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Geschwister sind...

von Merli
GeschichteFamilie / P12 / Gen
Amerika Deutschland Kanada Preussen Russland Schweiz
20.01.2015
09.09.2017
40
33.629
7
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Dieses Kapitel
1 Review
 
27.02.2016 814
 
Geschwister sind verfressen.


1.

Das Erste was Matthew sah, war das Alfred in seiner Wohnung stand und einen Jogurt aus seinem Kühlschrank aß. Erst mal wusste Matthew nicht, wie sein Bruder überhaupt in seine Wohnung gekommen war, zweitens hatte der Penner kein Hallo gesagt, als er unter der Dusche stand und drittens...seinen Jogurt?

"Du bist ein riesiges Arschloch, weißt du das?", seufzte er schlussendlich nur kopfschüttelnd, als Alfred ihn grinsend ansah.

"Schöne Wohnung", kommentierte dieser dann auch schlussendlich, immer noch mit dem Löffeln in der Hand. "Gefällt mir."

"Mir auch, besonders wenn ich jetzt was zu essen hätte. Aber das hast du gerade erfolgreich vernichtet. Vielen Dank auch."

"Gern geschehen."


2.

"Ich glaube ich habe zugenommen", sagte Vash verwirrt zu sich selber, als über seinen Bauch strich. "Wieso fällt mir so etwas überhaupt auf? Und warum?"

Immer noch unschlüssig befühlte er sein Gesicht, ob sich da Fett angesammelt hatte, und fragte sich, ob er eitel geworden war. Aber gut, er hatte die letzten Wochen schon mehr süß zu sich genommen als sonst und na ja, das Training war auch das eine oder andere Mal auf der Strecke geblieben.

Sollte er sich Sorgen machen? Als er anfing, an der Haut an seinen Armen zu ziehen, um zu prüfen wie weich diese schon waren, hörte er wie sein Name gerufen wurde.
Sich noch mal einen letzten Blick zuwerfend, machte er sich innerlich die Notiz, seine kleine Schwester vom Backen fernzuhalten. Wenn es so weiterging mit ihren leckeren Törtchen, dann würde er in einem halben Jahr aufgegangen sein wie ein Hefekuchen.


3.

Ludwig saß mit verschränkten Armen am Küchentisch und starrte sauer auf seinen leeren Teller. "Ich habe keinen Hunger", stellte er zum gefühlten sechsten Mal fest und hoffte, dass diese Nachricht endlich ankam.

Man, er wurde gestern von seiner Freundin verlassen- ihm war schlecht und er fühlte sich nur müde. Durfte er sich nicht einfach in Ruhe in Selbstmitleid wälzen und das alles vergessen?
Und nicht am Küchentisch sitzen, wo sein großer Bruder ihn zwang Essen in sich hineinzustopfen? Bier würde er ja zu gerne trinken- aber er war ja angeblich noch zu jung dafür.
Was verstand Gilbert denn überhaupt? Er hatte sich bestimmt noch nie so elend gefühlt.

"Oh doch, den hast du", sagte Gilbert streng aus der Küche. "Fünf Minuten, ein Teller und dann kannst du dich gerne wieder bis morgen früh in deinem Zimmer verkriechen. Deal?"

"Nein", fauchte Ludwig nur und starrte säuerlich auf den riesigen Topf, den sein Bruder gerade auf dem Tisch stellte. "Was ist das?"

"Ach, jetzt auf einmal neugierig", äffte sein großer Bruder ihn an, hob dann aber schlussendlich den Deckel und ein ihm sehr bekannter Duft durchströmte den Raum.

"Sauerkrauteintopf?", fragte Ludwig überrascht und er hörte, wie sein Magen anfing zu grummeln, "Das ist mein Lieblingsessen."

Gilbert grinste nur zufrieden und gab ihm eine Portion auf seinen Teller. "Als ob ich das nicht wüsste. Guten Appetit."


4.

"Hey, Onkel Pevro kommt uns am Wochenende besuchen", sagte Natasha, als sie das Wohnzimmer betrat, in dem ihre anderen beiden Geschwister auf dem Sofa lesend saßen. "Mama sagt, wir sollen uns um Essen kümmern. Irgendwelche Vorschläge?"

"Wer kocht?", fragt Ivan daraufhin nur und sah seine zwei Schwestern fragend an, "Ich bin der Kerl hier, ich falle da ja raus."

"Fauler Hund", zischte Katyusha nur und stieß Ivan in die Seite. "Das, was du kochen nennst und was kochen ist, sind auch zwei ganz verschiedene Kategorien. Dann wirst du einkaufen gehen müssen. Keine Widerrede."


Ivan wollte wieder seinen Mund öffnen, wahrscheinlich um zu sagen, dass das auch nur eine Frauensache sei, aber Natasha sah ihn strahlend an:" Beim Einkaufen helfe ich dir gerne, Ivan."

Kurz sah Ivan gequält aus, seine kleine Schwester konnte in der Öffentlichkeit ganz schön anstrengend sein, aber das hatte er sich nun selbst eingebrockt. Und sie meinte es ja auch nur gut. Hoffentlich.

"Das ist eine gute Idee", lächelte Katyusha, als sie ihr Buch schloss. "Ich hol dann mal ein Kochbuch, sonst gibt es nur wieder dasselbe. Ein bisschen Kreativität wäre ja mal nicht verkehrt."

Die anderen Beiden nickten nur neutral, wobei sich sowohl Natasha als auch Ivan dachten, dass es so wieso auf das Gleiche hinauslaufen würde. Dafür schmeckte es ihnen einfach zu gut und zu dritt waren sie viel zu ungeschickt, um etwas Gescheites zu kochen.
Es war ja kein Geheimnis, dass ihre Mutter momentan weniger als angetan war von ihrem Bruder.

Also schickte sie halt ihre drei Kinder zur Front, wenn es kein Ausweichen mehr gab.
Auch in der eigenen Familie musste man wissen, wie man passiv aggressiv jemanden in den Wahnsinn trieb.
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