliziert es war, den mit dem Heiratsantrag verbundenen Verlobungsring vor seiner neugierigen Nase zu verstecken. Aber sei es wie es sei, der Antrag ist mir gut gelungen, Dave hat nichts mitbekommen, bis zu dem Abend im Park, als ich ihm schließlich die entscheidende Frage stellte. Natürlich hat er sofort ja gesagt und ist vor lauter Glück in Tränen ausgebrochen.
Kaum zu glauben, dass das alles nun schon zwei Jahre her ist. Es kommt mir vor, als hätten wir erst gestern zusammen vorm Altar gestanden und uns das Ja-Wort gegeben. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wunderschön er in seinem Smoking ausgesehen hat. Fast wie ein Engel. Ich dagegen glich vielmehr einer Opernsängerin als einer Braut. Ja, ich habe im Brautkleid geheiratet. Dave hat damals darauf bestanden. Und ich muss sagen, es war ein schönes Erlebnis. Zwar war es anfangs etwas ungewohnt für mich, Frauenkleider zu tragen, aber ich habe mich relativ schnell damit zurechtgefunden. Seitdem trage ich auch zu Hause gern Hauskleider oder ziehe zum Ausgehen mal ein Abendkleid an. Irgendwie gefällt es mir sehr, den weiblichen Part in unserer Beziehung zu übernehmen und ich schäme mich auch nicht dafür. Klar gibt es den ein oder anderen aufgeschreckten und verwirrten Blick, wenn ich das Restaurant im Abendkleid und mit Make-Up im Gesicht betrete. Aber das stört mich nicht im geringsten. Ich bin selbstbewusst genug, den irritierten Blicken der Leute einfach auszuweichen oder sie zu ignorieren. Alles was für mich zählt ist, dass es meinem Dave gefällt. Und solange Dave mich schön findet, können den anderen von mir aus die Augen aus dem Kopf fallen. Das ist mir dann auch egal.
Meinen Job im Kauf & Horte habe ich übrigens auch aufgegeben, denn Dave hat kurz nach unserer Hochzeit ein beträchtliches Vermögen von einem entfernten Verwandten geerbt. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich eines Tages von der Arbeit nach Hause kam und er mir die Neuigkeit erzählt hat. Sicher, ein freudiger Anlass war es nicht, schließlich bedeutet die Tatsache, dass man etwas erbt immer, dass ein Familienmitglied verstorben ist. Aber das heißt doch nicht, dass man sich nicht darüber freuen kann, eine große Summe Geld zu erben, ohne gleich als kaltherzig zu gelten, oder? Jedenfalls, um es auf den Punkt zu bringen, hat Daves Großonkel David ihm ein Vermögen im Wert von 25,8 Millionen Dollar hinterlassen. Anfangs konnte ich es gar nicht glauben und dachte, dass Dave mich wieder mal auf den Arm nimmt, was er hin und wieder gerne tut. Aber als ich das Schreiben dann selbst gelesen habe, wäre ich fast umgekippt. Nachdem wir alles erbrechtliche geklärt hatten, haben Dave und ich uns einen unserer Lebensträume erfüllt: Ein eigenes Ferienhaus. Dave und ich schwärmten schon lange davon, endlich ein Ferienhaus zu haben, in das wir uns den Sommer über zurückziehen konnten, ohne von lästigen Anrufen und ungebetenen Gästen terrorisiert zu werden. Und mit einem Schlag hatte sich dieser Traum plötzlich erfüllt. Dave und ich haben lange Zeit nach einem passenden Ferienhaus gesucht und sind schließlich fündig geworden: Eine kleine, beschauliche Villa am Meer, in der wir unseren Sommer verbringen konnten.
Ich konnte ja nicht ahnen, dass mit dem Kauf dieser Villa ein wahrer Albtraum für uns beginnen sollte, den wir so schnell nicht vergessen würden.
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